Schwarzschwanz-Beutelmarder

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Schwarzschwanz-Beutelmarder

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Beutelsäuger (Marsupialia)
Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
Familie: Raubbeutler (Dasyuridae)
Unterfamilie: Dasyurinae
Tribus: Dasyurini
Gattung: Beutelmarder (Dasyurus)
Art: Schwarzschwanz-Beutelmarder
Wissenschaftlicher Name
Dasyurus geoffroii
Gould, 1840/1841

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Schwarzschwanz-Beutelmarder (Dasyurus geoffroii) zählt innerhalb der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae) zur Gattung der Beutelmarder (Dasyurus). Im Englischen wird die Art Western Quoll oder Chuditch genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der etwa katzengroße Schwarzschwanz-Beutelmarder erreicht eine Körperlänge von rund 360 mm und ein Gewicht von 900 bis 1.300 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Das Fell weist eine bräunliche bis graubraune Färbung auf und ist mit hellen Flecken getupft. Ventral ist das Fell weißlich bis cremefarben gefärbt. Die großen und rundlich geformten Ohren sitzen leicht seitlich weit hinten am Schädel. Distal endet der Schwanz in einer dunklen Quaste. Der Kopf ist zur Schnauze hin spitz zulaufend, die Nasenspitze und die Ohren sind unbehaart. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Das kräftige Gebiss besteht aus 40 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet i4/4, c1/1, p2/2, m4/4. Die Schneidezähne sind ausgesprochen scharf und die Eckzähne sind robust gebaut. Die Hinterfüße enden jeweils in 5 Zehen.

Lebensweise

Schwarzschwanz-Beutelmarder sind hauptsächlich nachtaktiv und ruhen am Tage an geschützter Stelle, meist in Baumhöhlen, Termitenbauten, Erdlöchern oder an ähnlichen Stellen. Die Nahrungssuche beschränkt sich auf die Nacht. Die Tiere leben üblicherweise einzelgängerisch. Gruppen bestehen meist aus einem Weibchen und ihrem Nachwuchs. Schwarzschwanz-Beutelmarder sind sesshafte Revierbewohner, saisonale Migrationen sind demnach nicht bekannt. Sie bewohnen abhängig vom Geschlecht ein Revier in einer Größe von 3 bis 6 km². Die Geschlechter treffen im Wesentlichen nur während der Paarungszeit aufeinander. Schwarzschwanz-Beutelmarder leben hauptsächlich auf dem Boden. Die Tiere gelten jedoch als ausgezeichnete Kletterer, die sich gewandt durch das Geäst von Bäumen und Büschen bewegen können. Die Sinne, insbesondere der Sehsinn und das Gehör, sind hoch entwickelt. Während der Paarungszeit spielt vor allem der Geruchssinn eine große Rolle.

Unterarten

Einige Forscher unterscheiden 2 Unterarten. Dies sind Dasyurus geoffroii geoffroii und Dasyurus geoffroii fortis. Es sollen sich morphometrische Unterschiede sowie Unterschiede in der Genetik zeigen. Nach Wilson & Reeder, 2005, in Verbindung mit Firestone, 1999, sind die Unterarten jedoch nicht anerkannt. Eine Diskussion und weitere Forschungen stehen noch aus.

Diversität

Ein naher Verwandter: der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus)
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Ein naher Verwandter: der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus)

In Australien treten 4 Arten der Beutelmarder (Dasyurus) in Erscheinung. Dies sind neben dem Schwarzschwanz-Beutelmarder der Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) im östlichen Australien, der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus) in Tasmanien und der Zwergbeutelmarder (Dasyurus hallocatus) im nördlichen Australien. Anhand der Verbreitungsmuster kommt es zwischen keinen Arten zu Überlappungen in der Verbreitung.

Verbreitung und Lebensraum

Vorkommen

Schwarzschwanz-Beutelmarder waren ursprünglich auf etwa 70% des gesamten australischen Kontinents verbreitet. Noch vor 100 bis 150 Jahren waren die Tiere auch in New South Wales (NSW),Victoria (VIC), Queensland (QLD) und South Australia (SA) verbreitet. In South Australia verschwanden die letzten Schwarzschwanz-Beutelmarder um 1931. Dies belegen historische Aufzeichnungen und subfossile Funde. Heute ist die Art nur noch im Südwesten von Western Australia endemisch. Das heutige Verbreitungsgebiet entspricht etwa 5% des historischen Verbreitungsgebietes. Aktuell wird das Verbreitungsgebiet auf eine Fläche von etwa 211.000 km² geschätzt.

Lebensraum

Ursprünglich besetzten Schwarzschwanz-Beutelmarder eine Vielzahl an verschiedenen Lebensräumen wie Wüsten, Mallee-Flächen, Trockenwälder, Heide- und Buschland. Mallee ist ein Trockenbusch, in dem verschiedene niedrige Eukalyptusarten wachsen und der Mallee ist auch der einzige Busch, in dem Hartholzbäume wachsen, die mit nur 250 Millimeter Regen pro Jahr auskommen. Die Tiere kamen auch an Seen, Flüssen und in Feuchtgebieten vor. Im südwestlichen Western Australia kommt die Art heute fast ausschließlich in lichten Trockenwäldern vor. In den Trockenwäldern wachsen überwiegend Eukalypten (Eucalyptus) wie Eucalyptus marginata oder Eucalyptus diversicolor.

