Rotsalamander

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Rotsalamander

Systematik
Klasse: Amphibien (Amphibia)
Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
Familie: Lungenlose Salamander (Plethodontidae)
Unterfamilie: Plethodontinae
Gattung: Schlammsalamander (Pseudotriton)
Art: Rotsalamander
Wissenschaftlicher Name
Pseudotriton ruber
Sonnini de Manoncourt & Latreille, 1801

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Rotsalamander (Pseudotriton ruber), der auch Roter Wiesensalamander genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Lungenlosen Salamander (Plethodontidae) zur Gattung der Schlammsalamander (Pseudotriton). Im Englischen wird dieser Salamander Red Salamander genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotsalamander erreicht eine durchschnittliche Länge von 15 bis 16 Zentimeter. Die Geschlechter weisen im wesentlichen keinen Dimorphismus auf. Die Hautoberfläche weist je nach Lebensraum und Unterart eine hellbraune, rotbraune oder rötliche Grundfärbung auf. Jungtiere sind in der Regel immer heller und rötlich gefärbt. Mit zunehmendem Alter verfärben sich die Rotsalamander ins bräunliche und werden immer dunkler. Dorsal zeigen sich kleine Punkte und Flecken, die eine dunkelbraune bis schwarzbraune Färbung aufweisen. Der Körperbau ist lang und wirkt gedrungen. Die Extremitäten sitzen jeweils weit vorne und weit hinten am Körper und enden an den Hinterbeinen in fünf, an den Vorderbeinen in vier kleine Zehen. Sie sind eher klein. Die Augen liegen weit vorne am Kopf, der Kopf ist schlank und setzt sich kaum merkbar vom Körper ab. Der Schwanz ist kürzer, wirkt am Anfang walzenförmig und wird zum Ende hin schmaler und abgeflacht. Der Rotsalamander verfügt über keine Lunge. Die Aufnahme von Sauerstoff erfolgt über die Haut und Schleimhäute im Rachenraum.

Lebensweise

Die überwiegend nachtaktiven Rotsalamander sind ausgesprochen territoriale Amphibien. Vor allem in trockenen Zeiten, in denen Wasser und Nahrung knapp sind, markieren sie ihre Reviere mit einem Sekret oder auch Kot und Urin. Ist nicht genug Feuchtigkeit vorhanden, so ziehen sich die Tiere ins Moderholz oder unter die Erde zurück. Bei diesen Versteckplätzen handelt es sich durchweg um feuchte Orte, die allerdings bei Regenwetter und in der Nacht verlassen werden. Der Rotsalamander gilt als nachtaktiv, dies gilt insbesondere für die Zeit der Nahrungssuche. Die Hauptaktivitätsphasen erstrecken sich über kühlere und feuchte Jahreszeiten. Im Hochsommer und im Winter ruhen sie an geschützten Plätzen und fallen in einen Torpor.

Unterarten

Juvenil
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Juvenil

Verbreitung

Der Rotsalamander ist in östlichen Teilen der USA verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Alabama und Georgia, über South Carolina und Virginia bis in den Norden nach Ohio. Er kommt sowohl in der Ebene als auch in mittleren Höhenlagen von über 1.000 Meter über NN vor. Beliebte Lebensräume sind feuchte Wälder entlang von Bächen, Flüssen und ähnlichen Gewässern mit geringer Fließbewegung. Während der Ruhephasen hält sich der Rotsalamander meist in Totholz oder in Felsspalten auf. Trockene Lebensräume werden nicht besiedelt, da sie auf feuchte Habitate angewiesen sind. Sie haben keine Lunge, sondern atmen über die Haut. Daher muss die Haut immer feucht sein.

Prädatoren

Der Rotsalamander steht auf der Speisekarte zahlreicher, räuberisch lebender Säugetiere (Mammalia), Reptilien (Reptilia), Vögel (Aves) und Lurche (Amphibia). Zu den bekanntesten Fressfeinden aus der Vogelwelt gehören unter anderem Amerikanerkrähen (Corvus brachyrhynchos), Blauhäher (Cyanocitta cristata), Wanderdrosseln (Turdus migratorius). Aus der Klasse der Säugetiere stellen dem Rotsalamander vor allem Virginia-Opossums (Didelphis virginiana), Streifenskunks (Mephitis mephitis) und Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor) nach.

