Seefrosch

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Seefrosch
Junger Seefrosch

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Überfamilie: Echte Frösche und Verwandte (Ranoidea)
Familie: Echte Frösche (Ranidae)
Gattung: Echte Frösche (Rana)
Art: Seefrosch
Wissenschaftlicher Name
Rana ridibunda
Pallas, 1771

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Seefrosch (Rana ridibunda) zählt innerhalb der Familie der Echten Frösche (Ranidae) zur Gattung der Echten Frösche (Rana). Im Englischen wird der Seefrosch Eurasian Marsh Frog genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Weibchen erreichen bis 14 Zentimeter und die Männchen bis 12 Zentimeter Länge (noch größere Tiere sind ganz seltene Ausnahmen). Sie sind damit neben der Erdkröte (Bufo bufo) die größten europäischen Froschlurche. Der Körper ist von robuster Gestalt und die Schnauze ist zugespitzt. Das Trommelfell ist deutlich sichtbar. Ihre Oberseite ist oliv-bräunlich, in Südosteuropa nicht selten graubraun oder auch grasgrün mit meist größeren, dunkelbraunen, unregelmäßig geformten Pigmentflecken. Die helle Unterseite ist überwiegend grau oder schwärzlich marmoriert. Keine Gelbfärbung an den Oberschenkeln. Die Hinterbeine sind lang (bei angewinkelter Sitzhaltung überlappen sich die beiden Unterschenkel). Der Fersenhöcker (Metatarsalhöcker) ist flach und klein mit deutlich verschobenem Hochpunkt, die erste Zehe und der Unterschenkel sind relativ lang. Der Quotient aus Kopf-Rumpf-Länge: Unterschenkellänge ist kleiner 2,0, der Quotient aus Zehenlänge: Fersenhöckerlänge größer 2,5 und der Quotient aus Unterschenkellänge: Fersenhöckerlänge größer 8,5. Die Füße sind mit großen Schwimmhäuten versehen. Die Männchen besitzen ausstülpbare graue bis schwärzliche Schallblasen und zur Paarungszeit graue bis schwärzliche Daumenschwielen. Die Haut ist warzig und rauh. Drüsenleiste vom hinteren Augenrand über das Trommelfell bis in die Lendenregion verlaufend. Die fortpflanzungsbereiten Männchen finden sich zur Paarungszeit zu Rufgruppen zusammen, innerhalb deren sie auch lokomotorisch sehr aktiv sind. Neben lautstarken Einzelrufen (Revier-, Befreiungs- und Alarmrufe) äußern sie als Paarungsrufe keckernde Rufserien ä-ä-ä-ä-ä mit im Mittel etwa 10 Tönen (Impulsgruppen) pro Sekunde. Dauer der Paarungsrufe 0,5 bis 1,7 Sekunden. Dauer und Intensität der Chorkonzerte schwanken je nach Jahreszeit und Witterung sehr stark.
Seefrosch - Männchen
vergrößern
Seefrosch - Männchen
Höchste Rufaktivität in Mitteleuropa im Mai und Juni. Im Juli und August sind die Tiere kaum zu hören, jedoch regelmäßig wieder im September. Die Larven werden 9 Zentimeter lang und weisen eine graugrüne Färbung auf. Meist leben sie in tieferen Gewässerbereichen. Die Larven des Seefrosches sind kaum von den anderen Grünfroschformen zu unterscheiden.

Lebensweise

Seefrösche halten sich immer in oder an Gewässern auf und entfernen sich in der Regel nur auf Sprungweite von diesen. Nur in regnerischen, feuchtwarmen Nächten überkommt sie der Wandertrieb, und sie verlassen ihr Laichgewässer, um neue Lebensräume zu erschließen. Sie setzen sich gern in die pralle Sonne, sind aber auch während der Dämmerung und nachts aktiv. In Mitteleuropa verlassen die Seefrösche ihr unter Wurzeln von Ufergehölzen, in Uferhöhlungen oder im Bodenschlamm der Gewässer gelegenes Winterquartier gewöhnlich im April und pflanzen sich während der ersten Schönwetterperioden im Mai (Wassertemperatur mindestens 15 Grad Celsius) fort. Seltener kommt es schon im April oder erst im Juni zur Laichablage. Aufgrund der guten Tarnfärbung übersieht man die Tiere leicht, wenn sie tagsüber am Ufer oder au Blättern von Wasserpflanzen wie Teichrosenblätter sitzen und sich sonnen. Erst wenn sich der Beobachter bereits stark angenähert hat, verraten sich der Frösche durch den typischen Plumps ins Wasser.

