Sekretär

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Sekretär

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Sekretäre (Sagittariidae)
Gattung: Sekretäre (Sagittarius)
Art: Sekretär
Wissenschaftlicher Name
Sagittarius serpentarius
(Miller, 1779)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Sekretär (Sagittarius serpentarius), auch unter den Synonymen Astur secretarius, Falco serpentarius, Gypogeranus africanus, Gypogeranus serpentarius, Otis secretarius und Ophiotheres cristatus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Sekretäre (Sagittariidae) zur Gattung der Sekretäre (Sagittarius). Im Englischen wird der Sekretär secretarybird oder secretary bird genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Sekretär erreicht eine Körperlänge von etwa 112,0 bis 152,0 Zentimeter bei einer Höhe von etwa 90,0 bis 130,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 191,0 bis 220,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt 2,3 bis 4,4 Kilogramm. Der Schwanz weist eine Länge von etwa 57,0 bis 85,0 Zentimeter auf. Der Sekretär hat einen adlerähnlichen Kopf mit einem hakenförmigen Schnabel, aber weist abgerundete Flügel auf. Das Gefieder ist grau, die Schwanzfedern, Flügelspitzen und die Beine oberhalb des Kniegelenkes sind schwarz. Am Hinterkopf befinden sich lange Haubenfedern, die bei Erregung oder Gefahr aufgestellt werden. Die Beine sind für einen Greifvogel sehr lang und kräftig und sind rosafarben gefärbt. Die Füße weisen zum Schutz vor Giftschlangen Hornplatten auf. Das Gesicht ist rund um Schnabel und Augen federlos und rötlich gefärbt. Bei den Jungen ist die Gesichtshaut eher gelblich getönt. Die Geschlechter ähneln einander und weisen nur einen minimalen Dimorphismus auf. Die Männchen haben längere Kopffedern und Schwanzfedern. Des Weiteren sind die Weibchen etwas größer als die Männchen. Aus der Ferne oder im Flug ähnelt der Sekretär mehr Kranich (Gruidae) als einem Greifvogel. Der Schwanz besteht aus zwei langgestreckten zentralen Federn, die über die Füße während des Fluges hinausragen. Ferner weist der Sekretär einen hinteren Kamm auf, der lang und flach befiedert ist. Die Schwungfedern und die Schenkel sind schwarz gezeichnet, während der überwiegende Teil der Unterschwanzdecken grau gefärbt ist und der Rest eine weiße Färbung aufweist.

Lebensweise

Sekretär
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Sekretär

Durch den ganzen Bau und Habitus sowie seine eigentümliche Lebensart stellt der Sekretär einen besonderen Vogel dar, der weit über Afrika verbreitet ist. Im nordöstlichen Teil dieses Kontinents ist der Sekretär offenbar ein Zugvogel, den man im Küstenland von Abessinien, in Takah, Tigrié und Amhara, Senar, Kordofan und der südlichen Bajuda-Steppe, in Habesch bis auf 3.000 Meter Meereshöhe beobachten kann. Einzeln und paarweise stellt er sich mit den ersten Sommerregen ein, brütet im Juli und August und zieht wieder mit Beginn der grossen Trockenheit im Dezember und Januar. Selbst noch im Februar und März kann man den Sekretär am Blauen Nil beobachten. Der Sekretär hält sich nur in der Steppe und anf feuchten Wiesen auf, besucht auch kahle Weideflächen und selbst Büschelmaisfelder, liebt ziemlich ebenes Terrain mit Hochgras und Buschwald, meidet dagegen die Umgebung von höheren Bäumen. Wie Strauß, Trappe und Wüstenläufer ist auch der Sekretär ein echter Steppenvogel, der nur selten niedrig und schlecht fliegt, aber sein Jagdgebiet meist zu Fuß durcheilt. Namentlich schön sind Gang und Haltung des Schicksalsvogels, wie ihn die Araber nennen. Aufrecht, den Hals und Kopf hoch tragend und gleichmäßig vor- und rückwärts bewegend, seltener rascher trippelnd, gewöhnlich aber gemessenen Ganges durchschweift er nach Beute spähend kilometerweit das Flachland. Nur auf diese Weise kann man den Sekretär seine Nahrung suchend beobachten. Diese besteht in Säugetieren, jungen Wüstenvögeln, Schildkröten, Eidechsen und Schlangen, welche zumeist durch Fußschläge getötet werden, die der Vogel mit Geschicklichkeit und Kraft anzubringen versteht. Dabei springt er zuweilen in die Höhe und verteidigt sich mit den Flügeln, die er während des Laufens nicht zu öffnen pflegt. Gewöhnlich ist der Sekretär ziemlich scheu. Glaubt er sich verfolgt, so sucht er laufend immer etwa gleiche Distanz mit seinem Feind zu halten und freies, buschloses Terrain zu gewinnen, oder er geht auf, streicht einige tausend Schritte weit, fällt im dichten Hochgras wieder ein und flüchtet gedeckt, wo möglich in anderer Richtung, noch ein Stück weit. Der große Horst steht in der Steppe auf Büschen und niedrigen Bäumen und enthält im September zwei bis drei Junge, welche wie die jungen Fischreiher lange Zeit auf den Tarsen sitzen und erst nach mehr als 4 Monaten vollkommen flugfähig werden. Die Jungen können ungeheure Brocken an Nahrung auf einmal verschlingen, während die Alten ihre Beute oft mit den Füßen halten und stückweise mit dem Schnabel zerfleischen.

