Schwarzmilan

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Schwarzmilan

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Milane (Accipitrinae)
Gattung: Milane (Milvus)
Art: Schwarzmilan
Wissenschaftlicher Name
Milvus migrans
(Boddaert, 1783)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Schwarzmilan (Milvus migrans) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Milane (Milvus). Im Englischen wird der Schwarzmilan Black Kite, Black (yellow-billed) Kite oder Egyptian Kite genannt. Die Art wurde in zwei Spezies gesplittet: Milvus migrans und Milvus aegyptius.

Milvus migrans und Milvus lineatus (Sibley und Monroe, 1990, 1993) werden als eigenständige Arten contra AERC TAC's Taxonomic Recommendations (2003) beibehalten, die Kommission möchte die Art Milvus lineatus als eine Unterart von Milvus migrans einordnen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Schwarzmilan ist etwas kleiner als der Rotmilan (Milvus milvus) und erreicht eine Körperlänge von etwa 50 bis 55 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 130 bis 155 Zentimeter. Das Gewicht beträgt in etwa 550 bis 950 Gramm. Das Gefieder ist, ungeachtet des Namens, nicht schwarz, sondern bräunlich gefärbt. Der Schwarzmilan unterscheidet sich vom Rotmilan durch ein dunkles Gefieder. Des Weiteren sind die Flügel und der Schwanz beim Schwarzmilan proportional kürzer. Die Flügelspitze ist breiter und der Schwanz ist schwächer gegabelt und graubraun (niemals rostfarben) gefärbt. Die Handschwingenbasen sind unterseits heller und bei den europäischen Altvögeln zeigt sich ein schwach ausgebildetes helles Fenster. Im Jugendkleid und bei vielen östlichen Durchzüglern im Nahen Osten ist das Gefieder viel weißer, ähnlich wie beim Rotmilan. Ferner erkennt man im Jugendkleid dunkle Augenpartien. Die Oberseite ist dunkelbraun gefärbt und ist mit einem hellen, mittelbraunen Diagonalband über dem Armflügel (wie beim Rotmilan, aber dunkler und matter) versehen. Wenn die Schwanzkerbe durch Mauser, Abnutzung oder gespreizten Schwanz nicht sichtbar ist, dann kann der Schwarzmilan leicht mit dem Zwergadler (Hieraaetus pennatus) der dunklen Morphe verwechselt werden, letzterer zeigt aber helle Oberschwanzdecken, meist weiße Positionslichter und weist einen etwas größeren Kopf auf. Die dunkle Rohrweihe (Circus aeruginosus) unterscheidet sich durch weit weniger gefingerte Flügelspitzen, unterseits fehlt das Fenster und von vorne betrachtet zeigen sich angehobene Armflügel und geradere Handflügel, ohne angewinkelte Flügel und hängende Handschwingen.

Schwarzmilan - Flugstudie
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Schwarzmilan - Flugstudie

Der Schwarzmilan streckt seine Flügel im Gleiten und zum Teil auch im Kreisen weiter aus. Dadurch erscheinen die Flügel schmaler und im Verhältnis länge als beim Rotmilan (Milvus milvus). Des Weitern trägt der Schwarzmilan die Flügel horizontaler, fast etwas nach unten gewölbt. Der Flug des Schwarzmilans ist auffallend eleganter als der des Rotmilan (Milvus milvus), besonders beim Balzflug. In abfallenden und aufsteigenden Kurven wird die kurveninnere Schwinge im Handgelenk etwas eingeknickt und leicht adlerartig hohl nach unten durchgebogen. Der Flügelschlag des Schwarzmilans ist schneller als der des Rotmilan (Milvus milvus) und langsamer als beim Mäusebussard (Buteo buteo). Die Steuertätigkeit des Schwanzes ist auffälliger als bei anderen Greifvögeln (Falconiformes) und wird an Intensität nur vom Rotmilan (Milvus milvus) übertroffen. <1>

Die Rufe des Schwarzmilan sind langgezogene weiche, angenehm wiehernde und vibrierende Triller. Dabei können sie in Länge und Intensität variieren, abflachen oder sich steigern. Beim Kampf mit anderen Greifvögeln (Falconiformes) oder bei der Vertreibung von Raben und Krähen (Corvus) ist ein schneidendes Auf und Ab wie scharfe Pfiffe zu vernehmen. Zur Balzzeit rufen Schwarzmilane viel. Sie sind ruffreudiger als Rotmilane (Milvus milvus), auch während der Brut- und Nestlingszeit in Horstnähe. Das mit Beute zur Brutzeit eintreffende Männchen meldet sich ebenfalls durch den wiehernden Ruf. Wenn das vom Horst abstreichende Weibchen als dann zum Männchen fliegt, wird das Weibchen von dem Männchen mit einem leiseren Ruf empfangen. Im Alter von drei Weochen rufen die Jungen manchmal wie die Altvögel, aber noch deutlich erkennbar in der Lernphase und keinesfalls ausgereift. Während des Brütens fangen die Weibchen bei längerem Ausbleiben der beutebringenden Männchen oft an, leise zu rufen, was aber offenbar nicht mit Hunger in Verbindung gebracht werden kann. Der Bettelruf der Jungen ist ein leises "Wieb" oder "Pie", an das manchmal ein unvollkommener Triller angehängt wird. <1>

Lebensweise

Schwarzmilan - Beim Beutefang
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Schwarzmilan - Beim Beutefang

Der Schwarzmilan bewohnt die unterschiedlichsten Biotope, darunter lichte Wälder und Landwirtschaftsflächen, Waldgebiete mit Seen, Flüssen oder Feuchtgebieten. Auch hält er sich in der Nähe von Siedlungen auf. Die Überwinterungsquartiere des Schwarzmilan befinden sich in Afrika. Die Nahrung besteht überwiegend aus toten oder kranken Fischen, auch von anderem Aas ernährt sich der Schwarzmilan. Ferner nimmt er auch Fleischabfälle und andere Abfälle zu sich, die gelegentlich in Häfen oder an Straßen aufgelesen werden. Der Schwarzmilan ist ein geselliger Vogel, den man oft in recht großen Trupps antrifft. Des Weiteren bildet der Schwarzmilan auch Schlafgemeinschaften. Es handelt sich um eine weit verbreitete Art, die in großen Teilen Europas, Asiens, Afrikas und Australiens vorkommt. Die europäischen Populationen sind überwiegend Zugvögel, in anderen Regionen ziehen die Tiere nicht. Der überwiegende Teil junger Greifvögel (Falconiformes) zeigt im Allgemeinen gegenüber Eindringlinge am Horst die sogenannte Imponier- oder Abwehrhaltung. Dabei werden Schwingen und Schnabel geöffnet. Aus dem geöffneten Schnabel ertönt ein Zischen und in höchster Erregung oft der arteigene Ruf. Der Schwarzmilan und der Rotmilan (Milvus milvus) bilden in dieser Verhaltensweise eine Ausnahme. Sie verfallen in eine Bewegungslosigkeit, in ein Sich-tot-stellen (Akinese). Der Rotmilan (Milvus milvus) zeigt diese Verhaltensweise ausschließlich, während der junge Schwarzmilan beide Verhaltensäußerungen zeigt. Etwa vom zweiten Dunenkleid an, im Alter von etwa 10 Tagen, verfallen die Schwarzmilane in Akinese. Je älter die Schwarzmilane werden, je aktiver werden sie und greifen mit geöffneten Schwingen und Schnabel den Eindringling an. Dies geschieht etwa ab dem 20. Tag. Dabei können die jüngeren Geschwister noch in Akinese verfallen, während der älteste die Verteidigungsstellung einnimmt. <2>

