Sechsaugenspinnen

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Sechsaugenspinnen
Kleiner Asseljäger (Dysdera erythrina)

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Haplogynae
Überfamilie: Dysderoidea
Familie: Sechsaugenspinnen
Wissenschaftlicher Name
Dysderidae
Koch, 1837

Sechsaugenspinnen (Dysderidae) zählen innerhalb der Ordnung der Webspinnen (Araneae) zur Teilordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae). Nach Platnik werden in der Familie in 24 Gattungen 497 Arten geführt (Stand 08/2008).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Sechsaugenspinnen sind eher kleine bis mittelgroße Vertreter der Spinnen. Auch wenn die 6 Augen für die Familie der Sechsaugenspinnen charakteristisch ist, so treten sechsäugige Spinnen auch in einigen anderen Familien auf. Die Hauptaugen fehlen dieser Familie jedoch. Zu den markanten Merkmalen der Sechsaugenspinnen gehören insbesondere die überaus kräftigen Cheliceren. Sie weisen jeweils ein kräftiges Grundglied auf, das am Ende lange, an Vogelspinnen erinnernde Giftklauen tragen. In der Regel werden die Cheliceren leicht schräg nach vorne gehalten. Neben den charakteristischen Cheliceren zeigt sich auch beim Bau der Mundwerkzeuge ein typisches Merkmal der Sechsaugenspinnen. Sie sind durch eine lange Unterlippe (Labium) und seitlich dazu durch ebenso lange Laden gekennzeichnet. Die Laden gehen von den Kiefertasterhüften ab. Ein zweites Paar Atemöffnungen sitzt im Bereich des Hinterleibes ventral dicht hinter den Stigmen der Fächertracheen. Diese Atemöffnungen münden typischerweise in große Röhrentracheen. Ein weiteres morphologisches Merkmal ist die Bauweise der Bauchplatte des Prosoma. Die Bauchplatte zieht sich zwischen den Laufbeinhüften in seitliche, rückwärts gerichtete Fortsätze. Die einheimischen Arten zeichnen sich durch einen schlanken Hinterleib (Opisthosoma), der in der Regel einfarbig gefärbt ist, aus. Der Vorderkörper (Prosoma) ist meist breiter als der Hinterleib.

Lebensweise

Sechsaugenspinnen sind nachtaktiv und gehen auch in der Dunkelheit auf Nahrungssuche. Tagsüber halten sich die Tiere in ihren Wohngespinsten, unter Steinen oder an ähnlich geschützten Stellen auf. Sechsaugenspinnen gehören zu den eher primitiven Netzbauern. Sie errichten nur eine einfache Wohnröhre, von der radial einige Fangfäden ausstrahlen. Das Wohngespinst ist in der Regel ein geschlossener Sack und wird an geschützter Stelle errichtet.

Verbreitung

Die meisten Arten der Sechsaugenspinnen sind überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen der Erde verbreitet. Etwa 60 Arten kommen jedoch auch in warmgemäßigten Klimazonen in Europa vor. Die meisten dieser in Europa anzutreffenden Arten sind jedoch nur im Mittelmeerraum angesiedelt. In Mitteleuropa, insbesondere auch in Deutschland, sind bislang rund 5 Arten nachgewiesen. Zu diesen Arten gehört auch der Kleine Asseljäger (Dysdera erythrina). Offene Wald- und buschige Wegränder sowie Trockenrasen und ähnliche Habitate gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Einige hemische Arten kommen auch im Hügelland oder im Mittelgebirgen vor. Dies trifft beispielsweise auf Vertreter der Gattung Harpactea zu. Die Wohngespinste werden meist unter Steinen, in Ritzen, unter loser Rinde oder auch in Mauerritzen oder Felsspalten errichtet.

Ernährung

Sechsaugenspinnen sind nachtaktive Jäger. Sie warten nicht in ihren Wohngespinsten auf Beute, sondern streifen auf der Suche nach Nahrung aktiv umher. Auch kleinere Kletterpartien sind für diese Spinnen nicht unüblich. Sechsaugenspinnen überwältigen nicht selten auch deutlich größere Beutetiere. Die meisten Arten sind in Bezug auf die Auswahl der Beutetiere nur wenig spezialisiert. Auf der Speisekarte stehen beispielsweise Asseln (Isopoda), andere Spinnentiere (Arachnida), Käfer (Coleoptera) und ähnliche Tiere. Arten wie der Kleine Asseljäger (Dysdera erythrina) haben es hingegen auf spezielle Beutetiere wie Landasseln (Oniscidea) abgesehen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife mit der Reifehäutung tritt erst im zweiten Lebensjahr ein. Ein Paarungsvorspiel ist bei den Sechsauchenspinnen nicht zu beobachten. Zur Paarung kriecht das Männchen unter das Weibchen. Bei der eigentlichen Kopulation führt ein Männchen seine Taster gleichzeitig in die Geschlechtsöffnung (Epigyne) des Weibchens ein, die zuvor vom Männchen eingespeichelt wurde. Dieser Vorgang kann leicht bis zu einer Stunde dauern. Nach der Kopulation trennen sich die Geschlechter wieder. Die Eiablage durch das Weibchen erfolgt innerhalb ihres Wohngespinstes und wickelt die üblicherweise gelblichen Eier nur wenig in Spinnseide ein. Das Wohngespinst wurde jedoch schon vor der Eiablage deutlich mit Spinnseide verstärkt. Eine Brutpflege tritt bei den meisten Arten nur bis zum Schlupf der Jungspinnen auf.

Systematik der Familie Sechsaugenspinnen

Familie: Sechsaugenspinnen (Dysderidae)

Unterfamilie: Dysderinae
Unterfamilie: Harpacteinae
Unterfamilie: Rhodinae

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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