Rotwangen-Schmuckschildkröte

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Rotwangen-Schmuckschildkröte

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Unterfamilie : Deirochelynae
Gattung: Buchstaben-Schmuckschildkröten (Trachemys)
Art: Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta)
Unterart: Rotwangen-Schmuckschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Trachemys scripta elegans
Wied-Neuwied, 1839

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) ist eine Unterart der Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) und zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung der Buchstaben-Schmuckschildkröten (Trachemys). Im Englischen wird diese Schildkröte Red-eared slider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte erreicht eine Carapaxlänge von 20 bis 25 Zentimeter. Das größte bekannte Exemplar weist eine Länge von knapp 29 Zentimeter auf. Männchen bleiben insgesamt ein wenig kleiner als Weibchen. Markantes Erkennungsmerkmal ist der rötliche Streifen auf jeder Kopfseite, der sich dorsolateral von den Augen bis fast zum Kopfende erstreckt. Ansonsten sind im Kopfbereich cremefarbene bis silbrige Markierungen zu erkennen. Es treten jedoch auch melanistische Formen auf, die über keinerleich Markierungen verfügen. Die Rotwangen-Schmuckschildkröte kann leicht mit der Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) verwechselt werden. Die gelbliche Zeichnung im Bereich der Wangen der Gelbwangen-Schmuckschildkröte ist ein sicheres Unterscheidungsmerkmal. Schwierig wird es, wenn die Zeichnung bei melanistischen Farbformen fehlt. Der Carapax ist bei Jungtieren zumeist grünlich bis olivgrün gefärbt, die Haut weist eine gelblichgrüne Färbung auf. Mit zunehmendem Alter verblasst die Färbung zusehens. Der Panzer, insbesondere die Seitenschilde (Pleuralschilde), können mehr oder weniger intensive Streifen aufweisen. Der Plastron ist zumeist gelblich, es können auch dunkle Markierungen zu sehen sein. Der Carapax weist eine deutlich ovale Form auf und zeigt auf der flachen Oberfläche einen schwach ausgebildeten Kiel. Männchen haben im Gegensatz zu den Weibchen stark verlängerte Vorderkrallen und einen deutlich längeren Schwanz. Tagsüber verbringen die Rotwangen-Schmuckschildkröten in der Regel mit Sonnenbaden oder sind auf Nahrungssuche, während der Nacht ruhen sie.

Lebensweise

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte ist eine wärmeliebende Schildkröte. Tagsüber sieht man sie meist auf Felsen, Steinen oder ins Wasser ragenden Baumstämmen beim Sonnenbad. Dabei sind sie nicht selten in größeren Gruppen anzutreffen, da sonnenexponierte Plätze zumeist sehr rar sind. Sie bevorzugt ruhige Gewässer mit schlammigem Untergrund und reichhaltiger Vegetation. Eher selten ist die Rotwangen-Schmuckschildkröte auch in Fließgewässern anzutreffen. Die Nachtruhe verbringen die Rotwangen-Schmuckschildkröten im Wasser, wobei ihr Kopf leicht aus dem Wasser ragt. Im Wasser sind sie vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit. Auch am Tage flüchten sie bei der kleinsten Bedrohung ins Wasser. Bei Temperaturen von weniger als zehn Grad Celsius geht die Rotwangen-Schmuckschildkröte in die Winterruhe. Bei solch niedrigen Temperaturen kann sie ihren Stoffwechsel nicht aufrechterhalten. Die Winterruhe erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten von Oktober bis in den April des Folgejahres. Sie ziehen sich zur Winterruhe meist an geschützten Stellen ins Wasser, hohlen Baumstümpfen oder an ähnlichen Stellen zurück. In besonders kalten Wintern ist die Mortalität sowohl unter den Jungtieren als auch unter den erwachsenen Tieren sehr hoch. Jungtiere überwintern in der Regel in ihren Nestern.

Verbreitung

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte ist in den USA vor allem in Mississippi, Illinois, Texas, Alabama, Georgia und Indiana. In Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis ins nördliche Mexiko. Die Rotwangen-Schmuckschildkröte bevorzugt stehende oder langsam fließende Süßgewässer mit schlammigem Untergrund. Üppige Vegetation an den Ufersäumen und sonnenexponierte Plätze zum Sonnenbaden sind dabei unbedingt notwendig. Das Wasser verlassen die Schildkröten im Grunde nur zu Eiablage und zum Sonnenbaden.