Unterarten

  • Milvus migrans migrans - (Boddaert, 1783) - Brutplätze zentral, südlich und östlich von Europa bis nach Tien Shan sowie südlich bis in den Nordwesten von Pakistan. Überwinterung in Subsahara-Afrika.
  • Milvus migrans govinda - Sykes, 1832 - von Ost-Pakistan nach Osten durch das tropische Indien sowie von Sri Lanka bis nach Indochina und bis zur malaiischen Halbinsel.
  • Milvus migrans affinis - Gould, 1838 - Sulawesi und möglicherweise auch Kleine Sunda-Inseln, Papua-Neuguinea, sowie im Nordosten und im Osten von Australien.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Schwarzmilan mit seinen Unterarten in folgenden Gebieten verbreitet: Afghanistan, Albanien, Armenien, Australien, Österreich, Aserbaidschan, Bangladesch, Belarus, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kambodscha, China, Kroatien, Tschechische Republik,
Schwarzmilan - Beim Beutefang
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Schwarzmilan - Beim Beutefang
Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Guam, Ungarn, Indien, Indonesien, Islamische Republik Iran, Irak, Israel, Italien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Republik Moldau, Montenegro, Myanmar, Nepal, Niederlande, Nördliche Marianen, Pakistan, Palau, Papua-Neuguinea, Polen, Portugal, Rumänien, Saudi-Arabien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Sri Lanka, Schweden, Schweiz, Arabische Republik Syrien, Tadschikistan, Thailand, Timor-Leste, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan, Vietnam, Westsahara und der Yemen.

Laut der Roten Liste der IUCN leben der Schwarzmilan sowie die Unterarten in gemäßigten Wäldern, in subtropischen und tropischen regenarmen Wäldern, in subtropischen und tropischen Wäldern feuchter Niederungen, in regenarmen Savannen, in gemäßigtem Buschland, in subtropischem und in tropischem regenarmen Buschland, im Buschland mit Mittelmeer-Typ und Strauch-Vegetation, in gemäßigtem Grasland, in subtropischem und tropischem regenarmen Grasland. Des Weiteren hält sich der Schwarzmilan in Feuchtgebieten auf wie Moorlandschaften, Sumpfgebiete sowie Torf-Moor-Landschaften. Ferner kommt er auch in heißen Wüstengebieten vor. Auch trifft man den Schwarzmilan an felsigen Küstenstreifen und Ufern, an Sandstränden, Sandbänken sowie in Nehrungen, Kiesstränden, geröllartigen Uferbefestigungen und Stränden, an Gewässern, die von Gezeiten (Ebbe und Flut) beeinflusst werden, in Bergregionen außerhalb der Küstengewässer sowie an Meeresklippen. Der Schwarzmilan kommt auch auf landwirtschaftlichen Ackerflächen, Weiden, in ländlichen Regionen sowie auf urbanisierten Flächen vor.

Wanderungen

Schwarzmilan Portrait - Lake Victoria in Kenia
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Schwarzmilan Portrait - Lake Victoria in Kenia

Wie der wissenschaftliche Name bzw. das Epitheton (zweiter Teil des wissenschaftlichen Namen) Milvus migrans schon andeutet, ist der Schwarzmilan ist ein ausgesprochener Zugvogel und aufgrund seiner Segelflugeigenschaft ein Landbrücken-Langstreckenzieher. Demzufolge überquert er wegen der Thermik über Land im Gegensatz zu den Schlagfliegern, zum Beispiel die Falken (Falco), das Mittelmeer vorzugsweise an Meerengen, um in sein west- und südafrikanisches Winterquartier zu gelangen. Nach Möglichkeit meidet der Schwarzmilan dabei das Überfliegen hoher Gebirgsmassive. Gelegentlich werden aber auch Vögel in den Alpen bis 2.000 und 2.500 Meter üNN ab Juni beobachtet. Ebenso ist das Überqueren der Hohen Tauern in einer Höhe von 3.500 bis 4.000 Meter üNN registriert worden. Gleiches trifft für den zentralen Teil der Pyrenäen, 2.000 bis 2.500 Meter üNN, allerdings findet nur ein schwacher Zug statt. Die west- und mitteleuropäischen Brutvögel ziehen in Richtung Südwesten und Süden, ein geringerer Teil davon nach Südsüdosten bis Südosten. Die Südwest-Route führt über die Pyrenäen mit seinem bekanntesten Oberservationsgebiet, dem Orgambideska-Paß. Das Gebirge wird aber auch in anderen Bereichen sowie an seinen Ausläufern überflogen. Der größte Teil der Schwarzmilane überquert die Pyrenäen in der Nähe des Mittelmeeres. Die Vögel gelangen im weiteren Verlauf über Gibraltar zum afrikanischen Festland. Die Vögel, die aus Ostdeutschland, dem östlichen Österreich, der Slowakei kommen, ziehen bis auf wenige Ausnahmen über den Bosporus. Eine Minderheit wandert nach Süden udn benutzt die mittlere Zugroute über Italien, Sizilien und Tunesien. Vierfünftel der über Gibraltar wandernden Schwarzmilane stammen von der Iberischen Halbinsel. Neben den bevorzugten Meerengen wird aber auch das Mittelmeer überflogen, wie regelmäßige Beobachtungen auf den Mittelmeerinseln beweisen, zum Beispiel die Balearen, Korsika, Malta, Zypern. Auf den Balearen ist der Schwarzmilan ein regelmäßiger Durchzügler im Frühjahr, im Herbst seltener. Die Balearen sind reines Durchzugsgebiet und die Vögel kommen selten zur Erde. <3>

Die Brutpopulation in Nordwest-Afrika zieht in breiter Front über die Sahara nach Süden. Aus Osteuropa nach Süden und Südosten wandernde Schwarzmilane ziehen über den Balkan, Südgriechenland und überqueren den Bosporus, während die Brutvögel aus Moskau, Rjasan und Woronesh über die Südukraine, den Kaukasus und das Ostufer des Schwarzen Meeres fliegen. Die Bosporus-Überflieger passieren im weiteren Verlauf Iskenderun und die Sinai-Halbinsel. Die das Schwarze Meer östlich umwandernden Schwarzmilane fliegen über die Arabische Halbinsel, um die Meerenge des Roten Meeres bei Bab-el-Mandeb zu überqueren. Die in der Osttürkei vorwiegend Südosten und Südsüdosten ziehenden Schwarzmilane fügen sich in diese Route ein. Ein schwacher Zug scheint auch noch an der Südost-Spitze des Kaspischen Meeres von den östlichen Populationen zu bestehen. Auch diese überfliegen die Meerenge bei Bab-el-Mandeb. Ende der 70er Jahre zogen jährlich 40.000 bis 60.000 Schwarzmilane über Gibraltar. Die Tageszahlen liegen bei etwa 4.000 Vögeln. Die geringen Zahlen in Eilat gegenüber dem Frühjahrszug kommen zustande, weil die Masse im Herbst durch Saudi-Arabien zieht und Bab-el Mandeb überquert. Oft ziehen die Schwarzmilane in Eilat auch in der Morgen- und Abenddämmerung. Durch direkte Verfolgung seitens des Menschen (Abschuß an den Zugstraßen) haben sich die Zahlen besonders am Bosporus drastisch verringert. Der Schwarzmilan ist einer der ersten Zugvögel, die Europa verlassen. Er verbringt nur etwa fünf Monate von April bis August im Brutgebiet. Dabei wird er knapp vom Mauersegler (Apus apus) und Wespenbussard (Pernis apivorus) übertroffen. <3>


Schwarzmilan beim Kröpfen während des Fluges - Ngorongoro Krater, Tansania
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Schwarzmilan beim Kröpfen während des Fluges - Ngorongoro Krater, Tansania

Der Zug über den Bosporus beginnt ab dem letzten Julidrittel bis Ende September, der Hauptzug ab Mitte August bis Mitte September. Die türkischen Brutvögel verlassen Ende August bis Ende Oktober die Brutgebiete und in Syrien erscheinen die ersten Durchzügler ab ersten September. Der Höhepunkt ist Mitte bis Ende September. Die mitteleuropäischen Jungvögel verlassen bereits ab Juli ihre Geburtsorte, halten sich noch bis Anfang/Mitte August in einer 25-Kilometer-Zone um den Horst auf, um dann im Verlaufe des Monats August abzuziehen. Die Schwarzmilane, die sich in der Schweiz und in Frankreich aufhalten, ziehen früher ab und die norddeutschen, polnischen sowie die russischen Populationen später. Die polnischen Vögel ziehen erst Ende August ab. Ausgesprochene Spätzieher sind auch die Vögel der Iberischen Halbinsel, sie wandern bis in den Monat Oktober hinein ab. Die ersten mitteleuropäischen Brutvögel können schon im Juli Nordafrika erreichen, obwohl der Hauptzug über Gibraltar seinen Höhepunkt Mitte August erreicht. Die Altvögel ziehen in Mitteleuropa etwa drei bis vier Wochen vor den Jungvögeln ab. Die Mehrzahl der Brutvögel zieht Ende Juli bis Ende August aus Mitteleuropa ab. Die Höhepunkte sind Ende August und Anfang September. Über Gibraltar ist ein energiespendender Flug bei ruhigem Wetter selten. Meistens müssen die Schwarzmilane gegen starken Westwind ankämpfen. Bei zu starkem Wind wird der Zug unterbrochen. Dann rasten die Vögel auch auf der Erde, auf trockenen Wiesen- oder Brachflächen und Hängen. Sie ruhen stundenlang ohne Bewegung. Es gibt auf dem Zug auch keine Anzeichen von Nahrungsaufnahme mit Ausnahme von Heuschrecken, die sie in Sprüngen erbeuten. <3>

Die Nordgrenze der Überwinterungsgebiete verläuft von Senegal über die Sahel-Zone, das nördliche Mali nach Osten bis Kenia und im Süden bis Südafrika, hier bis zum Oranje-Fluß, etwa 30 Grad südlicher Breite. Auch Madagaskar ist ein Winterquartier vom Schwarzmilan. Die Sahel-Zone und Mali sind als Winterquartier dicht besiedelt, besonders am Niger mit Abfall nach Süden. Die Überwinterung des Schwarzmilan im Süden Afrikas war bis 1961 noch wenig bekannt, obwohl bereits 1912 für Südafrika der erste Nachweis gelang.
Schwarzmilane - kleine Gruppenansammlung
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Schwarzmilane - kleine Gruppenansammlung
Der Schwarzmilan erscheint in Südafrika manchmal in Trupps zu Hunderten. Die Vögel ziehen in Sambia im Oktober bis November nach Süden. Die ersten erreichen Anfang Oktober das östliche Südafrika. Schwärme von 100 bis 1.100 Vögeln ziehen weiter nach Süden. Sie treffen im westlichen Südafrika nicht vor November ein. In den Trockenzonen im Westen und Süden bewegt sich die Population in Abhängigkeit von den Regenfällen. Ende Januar und im Februar herrscht der Nordzug. Die geschätzte Anzahl der in Westafrika überwinternden Brutvögel aus Europa und aus dem Nordwesten Afrikas liegt bei 30.000. Sie setzen sich aus 15.000 Bosporus-Ziehern und 15.000 in Nordwest-Afrika brütenden Vögeln zusammen. In Senegal ist ein Schlafplatz von 600 Schwarzmilanen bekannt, ein ebensolcher in Tansania. Die über Gibraltar ebenfalls zu einem Großteil einfliegenden mitteleuropäischen Schwarzmilane werden hierbei nicht berücksichtigt. Somit liegt die Zahl noch weit über 30.000. Nach der Ausrottung der Pestizide sind seit 1972 wieder Überwinterer von der ersten Oktoberhälfte bis Anfang April in Israel anzutreffen, so wurden im Januar 1985 etwa 1.000 bis 2.500 Vögel gezählt (Israel-Raptor Inform. Center). <3>


Im Prinzip sind die Rückzugsrouten im Frühjahr die gleichen wie Herbst, nur in entgegengesetzter Richtung. Lediglich im Nahen Osten (Rotes Meer), in Israel und auf Mittleren Zugroute (Cap Bon-Messina) ergeben sich Veränderungen. Die in der westlichen Schweiz beheimateten Schwarzmilane kehren wahrscheinlich in einem Schleifenzug in ihre Brutheimat zurück. Die Mehrzahl fliegt über Gibraltar, ein kleinerer Teil über Tunesien und Italien. Die über Italien ziehenden Vögel überqueren dabei die Alpen. Der Frühlingszug setzt über Gibraltar bereits im Februar ein. Die Mehrzahl der Vögel überquert die Meerenge im März, Nachzügler noch bis Mai. Der Frühjahrszug über Gibraltar ist weniger auffällig. Am Cap Bon beginnt der Zug Anfang März, erreicht den Höhepunkt in der ersten Aprilhälfte und ebbt Ende Mai ab. Von der zweiten Aprilhälfte bis Ende Mai ziehen halbmonatlich kontinuierlich etwa 500 Schwarzmilane über Cap Bon. In Eilat erscheinen die ersten Schwarzmilane in der letzten Februarwoche. Der Hauptzug setzt in der zweiten Märzwoche ein und endet in den letzten Apriltagen. Höhepunkte liegen meistens zwischen Ende März und Anfang April. Einzelvögel werden noch im Juni beobachtet. In verschiedenen Jahren fand der Zug in zwei Wellen statt, die stärkere in den letzten Märzwochen, die schwächere in der zweiten Aprilwoche. In Mitteleuropa treffen die Schwarzmilane ab Anfang März bis in die erste Aprilhälfte ein. In der Schweiz, vor allem in der westlichen Schweiz, fallen die Erstankünfte fast ausnahmslos auf den Februar. Es wurden aber auch schon überwinternde Schwarzmilane von November bis Februar in Griechenland beobachtet. Überwinterungen sind auch aus Frankreich, einschließlich Korsika, Italien, Spanien, dem übrigen Mittelmeerraum und dem mittleren Osten bekannt. Ob echte Überwinterungen in einem bestimmten Gebiet wie beim Rotmilan (Milvus milvus) vorliegen, ist nicht ersichtlich. Eine echte Überwinterung dürfte aber ein Schwarzmilan in Südschweden absolviert haben, da er sich im Winter 1958/59 ständig in einer Gruppe überwinternder Rotmilane (Milvus milvus) aufhielt. <3>

