Schwarzkinn-Grundammer

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Schwarzkinn-Grundammer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Ammern (Emberizidae)
Gattung: Pipilo
Art: Schwarzkinn-Grundammer
Wissenschaftlicher Name
Pipilo aberti
Baird, 1852

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Schwarzkinn-Grundammer (Pipilo aberti) zählt innerhalb der Familie der Ammern (Emberizidae) zur Gattung Pipilo. Die englische Bezeichnung für diesen Vogel lautet Abert's Towhee.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schwarzkinn-Grundammer erreicht eine Körperlänge von 21 bis 23 Zentimeter, eine Flügelspannweite von rund 31 bis 33 Zentimeter sowie ein Gewicht von 45 bis 55 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Geschlechtsdimorphismus auf. Das Gefieder ist bräunlich bis leicht zimtbraun gefärbt. Markant ist die schwarze Zeichnung des Gesichtsfeldes zwischen den Augen und dem Schnabelansatz. Der untere Teil des Bauches und der Bürzel sind eher zimtbraun bis rostbraun gefärbt. Das Kinn ist ebenfalls schwarz gefärbt, diese Eigenschaft war für die Art namensgebend. Der Schwanz weist eine graubraune Färbung auf und ist ausgesprochen lang. Der kräftige, finkenähnliche Schnabel ist konisch geformt, recht groß und hellgrau bis gräulich gefärbt. Die Extremitäten weisen eine leicht bräunliche Färbung auf. Von den vier Zehen zeigen drei Zehen nach vorne, eine Zehe nach hinten. Die Iris der Augen ist bei beiden Geschlechtern dunkelrot oder zimtbraun gefärbt, die Pupille ist schwarzbraun. Juvenile Vögel ähneln den Erwachsenen, jedoch ist ihr Brustbereich mit dunklen Längsmustern versehen. Die adulte Ausfärbung des Gefieders stellt sich etwa mit einem Jahr ein.

Lebensweise

Die tagaktiven Schwarzkinn-Grundammern halten sich häufig auf dem Erdboden auf, daher auch das deutsche Synonym "Grundammer". Dabei scharren sie mit den Füßen auf dem Boden, meist im herabgefallenen Laub nach Nahrung. Insekten (Insecta) werden auch im Geäst der Bäume aufgelesen. Fühlen sie sich bedroht, so suchen sie zumeist Schutz unter Büschen oder an ähnlich geschützten Stellen. Nur im Notfall ergreifen sie die Flucht, indem sie wegfliegen. Der Federschopf auf dem Oberkopf kann bei Erregung oder Gefahr aufgestellt werden. Auf dem Boden bewegt sie sich leicht hüpfend fort. Ähnlich hüpfend bewegen sie sich auch in Büschen oder Bäumen fort. Insgesamt ist die Schwarzkinn-Grundammer ein äußerst agiler Vogel. Vor allem während der Paarungs- und Brutzeit legen die Männchen ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Dabei wird das Revier vehement gegenüber Artgenossen und Fleischfressern verteidigt. Außerhalb der Paarungszeit sind sie durchaus gesellig. Schwarzkinn-Grundammern gelten in allen Verbreitungsgebieten als Standvögel. Sie bleiben also ganzjährig in ihren Brutgebieten. Schwarzkinn-Grundammern gehören zu den Singvögeln. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass vor allem die Männchen während der Paarungszeit durch ihren Gesang glänzen. Der Gesang wird von einer Ansitzwarte aus vorgetragen. Neben dem Gesang gehören zum Balzverhalten auch Balzflüge und das Darreichen von Nistmaterial.

Unterarten

Verbreitung

Schwarzkinn-Grundammern kommen im Südwesten der USA und im nördlichen Mexiko vor. Die wichtigsten Brutgebiete liegen dabei in Arizona, Nevada, Utah, New Mexiko, dem südlichen Kalifornien und im nördlichen Mexiko. Schwarzkinn-Grundammer nehmen eine Vielzahl an Lebensräumen an. Hauptsächlich sind sie jedoch in offenem, halbaridem Buschland zu beobachten. Aber auch lichte Laub- und Mischwälder mit entsprechendem Dickicht, Waldränder und Habitate entlang von Flussläufen werden ebenfalls häufig besiedelt. In ariden Lebensräumen wie der Sonora fühlen sich Schwarzkinn-Grundammern auch heimisch. In der Nähe des Menschen sind sie auch in Obstgärten, gelegentlich auch in Parks anzutreffen.