Verbreitung

Seefrosch - Tümpel
vergrößern
Seefrosch - Tümpel

Der Seefrosch besiedelt ein riesiges Areal vom Rhein im Westen bis zu den baltischen Staaten im Norden, dem Oberlauf des Ural-Flusses und des Ili im Osten und bis auf die Arabische Halbinsel im Süden. In Frankreich sind größere isolierte Vorkommen, ebenso in der Schweiz. Im Süden Englands ist der Seefrosch angesiedelt. In Ostdeutschland bevorzugt der Seefrosch die Altarme von Flüssen sowie Seen und Weiher in den Urstromtälern und fehlt hier in den Mittelgebirgen, aber auch im größten Teil Mecklenburgs. Auf dem Balkan und im Kaukasusgebiet ist er ökologisch wesentlich anpassungsfähiger. Er bewohnt dort auch kleine und temporäre Wasseransammlungen und die Gebirge bis 2.500 Meter über NN.Im deutschsprachigen Raum ist der Seefrosch vor allem ein Bewohner der Ebene. Er besiedelt dort vornehmlich Altwässer und pflanzenreiche Partien trägströmender Flüsse mit sonnenexponierten Ufern. Gelegentlich lebt er auch an Seen, insbesondere, wenn sie mit Flüssen in Verbindung stehen, denn die Ausbreitung der Art erfolgt vorzugsweise auf dem Wasserweg. Oft werden auch die Kaulquappen mit der Setzlingsbrut für Fischteiche verschleppt.

Ernährung

Zu seinem Nahrungsspektrum gehören unter anderem Insekten (Insecta), Spinnentiere (Arachnida), Würmer und auch kleinere Froschlurche (Anura). Die Kaulquappen des Seefrosches filtrieren Kieselalgen (Bacillariophyta), Grünalgen, Rädertierchen (Rotatoria), tierische Einzeller sowie Detritus (zerfallene organische Substanz). Später schaben sie auch weiche Wasserpflanzenteilchen ab. Bei älteren Exemplaren nimmt aber auch der Anteil tierischer Nahrung zu wie Kleinkrebse und Ringelwürmer (Annelida). Ferner verspeist der Seefrosch auch Kaulquappen und Jungtiere der eigenen und fremder Froscharten sowie kleine Säugetiere (Mammalia), Vögel (Aves), Kriechtiere (Reptilia) und Fische (Pisces). Der Seefrosch kann aus dem Wasser heraus seine Beute fangen. Mit einem mächtigen Satz schnappt der Seefrosch selbst Libellen mit der herausschnellenden Zunge, sogar Bienen oder Wespen werden ohne Zögern erbeutet.

Fortpflanzung

Der bis zu 15.000 Eier umfassende Laich wird in zahlreichen kleinen Portionen an Wasserpflanzen befestigt oder sinkt auf den Boden des Gewässers, von wo er nach einiger Zeit aufsteigen kann. Manche Weibchen laichen nicht jedes Jahr. Die Länge der frisch geschlüpften Larven beträgt etwa 8 Millimeter.
Seefrosch
vergrößern
Seefrosch
Die Embryonalentwicklung dauert temperaturabhängig 4 bis 10 Tage, die Larvenentwicklung 6 bis 12 Wochen. Die Larven sind vor der Metamorphose 6 bis 9 Zentimeter lang, ab und zu auch darüber. Zur Metamorphose unfähige Riesenlarven, die bis 18 Zentimeter Gesamtlänge und ein Alter von mehr als 2 Jahren erreichen können, kommen vor. Die Mehrzahl der Männchen ist nach der zweiten, die der Weibchen nach der dritten Überwinterung geschlechtsreif. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt dann mindestens 5 bzw. 6 Zentimeter. Entsprechend den klimatischen Bedingungen zieht sich der Seefrosch zwischen September und November zur Winterruhe zurück.

Die Gruppe der Grünfrösche gibt den Biologen und Faunisten immer neue Rätsel auf. Viele Jahrzehnte lang galt der Teichfrosch (Rana esculenta) als Schulbeispiel für die Froschlurche, bis sich dann Anfang der 70er Jahre herausstellte, dass er überhaupt keine eigene Art ist, sondern nur das Kreuzungsprodukt des Kleinen Teichfrosches (Rana lessonae) mit dem Seefrosch. Spätere Untersuchungen am Erbmaterial unterstützen diese neuere Erkenntnis. Während also der Kleine Teichfrosch (Rana lessonae) und der Seefrosch eigene Arten sind, kann der Teichfrosch (Rana esculenta) nur existieren, wenn eine der beiden Arten eines seiner Elternteile darstellt. Teichfrösche unter sich sind zwar nicht unfruchtbar, da Kaulquappen aus dem Laich schlüpfen, diese sterben in der Mehrzahl aber bald ab und entwickeln sich nicht weiter. Lange Zeit galten diese Forschungsergebnisse als der Weisheit letzter Schluß, bis sich an einigen Beständen herausstellte, dass auch reine Teichfrosch-Populationen in der Lage sind, fortpflanzungsfähige Nachkommen in die Welt zu setzen.

Gefährdung und Schutz

Der Seefrosch ist vollständig unter Schutz gestellt. Der Bestand des Seefrosches muß (nach Nowak, 1981) bereits als niedrig gelten. Die Haltung - falls sie in Ausnahmefällen nötig ist - erfolgt in einem unbeheizten Aqua-Terrarium. Allerdings sollte der Wasseranteil wesentlich größer sein. Er sollte etwa Vierfünftel der Grundfläche ausmachen.

Rote Liste-Einstufungen

  • Rote Liste Bundesrepublik Deutschland: 3 – gefährdet
  • Rote Liste Österreichs: VU (entspricht: gefährdet)
  • Rote Liste der Schweiz: NE (nicht bewertet)

Gesetzlicher Schutzstatus

  • Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL): Anhang 5 (Art von gemeinschaftlichem Interesse)
  • Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV): besonders geschützt

In der Roten Liste der IUCN wird der Seefrosch als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge