Schwarzrote Vogelspinne

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Schwarzrote Vogelspinne
Links: Weibchen - Rechts: Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Brachypelma
Art: Schwarzrote Vogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Brachypelma vagans
Ausserer, 1875

Verbreitungsgebiet
Mexiko - Belize - Guatemala - Honduras

Die Schwarzrote Vogelspinne (Brachypelma vagans), ehemals wissenschaftlicher Name Eurypelma vagans, zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Brachypelma. In der Sprache Yucatec Maya (Eingeborene der Halbinsel Yucatán von Mexiko sprechen diese Sprache) wird diese Vogelspinnen-Art auch Chiwo genannt.

Das Washingtoner Artenschutzübereinabkommen stellt die Vogelspinne im Anhang II unter weltweitem Schutz. Die Rote Liste der IUCN sieht die Art als nicht gefährdet an.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Schwarzrote Vogelspinne ist eine schnell wachsende Vogelspinnen-Art. Das Weibchen kann eine Körperlänge von bis zu acht Zentimetern erreichen. Das Männchen ist mit einem viel kleineren Abdomen etwas kürzer. Die Beinspannweite beim Weibchen beträgt etwa 13 Zentimeter, die des Männchens in etwa auch, aber das Männchen ist langbeiniger als das Weibchen. Die Grundfärbung des Körpers weist eine samtschwarze Färbung auf. Das Abdomen ist schwarz-rot gezeichnet und mit einigen langen rötlichen Brennhaaren bedeckt. Das dritte und vierte Beinpaar beim Weibchen sind ebenfalls mit langen roten Haaren versehen. Die Seitenränder des Carapax sind beige gefärbt. Der gesamte Körperbau der Vogelspinne erscheint ziemlich robust und kompakt.

Der Vorderkörper trägt die vier Beinpaare. Er unterteilt sich in das Oberteil, dem Kopfbrustschild sowie auf der Unterseite dem Sternum. Das Sternum ist eine sternförmige plattenartige Abdeckung. Am vorderen Teil befinden sich das Labium, eine beweglich angebrachte Unterlippe, die Kauladen sowie zwei Kiefertaster, die Pedipalpen. Diesen vorderen Teil des Vorderkörpers nennt man Cephalothorax oder Prosoma, wobei der untere Teil der Nahrungsaufnahme dient. Auf dem oberen Teil ist der Augenhügel mit den acht symmetrisch angeordneten Augen erkennbar. Im vorderen Körper befinden sich zudem auch das Gehirn, der Saugmagen und Teile des Verdauungssystems.

Körperbau einer Spinne
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Körperbau einer Spinne

Der Hinterkörper ist nicht weiter segmentiert und ist über ein beweglich angebrachtes Verbindungsstück, dem sogenannten Petiolus, an den Vorderleib, dem Cephalothorax, angeschlossen. Der Hinterleib ist nicht wie der Vorderkörper gepanzert und stellt den empfindlichsten Teil des Körpers dar. Der Hinterleib dient beim Weibchen zum einen als Eiervorratsbehälter, respektive dem Männchen als Samenbehälter und zum anderen als Nahrungsspeicher für eventuelle Fastenzeiten, die durchaus bis zu zwei Monate dauern können. Auch das Herz sowie der zweite Teil des Verdauungstraktes liegen im Hinterleib. Am hinteren Ende des Hinterleibes sitzen die länglichen Spinnwarzen, über die die Vogelspinne die Spinnseide absondert. An der Unterseite liegen des weiteren die Geschlechtsorgane. Unweit der Geschlechtsorgane sitzen zudem die vier Buchlungen, wobei die vordern beiden Buchlungen als kleiner Schlitz erkennbar sind. Die beiden hinteren Buchlungen liegen versteckt.

Die Chelizeren setzen sich aus dem Basalglied sowie den Chelizerenklauen zusammen. Diese zweigeteilten Chelizeren bilden das erste Extremitätenpaar und werden, wenn sie nicht gebraucht werden, nach unten geklappt. Im Chelizerengrundglied, also dem Basalglied, liegen die Giftdrüsen, die das Gift in die Klauen leiten. Die Kiefertaster (Pedipalpen), schliessen sich an die Chelizeren an und weisen rein äußerlich Eigenschaften von einem Beinpaar auf. Die Kiefertaster haben allerdings die Funktion eines Tastorgans. Mit Erreichen der Geschlechtsreife des Männchens haben die Kiefertaster noch einen weiteren Zweck; in dem sogenannten Bulbus werden Spermapakete aufgenommen, mit denen später ein Weibchen befruchtet wird.

Costa Rica Rain Forest
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Costa Rica Rain Forest

Wie bei allen Vogelspinnen so weist auch die Schwarzrote Vogelspinne fünf verschiedene Haartypen auf. Die Geruchshaare sitzen am ersten Beinpaar, den Tastern, und dienen dem Männchen unter anderem zur Erkennung der Paarungsbereitschaft des Weibchens und der Prüfung der Futterqualität. Der gesamte Körper ist mit Tasthaaren versehen, mit denen die Schwarzrote Vogelspinne ihre unmittelbare Umgebung prüfen kann. Die empfindlichsten Tasthaare sitzen an den Extremitäten und gehören zu den wichtigsten Sinnesorganen der Vogelspinne. Die Tarsen sowie die Metatarsen sind von winzig kleinen Hafthaaren überzogen, die kleinen Haarbüschel, die die sogenannten Scopula bilden. Die Anzahl der am Ende verzweigten Härchen kann durchaus rund 100 Millionen betragen. Mit den Hörhaaren kann die Vogelspinne Schallwellen wahrnehmen. Besonders gut kann sie niederfrequente Wellen empfangen. Diese Hörhaare sind mit einer Membran verbunden, die die Informationen an das Gehirn weiterleiten. Diese Haare sitzen vornehmlich an den Extremitäten. Die Brennhaare sind über den gesamten Abdomen verteilt. Die Brennhaare lösen sich besonders leicht und können mit den Hinterbeinen abgestreift werden. Dies geschieht vor allem bei Bedrohung. Die mit feinen Spitzen versehenen Härchen können beim Menschen bei Kontakt mit den Schleimhäuten einen starken Hustenreiz auslösen. Auf der Haut kann es zu Rötungen und starkem Juckreiz kommen.

