Sakiaffen

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Sakiaffen
Roter Uakari (Cacajao calvus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Sakiaffen
Wissenschaftlicher Name
Pitheciinae
Mivart, 1865

Die Unterfamilie der Sakiaffen (Pitheciinae) zählt innerhalb der Klasse der Primaten (Primates) zur Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae). Die Unterfamilie weist 3 Gattungen mit insgesamt rezenten 12 Arten und zahlreichen Unterarten auf. Als Neuweltaffen (Platyrrhini) kommen Sakiaffen ausschließlich im nördlichen und zentralen Südamerika vor.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Sakiaffen gehören zu den mittelgroßen Neuweltaffen. Uakaris (Cacajao) gehören mit einer bis zu 57 Zentimeter und einem Gewicht von mehr als 4 Kilogramm zu den größten Arten. Vom Aussehen her unterscheiden sich die einzelnen Arten zum Teil sehr stark. Gemeinsamkeiten sind vor allem das Gebiss. Das kräftige Gebiss besteht aus 36 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 3/3, 3/3. Die Schneidezähne sind recht schmal aber lang. Die Eckzähne der Männchen sind deutlich länger als die Eckzähne der Weibchen. Die Backenzähne sind deutlich abgeflacht, was eine Anpassung an die Ernährungsgewohnheiten darstellt. Die Nahrung besteht zum Teil aus hartschaligen unreifen Früchten und harten Sämereien. Die Fellfärbung reicht von fast weißlich bis hin zu schwarz. Bei einigen Arten wie beispielsweise den Weißkopfsaki (Pithecia pithecia) zeigt sich in der Fellfärbung ein deutlicher Dimorphismus. Männchen sind bis auf die weiße Gesichtsmaske durchweg schwarz gefärbt, die Weibchen sind braun mit einer etwas helleren Bauchseite. Bei allen Arten bleiben die Weibchen ein wenig kleiner als Männchen. Der Schwanz ist bei vielen Arten relativ lang. Eine Ausnahme bildet hier nur der Rote Uakari, dessen Schwanz lediglich ein Drittel der Körperlänge erreicht.

Lebensweise

Alle Sakiaffen leben in geselligen Gruppen, die je nach Art eine Gruppenstärke von bis zu 100 oder mehr Individuen aufweisen können. Zu den wichtigsten Tätigkeiten innerhalb einer Gruppe zählt neben der Nahrungssuche die Fellpflege, auch die gegenseitige Fellpflege, die letztlich den Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe stärkt. Eine Gruppe setzt sich aus mehreren Männchen, Weibchen sowie deren Nachwuchs zusammen. Die Geschlechter stehen in einer polygamen Beziehung zueinander. In der Regel teilt sich eine Gruppe am Tage, vor allem während der Nahrungssuche in kleinere Untergruppen. Während der Trockenzeit kann es bei Nahrungsmangel zu weiteren Wanderungen kommen. Diese Wanderungen erfolgen ausschließlich am Tage. Ansonsten sind Sakiaffen mehr oder weniger sesshafte Primaten. Sakiaffen sind tagaktiv, während der Nacht ruhen sie im Schutze des Blätterdaches hoher Bäume in selbstgebauten Nestern oder Baumhöhlen. Die Nahrungssuche erfolgt für gewöhnlich in den frühen Morgen- und Abendstunden. Das Leben der Sakiaffen spielt sich überwiegend in den Bäumen ab.

Den Boden betreten sie nur um einen Baum zu wechseln, Rote Uakaris auch um Nahrung zu sammeln. Weibchen betreten den Waldboden deutlich seltener als Männchen. Auf dem Waldboden suchen beispielsweise Rote Uakaris nach Sämereien und kleinen Waldfrüchten. Saftige Früchte und auch Kleingetier werden meist in den Bäumen gesammelt. Flüssigkeit nehmen sie hauptsächlich über die Nahrung auf, ansonsten trinken Sakiaffen Wasser auch aus Astlöchern, Baumhöhlen, Blüten oder Blättern. Alle Sakiaffen gelten als ausgezeichnete Kletterer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich vor allem in den Bäumen wohl fühlen. Innerhalb ihres Lebensraumes bewegen sich Sakiaffen meist von Baum zu Baum. Größere Strecken über den Boden legen sie nicht zurück. Dabei setzen sie Klettern, Hangeln, Springen und Laufen als Fortbewegungsmethode ein. Männchen springen aufgrund ihres hohen Gewichtes jedoch deutlich weniger als Weibchen und subadulte Tiere. Eine Aufnahmen bilden die Weißkopfsakis, sie gelten als die besten Springer unter den Sakiaffen und können aufgrund ihrer kräftigen Hinterbeine Distanzen zwischen Bäumen von gut 10 Metern überwinden. Die Kommunikation untereinander gestaltet sich vielschichtig. So spielt sowohl der Geruch (Olfaktorische Wahrnehmung) als auch die haptische Wahrnehmung (Tastsinn), die visuelle Wahrnehmung (Sehsinn) und die Kommunikation über Lautäußerungen eine wichtige Rolle.

Verbreitung

Weißkopfsaki (Pithecia pithecia)
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Weißkopfsaki (Pithecia pithecia)

Sakiaffen sind im nördlichen und zentralen Südamerika beheimatet. Sie sind in Brasilien, Kolumbien, Peru, Ecuador, Venezuela, Französisch Guiana, Guyana, Surinam und Bolivien anzutreffen. Die meisten Arten leben im Bereich des Amazonas und seiner zahlreichen Nebenflüsse. Tropische Regenwälder, waldreichen Sumpfgebieten und Überschwemmungsbereiche im Einzugsgebiet größerer Flüsse dienen allen Arten als natürlichen Lebensraum. Den Boden erreichen die Tiere selten, sie halten sich überwiegend hoch oben in den Bäumen auf. Uakaris (Cacajao) gehen gelegentlich auch am Waldboden auf Nahrungssuche.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Sakiaffen gehören vor allem Greifvögel (Falconiformes) wie die Harpyie (Harpia harpyja). Innerhalb einer Gruppe halten immer einige Tiere Ausschau nach Räubern und warnen bei Sichtung die anderen Mitglieder einer Gruppe. In der Nähe menschlicher Siedlungen gilt auch der Mensch als Feind. Sakiaffen stehen bei den Eingeborenen auf der Speisekarte oder werden für den Haustierhandel gefangen.