Prädatoren

An erster Stelle steht der Habicht (Accipiter gentilis). Er kann als einziger bedeutsamer natürlicher Feind des Schwarzmilan angesehen werden und schlägt nicht nur Jungvögel jeglichen Alters im Horst, sondern auch Jungvögel im Bettelflugalter und Altvögel. Einige Altvögel wurden auch bei Revierstreitigkeiten geschlagen sowie beim Eindringen eines Schwarzmilan in das Habichtsrevier. Die Aaskrähe (Corvus corone) wird vor allem dem Gelege gefährlich. Im Horstbereich werden Krähen daher von den Altvögeln vehement verfolgt und vertrieben. Unter den Säugern tritt zweifelsohne der Baummarder (Martes martes) als natürlicher Feind aller kleinen und mittelgroßen Greifvögel (Falconiformes) auf. <4>

Ernährung

Das Beutespektrum des Schwarzmilan ist weit gefächert. Es werden alle erreichbaren Nahrungsquellen genutzt, dazu Aas und menschliche Abfälle. Überdies jagt er auch anderen Greifvögeln (Falconiformes) die Beute ab. Diese Nahrungsgeneralisierung hat den Schwarzmilan und auch den Rotmilan (Milvus milvus) zu sehr erfolgreichen Greifvögeln (Falconiformes) gemacht. Der Schwarzmilan nutzt mehr als der Rotmilan (Milvus milvus) mit einer Vorliebe Gewässer als Nahrungshabitat.
Ölpalme (Elaeis guineensis)
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Ölpalme (Elaeis guineensis)
In solchen Lebensräumen bilden überwiegend Fische die Nahrungsgrundlage mit Ausnahme bei frisch geschlüpften Jungen. Nicht umsonst erhielt der Schwarzmilan auch die Beinamen Wassermilan und Seemilan. Trotzdem ist der Schwarzmilan keinesfalls abhängig von Fischnahrung und kann ohne Probleme in Trockenlandschaften brüten und sich und die Jungen ernähren. Folgende Tiere stehen auf seiner Speisekarte Fische (Pisces) wie zum Beispiel Plötze (Rutilus rutilus), Blei (Abramis brama), Hecht (Esox lucius), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Güster (Blicca bjoerkna), Schleie (Tinca tinca), Karpfen (Cyprinus carpio), Karausche (Carassius carassius), Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus), Säugetiere (Mammalia) wie zum Beispiel Wanderratte (Rattus norvegicus), Hasen (Leporidae), Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), Iltisse (Putorius) sowie Vögel (Aves) wie zum Beispiel Stadttaube (Columba livia domestica), Bankivahuhn (Gallus gallus), Nebelkrähe (Corvus corone cornix), Kiebitz (Vanellus vanellus), Stockente (Anas platyrhynchos), Blässhuhn (Fulica atra), Rebhuhn (Perdix perdix), Eichelhäher (Garrulus glandarius), Knäkente (Anas querquedula), Pekingente (Anas platyrhynchos domestica). <5>

Logischerweise steht an Karpfenzuchtteichen der Karpfen (Cyprinus carpio) oben an und erst recht, wenn ein Fischsterben einsetzt. Zum Beispiel setzt sich die Nahrung an der Mündung des Flusses Ilek (Südural) zu 51,2 Prozent aus Nagetieren (Rodentia) wie Ziesel (Spermophilus), Hamster (Cricetinae) und Feldmaus (Microtus arvalis) und nur zu 35 Prozent aus Fischen wie Karausche (Carassius carassius), Hecht (Esox lucius) und Blei (Abramis brama) zusammen. Des Weiteren kommen noch Igel (Erinaceidae), Enten (Anatinae), Reiher (Ardeidae), Schnepfenvögel (Scolopacidae), Dohle (Corvus monedula), Bankivahuhn (Gallus gallus), Blindschleiche (Anguis fragilis), Lurche (Amphibia), Insekten (Insecta) (Wespenwaben, Heuschrecken) hinzu und im Wolgadelta werden unter anderem viele Wanderheuschrecken (Locusta migratoria) vertilgt. <5>

Früchte der Ölpalme (Elaeis guineensis)
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Früchte der Ölpalme (Elaeis guineensis)

Der Schwarzmilan ist wie der Rotmilan (Milvus milvus) ein Gleitfluggreifer. Die Beute wird im Darüberhinwegfliegen gegriffen und mitgenommen. Im Gegensatz dazu schlägt der Mäusebussard (Buteo buteo) bei seinem Beutestoß auf der Erde auf. Auch Fische (Pisces) werden nach Art eines Seeadlers (Haliaeetus albicilla) im spitzen Winkel zur Wasserfläche gleitend und durch blitzschnelles Eintauchen der Fänge beim Überfliegen erbeutet. Dabei werden vor allem verendete, an der Wasseroberfläche schwimmende, aber auch lebende Fische (Pisces) gegriffen. Bei der Bearbeitung der Fischbeute zerpflückt der Schwarzmilan selbst kleine Fische (Pisces), wobei ein Teil der Schuppen, Flossen und Gräten übrigbleibt. Die durchschnittliche Größe der Fische (Pisces) beträgt etwa 12 bis 20 Zentimeter (Hechte (Esox), Karpfen (Cyprinus carpio), Barsche (Percidae)). Karpfenartige (Cypriniformes) und Hechte (Esox) können manchmal sogar eine Größe von etwa 28 bis 30 Zentimeter aufweisen. Typisch für den Nahrungsgeneralisten ist die Palette der Vogelbeute, wobei eine Vielfalt, wie Nachtschwalben (Caprimulgidae), Wiedehopfe (Upupidae), Buntspechte (Dendrocopos), Wachtelkönige (Crex crex) und andere Vogelarten bemerkenswert ist bis hin zu den verschiedensten Kleinvogelarten. Dabei kristallisieren sich einige Arten heraus, die immer wieder auf der Speisekarte auftauchen, wie Aaskrähen (Corvus corone), Elstern (Pica), Fasane (Phasianus colchicus), Stockenten (Anas platyrhynchos), Feldlerchen (Alauda arvensis) und Stare (Sturnidae). Lurche (Amphibia) und Kriechtiere (Reptilia) erscheinen zwar in geringer Anzahl, aber regelmäßig in den Beutelisten. Zusammen mit dem Rotfußfalken (Falco vespertinus) verfolgen überwinternde Schwarzmilane auch Heuschreckenschwärme in Afrika. Termiten (Isoptera), werden fliegend und zu Fuß von den Schwarzmilanen erbeutet und verspeist. Auch Regenwürmer (Lumbricidae) werden von Straßen, Engerlinge (Käferlarven) und andere Insekten (Insecta) von einer frisch umgebrochenen Wiese aufgenommen. Kleinere Beute, wie Insekten (Insecta), aber auch Fische (Pisces), wird mitunter im Fluge gekröpft. Neben tierischer Kost verzehrt der Schwarzmilan auch pflanzliche Kost. In West- und Zentralafrika bilden für den hier überwinternden Schwarzmilan die Früchte der Ölpalme (Elaeis guineensis) eine bedeutende Nahrungsquelle. Es werden dabei die Fruchtgehäuse verspeist. <5>