Ernährung

Rotsalamander ernähren sich carnivor. Zur bevorzugten Nahrung gehören insbesondere der Tauwurm (Lumbricus terrestris), Käfer (Coleoptera), Schnecken (Gastropoda), Spinnentiere (Arachnida), Hundertfüßer (Chilopoda), Doppelfüßer (Diplopoda), Ameisen (Formicoidea) sowie Insekten (Insecta) und deren Larven. Im Wasser wird die Nahrung durch das plötzliche Aufreisen des Mauls in sich hinein gezogen, gepackt und verschlungen. An Land hingegen schleudert der Rotsalamander die Zunge ein klein wenig heraus, das Beutetier bleibt an der verbreiteten Zungenspitze kleben und wird ins Maul gezogen. Die Larven ernähren sich im Wasser räuberisch von Mikroorganismen wie Wasserinsekten und Larven. Rotsalamander fangen Beutetiere mittels ihrer langen und klebrigen Zunge [1], die im Bruchteil einer Sekunde herausgeschleudert werden kann. Auf Nahrungssuche geht er auf dem Waldboden. Hier ist vor allem nach einem Regen reichlich Nahrung vorhanden. In Mangelzeiten kann der Rotsalamander aber auch einige Tage ohne Nahrung auskommen. Während dieser Zeit zehrt er dann von seinen Energiereserven.

Fortpflanzung

Der Rotsalamander erreicht die Geschlechtsreife mit ca. 5 Jahren, in freier Natur wahrscheinlich auch erst mit 7 Jahren. Die Paarungszeit beginnt selbst in den nordöstlichen Regionen der USA im Herbst nach der Sommerruhe. Rotsalamander sind sogenannte Herbstlaicher. Die Paarungs- und Laichzeit kann sich mitunter bis zum Frühjahr ausdehnen. Dabei kommt es in einer Saison nur zu einer Eiablage. Während der Balz sondert das Männchen im Kinnbereich ein Sekret ab, das er einem potentiellen Weibchen auf dem Kopf und im Schnauzenbereich reibt. Dieses interessante Verhalten soll ein Weibchen zur Paarung stimulieren.
Geschlecht: links Männchen
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Geschlecht: links Männchen
Es erfolgt bei Paarungsbereitschaft die Ablage eines Samenpaketes (Spermatophore) durch das Männchen. Das Weibchen nimmt die Spermatophore über ihre Kloake auf. Der Paarungstanz erfolgt im Wasser. Das Männchen verfolgt das Weibchen und schwimmt auch an ihr vorbei. So überschwimmt das Weibchen die Spermatophore und nimmt diesen Kegel mit ihrer Kloake auf. Auf diese Weise erfolgt eine innere Befruchtung.

Die Eiablage erfolgt nicht unbedingt unmittelbar nach der Befruchtung. Zur Eiablage kommt es, wenn die Bedingungen als günstig erscheinen. Die Eiablage erfolgt meist im Flachwasser unter Steinen oder ähnlichem. Das Weibchen legt ihre rund 30 bis 100, selten auch mehr Eier, die durch einen gallertartigen Stiel an ein Substrat geheftet werden. In der Regel befinden sich die Eier unterhalb der Wasseroberfläche, dies ist jedoch nicht zwingend notwendig. Die Inkubationszeit endet meist mit dem Einsetzen wärmerer Temperaturen. Das Weibchen betreibt ein Art Brutpflege. Während der "Brutpflege" sondert das Weibchen ein Sekret ab welches die Entwicklung der Eier beeinflußt. Das Weibchen bleibt so lange unter dem Gelege bis die Larven mit dem Schlupf beginnen. Entfernt sich das Weibchen vor dem Schlupf vom Gelege, so sterben die Embryonen ab oder das Gelege war nicht befruchtet. Unbefruchtete Eier werden gefressen. Das verhindert ein Verpilzen des Geleges. Andere Rotsalamander werden, so bald sie in die Nähe kommen, verbissen. Nachdem die Larven geschlüpft sind, beginnt die larvale Phase, die ca. 2,5 Jahre andauert. Am Ende der larvalen Phase steht die Metamorphose zum Jungsalamander. Dies ist meist im Frühsommer der Fall. Die genaue Lebenserwartung ist nicht bekannt, man schätzt das erreichbare Alter aber auf bis zu 20 Jahre.

Ökologie

Rotsalamander spielen in der Lebensraumökologie eine herausragende Rolle. Sie sind zum einen Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl räuberisch lebender Tiere, auf der anderen Seite halten sie die Populationen von Schädlingen klein. Der Rotsalamander trägt so zum ökologischen Gleichgewicht in seinem Lebensraum bei.

Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet in den östlichen US-Bundesstaaten ist ausgesprochen groß und in den meisten Regionen ist der Rotsalamander noch häufig anzutreffen. Problematisch wirkt sich die Trockenlegung von Feuchtgebieten sowie die Zersiedelung respektive die Habitatfragmentierung durch exzessive Bebauung und intensivierte Landwirtschaft mit einhergehendem exzessivem Pestiziden-Einsatz aus. Und schlußendlich spielt auch der Wildfang für den illegalen Tierhandel eine herausragende Rolle. In der Roten Liste der IUCN wird der Rotsalamander aktuell (Stand 2007) als nicht gefährdet geführt.