Verbreitung

Sekretär - Flugstudie
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Sekretär - Flugstudie

Laut der Roten Liste der IUCN tritt der Sekretär in Afrika südlich der Sahara sowie südlich von Mauretanien auf. Der Sekretär weist ein sehr großes Verbreitungsgebiet auf, darunter zählen Senegal, Gambia, Nord-Guinea, Süd-Mali, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Süd-Niger, Tschad, Sudan, Nord-Nigeria, Kamerun, Zentralafrikanischen Republik, Äthiopien, Nord-West-Somalia, Süd- und Ost-Kongo, Uganda, Kenia, Tansania, Angola, Sambia, Malawi, Mosambik und Südafrika. Ein schneller Rückgang wurde in den späten 1990er Jahren und in den Jahren von 1987 bis 1991 und in den Jahren von 2007 bis 2010 in Südafrika beobachtet. Der Sekretär bewohnt die Wiesen, die offenen Ebenen sowie die leicht bewaldeten Savannen, aber er wird auch in landwirtschaftlichen Gebieten und in der Sub-Wüste gefunden. Der Sekretär verzehrt eine Vielzahl von Beutetieren, vor allem Insekten und Nagetiere sowie Eidechsen, Schlangen, Eier, junge Vögel und Amphibien. Das Brüten erfolgt das ganze Jahr über und die Art nistet in der Regel in einer abgeflachten Akazie oder anderen dornigen Bäumen, wo der Sekretär einen flachen Horst anlegen kann.

Ernährung

Der Sekretär ist weitgehend terrestrisch, jagt seine Beute zu Fuß und andere Beutetiere. Er ist der einzige Greifvogel, der so jagt. Erwachsene jagen zu zweit und manchmal auch als lockere familiäre Gruppe und staken mit langen Schritten durch den Lebensraum. Zum Beutespektrum zählen unter anderem Insekten, Säugetiere in der Größe von Mäusen, Hasen und Mungos, Krebstiere, Eidechsen, Schlangen, Schildkröten, Jungvögel, Vogeleier und manchmal auch tote Tiere, die der Sekretär im Gras findet oder von Buschbränden getötet wurden. Größere Pflanzenfresser bejagt der Sekretär in der Regel nicht, obwohl einige Bereichte darauf hindeuten, dass der Sekretär auch junge Gazellen tötet. Die Bedeutung der Schlangen in der Ernährung wurde in der Vergangenheit ziemlich übertrieben, obwohl der Sekretär lokal wichtige und giftige Arten wie Nattern und Kobras regelmäßig erbeutet.
Sekretär
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Die Beute wird häufig mit den Füßen totgetrampelt. Häufig wartet der Sekretär in der Nähe von Buschbränden, wo er die flüchtenden Insekten fängt. Kleinere Beutetiere werden bewußtlose getrampelt und dann geschluckt. Größere und gefährliche Beutetiere, wie Giftschlangen werden stattdessen betäubt oder der Vogel springt auf den Rücken und versucht den Hals oder den Rücken zu greifen. Auch größere Beutetiere werden in der Regel im Ganzen geschluckt. Gelegentlich zerkleinert der Sekretär auch seine Beute mit den Füßen bevor er sie konsumiert. Die Jungvögel werden mit hochgewürgter verflüssigter Nahrung, wie zum Beispiel Insekten, gefüttert. Später werden kleine Säugetiere und Reptilien-Fragmente im Nest erbrochen, die die Jungvögel dann schon selbständig aufnehmen.

