Schwirrammer

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Schwirrammer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Ammern (Emberizinae)
Tribus: Emberizini
Gattung: Spizella
Art: Schwirrammer
Wissenschaftlicher Name
Spizella passerina
Bechstein, 1798

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Schwirrammer (Spizella passerina) zählt innerhalb der Familie der Finken (Fringillidae) zur Gattung der Spizella. Die englische Bezeichnung der Schwirrammer lautet Chipping Sparrow.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schwirrammer erreicht eine Körperlänge von etwa 12 bis 14 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 19 bis 21 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 11 bis 15 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Allerdings ist das Weibchen in ihrer Gefiederfärbung etwas glanzloser als das Männchen. Im Prachtkleid weisen sie einen lebhaft rotbraunen Scheitel auf, seitlich sind je eine weiße und eine schwarze Linie zu erkennen, die sich von der Schnabelbasis bis zum Bereich der Ohren erstrecken. Die Wangen und der Nacken weisen eine gräuliche Färbung auf. Ebenfalls ist der Steiß grau getönt. Des weiteren zeichnen sich deutlich zwei Flügelbinden ab. Der Schwanz ist lang und gegabelt. Im Winter sind bei den Altvögeln die Wangen dunkler gezeichnet und der Scheitel ist mehr schwärzlich gestrichelt. Die Unterseite ist in allen Federn weißlich getönt. Die Iris der Augen ist ebenfalls von schwarzer Farbe. Der schwarze Schnabel ist konisch geformt und spitz zulaufend. Die Extremitäten und die Zehen sind deutlich bräunlich geschönt, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorne zeigen. Im ersten Winter sind die Altvögel an dem glanzloseren Scheitel und der gelbbraunen Brust sowie den gelbbraunen Flanken zu erkennen. Die Jungvögel sind auf der Unterseite und am Steiß gestrichelt und weisen noch nicht den rotbraunen Scheitel auf. Die Schwirrammer fliegt mit einem schnellen Flügelschlag. Die Schwirrammer fällt durch ihren Gesang, ein gleichhoch bleibendes Schwirren, auf. Der Gesang war für die Schwirrammer namensgebend. Hin und wieder hört man auch ein schnelles und trockenes Trillern mit nur einer Tonalität etwa wie "chip". Die Geschwindigkeit und die Dauer des Gesangs variieren. Der Ruf wird im Flug oder von einer exponierten Stelle aus vorgetragen. Er klingt manchmal hoch und rauh und hört sich etwa wie "seep" oder "tsik" an. Gelegentlich singt die Schwirrammer auch in der Nacht.

Schwirrammer
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Schwirrammer

Lebensweise

Während des Jahres wechselt die Schwirrammer ihre Federn nach und nach. Die seitlichen Federn und die Federn der Kehle werden pro Jahr bis sechsmal gewechselt. Die Federn am Körper werden nur einmal oder zweimal während des Jahres ersetzt. Die Schwirrammer ist in den Stadtgebieten und in den ländlichen Siedlungen ein geselliger Vogel. Sie sucht ihre Nahrung normalerweise am Boden, manchmal auf Bäumen oder in Sträuchern und besucht auch des öfteren die Futtertröge der ländlichen Siedlungen.

Außerhalb der Reproduktionszeit tritt die Schwirrammer bei der Nahrungssuche in kleinen Trupps auf. Die Schwirrammer läuft und hüpft am Boden hin und her, dabei scharrt sie auf dem Boden intensiv nach Insekten (Insecta). Die Schwirrammer lebt im allgemeinen in einer monogamen Einehe, aber einige Männchen können mehr als ein Weibchen haben. Die Altvögel wählen gemeinsam eine geeignete Stelle für den Nestbau. Die Schwirrammer ist zum Teil ein Zugvogel und zieht oft in kleinen Trupps. Die Schwirrammer kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa neun Jahren erreichen.

