Süßwasseraquarium

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Ein Süßwasseraquarium (von lat. aqua = „Wasser“) ist ein aus Glasscheiben oder durchsichtigem Kunststoff zusammengefügter Behälter, der mit Wasser gefüllt wird. In einem Aquarium wird mit abiotischen (unlebendigen) und biotischen (lebendigen) Einrichtungsbestandteilen ein künstlicher Lebensraum eingerichtet, der mit technischen Mitteln erhalten wird. In der Regel dient es der Haltung von Zierfischen oder anderen aquatilen, also im Wasser lebenden, Tieren, aber auch der Haltung von Wasserpflanzen. Speziell das Süßwasseraquarium ist die häufigst genutzte Variante. Grob gesehen steht ihm das Salzwasseraquarium gegenüber.

Im Gegensatz zum Aquarium dient ein Terrarium (von lat. terra = „Land“) der Haltung landlebender Tiere und ein Paludarium ist ein Art Mischform von Aquarium und Terrarium.

Inhaltsverzeichnis

Aquarientypen

Man kann Aquarien nach mehreren Kriterien unterscheiden. Das fängt bei der Form des Aquariums an und hört bei der Art der Einrichtung auf. Lange sah ein Zimmeraquarium immer gleich aus: ein rechteckiger Glaskasten. Dies hat sich allerdings geändert, heute gibt es Aquarienformen und -größen für jede denkbare Aufstellmöglichkeit und für jeden Geschmack, ganz abgesehen von Sonderanfertigungen. Es gibt im Handel erhältlich normale quaderförmige oder sechseckige, Becken mit gebogener Panoramafront, Aquarien für Ecken mit halbrunder Frontscheibe, Eckaquarien mit schrägen Scheiben und Mansardenecken und einige mehr. Des Weiteren wird je nach Besatzungsart unterschieden. Aquarien für Fische, in denen nur eine einzige Art gehalten wird, bezeichnet man als Artaquarium, dieses ist oft die einzige Möglichkeit, gegenüber anderen Arten aggressive Raubfische zu halten oder dient der besonderen Hervorhebung der entsprechenden Art. Werden mehrere Arten zusammen gehalten, bezeichnet man die Haltungsform als Gesellschaftsbecken. Oft wird auch nach Regionen unterschieden, zum Beispiel indem man mit südamerikanischen Pflanzen- und Fischarten spezill ein „Südamerika-Becken“ einrichtet. Aquarien werden auch nach dem nachgeahmten Biotop klassifiziert, beispielsweise ein Aquarium mit Harnischwelsen (Loricariidae), das den Grund eines Flusses mit reingefallenem Holz oder Wurzeln ziert oder die felsige Unterwasserlandschaft des Malawisees mit regelrechten Steinwänden imitiert. Der Herkunft der Fische entsprechend muss auch die chemische Zusammensetzung des Wassers abgestimmt sein, auch das ist ein Kriterium für die Klassifizierung.

Einrichtung

Die Einrichtung eines Aquariums richtet sich weitestgehend nach den Bedürfnissen der Lebewesen, die darin gepflegt werden sollen. Als Bodengrund eignet sich in der Regel dunkles Substrat. Will man Fische halten, die den Grund gerne durchwühlen und dort nach Nahrungsresten suchen, beispielsweise Panzerwelse (Corydoras), eignet sich feinkörniger Sand, gröberer Aquarienkies eignet sich etwa bei der Haltung von Oberflächen- oder Freischwimmern, also Fische, die vor allem die mittlere Ebene des Beckens nutzen. Man muss den Tieren auch die Möglichkeit bieten, sich zurückziehen zu können. Dazu eignen sich für Harnischwelse (Loricaridae) Höhlen aus Ton oder Wurzeln (aus dem Aquaristkhandel!) mit Spalten, in die sie sich verstecken können. Oberflächenfische wie der Guppy (Poecilia reticulata) und viele andere verstecken sich gerne in Schwimmpflanzen, die ruhig auch künstlich sein können. Wasserpflanzen, die am Boden angebracht sind, bieten ebenfalls Rückzugsmöglichkeiten für viele Beckenbewohner. Was für Pflanzen man nimmt, hängt sehr von den Bewohnern ab. Viele Buntbarsche (Cichlidae) zerpflücken die ganze Pflanzenpracht eines Aquariums oder graben die Pflanzen aus, etliche Harnischwelse wie der Lehmbraune Pleco (Hypostomus unicolor) raspeln einem ebenfalls eine Pflanze nach der anderen ab. Da ist dann höchstens auf stabile und widerstandsfähige Aquarienkunstpflanzen zurückzugreifen. Weitere Verstecke bieten viele im Aquaristikgeschäft erhältliche Accessoires. Die Einrichtungsgegenstände sollten geplant eingebracht werden, dabei ist unter anderem die Wuchshöhe von Pflanzen zu beachten (hoch werdende Arten in den Hintergrund, klein bleibende nach vorn) und Wurzeln und Steine sollten nicht überladend wirken. Außerdem sind Steine und andere Gegenstände, die die Glasscheiben des Beckens beim Umfallen schädigen könnten, stabil zu befestigen. Vor jedem Kauf neuer Aquarienbewohner muss man sich über Besonderheiten in deren Verhalten und Pflege informieren.

