Südlicher Schweinsaffe

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Südlicher Schweinsaffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Gattung: Makaken (Macaca)
Art: Südlicher Schweinsaffe
Wissenschaftlicher Name
Macaca nemestrina
(Linnaeus, 1766)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Südliche Schweinsaffe (Macaca nemestrina) gehört innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae) zur Gattung der Makaken (Macaca). Im Englischen wird die Art Southern Pig-tailed Macaque, Pig-tailed Macaque oder Sunda Pig-tailed Macaque genannt. Ursprünglich bildeten der Südliche Schweinsaffe und der Nördliche Schweinsaffe (Macaca leonina) eine Art. Aufgrund morphologischer Unterschiede wurde die Art in 2 Arten gesplittet (Groves, 2001).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Südliche Schweinsaffe erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 45 bis 78 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 13 bis 25 Zentimeter sowie ein Gewicht von 6 bis 14,5 Kilogramm. Weibchen (KL 45 - 55 cm, SL 13 - 25 cm, Gew. 6 - 8 kg) bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen (KL 50 - 78 cm, SL 16 - 24 cm, Gew. 10,7 - 14,5 kg). Das Fell der Südlichen Schweinsaffen weist eine olivbraune Fellfärbung auf. Ventral ist das Fell leicht weißlich gefärbt. Der Kopf ist überwiegend dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Männchen sind nicht nur deutlich größer als Weibchen, sondern auch ihre Eckzähne sind deutlich länger und kräftiger. Der Schwanz ist kurz und nur spärlich mit Fell besetzt. Der kurze Schwanz war für die Art namensgebend.

Lebensweise

Wie alle Makaken bewegen sich auch Südliche Schweinsaffen quadrupedal, also auf alle vier Extremitäten (Quadrupedie, lat. quadrus vier und pes Fuß) fort. Die Tiere leben überwiegend am Boden und klettern eher selten, meist nur zur Nahrungssuche. Südliche Schweinsaffen sind tagaktiv und ernähren sich überwiegend von Früchten. Die Tiere leben in sozialen Gruppen, die eine Größe von 10 bis 80 Individuen aufweisen können. Große Gruppen teilen sich während der Nahrungssuche meist in kleinere, temporäre Gruppen auf. Diese temporären Gruppen weisen meist eine Gruppenstärke von 2 bis 6 Tieren auf. Die Kommunikation untereinander erfolgt überwiegend durch Lautäußerungen. Auch wenn Südliche Schweinsaffen nur wenig territorial sind, so beanspruchen sie je nach Lebensraumqualität und Jahreszeit eine Reviergröße von 0,6 bis 0,8 km². Die täglichen Wanderungen auf der Suche nach Nahrung erstreckt sich nach Caldecott (1986) über 825 und 2.964 Meter.

Verbreitung

Südliche Schweinsaffen sind in Indonesien, auf Sumatra und Borneo, Brunei Darussalam, Malaysia und im südlichen Thailand verbreitet. In Singapur wurde die Art eingeführt (Groves, 2001). In den nördlichen Regionen des Verbreitungsgebietes überschneidet sich die Verbreitung mit dem Nördlichen Schweinsaffen (Macaca leonina). Südliche Schweinsaffen leben sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen bis in Höhen von rund 2.000 Metern über NN. (Choudhury, 2003). Besiedelt werden nach Angaben von Crockett & Wilson (1980) hauptsächlich primäre Regenwälder. Aber auch lichte Sekundärwälder und Sumpfgebiete werden durchaus häufig besiedelt. Südliche Schweinsaffen meiden die Nähe zum Menschen und bevorzugen daher ursprüngliche Wälder. In den natürlichen Lebensräumen herrschen je nach Höhenlage Temperaturen von 18 bis 30°C vor. Die Niederschlagsmenge liegt bei durchschnittlich 2.500 mm pro Jahr, die Monsunzeit liegt im Mai und reicht lokal bis in den September. Die kältesten Monate sind Dezember und Januar. Während dieser Zeit kühlt es sich regional auf 9,7 bis 12,3° C ab. Im Hochsommer, also im August, erreichen die Temperaturen leicht 33°C (Choudhury, 2003). Besonders viel Niederschlag fällt mit 2.000 bis 3.267 mm pro Jahr auf Sumatra (Saiful & Nordin, 2001).

Ernährung

Auch wenn Südliche Schweinsaffen als Allesfresser (Omnivora) gelten, ernähren sie sich zu rund 74 Prozent von Früchten. Das Nahrungsspektrum weist darüber hinaus Sämereien, junge Blätter und Triebe, Pilze (Fungi) sowie Insekten (Insecta), deren Larven und andere kleine Gliederfüßer (Arthropoda) auf (Caldecott, 1986). Die Futtersuche erfolgt meist auf dem Boden, seltener auch im Geäst der Bäume. In der Nähe des Menschen fallen Südliche Schweinsaffen nicht selten auf landwirtschaftliche Flächen wie Felder und Plantagen ein. Hier haben sie es auf die Früchte von Ölpalmen (Elaeis), auf Papaya (Carica Papaya), Maniok (Manihot esculenta) oder Mais (Zea mays) abgesehen. Eine größere Gruppe kann durchaus erheblichen Schaden auf einem Feld anrichten (Crockett& Wilson, 1980).

Fortpflanzung

Südliche Schweinsaffen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von rund 3 bis 3,5 Jahren. Die Paarungszeit ist in den tropischen Regionen an keine feste Jahreszeit gebunden. Zwischen zwei Geburten liegen in der Regel 405 Tage. Daraus errechnet sich eine statistische Wurfgröße von 0,8 Jungtieren pro Jahr. Die Weibchen bringen nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 172 Tagen ein Jungtier zur Welt. Das Neugeborene weist ein durchschnittliches Geburtsgewicht von 462 Gramm auf. Der Säugling wird in den ersten Lebenswochen am Bauch getragen und ausschließlich vom Weibchen versorgt. Die Säugezeit erstreckt sich über 10 bis 11 Monate. Gegen Ende der Säugezeit wiegen Jungtiere etwa 1.400 Gramm. Die Lebenserwartung im Freiland liegt nach Sponsel et al. (2002) bei 26 Jahren. In Gefangenschaft kann ein Südlicher Schweinsaffe ein Alter von bis zu 37 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der südliche Schweinsaffe gehört heute zu den gefährdeten Arten und wird daher in der Roten Liste der IUCN als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes leidet die Art unter einem hohen Jagddruck und an der Vernichtung der natürlichen Lebensräume. In der Medizin werden südliche Schweinsaffen häufig als Laboraffen zu medizinischen Zwecken missbraucht. Die Vernichtung der natürlichen Lebensräume zugunsten von Ölbaumplantagen stellt jedoch die größte Gefahr dar. Ähnliches gilt für die Brandrodung zugunsten von anderen landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsraum.

Synonyme

Der Südliche Schweinsaffe ist unerzahlreichen Synonymen bekannt, die jedoch als veraltet gelten. Dies sind nach Wilson & Reeder, 2005: brachyurus (Hamilton Smith, 1842), broca Miller, 1906, carpolegus (Raffles, 1821), fusca (Shaw, 1800), libidinosus I. Geoffroy, 1826, longicruris (Link, 1795), maimon (de Blainville, 1839), nucifera Sody, 1936 undplatypygos (Schreber, 1774).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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