Die Schwarzrote Vogelspinne gehört zur terrestrischen und fossorialen Art, das heißt sie gräbt eine Erdhöhle, die einen Durchmesser von vier bis fünf Zentimeter und eine Tiefe von ungefähr 45 Zentimeter betragen kann. Zu den Feinden der adulten Vogelspinne gehören kleinere räuberische Säugetiere. Die adulte Schwarzrote Vogelspinne ist in ihrem Wesen eine sehr friedliche Spinne und strahlt eine angenehme Ruhe aus. Die Spiderlinge dagegen wirken etwas hektisch und aggressiv.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Schwarzroten Vogelspinne erstreckt sich von Kolumbien, Belize, Guatemala, Costa Rica, Honduras, Halbinsel Yucatán (vorwiegend Tieflandwald, niedrige immergrüne Wälder) bis hin nach Mexiko (Savanne in Südmexiko).

Manglar - Mexiko
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Manglar - Mexiko

Die Vogelspinne kann sich den jeweiligen Klimabedingungen sehr gut anpassen und ist ein ausgesprochener Kulturfolger. Sie kann in trockenen und tropisch-feuchten Gebieten sowie in flachen und bergigen Regionen leben.

Ernährung

Die Schwarzrote Vogelspinne ist überwiegend in der Nacht aktiv und gehört zu den Fleischfressern. Zu ihrem Nahrungssprektum zählen Gliederfüsser wie Schaben und Heuschrecken sowie Reptilien wie zum Beispiel kleine Eidechsen und kleinere Säugetiere, dazu zählen einige Nagetiere wie Mäuse.

Fortpflanzung

Schwarzrote Vogelspinne
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Schwarzrote Vogelspinne

In Abhängigkeit vom Nahrungsangebot erreichen die Spinnen die Geschlechtsreife nach frühestens fünf Jahren. Das Männchen erreicht die Geschlechtsreife nach der letzten Häutung, man spricht hier von Reifehäutung. Das Männchen baut in der Paarungszeit ein spezielles Netz (Spermanetz), in das es aus seiner Geschlechtsöffnung, am Hinterleib, einen Spermatropfen absetzt. Diesen nimmt es dann mit dem Begattungsorgan an den Pedipalpen auf. Erst jetzt geht es auf die Suche nach einer Partnerin. Weibchen häuten sich übrigens lebenslang viermal im Jahr.

Ist ein Weibchen gefunden, so versucht das Männchen das Weibchen durch charakteristisches Trommeln aus dem Bau zu locken. Wird das Trommeln erwidert, so ist das Weibchen paarungsbereit und verlässt die Höhle. Das Männchen stämmt das Weibchen, mit den Schienbeinhaken, die sich am ersten Beinpaar befinden, so weit in die Höhe, dass es mit den Paarungsfortsätzen (Bulben) an den Tastern (Pedipalpen), an die Geschlechtsöffnung am Hinterleib des Weibchens kommt.

Weibchen und Männchen bei der Kopulation
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Weibchen und Männchen bei der Kopulation

Dort führt es den skorpionstachelähnlichen Fortsatz in die Geschlechtsöffnung ein, und entlässt den Spermatropfen. In dieser Zeit ist das Weibchen wie in Trance und wird dem Männchen nicht gefährlich. Danach verlässt das Männchen den Platz des Geschehens sehr schnell, um nicht als Beutetier zu enden.

Nach erfolgreicher Paarung bildet das Weibchen einen seidenen Kokon, der vier bis fünf Zentimeter im Durchmesser mißt. Darin legt das Weichen zwei bis drei Monate nach der Paarung bis zu 300 Eier ab. Nach weiteren drei Monaten schlüpfen die Jungspinnen und verlassen die Wohnhöhle der Mutter. Nach dem Schlupf haben die Jungspinnen eine Größe von fünf Millimeter. Die Spiderlinge sind nun auf sich allein gestellt. Während dieser Zeit sind die Spiderlinge sehr verletzbar. Die Hauptfeinde der Spiderlinge sind große terrestrische Spinnen, sowie Frösche und Kröten. Im ersten Lebensjahr wachsen die Spiderlinge sehr schnell heran. In dieser Zeit sind sie auch ziemlich gefrässig. Sie ernähren sich von Kleinstinsekten. Nach sechs Monaten wechseln die Spiderlinge ihre Farbe und erscheinen dann in der typischen prachtvollen Färbung als wunderschöne Schwarzrote Vogelspinne.

Nach der Reifehäutung hat das Männchen noch eine Lebenserwartung von zwei Jahren, insgesamt also sieben bis zehn Jahre. Weibchen können unter optimalen Umständen ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen.
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