Fortpflanzung

Adulter Schwarzmilan beim Zweigesammeln für den Horstbau
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Adulter Schwarzmilan beim Zweigesammeln für den Horstbau

Das Eintreffen in das Brutrevier erfolgt in Mitteldeutschland Anfang März bis in die erste Aprilhälfte. In Mitteldeutschland beginnt häufig Ende März der Horstbau. Das Eintreffen der Partner erfolgt einzeln. Der Schwarzmilan wird mit 4 (5?) Jahren geschlechtsreif. Während die einjährigen Vögel zum Teil im afrikanischen Winterquartier übersommern, unterbrechen die zwei- bis dreijährigen Vögel ihren Frühjahrszug und übersommern in Nordafrika, Spanien und Frankreich. Erst mit vier Jahren, mit dem Eintritt der Geschlechtsreife, kehren sie in die Nähe des Geburtsortes zurück. Es gibt Ausnahmen, indem vereinzelt zwei- und dreijährige oder auch schon einjährige Vögel in ihre Brutheimat zurückkehren. Es ist aber zu vermuten, dass die in vielen Gebieten Mitteleuropas existierenden Ansammlungen von Nichtbrütern zu einem Großteil aus drei- bis vierjährigen Vögeln bestehen, da sich die Mehrzahl der zwei- bis dreijährigen Vögel noch als Übersommerer in Spanien, Frankreich, Italien und dem Balkan aufhält. In Gefangenschaft tritt die Geschlechtsreife früh ein. Gründe für eine frühere Geschlechtsreife in der Gefangenschaft könnten das optimale Nahrungsangebot sowie der Wegfall anderer natürlicher Abläufe wie tägliche Nahrungsbeschaffung, Wanderungen, Horstkämpfe usw. sein. <6>

Am Horstbau beteiligen sich beide Partner, jedoch das Männchen mehr als das Weibchen. Zweige für den Horstbau werden in drei verschiedenen Versionen gesammelt:

  1. Anflug an trockene Äste von Bäumen mit vorgestreckten Fängen, dabei brechen die Äste mit einem lauten Knall.
  2. Abkneifen dünnerer Äste mit dem Schnabel, oftmals unter Flügelschlägen, auf einem Ast sitzend.
  3. Aufsammeln der Zweige vom Waldboden, einmal im Darüberhinweggleiten, wobei die Äste mit den Fängen gegriffen, zum anderen nach der direkten Landung auf dem Waldboden mit dem Schnabel oder mit den Fängen aufgelesen werden. Auch im Winter wird schwimmendes Material aufgenommen. <6>


Der Transport der Zweige erfolgt in den Fängen oder im Schnabel. Vor der Landung im Horst wird der Zweig allerdings im Fluge von den Fängen in den Schnabel überführt, so dass der Vogel immer mit dem Zweig im Schnabel im Horst landet. Die Zweige werden selten weiter als 300 Meter vom Horst entfernt gesammelt. Die Begattungen beim Horstbau sind in der Regel integriert. Meistens landet das Männchen aus dem Fluge heraus auf dem Rücken des paarungsbereiten Weibchens.
Partner im Balzflug
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Partner im Balzflug
Die Paarungsaufforderung bzw. -bereitschaft des Weibchens äußert sich in einer waagerechten Körperhaltung, wie übrigens bei jedem Greifvogel, wobei das eintreffende Männchen mit leisem Wimmern vom Weibchen begrüßt bzw. gelockt wird. Die Kopulation findet unter erregenden Rufen und Flügelschlagen des Männchens statt. Das Männchen kann auch nebensitzend von einem Ast aus auf das Weibchen springen, also nicht nur aus dem Flug heraus. Der Balzflug ähnelt dem des Rotmilan (Milvus milvus). Der Balzflug äußert sich in weit ausholenden Flügelschlägen, ähnlich wie beim Habicht (Accipiter gentilis), aber auch in kiebitzähnlich wuchtelnder Flugweise mit seitlichen Schlangenlinien. Ebenso wird der Girlandenflug mit fast auf dem Höhepunkt rückwärtigen Überschlag gezeigt. Spielerisches Stoßen nach dem Partner beim Schweben und Kreisen über dem Brutrevier, bei dem sich der untere Vogel auf den Rücken wirft, gehört ebenfalls zum Verhaltensrepertoire. Aus dem hohen Kreisen heraus zeigen die Vögel Sturzflüge in das Brutrevier, oftmals mit Drehungen um die Längsachse. Diese Variante des Balzfluges ist fast die gleiche wie beim Rotmilan (Milvus milvus). Als eine Höchststufe des Balzfluges dürfte das zwar nicht sehr häufig, aber scheinbar regelmäßig durchgeführte Abtrudeln beider Vögel mit je einem verhakten Fang gelten. Nach bisherigen Beobachtungen ist bei den Verhakungen immer nur von je einem Fang die Rede. <6>

Mit der Entwicklung des ersten Eies im Körper fliegen die Weibchen kaum noch auf Jagd. Die bei Greifvögeln bekannte Arbeitsteilung beginnt sich mehr und mehr herauszubilden, indem das Männchen dem in Horstnähe ruhenden Weibchen Beute zuträgt und sie übergibt. Einige Autoren sprechen hierbei vom Füttern des Weibchens durch das Männchen, was aber fehlgedeutet wird. Denn Füttern würde bedeuten, dass das Männchen kleine Bröckchen von der Beute abreißt und diese dem Weibchen vorhält, ähnlich wie bei der Fütterung der Jungen. Dies macht das Männchen aber nicht. Es handelt sich lediglich um eine Übergabe der Beute vom Männchen zum Weibchen. Das Weibchen kröpft dann allein die Beute. <6>

Der Schwarzmilan gehört gegenüber gleichgroßen Arten wie Mäusebussard (Buteo buteo), Habicht (Accipiter gentilis), Rotmilan (Milvus milvus) und Schreiadler (Aquila pomarina), außer dem Wespenbussard (Pernis apivorus), zu den später brütenden Greifvögeln (Falconiformes). Die Eiablage erfolgt deutlich nach Mäusebussard (Buteo buteo), Habicht (Accipiter gentilis) und Rotmilan (Milvus milvus) und knapp vor dem Schreiadler (Aquila pomarina) bzw. fast mit diesem zusammen. In den Flußauen beginnen die Schwarzmilane nur ein bis zwei Tage vor den Brutpaaren der Ackerlandschaft mit der Eiablage. Der Legeabstand beträgt zwei bis drei Tage. Normal ist der Zweitagerhythmus. Die Bebrütung beginnt bei kleinen Gelegen ab dem ersten Ei. Nach Ablage des ersten Eies verbringt der Vogel den größten Teil des Tages und der Nacht brütend im Horst, über Tag oft ein bis zwei Stunden unbedeckt. Es wird aber auch erst ab dem zweiten Ei gebrütet. Bei größeren Gelegen besteht ein gleitender Übergang, bei Vierergelegen wird ab dem dritten Ei intensiv gebrütet. Weibchen brüten während der ersten vier bis fünf Tage nocht nicht vollständig. <6>

Juvenile Schwarzmilane im Horst einer Palmyrapalme (Borassus flabellifer) in Kolkata, West Bengalen, Indien
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Juvenile Schwarzmilane im Horst einer Palmyrapalme (Borassus flabellifer) in Kolkata, West Bengalen, Indien

Die kurzovalen, seltener ovalen Eier ähneln durchaus den Eiern des Mäusebussard (Buteo buteo) und denen des Rotmilan (Milvus milvus). Von den Eiern des Rotmilan (Milvus milvus) sind sie in der Färbung nicht zu unterscheiden, jedoch im Vergleich augenscheinlich kleiner. Die Eier des Schwarzmilan sind feinkörnig und glanzlos. Die Grundfarbe ist matt- bis schmutzigweiß, mehr oder weniger tief- oder rotbraun gefleckt. Wenige Eier besitzen violettgraue bis rötlichviolette Unterflecke. Die Fleckung ist spärlich, vereinzelt stärker, entweder ungleichmäßig das gesamte Ei bedeckend oder auch an einem der beiden Pole gehäuft. Auch die Eier der Schwarzmilane zeigen oft die für beide Milanarten charakteristischen Wurmlinien, neben größeren Flecken auch feine Punkte, Kritzel und Schnörkel. Weiße, fast ungefleckte Eier sind selten. Die zuletzt gelegten Eier sind nicht so kräftig gefärbt wie die zuerst gelegten Eier. Die Eier von Nachgelegen sind in der Färbung in ammerartiger Weise mit sonderbaren Schlangen- und Wurmlinien gezeichnet. <6>

Das während der Brutzeit von der Jagd mit Beute zurückkehrende Männchen blockt in Horstnähe auf und meldet sich mit trillernden Rufen dem Weibchen, worauf sich das Weibchen je nach dem Grad ihres Hungers vom Gelege erhebt und zum Männchen fliegt, um die Beute zu übernehmen. Das Männchen fliegt zum Horst und läßt sich auf den Eiern nieder. Kommt das Weibchen nicht sofort, sondern ist vom Gelege nur aufgestanden und lahnt, kann das Männchen einen Teil selbst kröpfen, zwischendurch trillernd, bis das Männchen schließlich mit dem Beuterest zum Horst fliegt. Das Weibchen fliegt vom Horst weg und kröpft die Beute auf einem Baum. Beide Vögel vermeiden es, länger zusammen auf dem Horst zu verweilen. Ein Partner fliegt dann in der Regel ab. Das Männchen kann den Horst auch direkt anfliegen und die Beute übergeben. Beim brütenden Schwarzmilan überragt der Schwanz oft den Horstrand. Die Männchen brüten gegenüber den Weibchen sehr unruhig. Die Brutdauer selbst dauert etwa 31 bis 32 Tage. Der Schlupfakt dauert etwa 38 Stunden. Die Zeitspanne des Schlüpfens unter den Nestgeschwistern kann groß sein. Meistens schlüpfen die Jungen in einem Abstand von einem Tag. Gelegentlich ist das Weibchen beim Schlupfakt behilflich, indem das Weibchen mit dem Schnabel eine Schnabelhälfte greift und das Junge befreit. Altersunterschiede der Jungen von fünf bis acht Tagen sind des öfteren in Horsten vorzufinden. <6>

Die Jungen sind am ersten Tag im Gegensatz zu Eulen- und Falkenküken sehr kräftig und munter verfolgen die jungen Schwarzmilane mit aufgerichtetem Kopf und halb geöffneten Augen jede Bewegung in ihrer Umgebung. Nach dem Schlupf reagiert das Männchen mit vermehrtem Beutezutrag, so dass die Beuteanhäufungen im Horst zunehmen. Bei Paaren mit Fischnahrung bringt das Männchen schlagartig keine Fische mehr, wenn die Jungen geschlüpft sind.
Immature Schwarzmilane Erlernen das Fliegen auf einer Palmyrapalme (Borassus flabellifer) in Kolkata, West Bengalen, Indien
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Immature Schwarzmilane Erlernen das Fliegen auf einer Palmyrapalme (Borassus flabellifer) in Kolkata, West Bengalen, Indien
Die Jungen werden dann mit Säugern und Vögeln geatzt. Mit dem Älterwerden der Jungen wird die Fischnahrung wieder aufgenommen. Das gleiche gilt für die Insektennahrung wie zum Beispiel Maikäfer (Melolontha vulgaris). Das Weibchen hudert die Jungen, während das Männchen die Beute herbeischafft. Die Jungen werden regelmäßig in ein bis zwei Stunden vom Weibchen gefüttert. Im Durchschnitt dauern die Fütterungen 15 Minuten. Während der Huderperiode fliegt das mit Beute eintreffende Männchen den Horst meistens direkt an und übergibt die Beute dort dem hudernden Weibchen oder legt die Beute am Horstrand ab. Bei längerem Ausbleiben des Männchens und aufgebrauchten Nahrungsreserven fliegt das Weibchen vom Horst und wartet in der Nähe auf das mit Beute eintreffende Männchen. Die Beuteübergabe findet oft auf einem Baum in Horstnähe statt. Das Füttern verläuft bei allen Greifvögeln nach gleichem Schema, indem das Weibchen den Jungen aus der Beute herausgepflückte kleine Fleischbröckchen vorhält. Die Jungen sind sofort nach dem Schlupf im Gegensatz zu den noch blinden Singvögeln auf das Sehen eingestellt und schnappen zielgerichtet nach dem Bröckchen im Schnabel des Weibchens. Nach Lockerung der Hudertätigkeit, etwa ab 10 bis 14 Tagen, wacht das Weibchen auf dem Horst oder in unmittelbarer Nähe. Gewöhnlich steht das Weibchen im Wipfel eines Baumes, von wo das Weibchen das mit Beute anfliegende Männchen bereits aus der Ferne entdecken kann. Von diesem Punkt aus muß auch gleichzeitig der Horst wegen Krähengefahr im Blickfeld liegen. Das beutebringende Männchen meldet sich rufend an, worauf das Weibchen antwortet. Falls das Weibchen neben dem Horst wartet, fliegt das Weibchen nun auf den Horst, auf dem auch das anfliegende Männchen landet. Auf dem Horst vollzieht sich auch die Beuteübergabe. Häufig verweilt das Männchen auf dem Horstrand oder auf einem Ast neben dem Horst. Die Jungen werden im Alter bis etwa 14 Tage mit reinem Fleisch gefüttert. Ab diesem Alter bekommen die Jungen vom Weibchen allmählich zusätzlich gewöllbildende Stoffe wie kleine Federn, Fellrest und Knochen, so dass die Jungen ab dieser Zeit die ersten Gewölle werden. <6>