Prädatoren

Die Schwarzkinn-Grundammer sowie ihre Eier und die Brut stehen auf der Speisekarte vieler Fleischfresser. Unter den Säugetieren (Mammalia) gelten vor allem Rotfüchse (Vulpes vulpes), Silberdachse (Taxidea taxus), Streifenskunks (Mephitis mephitis), Wiesel (Mustela) und Ziesel (Spermophilus). Hauptfeinde sind jedoch zahlreiche Greifvögel (Falconiformes) wie der Eckschwanzsperber (Accipiter striatus), der Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), der Habicht (Accipiter gentilis), der Wanderfalke (Falco peregrinus), der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und der Buntfalke (Falco sparverius) sowie Eulen (Strigiformes) wie die Waldohreule (Asio otus). Aber auch andere räuberisch lebende Vögel wie die Schwarzschnabelelster (Pica hudsonia), der Kolkrabe (Corvus corax), der Diademhäher (Cyanocitta stelleri) und der Westliche Buschhäher (Aphelocoma californica) stellen der Schwarzkinn-Grundammer nach. In seltenen Fällen fallen Nestlinge und Eier auch einigen Schlangenarten zum Opfer. Nicht selten liegt der Gelegeverlust in einer Saison zwischen 50 und 75 Prozent.

Ernährung

Schwarzkinn-Grundammern ernähren sich als Allesfresser sowohl von tierischer als auch von pflanzlicher Nahrung. Der Anteil pflanzlicher Nahrung ist jedoch deutlich höher. Nur während der Paarungs- und Brutzeit wird verstärkt auf tierische Kost zurückgegriffen. Die Brut wird ausschließlich mit tierischer Nahrung gefüttert. Zur pflanzlichen Nahrung gehören insbesondere fettreiche Sämereien, Nüsse und andere Waldfrüchte sowie Beeren und Früchte. Saisonal kann die Zusammensetzung der Nahrung schwanken. An tierischer Nahrung werden vor allem allerlei Insekten (Insecta), deren Larven, Spinnentiere (Arachnida) und kleine wirbellose Tiere gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich auf dem Boden. Hier scharrt die Schwarzkinn-Grundammer mit den Füßen im Laub nach verwertbarer Nahrung. Ansonsten erfolgt die Nahrungssuche auch in Bäumen und Büschen. Als tagaktive Vögel gehen Schwarzkinn-Grundammern nur am Tage auf Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Die Schwarzkinn-Grundammer erreicht die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet im Frühjahr, meist ab März bis in den Juni hinein. Die Brutareale liegen für gewöhnlich im Buschland, die durch zahlreiche Büsche gekennzeichnet sind. In allen Regionen ihrer Verbreitungsgebiete kommt es in de Regel zu zwei Jahresbruten, wobei Nachgelege durchaus üblich sind, falls ein Gelege verlorengeht. Die Geschlechter führen eine monogame Saisonehe, die zumeist ein Leben lang hält. Sie beanspruchen während der Brutzeit ein kleines Revier, das gegenüber Eindringlingen und Fleischfressern vehement verteidigt wird. Die napfartigen Nester werden in dichtem Buschwerk am Boden oder in niedriger Höhe in Büschen angelegt. Nester entstehen selten in Höhen von über 150 Zentimetern über dem Boden. Die relativ niedrige Höhe ermöglicht es vielen Räubern die Nester zu plündern. Das Nest wird vom Weibchen alleine in einer flachen Bodenmulde oder in geringer Höhe in Büschen aus Pflanzenfasern, Halmen und anderen weichen Materialien errichtet und mit Federchen und Tierhaaren ausgepolstert. Der Nestbau nimmt meist knapp eine Woche in Anspruch. Ein Gelege besteht meist aus zwei bis fünf gräulichen bis blassblauen Eier. Das Weibchen wärmt die Eier über einen Zeitraum von 13 bis 14 Tagen. Das Männchen versorgt sein Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung. Beim Schlupf sind die Küken noch nackt und blind, sie werden in den ersten Tagen von der Mutter gehudert. Bereits im Alter von 12 bis 14 Tagen sind die Küken bereits flugfähig, bleiben aber noch ein bis zwei Wochen bei den Eltern. Während der Nestlingszeit kümmern sich beide Elternteile um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung, die hauptsächlich aus Insekten und Larven wie Insektenraupen besteht. Die Lebenserwartung einer Schwarzkinn-Grundammer liegt unter günstigen Umständen bei etwa acht Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Schwarzkinn-Grundammer gehört in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete noch nicht zu den bedrohten Arten. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Der Verlust der natürlichen Lebensräume durch Urbanisierung und Waldbrände hatten in den letzten Jahren einen deutlichen Rückgang der Populationen zur Folge. Dies ist umso dramatischer, da das natürliche Verbreitungsgebiet relativ klein ist. Selbst regional begrenzte Einwirkungen in die Natur können schon katastrophale Auswirkungen auf die Gesamtpopulation haben. Ackerbau und Viehzucht haben in den letzten Jahrzehnten massiv an Boden gewonnen und die Schwarzkinn-Grundammer immer weiter zurückgedrängt. Ein weiterer, nicht minder gefährlicher Faktor ist der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Vögel nehmen über die Nahrung Pestizide auf und schädigen sie nachhaltig. Dieses wirkt sich nicht selten negativ auf das Brutverhalten aus.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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