Ostschermaus

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Ostschermaus

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Tribus: Arvicolini
Gattung: Schermäuse (Arvicola)
Art: Ostschermaus
Wissenschaftlicher Name
Arvicola amphibius
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Ostschermaus (Arvicola amphibius) zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Schermäuse (Arvicola). Die Art ist auch unter dem veralteten Synonym Arvicola terrestris bekannt. Im Englischen wird die Art European Water Vole genannt. Weitere deutsche Synonyme sind Mollmaus, Wasserratte (Amann, 1985), Wühlratte, Reutmaus und Große Wühlmaus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Ostschermaus erreicht eine Körperlänge von 12 bis 19 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6 bis 10 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,4 Zentimeter sowie ein Gewicht von 60 bis 180 Gramm. Die kurzen Ohren liegen fast vollständig im dichten Pelz verborgen. Der Schwanz ist dicht mit kurzen Haaren besetzt. Der Kopf ist recht kurz und geht ohne Übergang in den massigen Körper über. Das dichte und mitunter glänzende Fell weist dorsal eine graubraune bis schwarzbraune Grundfärbung auf, ventral zeigt sich eine insgesamt hellere Färbung. Es können auch melanistische Formen auftreten. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3.

Lebensweise

Ostschermäuse sind hauptsächlich am Tage aktiv, gelegentlich auch in der Nacht. Sie sind ausgesprochen gesellig und leben paarweise oder in Familienverbänden in Erdbauten. Nicht selten bilden mehrere Familiengruppen kleinere Kolonien. Das Sozialverhalten beschränkt sich jedoch auf die eigene Familie. Zwischen den einzelnen Familiengruppen kommt es kaum zu einer Interaktion. Ostschermäuse bewegen sich eher langsam durch ihren Lebensraum und sind ausgesprochen schlechte Kletterer. Dafür können sie sehr gut schwimmen und tauchen. Auch die Grabeigenschaften sind hervorragend ausgeprägt. Je nach Lebensraum werden Erdbauten flach unter der Erdoberfläche oder in der Nähe von Gewässern auch tief in den Boden gegraben. An Gewässern entstehen die Erdbauten meist in der Uferböschung oder an Dämmen. Die Bauten, die über eine Wohnkammer und mehrere Vorratskammern verfügen, reichen in der Regel bis unterhalb des Wasserspiegels. Die Populationen in trockenen Regionen graben wie bereits erwähnt flache unterirdische Gänge. Auch diese weisen eine Wohnkammer und mehrere Vorratskammern auf. Nicht selten verlaufen die Gänge kaum 3 Zentimeter unterhalb der Grasnabe. In Regionen, wo sich das Verbreitungsgebiet der Schermaus mit dem des Europäischen Maulwurfes (Talpa europaea) überschneidet, werden auch dessen Gänge genutzt.

Unterarten

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Verbreitung

Die Ostschermaus kommt in weiten Teilen Mitteleuropas, stellenweise bis ins südliche Europa vor. In Spanien und Portugal werden nur die nördlichen Landesteile besiedelt, im westlichen Frankreich fehlt die Ostschermaus ebenso wie in Irland. Das Verbreitungsgebiet reicht im Osten bis ins westliche China und die Mongolei. Laut IUCN kommt die Art in Albanien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Weißrüssland, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, in der Tschechische Republik, in Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Iran, Irak, Israel, Italien, Kasachstan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Serbien, Mongolei, Montenegro, in den Niederlande, in Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, in der Slowakei, in Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, in der Türkei und der Ukraine sowie in England vor. Die Ostschermaus ist in Höhenlagen bis in Höhen von gut 2.000 Metern über NN anzutreffen. In Deutschland ist sie die größte einheimische Wühlmaus. Ostschermäuse besiedeln höchst unterschiedliche Lebensräume. Sie kommen sowohl an Gewässern wie stehende oder langsam fließende Wasserflächen mit entsprechend dichter Ufervegetation als auch in halbaride und aride Flächen wie Felder, Wiesen und Gärten vor.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden der Ostschermäuse gehören insbesondere verwilderte Hauskatzen (Felis catus), Wildkatzen (Felis silvestris), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Greifvögel (Falconiformes), Eulen (Strigiformes) und Marderartige (Mustelidae) wie Mauswiesel (Mustela nivalis) und Hermeline (Mustela erminea). Die Marderartigen gelten als besonders gefährlich, da sie den Schermäusen in die Bauten folgen können. Ein Weibchen mit Nachwuchs verteidigt ihre Jungen vehement und springt selbst größere Angreifer an und teilt schmerzhafte Bisse aus. Neben Ektoparasiten wie Flöhe (Siphonaptera), Tierläuse (Phthiraptera) und Milben (Acari) stellen vor allem Endoparasiten der Klassen der Bandwürmer (Cestoda), Fadenwürmer (Nematoda) und Saugwürmer (Trematoda) wie beispielsweise Notocotylus gonzalezi für die Schneemäuse eine große Gefahr dar.

