Schienenechsen

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Schienenechsen
Sechsstreifen-Rennechse (Cnemidophorus sexlineatus)

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Überfamilie: Skinkartige (Scincomorpha)
Familie: Schienenechsen
Wissenschaftlicher Name
Teiidae
J. E. Gray, 1827

Schienenechsen (Teiidae) zählen innerhalb der Ordnung der Eigentlichen Schuppenkriechtiere (Squamata) zur Unterordnung Autarchoglossa. In 9 Gattungen werden werden rund 122 rezente Arten geführt. Im Englischen werden die Arten dieser Familie Whiptails genannt.

Stammesgeschichtlich und systematisch zählt man zum Komplex der Schienenechsen zum einen die Großtejus (Teiidae), zum anderen die Zwergtejus (Gymnophthalmidae) mit zahlreichen Arten. Beide Gruppen fasst man als Teiformata zusammen. Alle Schienenechsen bilden eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft. Die altweltlichen Echten Eidechsen (Lacertidae) werden in morphologischer Hinsicht als Gegenstück bzw. Schwestertaxon zu den amerikanischen Schienenechsen angesehen.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde, Evolution

Fossile Formen der Schienenechsen sind aus oligozänen Ablagerungen bekannt und weisen somit ein Alter von 25 bis 30 Millionen Jahren auf. Die Funde lassen sich rezenten Gattungen zuordnen.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schienenechsen sind eine durchaus gestaltenreiche Familie innerhalb der Echsen. Es treten langbeinige und langschwänzige Formen von mittlerer bis großer Statur oder kleine und kurzbeinige Formen mit einem lang gestreckten, walzenartigen Körper in Erscheinung. Aber auch schleichenartige Formen mit stark reduzierten Beinchen, wurmartige Wühler und sogar geckoartige Echsen sind in der Familie anzutreffen. Die bekannteste Gruppe der Schienenechsen sind zweifelsohne die Tejus (Tupinambis).
Roter Teju (Tupinambis rufescens)
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Roter Teju (Tupinambis rufescens)
In morphologischer Hinsicht unterscheiden sich Schienenechsen nur wenig von den neuweltlichen Echten Eidechsen (Lacertidae). Dies betrifft vor allem die Muskulatur, die Merkmale des Skelettes und der Sinnesorgane. Die Zunge der Schienenechsen ist meist recht lang, schmal und endet in 2 Spitzen. Einige Arten weisen jedoch nur eine schwache Kerbung der Zunge auf. Andere Arten der Tejus können den basalen Teil der Zunge in eine röhrenartige Scheide zurückziehen. Die Hornschilder des Kopfes sind nicht mit dem Schädel verwachsen. Die Zähne sind solide gebaut, also nicht wie bei den Echten Eidechsen innen ausgehöhlt. Schenkelporen sind bei einigen, jedoch nicht allen Arten vorhanden.

Rennechsen (Cnemidophorus) sind innerhalb der Schienenechsen eine artenreiche Gattung. Bei ihnen handelt es sich durchweg um mittelgroße und langschwänzige Echsen mit langen, kräftigen Beinen. Rennechsen erreichen artabhängig durchaus Längen von bis zu 50 Zentimeter. Sie leben meist in halboffenen Habitaten und sind am Tage aktiv. Es wundert nicht, dass einige der langbeinigen Vertreter ausgesprochen schnelle Läufer sind, die mitunter auch nur auf den Hinterbeinen laufen können. Die Schnauze der Rennechsen ist spitz zulaufend, der Kopf relativ hoch. In Gegensatz zu den Tejus sind die Zähne der Rennechsen zweispitzig und lateral abgeflacht. Die Zungenspitze ist bei den Rennechsen üblicherweise deutlich eingekerbt, die Zunge ist nicht retraktil. Die meisten Arten weisen eine bräunliche Grundfärbung auf. Helle Längsstreifen, Flecken oder ähnliche Muster sind bei vielen Arten obligatorisch. Die Unterseite ist meist einfarbig, bei Männchen kann sich mitunter eine farbenfrohe und leuchtende Färbung zeigen. Noch artenreicher als die Rennechsen sind die Ameiven (Ameiva). Zu dieser Gattung werden 36 Arten gerechnet. Die meisten Ameiven treten in tropischen Regionen in Erscheinung, die meisten Arten kommen im zentralen und nördlichen Südamerika vor. Die nördlichsten Verbreitungsgebiete reichen bis nach Mexiko, im Süden erstreckt sich die Verbreitung bis in den Norden von Argentinien. Viele Arten kommen in der Nähe des Menschen im Kulturland oder auch auf Plantagen vor. Die Färbung der Ameiven reicht meist von bräunlich bis grünlich, helle Längslinien oder ähnliche Muster ziehen in der Regel den Rücken. Lateral zeigen sich mitunter helle Querstreifen. Bei Arten in gemäßigten Regionen neigen diese aufgrund von Verdichtung der melaninhaltigen Chromatophoren zu einer sehr kontrastreichen Färbung.

