Schopfmakak

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Schopfmakak

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Gattung: Makaken (Macaca)
Art: Schopfmakak
Wissenschaftlicher Name
Macaca nigra
Desmarest, 1822

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Schopfmakak (Macaca nigra) gehört innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Gattung der Makaken (Macaca).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Schopfmakak erreicht eine Körperlänge von 45 bis 58 Zentimeter sowie ein Gewicht von 5.000 bis knapp 10.000 Gramm. Weibchen bleiben in der Regel ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Namensgebend für diese Art der Schopfmakaken ist der aufstellbare, borstenartige Haarschopf auf dem Scheitel. Das dichte Fell ist überwiegend tiefschwarz, ebenso das fast haarlose Gesicht. Der kurze Schwanz weist nur eine rudimentäre Länge von knapp zwei Zentimeter auf. Das Gesicht wirkt fast plastisch und ist geprägt durch kantige
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Wangen und hochstehende Wülste über den Augen. Die Schnauze ist leicht in die Länge gezogen. Die Ohren befinden sich seitlich am Kopf, in etwa in Höhe der Augen. Neben der Größe unterscheiden sich die Geschlechter auch beim Gebiss. Die Männchen verfügen über deutlich ausgebildete Eckzähne. Die Männchen fügen sich mit diesen Eckzähnen in Rangkämpfen zum Teil erhebliche Verletzungen zu.

Schopfmakaken leben in größeren Gruppen. Eine Gruppenstärke von 100 Tieren oder mehr ist dabei keine Seltenheit. Geschlechtsreife Weibchen bleiben meist in ihrer Geburtsgruppe, Männchen verlassen ihre Gruppen und schließen sich anderen Tieren an. Unter den Weibchen wie auch den Männchen herrscht innerhalb einer Gruppe eine strikte Rangfolge. Diese wird durch Drohgebärden signalisiert und bei Bedarf auch handgreiflich umgesetzt. Dem Erhalt der Sozialstruktur wird dabei mittels Gestik, Mimik (z.B. Aufstellen des Haarschopfes) und Lautgebärden Rechnung getragen. Das gegenseitige "Lausen" ist kein Absuchen nach Ungeziefer, sondern eine Fellpflege in Bezug auf die Suche nach Hautschuppen und dient letztlich der sozialen Beziehungen untereinander. Schopfmakaken leben auf dem Waldboden aber auch auf Bäumen - besonders nachts beim Schlafen. In der Nähe des Menschen fallen Schopfmakaken nicht selten in Plantagen und landwirtschaftliche Flächen ein. Dies macht die Primaten bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt. Auch dienen Schopfmakaken auf dem Speisezettel des Menschen als willkommene Abwechslung.

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet der Schopfmakaken erstreckt sich über die indonesische Insel Sulawesi. Heute leben die Tiere nur noch im Nordosten in einem Nationalpark. Eine weitere Population lebt auf der indonesische Insel Bacan. Hier leben die Tiere halbwegs von den Menschen unbehelligt. Wie es zu dieser zweiten Population gekommen ist, kann man sich bis heute nicht erklären. Die Inseln liegen einige hundert Kilometer voneinander getrennt. Man glaubt, dass die Tiere auf Bacan im Laufe des 19. Jahrhundert vom Menschen eingeführt wurden.

Schopfmakaken leben bevorzugt in Regenwäldern, dessen Rändern und in Bergwäldern. In Höhenlagen sind sie bis weit über 1.000 Metern über NN. anzutreffen. Ihre letzten Rückzugspunkte beschränken sich heute auf einige kleinere Nationalparks im Nordosten von Sulawesi. Hier sind sie zumindest vor dem Menschen sicher. In allen anderen Teilen von Sulawesi ist der Schopfmakak heute verschwunden. Ob auch die schleichende Lebensraumvernichtung vor den Nationalparks halt macht, bleibt abzuwarten.

Gefährdung, Schutz

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Schopfmakaken gehören mittlerweile zu den stark gefährdeten Primaten. Die Gründe liegen zum einen in dem Raubbau an der Natur und die starke Bejagung durch den Menschen. Die Eingeborenen schätzen ihr Fleisch und stellen den Tieren massiv nach. Die starke Gefährdung bezieht sich insbesondere auf das Hauptverbreitungsgebiet auf Sulawesi. In der Roten Liste der IUCN wird der Schopfmakak mittlerweile als stark gefährdet (EN, endangered) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere in Anhang II unter weltweitem Schutz. Man schätzt die Gesamtpopulation im Jahre 2006 auf etwa 100.000 Tiere. Die Tendenz ist stark fallend.

Ernährung

Die bevorzugte Nahrung der Schopfmakaken besteht aus pflanzlicher Kost wie Blätter, Blüten, Knospen, Obst und Gemüse. Aber auch tierische Komponenten wie Eier von Vögeln und Reptilien, Insekten, Raupen und andere Weichtiere stehen durchaus hoch im Kurs. Die Nahrungssuche erfolgt dabei fast ausschließlich terrestrisch. In die Bäume begeben sie sich auf der Suche nach Eiern eher selten. Die Nahrungssuche nimmt den Großteil ihrer aktiven Tageszeit ein. Gut die Hälfte des Tages wenden sie an Zeit hierfür auf.

Fortpflanzung

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Schopfmakaken erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis vier Jahren. Die Tiere leben in zum Teil sehr großen Gruppen und führen hier ein polygames Leben. Feste Partnerschaften sind bei diesen Primaten nicht bekannt. Ein Männchen paart sich in der Regel mit mehreren Partnern, ähnlich verhält es sich mit den Weibchen. Die Schwangerschaft der Schopfmakaken dauert rund 165 bis 180 Tage. In der Regel wird ein Junges geboren, selten kommt es zu Zwillingsgeburten. Der Nachwuchs weist ein Geburtsgewicht von 450 bis 600 Gramm auf. Gesäugt werden die Jungtiere über einen Zeitraum von gut acht Monaten, selten auch bis zu einem Jahr. Alleine die Mutter kümmert sich aufopfernd um den Nachwuchs. Der Vater hat weitestgehend nichts mit der Aufzucht zu tun. Die Lebenserwartung der Schopfmakaken beträgt in Freiheit 15 bis 20 Jahre, in Gefangenschaft können die Tiere ein Alter von 25 bis 30 Jahre erreichen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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