Technik

Um in einem Aquarium ein künstliches Biotop erstellen und erhalten zu können, ist man auf die Hilfe technischer Geräte angewiesen. Das wohl wichtigste Gerät ist ein Filter, er ist das Herzstück eines Aquariums. Er muss je nach Aquariengröße, genauer gesagt nach Volumen dimensioniert werden. Für die „typischen Anfängerbecken“ von 54 Litern maximaler Kapazität reichen die kleinen Innenfilter der Komplett-Set's aus, sofern das Becken nicht überbesetzt ist, das heißt, zu viele Tiere beherbergt. Für größere Aquarien bis etwa 200 Liter genügen größere Innenfilter, die, wie die Filter für die kleinen Aquarien, einfach in das Wasser gehangen oder von innen an die Scheiben geheftet werden, allerdings sind dann bereits leistungsfähigere Filteranlagen anzuraten. Hierzu zählen besonders die Außenfilter. Dabei wird das Wasser aus dem Aquarium herausgesaugt, in ein unterhalb des Beckens stehendes Filtergerät geleitet und dort physikalisch und biologische gereinigt. Das gefilterte Wasser wird über einen Schlauch zurück in das Aquarium gepumpt. Innenfilter sind zumeist wesentlich einfacher gebaut. Mit einem Rädchen wird Wasser aus der Pumpe rausgedrückt, unten wird automatisch Wasser nachgezogen. Das Wasser durchfließt dabei einen Filterschwamm. Die Filter dienen im wesentlichen dem Abbau von Stoffwechselprodukten der Aquarienbewohner, wobei die Funktion des künstlichen Biotops vor allem von den Mikroorganismen abhängt, die sich insbesondere in dem Filter ansammeln. Viele Lebewesen der Aquarien in deutschen Wohnzimmern sind auf bestimmte Temperaturen angewiesen, da sie in der Regel aus tropischen Gefilden stammen. Um die Temperaturen hoch zu halten, werden Aquarienheizungen benötigt, meistens in Form von Heizstäben, Bodengrundheizern oder in das Filtersystem integriert. Ihre Leistung muss der Literzahl des Beckens angepasst sein, die Leistung ist im Normalfall verstellbar, damit auch die Temperatur. Mit ihnen können die Wassertemperaturen zumeist zwischen 16 und knapp über 30° Celsius gehalten werden, für die meisten, aber bei weitem nicht für alle, Zierfische und Aquarienpflanzen des Aquaristikhandels können die Temperaturen zwischen 25 und 27° Celsius betragen, allerdings muss man sich auch hier vor dem Kauf unbedingt informieren. Vor allem Aquarienpflanzen benötigen UV-Beleuchtung, dazu werden UV-Strahler über das Becken angebracht, häufiger kommen in die Abdeckung eingebaute Leuchtstoffröhren zum Einsatz. Bei Becken ohne Pflanzen spielt die Beleuchtung keine wichtige Rolle. Man sollte darauf achten, Leuchtröhren einzusetzen, deren Spektrum das Wachstum von Algen nicht zu stark fördern.