Die Rückenschuppen der meisten Schienenechsen sind fein und fast granulär. Die Bauchschuppen hingegen weisen eine Form großer, fast rechteckiger Schilder bzw. Schienen auf. Diese Form der Bauchschuppen war für die Familie namensgebend. Die granuläre Rückenbeschuppung setzt sich auf dem Schwanz nicht fort. Hier werden die Schuppen deutlich größer und sind schon an der Schwanzwurzel gekielt.
Krokodilteju (Dracaena guianensis)
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Krokodilteju (Dracaena guianensis)
Bei den Krokodiltejus (Dracaena) sind auch die Schuppen des Bauches und der Beine stark gekielt. Die Tejus der Gattungen der Vierzehen-Ameiven (Teius), der Echten Tejus (Tupinambis) und der Krokodiltejus (Dracaena) sind mittelgroß bis groß. In der Beschuppung und der Anzahl der Zehen ähneln Tejus den Ameiven und den Rennechsen. Unterschiedlich ist jedoch die Form und Stellung der Zähne. Die Zähne scheinen quer zur Kiefernleiste zu stehen. Dieser Eindruck täuscht jedoch, da die Zähne nicht in Längsrichtung abgeflacht sind, sondern in Querrichtung. Innerhalb der Unterordnung der Echsen (Lacertilia) gehören Tejus, abgesehen von einigen Vertretern der Gattung Varanus, zu den größten Arten. Der Schwarzweiße Teju (Tupinambis merianae) erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 40 bis 50 Zentimeter. Der im Querschnitt rundliche Schwanz erreicht die 1,5 bis 2,5 fache Länge der Kopf-Rumpf-Länge. Daraus ergibt sich eine Gesamtlänge von bis zu 140 Zentimeter. Gerade die großen Tejus erinnern in ihrer Lebensweise an die der großen altweltlichen Warane.

Lebensweise

Schienenechsen sind terrestrische Echsen. Darüber hinaus können einige Arten als semiaquatil bezeichnet werden. Hier ist insbesondere der Krokodilteju (Dracaena guianensis) zu nennen. Den Tag über verbringen Krokodiltejus meist im Wasser, da sie hier vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit sind. Der Körper der Krokodiltejus hat sich im Laufe der Evolution optimal an das Leben im Wasser angepasst. Markantes Merkmal ist hierbei der lateral abgeflachte Schwanz, der beim Schwimmen dem Vortrieb dient. Beim Klettern in Bäumen oder Sträuchern dient der lange Schwanz der Stabilisierung. Die Anpassung an das Leben im Wasser war notwendig, da die Tiere ausschließlich in wasserreichen Sumpfgebieten anzutreffen sind. Nicht selten sitzen sie auf Ästen, die über das Wasser reichen. Bei Gefahr lassen sie sich einfach ins Wasser fallen. Die Sinne, insbesondere der Geruchssinn, sind hoch entwickelt. Beutetiere werden über Geruchspartikel, die über die gegabelte Zunge aufgenommen werden, lokalisiert.

Andere Arten, insbesondere die Vertreter der Rennechsen (Cnemidophorus) sind ausgesprochen scheue Echsen, die eine hohe Fluchtdistanz ausweisen. Sie verstecken sich zumeist unter Steinen, in natürlichen Spalten und Höhlen oder an ähnlich geschützten Stellen. Gelegentlich graben sie sich auch eigene Behausungen, fremde oder natürliche Unterschlüpfe werden allerdings bevorzugt. Anders als die Krokodiltejus gelten Rennechsen als rein terrestrische Echsen. Sie klettern ausgesprochen selten oder gar nicht. Am Boden sind sie jedoch sehr agil und schnelle Läufer. Fluchtgeschwindigkeiten von mehr als 25 km/h werden von einigen Arten der Rennechsen erreicht.

Verbreitung

Schienenechsen kommen ausschließlich in Amerika vor. Die meisten Arten kommen in tropischen und subtropischen Regionen des Doppelkontinenten vor. Sie sind sowohl in lichten Wälder, an den Rändern tropischer Regenwäldern, im Grasland, als auch in felsigen und steinigen Habitaten, an Gewässern wie Flüssen, Seen und größeren Teichen anzutreffen. Nur wenigen Arten kommen auch in gemäßigten Regionen vor und sind hier in mehr oder weniger offenen Landschaften meist in Wüsten und Savannen in der Ebene und im Hochland verbreitet. Vor allem Echte Tejus (Tupinambis) konnten in Amerika ökologischen Nischen besetzen. Die nördliche Grenze des Verbreitungsgebietes der Schienenechsen bildet der Komplex der Rennechsen (Cnemidophorus).

