Schraubenziege

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Schraubenziege

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Ziegen (Capra)
Art: Schraubenziege
Wissenschaftlicher Name
Capra falconeri
(Wagner, 1839)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Schraubenziege (Capra falconeri) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Ziegen (Capra). Im Englischen wird die Schraubenziege Markhor genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schraubenziege erreicht eine Körperlänge von 140 bis 165 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 65 bis 85 Zentimeter, eine Schwanzlänge von rund 15 Zentimeter sowie ein Gewicht von 50 bis 110 Kilogramm. Im Winter ist ihr Fell hellgrau und für die kalten Lebensräume sehr kurz. Es verfügt aber über eine dichte Unterwolle, die die Tiere auch vor bitterer Kälte schützt. Zudem verfügen Schraubenziegen über eine dicke Fettschicht unter der Haut. Im Sommer ist das Fell deutlich dunkler, die Färbung variiert von dunkelbraun bis fast schwarz. Die Böcke verfügen über eine imposante Nacken- und Rückenmähne, die gut bis 30 Zentimeter lang werden kann. Im Gesichtsbereich haben sie einen charakteristischen Ziegenbart. Die Hörner, über die beide Geschlechter verfügen, stehen an der Wurzel nah beieinander und laufen leicht schräg nach außen auseinander. Die Hörner, die deutlich nach außen gedreht sind, können beim Männchen eine Länge von über 100 Zentimeter erreichen. Beim Weibchen bleiben sie mit bis zu 25 Zentimeter deutlich kleiner und weniger imposant.

Lebensweise

Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs in reinen Geißgruppen. Meist leben sie in kleinen Gruppen von acht bis zehn Tieren zusammen. Nur selten schließen sie sich zu größeren Gruppen zusammen. Männchen leben grundsätzlich einzelgängerisch und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Sie sind auch nicht an der Aufzucht der Jungen beteiligt, da sie die Herden nach der Paarungszeit wieder verlassen. Schraubenziegen bewohnen für gewöhnlich Streifreviere in Größen von bis zu zehn Quadratkilometer. Sie sind tagaktiv und verbringen die meiste Zeit vom Tag mit der Nahrungssuche. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen insbesondere der Luchse, Schneeleoparden, Wölfe und Leoparden.

Unterarten

Verbreitung

Schraubenziege
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Schraubenziege

Schraubenziegen leben ausschließlich im Hochgebirge in Höhen von rund 3.500 Metern, im Himalaya sogar auf 4.000 bis 4.500 Metern über NN. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den westlichen Himalaya und Gebirgsregionen von Afghanistan, Pakistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan sowie dem nördlichen Indien und dem Kaschmir. Sie bevorzugen steinige und felsige Steilhänge oberhalb der Baumgrenze. Wälder werden vor allem im Sommer strikt gemieden. In kalten Wintern ziehen sich die Tiere in etwas tiefere Lagen zurück und suchen an Südhängen nach schneefreien Plätzen.

Ernährung

Schraubenziegen sind reine Pflanzenfresser und ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten sowie jungen Trieben und Knospen von Sträuchern und jungen Bäumen. Um ihren Mineralhaushalt auf Vordermann zu halten, nutzen sie die im Gebirge vorhandenen Salzlecken. Pro Tag verbringen Schraubenziegen in ihren kargen Lebensräumen rund vierzehn Stunden mit der Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Schraubenziegen mit etwa zwei bis drei Jahren. Männchen benötigen ein Jahr länger als Weibchen. Zur Fortpflanzungszeit, die im späten Herbst beginnt, stossen die Männchen zu den Geißgruppen. Dabei kann es zu heftigen Kämpfen unter den Böcken kommen, denn nur der stärkste Bock hat ein Recht auf Paarung mit allen Weibchen der Gruppe. Daher haben junge geschlechtsreife Böcke in jungen Jahren kaum eine Chance auf die Fortpflanzung.

Nach einer Tragezeit von 140 bis 160 Tagen bringt das Weibchen ein, selten zwei Jungtiere zu Welt. Kurz nach der Geburt ist das Kitz in der Lage der Mutter zu folgen. Sie haben ein besonders dichtes Fell, das sie gegen Kälte schützt. Männchen sind an der Aufzucht der Jungtiere nicht beteiligt, sie verlassen nach der Paarungszeit die Weibchengruppen und führer wieder ihr einzelgängerisches Leben. Die Jungtiere wachsen innerhalb der Gruppe in Kindergruppen mit mehreren Jungtieren auf. Sie werden rund fünf oder sechs Monate von der Mutter gesäugt. Die Lebensdauer einer Schraubenziege kann fünfzehn bis zwanzig Jahre betragen, in Freiheit erreichen sie lediglich ein Alter von zehn bis dreizehn Jahren.

Gefährdung und Schutz

In der Roten Liste der IUCN wird die Schraubenziege als gefährdete Art geführt. Hauptgründe für den starken Rückgang der Populationen sind insbesondere die Bejagung durch die einheimische Bevölkerung wegen ihres Fleisches und der Haut sowie die Nachstellung durch Trophäenjäger.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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