Wasserchemie

Im Grunde unterscheidet man zunächst Süß-, Brack- und Salzwasser. Brackwasser tritt zumeist dort auf, wo Flüsse in Meere übergehen. Als Brackwasser klassifiziert wird Wasser mit einem Salzgehalt von 1 bis 10 Promille bzw. 0,1 bis 1,0 Prozent. Alles darüber ist Salzwasser, darunter Süßwasser. Die größten Süßwasservorräte liegen im Eis der Pole und in den Flüssen des Festlandes. Abhängig von den Gesteinen und dem Grund, über den das Wasser eines Flusses fließt, und davon, welche Stoffe über das Grundwasser aus der Erde in das Gewässer geschwemmt werden, ist die Wasserchemie verschiedener Süßgewässer schon allein unter sich völlig unterschiedlich zusammengesetzt. Ein wichtiger Faktor ist der Säuregehalt, der auf der pH-Skala von 0 bis 14 gemessen wird. Dabei ist 7 der Neutralpunkt, 6 bis 0 ist sauer (umso kleiner die Zahl, desto höher die Konzentration an Wasserstoffionen H+) und 7 bis 14 ist alkalisch, auch als basisch bezeichnet (umso höher die Zahl, desto höher die Konzentration an Hydroxidionen OH-). In vielen südamerikanischen Gewässern beträgt der pH-Wert um den Neutralpunkt oder ist leicht sauer, wohingegen im Malawisee und Tanganjikasee in Afrika der pH-Wert sehr alkalisch ausfällt und sogar bis über 9 betragen kann. Man muss sich der natürlichen Herkunft seiner Pfleglinge also bewusst sein, um den pH-Wert mittels Säure-Lauge-Regulatoren anzupassen, seien es nun beispielsweise Fische, Gliederfüßer (Arthropoda) oder Weichtiere (Mollusca). Neben dem pH-Wert kommt es vor allem auf die Härte des Wassers an, je mehr Calcium- und Magnesiumsalze im Wasser gelöst sind, je härter ist das Wasser. Gemessen wird sie in dGH und/oder als Carbonathärte in dKH. Im Regelfall haben natürliche Gewässer mit hoher Härte auch einen hohen pH-Wert, geringere Härte entspricht meist einem eher neutralen bis saurem Wert. Insbesondere auf Leitungswasser muss das nicht zutreffen, oft beträgt der pH-Wert zwischen 7 und 8, wobei die Härte gerade mal bei KH 1 liegen kann. Weiches Wasser (KH unter 3) hat einen instabilen pH-Wert. pH-, wie auch Härtewerte sollten beide gemessen werden, das eine sollte nicht anhand des Wertes vom anderen regelrecht erraten werden. Ebenfalls zu messen sind Nitrite (NO2-), die Salze der Salpetrigen Säure (HNO2), die sich durch Bakterieneinwirkung mit der Zeit aus Ammonium (NH4+) bilden. Ammonium stellt eine Haupt-Stickstoffquelle für die Pflanzen dar. Auch die Nitrate (NO3-), die sich aus den Nitriten bilden, können gemessen werden. Daneben sind einige weitere Verbindungen, zum Beispiel Kohlenstoffdioxid (CO2), Eisen (Fe), Spurenelemente, Sauerstoff (O2), messbar und sollten gelegentlich bestimmt werden, oft bieten Aquaristikfachhändler die Messungen kostenlos an, auch kann man sie selber mittels Teststreifen oder Testflüssigkeiten (Indikatoren) bestimmen, dabei werden bestimmte Mengenverhältnisse genommen und je nach Verfärbung des Indikators mittels Farbskala der Wert bestimmt. Um Schadstoffe, die nicht weiter abbaubar sind aus dem Aquarium zu schaffen, muss auch in großen Aquarien regelmäßig ein Teilwasserwechsel durchgeführt werden. Bei kleinen Becken etwa alle zwei, bei größeren alle sechs Wochen. Bei sehr großen Becken etwa jedes Halbe Jahr. Allerdings ist dabei die Besatzdichte zu beachten, ist das Becken mit sehr wenigen Tieren besetzt kann man länger warten, bei vielen Tieren muss öfter ein Teilwasserwechsel durchgeführt werden. Beim Teilwasserwechsel nimmt man die Hälfte bis zwei Drittel des Wassers aus dem Becken und saugt bei dieser Gelegenheit den Mulm am Grund gründlich ab. Das rausgenommene Wasser wird durch neues Wasser ersetzt. Zur Regulierung der Wasserchemie kommen danach geeignete (am besten Wasserwerte mit Händler besprechen) Wasseraufbereiter in das Wasser.