Biozönose

Prädatoren und Konkurrenten

Nahrungskonkurrent: das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
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Nahrungskonkurrent: das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)

Ursprünglich hatte der Schwarzschwanz-Beutelmarder in seinem angestammten Verbreitungsgebiet keine natürlichen Feinde. Mit der Einfuhr verschiedener Neozoa hat sich dieser Zustand gründlich geändert. Vor allem Rotfüchse (Vulpes vulpes) und verwilderte Hauskatzen (Felis catus) stellen den Schwarzschwanz-Beutelmardern massiv nach. In Nahrungskonkurrenz stehen Schwarzschwanz-Beutelmarder auch zu den eingeführten Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus).

Sympatrie

In den natürlichen Lebensräumen leben Schwarzschwanz-Beutelmarder mit zahlreichen einheimischen Tierarten in Sympatrie: Hier sind insbesondere der Gewöhnliche Ringbeutler (Pseudocheirus peregrinus occidentalis), das Quokka (Setonix brachyurus), der Ameisenbeutler (Myrmecobius fasciatus), der Große Kaninchennasenbeutler (Macrotis lagotis), Bürstenkängurus (Bettongia) wie Bettongia lesueur sowie der Kleine Pinselschwanzbeutler (Phascogale calura) zu nennen. Schwarzschwanz-Beutelmarder stehen zu den genannten Arten in Lebensraum- oder Nahrungskonkurrenz. Auswirkungen auf die Populationen der Schwarzschwanz-Beutelmarder hat die Konkurrenz unter natürlichen Bedingungen jedoch nicht.

Ernährung

Schwarzschwanz-Beutelmarder ernähren sich als Allesfresser hauptsächlich von größeren Gliederfüßern (Arthropoda). Hin und wieder stehen auch kleinere Säugetiere (Mammalia), Vögel (Aves) und Eidechsen (Lacertidae) auf der Speisekarte. Zu einem kleinen Teil wird saisonal auch auf pflanzliche Kost in Form von Sämereien und Früchte von Palmfarnen (Cycadales) wie etwa Macrozamia reidlei zurückgegriffen. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht. Die Nahrungssuche erfolgt zwar hauptsächlich auf dem Boden, jedoch sind die Tiere auch in der Lage hoch eben in den Bäumen Beutetieren nachzustellen.

Fortpflanzung

Schwarzschwanz-Beutelmarder erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Zu ihrer ersten Paarung kommen die Männchen meist erst im zweiten Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt können sie sich gegen Konkurrenten effizient durchsetzten, da nur siegreiche Männchen eine Chance auf Paarung haben. Dies ist insbesondere bei einer hohen Siedlungsdichte der Fall. Schwarzschwanz-Beutelmarder pflanzen sich saisonal fort. Weibchen kommen zwischen April und dem frühen Juli in den Östrus. Der Höhepunkt der weiblichen Brunft erstreckt sich über 4 bis 10 Tage. Aufgrund der polygamen Lebensweise paart sich ein Weibchen mit mehreren Männchen und umgekehrt. Nach einer Tragezeit von 17 bis 18 Tagen 2 bis 6 Jungtiere zur Welt. Die nur wenig entwickelten Jungtiere kriechen selbständig in den Beutel der Mutter, wo ihnen Zitzen zum Säugen zur Verfügung stehen. In diesem embryonalen Stadium sind noch nicht alle Körperfunktionen voll entwickelt, die Jungtiere sind daher vollständig von der Mutter abhängig. Im Beutel bleiben die Jungtiere meist über einen Zeitraum von gut 61 Tagen. Ab diesen Zeitpunkt verlassen sie erstmals den Beutel der Mutter. Die Säugezeit erstreckt sich insgesamt über etwa 170 Tage. Kurze Zeit später erreicht der Nachwuchs die Selbständigkeit. Schwarzschwanz-Beutelmarder erreichen in freier Wildbahn ein durchschnittliches Alter von 3 bis 4 Jahren, in Gefangenschaft auch ein Alter von gut 5 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Roten Liste der IUCN wird der Schwarzschwanz-Beutelmarder mittlerweile auf der Vorwarnliste in der Kategorie NT, Near Threatened, geführt. In der Vergangenheit haben viele Faktoren zur Bedrohung der Tiere beigetragen. Vor allem Habitatsveränderungen, insbesondere der starke Einfluss durch die Beweidung der natürlichen Lebensräume, hatten einen negativen Einfluss. Ähnliches gilt auch für die immer stärker zunehmenden Buschfeuer und Krankheiten. Auch die Einfuhr verschiedener Neozoa hat zum Rückgang der Populationen beigetragen. In der Nähe des Menschen sind die Tiere keine gern gesehenen Gäste, da man ihnen nachsagt, sie würden sich über das Geflügel der Farmer hermachen. Es verwundert daher nicht, dass auch der Mensch den Schwarzschwanz-Beutelmardern nachstellt. Die Tiere werden durch Giftköder getötet oder geschossen. An Straßenrändern sind Schwarzschwanz-Beutelmarder sehr häufig zu beobachten, da sie hier nach Aas suchen. Nicht selten kommen sie dabei im Straßenverkehr zu Tode. Inwieweit sich in Zukunft der Klimawandel auf die Populationen auswirken wird, ist noch unklar. Schon eine Erwärmung von 2 bis 4 °C hätte katastrophale Auswirkungen zur Folge.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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