Prädatoren

Größere Schienenechsen wie Echte Tejus (Tupinambis) und Krokodiltejus (Dracaena) haben als adulte Tiere nur wenige natürliche Feinde. Allenfalls größere Kaimane (Caimaninae) sind in der Lage eine große Schienenechse zu erlegen. Juvenile Tiere und kleinere Schienenechsen fallen deutlich häufiger Prädatoren zum Opfer. Dazu gehören beispielsweise Greifvögel (Falconiformes), Schlangen (Serpentes) oder auch größere Echsen (Lacertilia). Hin und wieder erbeuten auch räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Katzen (Felidae) die eine oder andere Schienenechse.

Ernährung

Schienenechsen ernähren sich überwiegend von Insekten (Insecta) und anderen Gliederfüßer (Arthropoda). Nur wenige Arten wie beispielsweise Dicrodon guttulatum aus der Gattung der Wüstentejus (Dicrodon) ernähren sich fast ausschließlich von pflanzlicher Nahrung. Die großen Tejus fressen eher größeres Getier wie Lurche (Amphibia), kleine bis mittelgroße Echsen (Lacertilia), Vögel (Aves) und deren Gelege sowie an Gewässern auch Fische (Actinopterygii). Selbst Insekten und Früchte werden von den Tejus gefressen. Krokodiltejus (Dracaena) sind reine Fleischfresser. Sie ernähren sich insbesondere von Muscheln (Bivalvia), Schnecken (Gastropoda) und kleinen Krebstieren (Crustacea). Hin und wieder stehen auch Insekten (Insecta), kleinere Schlangen (Serpentes) und Echsen (Lacertilia) auf dem Speiseplan. Hartschalige Tiere werden zwischen den kräftigen Kiefern zerdrückt, gefressen werden dann nur die Weichteile der Schalen- oder Krustentiere. Der Krokodilteju Dracaena paraguayensis ist ein Nahrungsspezialist und ernährt sich überwiegend von Schnecken (Gastropoda).

Fortpflanzung

Goldteju (Tupinambis teguixin)
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Goldteju (Tupinambis teguixin)

Bei einigen Arten der Rennechsen (Cnemidophorus) kommt es zur Parthenogenese (Jungfernzeugung). Die entsprechenden Arten, hier sind insbesondere Cnemidophorus tesselata und Cnemidophorus neomexicanus zu nennen, pflanzen sich also ohne Männchen fort. Einzigartig ist das Brutverhalten der Goldtejus (Tupinambis teguixin). Die Weibchen graben und kratzen einen Gang in das Innere eines Termitenbaues. Nicht selten reichen die Gänge metertief in den Boden hinein. Im Innern des Baues richtet das Weibchen eine umfangreiche Brutkammer ein. In die fertige Brutkammer legt das Weibchen 6 bis 10 relativ große Eier, die eine Länge von 4 bis 6 Zentimeter, eine Breite von 2,5 bis 3,5 Zentimeter und ein Gewicht von 20 bis 45 Gramm aufweisen. Die Termiten reparieren instinktiv ihren Bau und schließen die Eier förmlich in den Bau ein. Nicht selten legen mehrere Weibchen ihre Eier in den gleich Bau ab. So können leicht bis zu 50 Eier zusammenkommen. Da die Eier in den Termitenbauten relativ sicher vor Nesträubern sind, ist der Bruterfolg trotz der wenigen Eier pro Gelege sehr hoch. Die frisch geschlüpften Jungtiere graben sich unter großen Anstrengungen nach außen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die größeren Arten der Tejus werden von der indigenen Bevölkerung wegen des offensichtlich wohlschmeckenden und zarten Fleisches gejagt. Man hetzt die Tiere mit Hunden und gräbt sie aus ihren Unterschlüpfen aus. Die meisten Arten gehören noch nicht zu den bedrohten Arten. Einige werden in der Roten Liste der IUCN jedoch als gefährdet oder gart kritisch gefährdet geführt. Die Gefährdungssituation im Einzelnen (Stand Oktober 2008):

  • VU, Vulnerable
Aspidoscelis catalinensis, Aspidoscelis gypsi, Aspidoscelis labialis, Aspidoscelis martyris und Cnemidophorus vanzoi
  • CR, Critically Endangered
Ameiva polops

Die Arten Ameiva cineracea und Ameiva major gelten aus bereits ausgerottet.

Systematik der Schienenechsen

Schwarzweißer Teju (Tupinambis merianae)
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Schwarzweißer Teju (Tupinambis merianae)

Familie: Schienenechsen (Teiidae)

Gattung: Ameiven (Ameiva)
Gattung: Callopistes
Gattung: Rennechsen (Cnemidophorus)
Gattung: Crocodilurus ??
Gattung: Wüstentejus (Dicrodon)
Gattung: Krokodiltejus (Dracaena)
Gattung: Kieltejus (Kentropyx)
Gattung: Vierzehen-Ameiven (Teius)
Gattung: Echte Tejus (Tupinambis)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

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