Zierfische

Ein beliebter Buntbarsch - der Skalar (Pterophyllum scalare)
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Ein beliebter Buntbarsch - der Skalar (Pterophyllum scalare)

Als Zierfische werden Fische bezeichnet, die der Zierde und nicht der Lebensmittelgewinnung dienen. Darunter versteht man heute sowohl spezielle Zuchtformen von Fischen, als auch Varianten von Aquarienfischen, wie man sie auch in der Natur antrifft. Man kann die Fische in verschiedene Schwierigkeitsgrade einteilen, dabei wird die Aggressivität gegenüber Aquarienmitbewohnern, der Platzbedarf, die Ernährung und die Empfindlichkeit beachtet. Die meisten Auqarienfische stammen aus den Gruppen der Salmler (Characiformes), die fast immer an ihrer Fettflosse erkennbar sind, sich mit den meisten Futtermitteln zufrieden geben und in der Regel gesellig leben, die geselligen Barben (Puntius) mit ihren Barteln am Maul, Schmerlen (Cobitidae), die meist am Boden leben, Welse (Siluriformes), insbesondere Harnischwelse (Loricariidae) mit ihren Saugmäulern und Panzerwelse (Corydoras), die oft den Schmerlen ähneln sowie Lebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliinae), Labyrinthfische (Anabantoidei) und Buntbarsche (Cichlidae). Außerdem werden oft Killifische (Aplocheilidae), Regenbogenfische (Melanotaeniidae) und einige Grundeln (Gobiidae) angeboten.

Unerwünschte Lebewesen

Zu den Lebewesen, die in einem Aquarium nicht erwünscht sind, zählen zumeist vor allem Algen und Schnecken. Schnecken werden häufig aus den Zoofachgeschäften eingeschleppt, wenn neue Pflanzen im Aquarium eingesetzt werden. Sie fressen oft die Pflanzen kahl und vermehren sich rasant schnell, was den Rückgang der eigenen Flora verstärkt. Eine sinnvolle Bekämpfung sind keine Chemikalien sondern richtiger Besatz. Viele Fische, beispielsweise die Prachtschmerle (Chromobotia macracanthus) aus dem tropischen Asien, fressen die Schnecken. Algen entstehen in übermäßiger Zahl vor allem aufgrund mangelnder Wasserhygiene und falscher Beleuchtung. Zu viel Futter kann zu erhöhtem Phosphatwert führen und bedeutet damit eine regelrechte Düngung der Algen. Um von vorn herein gegen Algen vorzugehen, ist das Aquarium dort aufzustellen, wo kein direktes Sonnenlicht hineinscheinen kann. Außerdem sind regelmäßig Teilwasserwechsel vorzunehmen. Fische, die Algen fressen sind beispielsweise Otocinclus sp. und Crossochelius siamensis sowie Antennen-Harnischwelse (Ancistrus). In größeren Becken eigenen sich auch viele andere Harnischwelse, etwa der bis über 50 cm große Waben-Schilderwels (Glyptoperichthys gibbiceps). Problematisch ist, dass viele Harnischwelse bei geringem Algenwachstum die Pflanzen als Nahrungsquelle ansehen und beschädigen. Ein weiterer Trick, der gegen das Algenwachstum wirkt, sind zunächst viele schnellwachsende Arten von Wasserpflanzen, zum Beispiel Hygrophila polysperma und Ceratophyllum sp., die schnell das Becken einnehmen und später nach und nach durch langsam wachsende Arten ersetzt werden können. Sind keine Pflanzen im Becken, die die Algen unterdrücken, und ist auch nicht der Einsatz von Pflanzen geplant, können Algen durch zeitweises Ausschalten der Beleuchtung bekämpft werden. Die Beleuchtung ist ein weiterer Punkt. Es gibt Leuchtstoffröhren mit bestimmten Spektren, welche das Wachstum von Algen nicht begünstigen, wohl aber zum Wohl der Pflanzen beitragen. Es sollte darauf geachtet werden, solche zu verwenden. Der letzt Ausweg sind chemische Algenbekämpfungsmittel, sogenannte Algizide. Man muss sich bei deren Einsatz jedoch im klaren darüber sein, dass diese unter Umständen auch das Pflanzenwachstum beeinträchtigen können und auch nur die Algen, nicht die Ursache für ihr übermäßiges Wachstum bekämpfen. Daher sollte bei erneutem Massenauftreten von Algen die Wasserchemie überprüft werden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Kjell Fohrmann: Handbuch Aquaristik. Dähne, Ettlingen 2000. ISBN 3-921-68495-1
  • Schaefer, Claus, C. Kasselmann & A. Raschke: Das grosse Aquarien-Handbuch. Weltbild, Augsburg 2006. ISBN 3-828-91742-9
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