Im Alter von 32 bis 35 Tagen betätigen sich die Jungen mit Flugübungen. Zwischen dem 43. und 45. Tag. Das Ausfliegen erfolgt nach einwöchiger Ästlingszeit mit 43 bis 49 Tagen. Die Vögel sind sind mit 43 Tagen schon flugfähig. Trotz des Ausfliegens ist das Großgefieder erst mit zwei Monaten voll erwachsen und verhornt. Im Alter von etwa 52 Tagen werden die ersten Gleitflüge und mit etwa 63 Tagen das erste Kreisen und Aufsteigen beobachtet. Jungvögel, die einzeln im Horst aufwachsen, fliegen später als die älteren Geschwister aus Horsten mit größerer Jungenzahl aus.
Juvenile Schwarzmilane im Horst
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Juvenile Schwarzmilane im Horst
Unmittelbar nach dem Ausfliegen erinnern die jungen Schwarzmilane mit ihren noch runden Schwänzen sehr an das Flugbild eines Mäusebussard (Buteo buteo). Die äußeren Schwanzfedern sind zu diesem Zeitpunkt noch kürzer als die mittleren und wachsen erst im Verlaufe der nächsten zwei Monate zu einer schwachen Gabel heran. Etwa drei Wochen nach dem Ausfliegen sind die Schwanzfedern der Jungen soweit nachgewachsen, dass der Schwanz im schwach gespreizten Zustand die Form eines verschobenen Dreiecks bekommt und vollständig gespreizt wie der Schwanz eines Mäusebussard (Buteo buteo) wirkt. Der Bettelflug der Jungen dauert etwa sechs Wochen. Etwa zwei bis drei Wochen nach dem Ausfliegen ist der Horst noch Mittelpunkt des Geschehens im Bettelflug. Wenn die Jungen nicht fliegen, ruhen sie meistens liegend stundenlang im Horst. Sie nächtigen im Horst noch bis zu sieben und neun Tage nach dem Ausfliegen. Erscheint ein Altvogel mit Beute, und die Jungen befinden sich in der Luft, verfolgen sie den Altvogel manchmal dichtauf, wie auf eine Schnur gereiht. Noch mindestens 25 Tage nach dem Ausfliegen ist die gesamte Familie auf dem Horst als Beuteübergabeplatz fixiert, und die Jungen fliegen zielgerichtet den Horst an, wenn ein Altvogel mit Beute erscheint. Die Vögel können dabei aus völlig unterschiedlichen Richtungen anfliegen, und es ist auch unwichtig, ob der Altvogel oder die Jungen zuerst den Horst erreichen. In jedem Fall vollzieht sich die Beuteübergabe an einen Jungvogel auf dem Horst. Wann die Jungen ihre erste Beute selbst schlagen, ist unklar. Es dürfte auf jeden Fall sehr spät sein. <6>

Die Nestlingssterblichkeit tritt im Vergleich zum Rotmilan (Milvus milvus) häufiger auf, ist aber nicht so ausgeprägt wie bei Habicht (Accipiter gentilis) und Rohrweihe (Circus aeruginosus), bei denen später geschlüpfte oder zurückgebliebene Jungvögel in der Regel keine Überlebenschance haben. Auch beim Schwarzmilan betrifft es vorzugsweise die sogenannten Nesthäkchen. Die Nesthäkchen können von der Nahrung abgedrängt, aber auch von den älteren Geschwistern bearbeitet werden. Derartige Jungvögel sitzen häufig nachts auf dem Horstrand und stürzen ab. Von 1988 bis 1992 betrugen die erfolglosen Bruten zum Beispiel in Westpolen 38,7 Prozent, die schlechtesten Jahre waren 1990 und 1991 mit je 50 Prozent. Die häufigsten Ursachen waren Störungen durch Menschen, Nebelkrähen (Corvus corone cornix) und Habichte (Accipiter gentilis) und in sieben Fällen erfolgte keine Eiablage. Von 673 Bruten in Deutschland (1988 bis 1992) waren 520 erfolgreich (77,27 Prozent). Horste können auch während der Aufzuchtsperiode abstürzen und manchmal können sich die halbflüggen Jungen noch auf einem Fragment halten. Stürzt allerdings ein Horst durch Stürme ab, dann kommen die darin befindlichen nicht flüggen Vögel um. In Gefangenschaft kann ein Schwarzmilan ein Alter von 22 Jahren erreichen. In freier Wildbahn erreicht der Schwarzmilan dieses Alter kaum, die Mortalität beträgt durchschnittlich 30 bis 40 Prozent. Die Lebenserwartung in Russland ist höher, da das Land nicht so dicht vom Menschen besiedelt ist. <6>

Nestlingskleider

Erstes Dunenkleid

Wie beim Rotmilan (Milvus milvus) fällt das erste Dunenkleid durch seine bunte Färbung und die außerordentlich langen feinen Dunenspitzen an Kopf und Rücken besonders auf. Unterseits ist das Dunenkleid ein wenig kürzer und in den ersten Tagen von weilich-hellgraubrauner Farbe. Der Rücken, die Flügel und ein Feld um die Augen sind dunkler gefärbt. Die Augen sind bei frisch geschlüpften und wenige Tage alten Jungen schwarz mit auffallend hell- bis graublauer Lidumrandung. Diese Lidfarbe bleibt bis zum Ausfliegen erhalten, wird etwas dunkler und geht wahrscheinlich mit der ersten Mauser in ein Grau bis Graubräunlich, später in ein Dunkel- bis Schwarzbraun über. Die Schnabelwachshaut und die Läufe sind kräftig gelb, während die Füße zuerst weißgräulich sind und später in die gelbe Farbe überwechseln. Auch die Krallen sind weißgrau und verfärben sich erst nach einigen Tagen schwarz. <7>

Zweites Dunenkleid

Bereits ab dem fünften Tag bilden sich die Blutkiele dunkel unter der Haut, und das zweite Dunenkleid, auch Pelzdunenkleid genannt, wird sichtbar. Es ist kürzer, oberseits gräulich-braun mit hellen Flecken und erstreckt sich etwa bis zum 17. Tag. Am 12. Tag treten bereits die Blutkiele aus der Flügelhaut hervor. Am 17. Tag schieben sich die Federspitzen aus den Flügelkielen. Mit dem 30. Tag sind die Jungen zugefiedert. Die Iris ist dunkelbraun. Der Eizahn dürfte etwa zwischen dem 17. und 22. Tag abfallen. <7>

Jugendkleid

Die Grundfarbe des Jugendkleides ist braun. Auffällig für das Jugendkleid ist eine beigefarbene Strichelung und Fleckung des Kleingefieders der Unter- und Oberseite von Körper und Flügel. Hervorgerufen wird dieser Effekt durch ein beige- oder rostbraunes Feld der Federspitzen des Deckgefieders. Am Kopf verdichtet sich dieses Muster, so dass es vor allem an Oberkopf und Nacken schuppenartig wirkt. Der europäische Schwarzmilan mausert nicht, wie bisher in der Literatur beschrieben, vom Jugendkleid in das bekannte weißgrauköpfige gelbäugige Alterskleid, sondern es bestehen zwei deutlich an der Kopffärbung voneinander unterscheidbare und voll durchgemauserte Immaturenkleider und auch das folgende Alterskleid zeigt noch mehrere Jahre eine andere Irisfarbe. <7>

Erstes Immaturenkleid
Schwarzmilan im Immaturenkleid
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Schwarzmilan im Immaturenkleid