Ernährung

Ostschermäuse gelten als Allesfresser. Sie ernähren sich je nach Lebensraum sowohl von Schilf, Feldfrüchte, Fallobst, Gemüse, Wurzeln und anderen Pflanzenteilen als auch von tierischer Nahrung und Aas. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise Wasserinsekten (Insecta), Insektenlarven, kleinen Fischen (Osteichthyes), Fischlaich, Froschlurchen (Anura) und Krebstieren (Crustacea). Für die kalte Jahreszeit legen die Tiere in ihren Vorratskammern umfangreiche Vorräte an. Meist werden Wurzeln, Zwiebeln, Knollen und Sämereien gesammelt.

Fortpflanzung

Im Alter von 2 Monaten erreichen Ostschermäuse die Geschlechtsreife. Sie können sich demnach noch im Jahr ihrer Geburt erstmals fortpflanzen, falls die Geburt im Frühjahr lag. In den gemäßigten Regionen Europas erstreckt sich die Paarungszeit von April bis in den Oktober hinein, in südlichen Regionen ist die Fortpflanzung bereits ab März zu beobachten. Ostschermäuse leben paarweise zusammen in Erdbauten. Man kann durchaus bei den Ostschermäusen von Monogamie sprechen. Nach einer Tragezeit von rund 21 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Wohnkessel, der mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert ist, 2 bis 8 (3-4) Jungtiere zur Welt. Sie sind bei der Geburt nackt, blind und wiegen etwa 3,7 bis 7,8 Gramm. Im Alter von etwa 10 Tagen öffnen die Jungtiere ihre Augen. Die Säugezeit erstreckt sich über 12 Tage, bereits Ende der dritten Lebenswoche sind die Jungen selbständig.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen, vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen, Baumschulen und Gärten, ist die Ostschermaus kein gern gesehener Gast. Sie gilt als Ernte- und Gartenschädling. Nicht nur wegen der Grabaktivitäten, sondern auch wegen der Fraßaktivitäten.

Synonyme

Zu den bekannten Synonymen gehören: abbotti (Hinton, 1910), abrukensis (Reinwaldt, 1927), americana (Gray, 1842), antiquus (Pomel, 1853), aquaticus (Cuvier, 1817), aquaticus (Billberg, 1827), argyropus (Cabrera, 1901), armenius (Thomas, 1907), ater (Billberg, 1827), ater (Macgillivray, 1832), bactonensis (Hinton, 1926), barabensis (Heptner, 1948), brigantium (Thomas, 1928), cantiana (Hinton, 1910), caucasicus (Ognev, 1933), cernjavskii (Petrov, 1949), chosaricus (Alexrova, 1976), cubanensis (Ognev, 1933), destructor (Savi, 1839), djukovi (Ognev & Formosov, 1927), ferrugineus (Ognev, 1933), fuliginosus (de Sélys Longchamps, 1845), gracilis (Heller, 1955), greenii (Hinton, 1926), hintoni (Aharoni, 1932), hunasensis (Carls, 1986), hyperryphaeus (Heptner, 1948), illyricus (Barrett-Hamilton, 1899), italicus (Savi, 1839), jacutensis (Ognev, 1933), jenissijensis (Ognev, 1933), kalmankensis (Zažigin, 1980), karatshaicus (Heptner, 1948), korabensis (Martino, 1937), kuruschi (Heptner & Formosov, 1928), kuznetzovi (Ognev, 1933), littoralis (Billberg, 1827), martinoi (Petrov, 1949), moenana (Heller, 1969), meridionalis (Ognev, 1922), minor (de Sélys Longchamps, 1845), musignani (de Sélys Longchamps, 1839), nigricans (de Sélys Longchamps, 1845), obensis (Egorin, 1939), ognevi (Turov, 1926), pallasi (Ognev, 1913), pallasi (Ognev, 1913), paludosus (Linneaus, 1771), persicus (de Filippi, 1865), pertinax (Savi, 1839), praeceptor (Hinton, 1926), reta (Miller, 1910), rufescens (Satunin, 1908), scythicus (Thomas, 1914), stankovici (Petrov, 1949), tanaitica (Kalabuchov & Raevsky, 1930), tataricus (Ognev, 1933), taurica (Ognev, 1923), terrestris (Linnaeus, 1758), turovi (Ognev, 1933), uralensis (Egorin, 1940), variabilis (Ognev, 1933), volgensis (Ognev, 1933) und weinheimensis (Heller, 1952). Alle aufgeführten Synonyme sind veraltet und daher ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • [1] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
  • Prof. Dr. Gottfried Amann und Diplom-Forstwirtin Claudia Summerer. Säugetiere und Kaltblüter des Waldes. Taschenbildbuch der beachtenswertesten Würmer, Schnecken, Gliederfüßer (ohne Kerfe), Lurche, Kriechtiere, Fledermäuse, Insektenfresser, Nager, Raubtiere und Paarhufer des mitteleuropäischen Waldes mit Textteil über deren Bau und Leben. Melsungen: Neumann-Neudamm, 1987. ISBN 3-7888-0511-0
  • Helga Hofmann. Tiere in Natur und Garten. Bestimmen - Kennenlernen - Schützen. Große und kleine Säugetiere Europas. Bestimmen mit dem Kennfarben-Code. Ratgeber: Tierschutz-Praxis. Naturführer: Buchgemeinschaft Gräfe und Unzer GmbH München, 1993. Buch-Nr. 089045

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