Galerie

Gefangenschaftspflege

Pseudotriton ruber ist der einzige Rote Wiesensalamander welcher in der Terraristik bislang eine Rolle gespielt hat. Die Klärung der Unterarten ist derzeitig völlig umstritten. Beachtet man die Besonderheiten der Lebensweise, so hat man einen sehr ausdauernden Salamander über Jahre hinweg. Die Pflege gestaltet sich relativ einfach, kann aber im Sommer bei hohen Temperaturen große Schwierigkeiten bereiten. Rotsalamander vertragen zwar problemlos kurzzeitig höher Temperaturen von ca. 28°C, werden aber dann im Herbst nicht zur Zucht schreiten. Es kann vermutet werden, dass die Männchen in der Sommerphase die Spermien ausbilden. Die Ruhephase erfolgt auf jeden Fall im Sommer an Stellen welche kühler sind. Dies kann mit Tieren verglichen werden, die eine kühle, meistens im Winter liegenden, Ruhephase benötigen. Weibchen haben das ganze Jahr über einen mehr oder weniger ausgeprägten Laichansatz.

Für die Pflege der Wiesensalamander eignen sich große Aquarien mit einem kleinen Landteil. Auf das Landteil werden Rindenstücke, Moospolster, Torfplatten, Schieferplatten und anderes angebracht. Darin verstecken sich die Salamander. Zur Nahrungssuche gehen sie wieder ins bis zu 20 cm tiefe Wasser. Eine Belüftung und Bewegung des Wassers ist nicht notwendig, wird jedoch gern angenommen. Die Wassertemperatur sollte nicht über 20°C steigen. Im Wasser werden große und hohl liegende Steine eingebracht. Der Bodengrund wird mit Kies oder Sand aufgefüllt. Unter geeigneten Steinen graben die Weibchen ihre Laichhöhlen. Zu Beginn der Paarungszeit halten sich beide Geschlechter in der Nähe oder auch direkt unter der zukünftigen Laichhöhle auf. Nach der Paarung und der Eiablage wird das Männchen vom Weibchen heftig attackiert und verbissen. Da sich die Geschlechter fast nicht unterscheiden, ist zum Aufbau einer Zuchtgruppe die Zusammensetzung von mehreren Tieren günstig. Dabei ist jedoch zu beachten das man den Tieren genügend Versteckmöglichkeiten bietet, da sie untereinander sehr aggressiv werden können. Hat man ein fortpflanzungsbereites Paar bemerkt, entfernt man alle anderen Salamander aus dem Becken und setzt sie extra. Die Paarung geschieht in den Dämmerungsstunden und auch in der Nacht. Wenige Tage nach der Paarung erfolgt die Eiablage. Nun sollte das Männchen ebenfalls aus dem Becken genommen werden. Das Weibchen ist nicht zu stören. Die Eiablage erfolgt im Herbst, beginnend im September. Die Temperaturen können im Winter bis zu 10°C absinken. Mit dem Ansteigen der Temperaturen, meist zum Jahreswechsel oder kurz danach, beginnen die Larven zu schlüpfen. Die Larven ernähren sich bis zum Frühjahr von ihrem Dottervorrat. Ist der Dottervorrat verbraucht, müssen die Larven gefüttert werden. Das Larvenstadium dauert ca. 2,5 Jahre. Eine kalte Überwinterung der Larven ist notwendig. Mit dem Einsetzen der Metamorphose senkt man den Wasserstand auf wenige Zentimeter ab und bietet Ausstiegmöglichkeiten in Form von Steinaufbauten. Die Färbung der Larven ist mit dem Schlupf gräulich. Im Laufe der Entwicklung verändert sich die Färbung zwischen den verschiedenen Graustufen. Ca. 6 Monate vor der Metamorphose beginnen sich die Larven rot zu färben. Gehen die Rotsalamander an Land bzw. haben die Metamorphose abgeschlossen, sind sie ausgesprochen rot. Die typische Zeichnung mit den schwarzen und unregelmäßigen Punkten ist in diesem Entwicklungsstatium am deutlichsten und schönsten. Auf diese Aufbauten werden Moospolster locker aufgelegt. Nicht alle Salamander gehen nach der Metamorphose an Land; die meisten verbleiben im (flachen) Wasser.

Die Ernährung der Salamander ist denkbar einfach. Es werden alle Wasserinsekten, Maden und Würmer in geeigneter Größe gierig aufgenommen. Jungsalamander werden wie die Alttiere ernährt, jedoch müssen die Futtertiere eine geringere Größe aufweisen.

Eine Bepflanzung ist nicht notwendig. Ebenso ist keine zusätzliche Beleuchtung erforderlich.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • James W. Petranka: Salamanders of the United States and Canada. Smithsonian Institution Press Washington and London. ISBN 1-56098-828-2

Links

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