Fortpflanzung

Der Sekretär assoziiert in monogamen Paaren. Während der Balz zeigen sie eine eheliche Anzeige durch Höhenflug mit wellenförmigen Flugmustern und mit kehligem Krächzen. Männchnen und Weibchen jagen sich gegenseitig, ähnlich, wenn sie eine Beute verfolgen. Die Vögel halten sich meist am Boden auf, auch wenn einige auf Akazien zu beobachten sind. Meist bleiben die Paare noch einige Zeit zusammen, auch wenn die Jungvögel schon den Familienverband verlassen haben. Der Horst wird auf flachen Akazien-Bäumen angelegt. Sowohl das Männchen als auch das Weibchen besuchen die Nistplätze schon ein halbes Jahr vor der Eiablage. Der Horst ist etwa 2,5 Meter breit und etwa 30,0 Zentimeter tief und besteht meist aus Reisig. Das Weibchen legt zwei bis drei ovale, hellgrüne Eier im Laufe von zwei bis drei Tagen. Das dritte Ei ist meist unbefruchtet. Die Eier werden vor allem von dem Weibchen 45 Tage lang bebrütet bis das letzte Junge geschlüpft ist. Unter den Jungen besteht ein sogenannter Bruderkrieg. Es gibt jedoch widersprüchliche Meinungen zu diesem Phänomen, das auch "Kainismus" genannt wird. Auch das unter den Geschwistern Aggressionen bestehen, ist bis jetzt noch nicht bewiesen. Jedoch kann es vorkommen, dass das jüngste Geschwister verhungert. In Anbetracht dessen, dass die Eltern jede Stunde und dies 17 Tage lang nach der Inkubation reichlich Nahrung für die Jungen herbeischaffen müssen, hat das letzte Junge, das zuletzt geschlüpft ist, die geringste Chance zu überleben.
Sekretäre
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Insgesamt werden die Jungen 40 Tage lang von den Eltern gefüttert. Nach etwa 60 Tagen beginnen die Jungvögel mit den Flügeln zu schlagen nach etwa 65 bis 80 Tagen sind die Jugendlichen flügge. Den Boden erreichen die Jungvögel durch einen Sprung aus dem Nest. Danach wird den Jungvögel von den Eltern das Jagen auf dem Boden beigebracht und sind dann bald unabhängig von ihren Eltern.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Sekretär aufgrund der Zerstörung von Lebensräumen, menschlicher Störungen, Jagd und illegaler Fang für die Handel gefährdet. Insgesamt erfährt die Population eine raschen Rückgang. Obwohl der Sekretär in einem breiten Spektrum vorkommt, ist die Dichte der Gesamtpopulation nicht größer als eine fünfstellige Zahl. Die Art könnte aus der Entwaldung profitieren, jedoch überwiegen die negativen Auswirkungen des Anbaus und der Ausbreitung der Urbanisierung die positiven Effekte. Die exzessive Verbrennung von Grünland können die Populationen der Beutetiere stark reduzieren. Auch die intensive Beweidung von Vieh zerstört ebenfalls den Lebensraum. Ferner ist die Art bzw. sind die Brutplätze durch menschliche Störungen, zum Beispiel Hirten, gefährdet. Eine große Gefahr ist der Handel, wobei unbekannt ist, wie viele Vögel in der Gefangenschaft und im Transit sterben. Die direkte Jagd und der Nestraub und die wahllose Vergiftung an Wasserstellen sind ebenfalls eine potentielle Bedrohung. Diese vom Menschen verursachten Bedrohungen können die Auswirkungen von schweren Dürren in einigen Bereichen noch verschlimmern. Der Sekretär tritt in einer Reihe von Nationalparks und anderen Schutzgebieten in seiner ganzen Reichweite auf. Um den Sekretär vor dem Aussterben zu bewahren sollten umfassende Monitoring-Programme eingeführt werden. In Gebieten, wo die Art stark rückläufig ist, muß das Bewußtsein der lokalen Bevölkerung, besonders der Viehhalter, geschult werden. Überwachung und Bekämpfung des Handels mit der Art sind unbedingt erforderlich.

Sekretär - Flugstudie
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Sekretär - Flugstudie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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