Sonnenastrild

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Sonnenastrild
Männlicher Sonnenastrild

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Gattung: Sonnenastrilde (Neochmia)
Art: Sonnenastrild
Wissenschaftlicher Name
Neochmia phaeton
Hombron & Jacquinot, 1841

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Sonnenastrild (Neochmia phaeton), auch als Sonnenamadine bekannt, zählt innerhalb der Familie der Prachtfinken (Estrildidae) zur Gattung der Sonnenastrilde (Neochmia). Die englische Bezeichnung des Sonnenastrild lautet Crimson Finch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Sonnenastrild erreicht eine Körperlänge von etwa 12 bis 14 Zentimeter. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht ein deutlicher farblicher Dimorphismus. Beim adulten Männchen sind die Stirn, die Oberfläche des Kopfes und der Nacken dunkelgrau gefärbt. Der hintere Teil des Halses sowie seitlich des Nackens sind von brauner oder von olivebrauner Tönung. Der Rücken, die oberen Partien des Rückens, die Schulterfedern sowie die Flügeldecken sind rot bis karmesinrot gefärbt, die die braune oder graubraune Grundfärbung verdecken und nur bei abgenutzten Federn sichtbar sind. Die durchschnittlichen Deckfedern sind oft brauner als der Rest der Flügel. Die Flugfedern sind mit einem Saum versehen und enden in eine bleigraue bis karmesinrote Färbung. Im Bereich der Schultern sind die Federn in der Färbung identisch, aber sie sind mit einer breiteren karmesinroten Befransung versehen. Der niedrigere Teil des Rückens ist gräulich gefärbt und erstreckt sich bis zur rötlichen Tönung des langen Schwanzes. Des weiteren erkennt man einige stufenförmige und keilförmige braune Flecken an den äußeren Steuerfedern des Schwanzes. Das Kinn, die Kehle, die Brust, der Bauch sowie die Flanken bilden eine dunkle karmesinrote bis rote Einheit, die mit kleinen weißlichen Punkten vereinzelt seitlich am Bauch und an den Flanken bedeckt ist. Der niedrigere Teil des Unterleibes und die Unterseite des Schwanzes weisen eine schwärzliche Färbung auf. Im Gegensatz zur Größe des Körpers ist der Schnabel verhältnismäßig kurz und dick und an der Basis stark verbreitert sowie leicht konvex. Der Schnabel selbst weist eine wachsrote bis rosarote Färbung auf. Die Basis der unteren Schnabelhälfte ist graubläulich und ist seitlich am Schnabel mit kleinen weißlichen Punkten versehen. Die Iris der Augen weist eine braune oder orangebraune Tönung auf und um das Auge zeigt sich ein orangegelber Orbitalring. Die Extremitäten sind gelblich geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorne zeigen. Die Zehen weisen eine gelbbraune bis rotbraune Färbung auf.

Männlicher Sonnenastrild
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Männlicher Sonnenastrild

Das adulte Weibchen weist eine graue Stirn, einen grauen Scheitel, einen grauen Nacken und einen nuancierten abgestuften, weitgehend imprägnierten grauen oder braunen Rücken mit rötlich gefärbten Schulterfedern und Flügeldecken auf. Die Flugfedern und die Federn im Bereich der Schultern sind mit den Federn des graubraunen Männchens identisch, aber in der Färbung etwas intensiver. Der Steiß, die Oberdeckenflügel und der Schwanz ähneln stark jenen des Männchens, aber der Schwanz ist in seiner Tönung brauner und erstreckt sich nicht wie bei dem Männchen bis zum rötlich gefärbten Teil des Schwanzes. Die Zügel, der untere Bereich des Auges, die Ohrdecken, das Kinn, die Kehle und die Seiten des Halses sind rötlich gefärbt, aber erscheinen insgesamt etwas blasser als bei dem Männchen. Die Brust, der Bauch und die Flanken weisen eine blassere graue Tönung auf und der obere Teil der Brust ist manchmal vereinzelt mit kleinen roten Punkten besetzt, während der niedrigere Teil der Brust und die Flanken mit kleinen weißen Punkten bedeckt sind. Die Unterschwanzfedern sind grau und mit einer gelbbraunen Tönung leicht abgestuft. Der Schnabel des Weibchens ist mit dem Schnabel des Männchens identisch. Der Ruf setzt sich aus einer Reihe von lebhaften "tsiii-tsiii-tsiii-tsiii-tsiii" zusammen und endet in einer Reihe von "chi-chi-chi". Der Gesang des Sonnenastrild besteht ebenfalls aus einer Serie von tief klingenden Vermerken und einem knarrenden "ra-ra, ra-ra, riiii" und endet in dreifachen absteigenden melodischen Vermerken.

Lebensweise

Die Sonnenastrilde leben in Paaren, in Familiengruppen oder in aus mehreren Familien bestehenden Verbänden oft in Assoziation mit den Bronzemännchen (Lonchura), insbesondere mit der Schwarzkopfnonne (Lonchura atricapilla) oder mit der Weißscheitelnonne (Lonchura nevermanni). Aber man findet die Sonnenastrilde ebenfalls in Gesellschaft mit anderen Astrildarten. Mit wippendem Schwanz sind die Sonnenastrilde ständig in Bewegung auf Nahrungssuche. Sie sind nicht besonders scheu und man kann sich leicht den Vögeln nähern. Wenn sie sich bedroht fühlen, dann fliegen sie sofort in Richtung der Bäume. Ihr Flug ist ziemlich kurz und sie können keine langen Distanzen zurücklegen. Diese Vögel ziehen es eher vor, in kurzen Abständen von Baum zu Baum zu fliegen.

