Silberreiher

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Silberreiher
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Tagreiher (Ardeinae)
Gattung: Casmerodius
Art: Silberreiher
Wissenschaftlicher Name
Casmerodius albus
Linnaeus, 1758

Der Silberreiher (Casmerodius albus) zählt innerhalb der Familie der Reiher (Ardeidae) zur Gattung Casmerodius. Der Silberreiher wird im Handbook of the Birds of the World als Egretta alba geführt. Sibley & Monroe (1996) führen die Art auch als Ardea alba.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Silberreiher erreicht eine Höhe von bis zu 100 Zentimeter, eine Flügelspannweite von gut 150 Zentimeter sowie ein Gewicht von 950 bis 1.200 Gramm. Weibchen bleiben im Schnitt ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Der Schnabel ist sehr lang und gelblich gefärbt. Das Gefieder ist rein weiß. Die langen Extremitäten weisen eine graue bis dunkelgraue Färbung auf. Die eleganten Vögel sind exzellente Flieger. Im Flug halten Silberreiher ihren Kopf in typischer S-Form. Silberreiher sind vor allem während der Paarungszeit territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen. Ansonsten sind sie durchaus gesellige Vögel, die meist in größeren Gruppen anzutreffen sind. Silberreiher sind tagaktiv und gehen bis in die Dämmerung hinein auf Nahrungssuche. Die Nacht verbringen die Vögel in Gesellschaft von Artgenossen auf Schlafbäumen. In den meisten Verbreitungsgebieten sind Silberreiher Zugvögel, die im Herbst in den Süden ziehen. Dabei gehen sie zumeist in größeren Schwärmen auf Reisen. Den Gruppen schließen sich auch die Jungvögel an.

Unterarten

Verbreitung

Der Silberreiher ist in weiten Teilen der gemäßigten und subtropischen Welt verbreitet. Er ist insbesondere in Nordamerika, Europa, Afrika und Asien weit verbreitet. Die Tiere leben in ausgedehnten Sümpfen, an Seen und großen Teichen sowie in Überschwemmungsgebieten. Silberreiher sind sowohl am Frischgewässer als auch am Brachgewässer in Küstennähe anzutreffen.

Prädatoren

Adulte Silberreiher haben aufgrund ihrer Größe nur wenige Feinde. Allenfalls Füchse und größere Katzen können ihnen gefährlich werden. Deutlich gefährdeter sind die Gelege und die nicht flugfähigen Jungvögel. Sie werden insbesondere von Raben und Krähen, Geiern und Waschbären gefressen.

Schutz und Bedrohung

Das 18. und 19. Jahrhundert war durch die starke Bejagung der Silberreiher geprägt. Insbesondere die Federn waren für die Hutindustrie von Interesse. Aber bereits Anfang des 19. Jahrhundert wurde der Silberreiher in einigen Verbreitungsgebieten unter Schutz gestellt. Heute sind die Bestände nicht mehr akut vom Aussterben bedroht. Sie werden zudem nicht mehr bejagt. Allerdings stellt heute die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere die Trockenlegung von Sumpfgebieten die größte Bedrohung dar. Auch die Wasser- und Luftverschmutzung sowie die allgemeine Umweltverschmutzung stellen die Art vor große Probleme. Die Verschmutzung der Gewässer mit Pestiziden und Quecksilber hat insbesondere eine dünnere Eischale zur Folge. Viele Eier gehen dabei schon vor dem Schlupf der Küken zu Bruch.

Nahrung

Silberreiher ernähren sich hauptsächlich von kleinen Fischen, Fröschen, Krebstieren, Insekten aller Art und deren Larven sowie gelegentlich von kleinen Reptilien wie Echsen und Schlangen. Selten werden auch Mäuse und ähnliche kleine Säugetiere erbeutet. Der Silberreiher watet langsam durch das Flachwasser oder über Feuchtwiesen und hält Ausschau nach potentieller Beute. Ist eine Beutetier erspäht, so schnappen Silberreiher mit ihrem langen Schnabel blitzschnell zu. In ihrem Lebensraum stehen sie in Nahrungskonkurrenz zu anderen großen Reiherarten.

Fortpflanzung

Der Silberreiher erreicht die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Meist kommt es aber erst mit zwei Jahren zu einer ersten Brut. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten Mitte oder Ende April. Je nach Verbreitungsgebiet kann es zu einer oder zwei Bruten kommen. Die Geschlechter führen eine monogame Saisonehe. Silberreiher nisten in Kolonien, die sich in der Regel in Sumpfgebieten oder an Seen befinden. Die Nester sind eine einfache runde Form, die aus Ästchen und Reisig besteht. Das Weibchen legt drei bis vier Eier, die eine leicht grünliche bis bläuliche Färbung aufweisen. Das Brutgeschäft wird von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von 23 bis 24 Tagen übernommen. Bei einem Gelegeverlust kommt es meist zu einem kleineren Nachgelege. Auch um die Versorgung mit Nahrung kümmern sich beide Partner. Die Jungvögel wachsen ausgesprochen schnell und sind bereits mit rund 22 bis 25 Tagen flügge. Ein Silberreiher kann in Freiheit ein Alter von gut 15 Jahren erreichen. In Gefangenschaft ist eine Lebenserwartung von über 20 Jahren möglich.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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