Prädatoren

In der freien Natur haben Rotwangen-Schmuckschildkröten viele Feinde. Dazu gehören neben Mississippi-Alligatoren (Alligator mississippiensis) auch Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Virginia-Opossum (Didelphis virginiana) und auch Greifvögel (Falconiformes) und andere räuberisch lebende Vögel (Aves). Bei vielen Räubern wie den Waschbären stehen vor allem die Eier weit oben auf der Speisekarte. Allenfalls erwachsene Exemplare können sich durch Beißen und Kratzen wehren oder sind durch ihren Panzer geschützt. Jungtiere sind Fleischfressern schutzlos ausgeliefert.

Ernährung

Rotwangen-Schmuckschildkröten ernähren sich in den ersten Jahren vornehmlich als Fleischfresser. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Insekten und Wasserinsekten (Insecta), Insektenlarven, Schnecken (Gastropoda), kleine Krebstiere (Crustacea), kleinere Knochenfische (Osteichthyes), Muscheln (Bivalvia) sowie Würmer und andere Weichtiere (Mollusca). Die pflanzlichen Teile der Nahrung stellen nur etwa ein Drittel der Gesamtnahrung dar. Adulte Tiere leben hingegen zu rund 90 Prozent von pflanzlicher Nahrung. Gefressen wird üblicher Weise unter Wasser. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere in der Regel in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Rotwangen-Schmuckschildkröten erreichen die Geschlechtsreife mit fünf bis sechs Jahren, Männchen spätestens mit drei bis fünf Jahren. Dies entspricht einer Carapaxlänge von 90 (Männchen) bis 19 Zentimeter(Weibchen). Die Paarungs- und Brutzeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten in der Regel über das Frühjahr oder den Herbst. Bei Herbstgelegen überwintern die Schlüpflinge in ihren Nestern. Bei der Paarung besteigt das Männchen ein Weibchen und schiebt sein Geschlechtsorgan an dem Schwanz vorbei in die Kloake ein. Sein konkav geformter Plastron erleichtert im das Aufreiten. Mit den langen Krallen hält sich das Männchen am Panzer des Weibchens fest. Eine Kopulation kann sich über 15 bis 20 Minuten hinziehen.

Während der Paarungszeit kommt es zumeist zu einem Gelege bis drei Gelegen, die zeitlich und räumlich voneinander getrennt sind. Eine Brutpflege wird durch das Weibchen nicht betrieben. Die Eiablage erfolgt zwei Monate nach der Paarung in überschwemmungsfreien Uferabschnitten. Es werden zumeist sonnenexponierte und sandige Flächen genutzt. Das Weibchen legt in eine flachen Grube zwischen 2 und 19 Eier, wobei ein durchschnittliches Gelege aus rund 10 Eiern besteht. Die Anzahl der Eier richtet sich nach dem Alter und dem Ernährungszustand des Weibchens. Nach erfolgter Eiablage schließt das Weibchen die Grube gewissenhaft. Die Eier weisen eine Länge von bis zu 4,4 Zentimeter und eine Breite von bis zu 24,5 Zentimeter auf.

Die Inkubation der Eier ist von der Umgebungstemperatur abhängig und erstreckt sich zumeist über 75 bis 90 Tage. Mit dem Eizahn durchbrechen die Jungtiere dann die Eischale und begeben sich direkt ins Wasser. Im jugendlichen Alter sterben die meisten Jungtiere aufgrund der hohen Zahl von Fressfeinden. Nur wenige erreichen ein Alter von bis zu 30 oder gar 40 Jahren. In Gefangenschaft sollen die Tiere ein Alter von bis zu 75 Jahren erreichen können.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Seit längerem spielt der illegale Wildfang für den Haustierhandel eine tragende Rolle bei der seit Jahren zu beobachtenden Dezimierung der Bestände. Mittlerweile wurde der Handel in den USA verboten. Dennoch gelangen viele Tiere in den Handel oder in den Export nach Europa oder Asien. Nicht selten kommen die "neuen Besitzer" mit einem Tier nicht zurecht oder verlieren das Interesse. Am Ende landen die Rotwangen-Schmuckschildkröten nicht selten in der einheimischen Natur und richten nach einer starken Vermehrung zum Teil schwere Schäden in der einheimischen Fauna an. Insgesamt ist die Unterart heute noch nicht gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird die Rotwangen-Schmuckschildkröte separat nicht geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ignaz A. Basile: Faszinierende Schildkröten. Sumpfschildkröten. Naglschmid, 1995 ISBN 3927913812
  • Fritz J. Obst: Die Welt der Schildkröten. Müller Rüschlikon, Auflage 2, (1988). ISBN 3275008552

Links

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