Unterarten

Verbreitung

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Schwirrammer

Die Schwirrammer ist ein weit verbreiteter Brüter im Osten von Alaska und in Kanada sowie im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, in Mexiko und in Zentralamerika. Sie überwintert in Mexiko, in Zentralamerika und im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Schwirrammer ist ein Kulturfolger und hält sich gerne in der Nähe der Menschen auf. Daher bewohnt sie auch ländliche und städtische Siedlungen. Des weiteren findet man die Schwirrammer auf Wiesen, auf grasartigen Feldern, in Obstgärten und in Parkanlagen. In einem natürlicheren Lebensraum hält sich die Schwirrammer entlang der Waldränder, in offenen und trockenen bewaldeten Zonen, in Pinienwäldern sowie in Eichenwäldern und entlang an den Ufern von Flussläufen und Seen auf. Die Überwinterungsquartiere weisen einen ähnlichen Lebensraum auf.

Ernährung

Schwirrammern ernähren sich als Allesfresser sowohl von Insekten (Insecta), deren Larven, Spinnentieren (Arachnida) und anderen kleineren Gliederfüßern als auch von pflanzlicher Kost wie Sämereien und Körnern aller Art sowie von Waldfrüchten und Beeren. Der Anteil an tierischer Nahrung ist im Frühjahr und im Sommer deutlich höher. Außerhalb der Paarungszeit ernähren sich Schwirrammern hauptsächlich von pflanzlicher Nahrung. Der Nachwuchs wird ausschließlich mit Insekten (Insecta), Raupen und Insektenlarven versorgt. Schwirrammern sind täglich auf Trinkwasser angewiesen, daher halten sie sich zumeist in der Nähe eines Gewässers auf. Die Insekten (Insecta) werden sowohl am Boden als auch im Geäst von Bäumen und Sträuchern aufgelesen.

Fortpflanzung

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Schwirrammer

Die Schwirrammer erreicht die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr. Das Nest der Schwirrammer befindet sich oft in der Nähe von menschlichen Siedlungen wie zum Beispiel in den Gärten. Beide Partner suchen gemeinsam einen geeigneten Nistplatz. Das Nest wird auf einem niedrigen Zweig in einem Baum angesiedelt, wobei das Weibchen das Nest nur alleine baut. Das napfförmige Nest besteht aus losen Gräsern, Wurzelfasern und Zweigen. Innen ist das Nest mit Tierhaaren ausgepolstert, wobei die Schwirrammer für das Auspolstern ihres Nestes das Haar der Pferde bevorzugt. Aber es kommt auch vor, dass sie die Haare von einem schlafenden Hund herauszupft. Das Weibchen legt drei bis vier hellblaue Eier, die mit braunen Flecken versehen sind. Die Inkubation dauert etwa elf bis vierzehn Tage und wird nur durch das Weibchen gewährleistet. Während dieser Zeit wird das Weibchen von dem Männchen mit Nahrung versorgt. Die Küken sind nach dem Schlupf Nesthocker und werden von dem Weibchen und von dem Männchen neun bis zwölf Tage lang reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) gefüttert. Die Jungvögel verlassen das Nest zu diesem Zeitpunkt. Die zwei Altvögel füttern die Jungvögel noch weiterhin etwa drei Wochen mit Insekten (Insecta). Die Jungvögel sind auf der Unterseite und am Steiß gestrichelt und weisen noch nicht den rotbraunen Scheitel auf. Die Schwirrammer produziert eine Brut pro Jahr, manchmal auch zwei Bruten im Jahr. Die Lebenserwartung der Schwirrammer kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa neun Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Die Schwirrammer gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 13.000.000 Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 99.000.000 Schwirrammern (Rich et al. 2003) geschätzt. Die Schwirrammer ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Schwirrammer als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Die Schwirrammer ist ein Gastgeber des Braunkopf-Kuhstärlings (Molothrus ater), der die Nester der Schwirrammer und anderer Vogelarten ziemlich oft parasitiert. Der Wettbewerb mit den Haussperlingen (Passer domesticus) und den Hausgimpeln (Carpodacus mexicanus) sowie der Verlust der Lebensräume in bestimmten Teilen ihrer Territorien könnte eine Bedrohung für die Populationen darstellen. Aber die Schwirrammer profitiert auch als Kulturfolger in ihrer Art und Weise von der Nähe des Menschen. Der Bestand der Populationen ist gesund und scheint daher nicht direkt gefährdet zu sein.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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