Ernährung

Die meisten Arten ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Pflanzliche Kost überwiegend jedoch bei allen Arten. An pflanzlicher Nahrung stehen vor allem Sämereien und Früchte auf dem Speiseplan. Aber auch Körner aller Art, reife und unreife Früchte, Knospen, Blätter, Paranüsse und Nektar stehen hoch im Kurs. Tierische Kost beschränkt sich überwiegend auf Insekten (Insecta) und deren Larven. Beliebt sind vor allem die Raupen von Schmetterlingen (Lepidoptera). Der Weißkopfsaki (Pithecia pithecia) verschmäht auch die Nestlinge und Eier von Vögeln (Aves) nicht.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Sakiaffen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa drei Jahren, Männchen sind erst im Alter von rund fünf bis sechs Jahren geschlechtsreif. Die Paarungszeit der Sakiaffen erstreckt sich in den tropischen Lebensräumen bei einigen Arten über das ganze Jahr, andere Arten pflanzen sich saisonal fort. Ein Weibchen bringt in einer Saison nur einmal Nachwuchs zur Welt, bei Roten Uakaris nicht selten nur alle zwei Jahre. Es kommt in der Regel ein Jungtier zur Welt. Zu Zwillingsgeburten kommt es bei einigen Arten nur sehr selten. Während des Östrus der Weibchen spielt die olfaktorische Wahrnehmung eine große Rolle. Die Männchen nehmen die Paarungsbereitschaft der Weibchen also über den Geruchssinn auf. Die Wahrnehmung erfolgt durch Schnuppern und Lecken an den Genitalien. Bei Paarungsbereitschaft lässt sich ein Weibchen dieses Verhalten gefallen, ansonsten drängt sie das Männchen zurück.
Weibchen eines Weißkopfsakis (Pithecia pithecia)
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Weibchen eines Weißkopfsakis (Pithecia pithecia)
Eine Kopulation kann sich über bis zu fünf Minuten erstrecken und sich über einen Zeitraum von einigen Stunden mehrmals wiederholen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich ein Weibchen zwischendurch mit einem anderen Männchen paart. Sakiaffen leben also ausgesprochen polygam. Nach der Kopulation kommt es in der Regel zur gegenseitigen Fellpflege, aber mittelfristig erlischt das Interesse des Männchens am Weibchen. Die Trächtigkeit erstreckt sich über einen Zeitrum von 150 bis 182 Tagen. Das Neugeborene wird von der Mutter die erste Zeit am Bauch getragen, ab dem dritten oder vierten Lebensmonat auch auf dem Rücken. Bei den Sakis (Pithecia) hat die Mutter meist weiblichen Gehilfen innerhalb der Gruppe. Die Väter kümmern sich bei allen Arten nicht um den Nachwuchs. Die Säugezeit erstreckt sich über 120 bis 180, selten auch mehr Tage. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 15 bis 18 Jahren, in Gefangenschaft bei 25 bis 30 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die meisten Arten gelten heute noch nicht als bedroht. Der Satansaffe (Chiropotes satanas) gilt als stark gefährdet (EN, Endangered), der Uta-Hick-Saki (Chiropotes utahickae) wird in der Roten Liste der IUCN als gefährdet geführt (VU, Vulnerable). Der Rote Uakari (Cacajao calvus) gilt insgesamt als wenig gefährdet (NT, Near Threatened), wobei seine Unterarten allesamt als gefährdet geführt werden. Die anderen Arten laufen in der Kategorie LC, Least Concern, sind somit noch nicht akut vom Aussterben bedroht. Die Bedrohung ist bei allen Arten auf die Vernichtung der tropischen Regenwälder zurückzuführen. Aber auch die Bejagung durch den Menschen wegen des Fleisches stellt viele Arten vor große Probleme. Wildfänge landen zudem im illegalen Haustierhandel, Rote Uakaris nicht selten in medizinischen Labors als Laboraffen.

Gattungen und Arten

Gattung: Uakaris (Cacajao)
Art: Roter Uakari (Cacajao calvus) - NT, Near Threatened
Art: Schwarzgesicht-Uakari (Cacajao melanocephalus) - LC, Least Concern
Gattung: Bartsakis (Chiropotes)
Art: Weißnasensaki (Chiropotes albinasus) - EN, Endangered
Art: Rotrückensaki (Chiropotes chiropotes) - LC, Least Concern
Art: Braunrückensaki (Chiropotes israelita)
Art: Satansaffe (Chiropotes satanas) - CR, Critically Endangered
Art: Uta-Hick-Saki (Chiropotes utahickae) - EN, Endangered
Gattung: Sakis (Pithecia)
Art: Weißkopfsaki (Pithecia pithecia) - LC, Least Concern
Art: Mönchsaffe (Pithecia monachus) - LC, Least Concern
Art: Schwarzrücken-Mönchsaffe (Pithecia albicans) - LC, Least Concern
Art: Kahlgesichtiger Saki (Pithecia irrorata) - LC, Least Concern
Art: Äquator-Saki (Pithecia aequatorialis) - LC, Least Concern

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
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