Rußseeschwalbe

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Rußseeschwalbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Seeschwalben (Sternidae)
Gattung: Onychoprion
Art: Rußseeschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Onychoprion fuscatus
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscatus) zählt innerhalb der Familie der Seeschwalben (Sternidae) zur Gattung Onychoprion. Im englischen wird die Rußseeschwalbe Sooty Tern genannt. Bis 2005 wurde die Rußseeschwalbe als Sterna fuscata in der Gattung der Seeschwalben (Sterna) geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die recht große Rußseeschwalbe erreicht je nach Unterart eine Länge von 34 bis 36 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 84 bis 92 Zentimeter sowie ein Gewicht von 150 bis 250 Gramm. Das Obergefieder, der Nacken, die Flügel und der Schwanz weisen eine graubraune bis braune Färbung auf. Der Oberkopf ist durch eine schwarzbraune Kappe gekennzeichnet, die dorsolateral bis auf Höhe der Augen reicht. Der Stirnbereich ist zwischen Schnabelansatz und der Kappe weiß gefärbt. Die Kopfseiten, die Brust und das Bauchgefieder weisen eine weiße Färbung auf. Auch die Unterseiten der Flügel und des Schwanzes sind weiß gefärbt, wobei sich bei den Flügeln ein schmaler dunkler Rand zeigt und die Flügelspitzen völlig schwarz gefärbt sind. Bei juvenilen Rußseeschwalben ist die Unterseite mehr hellgrau statt weiß gefärbt. Der dolchartig und spitz zulaufende Schnabel ist schwarz, die Extremitäten weisen eine dunkelgraue Färbung auf. Der Schwanz ist tief gegabelt und läuft wie die Flügel spitz zu.

Lebensweise

Während der Paarungszeit leben Rußseeschwalben an felsigen Küsten von Inseln oder kontinentalen Küsten und brüten hier. Außerhalb der Paarungszeit leben sie ausschließlich auf offener See und kommen in den Regel nicht in die Nähe des Landes. Die meiste Zeit halten sie sich in der Luft auf. Nur zur Nahrungssuche und -aufnahme kommen sie in Berührung mit dem Wasser. Sie tauchen jedoch nicht ins Wasser ein, sondern schnappen Beutetiere unmittelbar an der Wasseroberfläche mit dem Schnabel. Rußseeschwalben sind gesellige Seevögel, die meist in größeren Gruppen anzutreffen sind.

Unterarten

Verbreitung

Rußseeschwalben sind fast weltweit verbreitet. Sie sind sowohl in Nord- und Südamerika als auch in Europa, Afrika, dem südlichen Asien sowie in Australien und Neuseeland anzutreffen. Tropische und subtropische Regionen werden bevorzugt besiedelt, in gemäßigten Regionen sind sie meist nur außerhalb der Brutzeit anzutreffen. Die genaue Verteilung der Unterarten ist der obigen Aufstellung zu entnehmen. Rußseeschwalben verbringen einen Großteil ihres Lebens auf hoher See. Sie gelten als ausgezeichnete Flieger, die nur wenig Energie für ihren Flug aufwenden müssen. Nur zur Brutzeit zieht es die Vögel an felsige Küsten, wo sie in Kolonien brüten, oft in Vergesellschaftung mit anderen Seevögeln.

Ernährung

Die Nahrungssuche erfolgt sowohl am Tage als auch in der Nacht, die Rußseeschwalbe ist da ausgesprochen flexibel. Während der Nahrungssuche fliegt die Rußseeschwalbe in niedriger Höhe über das Wasser und schnappt bei Sichtung potentieller Beute mit dem Schnabel danach. Bevorzugte Beutetiere sind vor allem kleine Fische (Osteichthyes), kleine Weichtiere (Mollusca) und Krebstiere (Crustacea) sowie anderes Kleingetier. Rußseeschwalben sind auch dafür bekannt, anderen Seevögeln ihre Beute abzujagen.

Fortpflanzung

Rußseeschwalben erreichen die Geschlechtsreife erst sehr spät mit rund 6 Jahren. Die Paarungszeit der Rußseeschwalben beginnt in den meisten Regionen im zeitigen April und kann sich bis in den Spätherbst erstrecken. Sie nisten zumeist in großen Kolonien, die durchaus einige Tausend Brutpaare aufweisen können. Eine Kolonie kann zudem artspezifisch eine unterschiedliche Zusammensetzung aufweisen. Die Balz ist von kunstvollen Balzflügen des Männchens über der Kolonie bzw. dem Nistplatz geprägt und geht mit lautstarkem Geschrei einher. Um den Nestbau kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Das Nest ist im Grunde nur eine einfache Mulde auf sandigem Untergrund und wird mit weichen Materialien ausgepolstert. In das fertige Nest legt das Weibchen 1 bis 3 (2-3) Eier. Die Eier werden über einen Zeitraum von rund 30 Tagen gewärmt. Rußseeschwalben sind ausgesprochen empfänglich für Störungen und geben mitunter ihr Gelege schnell auf. Kurz nach dem Schlupf sind die Küken in der Lage das Nest zu verlassen. Sie halten sich zumeist in kleinen Gruppen auf, bleiben allerdings in der Nähe des Nestes. Die geschlüpften Küken werden von beiden Elternteilen mit hochgewürgter Nahrung versorgt. In den Kolonien befinden sich die Gelege mitunter nah beieinander. Ihre Jungen finden die Rußseeschwalben über Lautäußerungen wieder. Die Nestlingszeit erstreckt sich über gut 60 Tage. Kurze Zeit später sind die Jungen selbständig und fliegen aus.

Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet der Rußseeschwalbe erstreckt sich über einige Millionen Quadratkilometer. In fast allen Regionen ist sie häufig, meist sogar in großen Schwärmen anzutreffen. Man schätzt die Gesamtpopulation auf rund 22 Millionen Individuen (Stand 2004). Aufgrund des zahlreichen Auftretens wird die Rußseeschwalbe in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least concern) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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