Weiblicher Sonnenastrild
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Weiblicher Sonnenastrild

Unterarten

Verbreitung

In einigen Regionen in der Provinz Irian Jaya Barat sowie im indonesischen Teil Neu-Guineas besucht der Sonnenastrild häufig die Reisfelder, die Plantagen sowie die Gärten, wo er vielleicht Stellen aufsucht, um Nahrung zu finden. Es sind hier die drei rezenten Unterarten zu erwähnen:

Die Nominatform Neochmia phaeton phaeton, deren Verbreitungsgebiet im Norden von Australien und im Delta des Fitzroy Rivers liegt und in Richtung Osten durch das Territorium des Nordens bis zum Golf von Carpentaria und erstreckt sich bis in die Region Rockhampton, die in Zentral-Queensland liegt und Rockhampton, Fitzroy, Livingstone und Mount Morgan Shires mit einschließt. Die Unterart Neochmia phaeton iredalei kann im Norden der Halbinsel Cap York beobachtet werden und die Unterart Neochmia phaeton evangelinae findet man im Süden von Neu-Guinea, auf der Yos-Sudarso-Insel (Frederik-Hendrik-Insel) bis zu den Flüssen Fly und Oriomo, die in Papua-Neuguinea liegen und bis zum See Daviumbu, der ebenfalls in Papua-Neuguinea liegt sowie bis in den nördlichen Teil des Flusses Murray.

Männlicher Sonnenastrild
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Männlicher Sonnenastrild

Der Sonnenastrild besucht die tropischen Sümpfe oder die Regionen, die nahe am Wasser liegen und mit hohen Gräsern bewachsen sind. Des weiteren besiedelt der Sonnenastrild die Bambuswälder, die Palmenwälder und die Regionen mit dichter Vegetation. In Neu-Guinea findet man den Sonnenastrild in den bewaldeten Savannen mit hohen Gräsern. Im Laufe der letzten Jahre hält sich der Sonnenastrild im Norden von Australien vermehrt in den Dörfern auf und man kann ihn innerhalb der Bauernhöfe oder am Rand kultivierter Landschaften beobachten.

Ernährung

Der Sonnenastrild sucht die hohen Gräser auf, an denen er sich hängend festklammert, um so besser an seine Nahrung heranzukommen. Er ernährt sich ebenfalls am Boden, wo er die Samen aufpickt, die herabgefallen sind. Er erbeutet auch Termiten (Isoptera) im Flug, jedoch setzt sich seine Nahrung hauptsächlich aus grasartigen Samen zusammen. Gelegentlich jagt der Sonnenastrild auch kleine Spinnentiere (Arachnida).

Fortpflanzung

Weiblicher Sonnenastrild
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Weiblicher Sonnenastrild

Die Paarungszeit und die Brutsaison erfolgen im Norden von Januar bis April und im Süden von September bis April. Das Nest wird im allgemeinen in einem Palmenbaum angelegt und setzt sich aus Rinde, Blättern und Gräsern zusammen. Das Innere des Nestes ist mit feinen Federn ausgepolstert. Wie bei den zahlreichen Astrildarten, so weist das Nest des Sonnenastrilds ebenfalls ein kuppelförmiges Konstrukt auf, das aber keinen Eingangstunnel besitzt. Nur das Männchen sammelt die pflanzlichen Materialien für das Nest. Aber gemeinsam teilen sich beide Partner die Aufgaben beim Nestbau, bei der Inkubation und bei der Versorgung der Jungvögel. Bei dieser Art ist die Balz ziemlich komplex und ausgefeilt, wie es im übrigen der Fall bei der Mehrzahl der Körnerfresser ist. Das Männchen trägt in seinem Schnabel einen Grashalm und plustert dabei seine Federn auf. Er nimmt eine horizontale Haltung ein und setzt sich neben seine Partnerin, die sich ebenso verhält. Haben beide Partner diese Position eingenommen, dann spannt das Männchen seinen Hals und seinen Schwanz in Richtung der Partnerin und umgekehrt. Das Männchen singt und beginnt einen rhythmisierten Tanz, der dann letztendlich zu einer Kopulation führt. Das Gelege besteht aus fünf bis acht weißlich gefärbten Eiern, deren Inkubation zwischen zwölf und vierzehn Tagen variiert. Die Jungvögel verlassen innerhalb von 21 Tagen das Nest, aber bis sie ihre Selbständigkeit erreicht haben, werden sie noch von dem Männchen und von dem Weibchen vier Wochen lang mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Die Jungvögel erreichen die Geschlechtsreife im Alter von neun Monaten, allerdings ist die Mehrzahl der Vögel aber erst im zweiten Jahr voll entwickelt, um wirklich produktiv zu werden.

Gefährdung und Schutz

Der Sonnenastrild gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 100.000 bis 1.000.000 Quadratkilometern. Der Sonnenastrild ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Sonnenastrild selten oder spärlich vor (Clement, 1999). In der Roten Liste der IUCN wird der Sonnenastrild als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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