(2. Kalenderjahr). Das erste Immaturenkleid ist das Kleid nach dem Jugendkleid. Das Kopf- und Halsgefieder gleicht in der Struktur mit den kleinen schwärzlichen Schaftstrichen dem des Alterskleides mit jenem deutlichen farblichen Unterschied, dass es anstelle der weißgrauen Grundfarbe an Kopf und Hals auffallend hellgelblich-beigefarben gezeichnet ist und an die etwa gleichfarbene Kopfmaske einer Rohrweihe (Circus aeruginosus) im Jugendkleid erinnert. Dieser Rohrweiheneffekt wird noch verstärkt durch ein dunkles Feld hinter dem Auge, und die braune bis dunkelbraune Iris. <7>

Zweites Immaturenkleid

(3. Kalenderjahr). Kopf- und Halsgefieder sind matt- bis hellbraun, fast zimtfarben, nicht mehr vom übrigen Gefieder abgesetzt wie beim vorjährigen. Außer im Jugendkleid, bleiben die grauschwärzlichen Schaftstriche auch in den folgenden Kleidern bestehen. Die Irist weist eine braune Färbung auf. <7>

Drittes Immaturenkleid

(4. Kalenderjahr). Das zweite und dritte Immaturenkleid sind identisch, daher wird nur von einem Immaturenkleid gesprochen, das sich über diese zwei Jahre hinzieht und trotz Mauser die gleiche Färbung wiederbekommt. <7>

Viertes Immaturenkleid

(5. Kalenderjahr). Das vierte Immaturenkleid kann als braunäugiges Alterskleid bezeichnet werden. Das Kopf- und Halsgefieder hat die bekannte weißgraue Farbe des Alterskleides, noch nicht ganz so hell wie bei den älteren Vögeln, mit den bekannten schwarzen Schaftstrichen. Das Auge ist jedoch noch hellbraun. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Umfärbung des Auges ungefährt mit sieben Jahren vollzieht. <7>

Das übrige Gefieder des Alterskleides ist braun. Vom Hals her vergrößern sich die schmalen zugespitzten Federn bis zum Bauch. Die schwärzlichen lanzettförmigen Längsstriche sind in Kropfgegend am dicksten, werden aber abwärts schmäler. Ab dem Unterbauch geht die Grundfärbung bis zu den Unterschwanzdecken in ein Rotbraun über. Die Unterschwanzdecken heben sich durch die rotbraune Färbung kontrastreich von der Unterseite des Schwanzes ab. Auf der braunen Oberseitenfärbung der Flügel zieht sich im Randbereich des Flügeldeckgefieders ein beigefarbenes Band, etwa von der Körpermitte beginnend, schräg über den Flügel zum Handgelenk. Die gleiche Zeichnung besitzt in noch ausgeprägter Form der Rotmilan (Milvus milvus). Das Kleingefieder der Flügelunterseite ist in Farbe und Muster mit Fortsetzung des Brustgefieders und endet am Handgelenk. Die Begrenzung wird durch längliche schmale Federn gebildet. Die Armschwingfedern sind dunkelbraungrau, fast schwärzlich und überwiegend bänderlos. <7>

Parasiten, Mißbildungen

Die Nestlinge werden häufig von der Falkenlausfliege (Carnus hemapterus) parasitiert, etwa 36,8 Prozent. Über 24 Tage alte Nestlinge werden dann nicht mehr befallen. Des Weiteren werden sie häufig von Kieferläusen (Mallophaga) und von Degeeriella regalis regalis parasitiert. So konnten an einem verendeten Schwarzmilan folgende Parasiten nachgewiesen werden: Craspedorrhynchus spathulatus, Laemobothrion titan ssp. und einige von Craspedorrhynchus spathulatus abgefressene Federäste wurden im Nacken- und Halsbereich des Vogels gefunden. Neben dem Parasitenbefall können auch Mißbildungen bei jungen Schwarzmilanen auftreten wie zum Beispiel Polymelie (sechs oder sieben Zehen je Fuß) oder mißgebildete Flügel. Diese Jungen haben in der freien Wildnis kaum eine Überlebenschance. <8>

Gefährdung und Schutz

Schwarzmilan - Flugstudie
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Schwarzmilan - Flugstudie

Laut der Roten Liste der IUCN zählt der Schwarzmilan heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet erstreckt sich von über 10.000.000 Quadratkilometer, die Bestände der Vögel werden auf 130.000 bis 200.000 Individuen in Europa geschätzt (BirdLife International in prep.). In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt.

Die bis zur Gegenwart anhaltenden massenhaften Abschüsse auf den Zugstraßen im Mittelmeerraum sowie Nahen und Mittleren Osten dürften bei vielen Greifvogelarten, so auch beim Schwarzmilan, noch für den gesamten europäischen Raum mit Ausnahme von Optimalhabitaten das Limit von Populationsdichten bestimmen und somit verfälschen. Das Häufigkeitsverhältnis in Deutschland und auch in Mitteleuropa - Rotmilan (Milvus milvus) zu Schwarzmilan - wo der Rotmilan (Milvus milvus) in der Regel beträchtlich häufiger ist, resultiert nicht nur aus nahrungsökologischen Kriterien, es hat auch etwas mit dem Zugverhalten beider Arten zu tun. Der Rotmilan (Milvus milvus) entgeht durch seine kürzeren Zugwege und das teilweise Überwintern in seinen Brutgebieten intensiver Bejagung, welcher der Schwarzmilan auf dem Zug ins afrikanische Winterquartier ausgesetzt ist. Und wenn im größeren Teil Russlands von einem unerwarteten und unerklärlichen Rückgang des Schwarzmilan gesprochen wird, so beruht er zweifellos auf den gleichen Gründen. Zusätzlich dürfte die anthropogene Belastung der Flüsse in Russland noch eine größere Rolle spielen als in Mitteleuropa. Bei vielen Zugstraßen handelt es sich um topografische Fallen (Flaschenhalseffekt), in denen sich die Zahl der ziehenden Vögel (Aves) verdichtet und wo sie intensiv bejagt werden. Derartige Gebiete sind der Orgambideska-Paß in den Pyrenäen, Gibraltar, Messina, der Bosporus sowie die nordöstliche Schwarzmeerküste. Am Bosporus wurde ein starker Rückgang der durchziehenden Schwarzmilane bereits in den 60er Jahren registriert. Auf Malta werden neben Tausenden von Vögeln auch jährlich 50 bis 75 Schwarzmilane geschossen. Die Zahl ist hier nur deswegen so niedrig, da Malta nicht zum klassischen Durchzugsgebiet des Schwarzmilan gehört. An der nordöstlichen Schwarzmeerküste sind Schwarzmilane auf dem Herbstzug im Gegensatz zu Bussarden (Buteo) und Adlern (Aquila) am bedrohtesten, da sie am niedrigsten fliegen und so leichter beschossen werden können. Zu den gefährlichsten Ländern für Zugvögel im Nahen Osten zählen zweifelsohne Syrien und Libanon. Erste Schritte zu einer Umkehr zeichnen sich in Syrien ab, allerdings aufgrund von Protestschreiben und einer Resolution der Weltkonferenz über Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) 1992. <9>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9]
    Rudolf Ortlieb: Der Schwarzmilan (Milvus migrans). Hohenwarsleben: Westarp-Wiss., 1998. (Die Neue Brehm-Bücherei; Bd. 100) ISBN 3-89432-441-4
  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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