Roter Vari

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Roter Vari

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Lemuren (Lemuridae)
Gattung: Varis (Varecia)
Art: Roter Vari
Wissenschaftlicher Name
Varecia ruber
Geoffroy, 1812

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Rote Vari (Varecia ruber) innerhalb der Familie der Lemuren (Lemuridae) zur Gattung der Varis (Varecia). Im Englischen wird die Art Red-ruffed Lemur genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Rote Vari erreicht eine Körperlänge von bis zu 60 bis 65 cm, eine Schwanzlänge von 60 cm sowie ein Gewicht von 3.000 bis 4.800 Gramm. Er gilt als größter Vertreter der echten Lemuren. Das Fell weist eine überwiegend rostbraune Färbung auf. Im Nackenbereich ist ein großer weißer Fleck zu erkennen. Die Bauchseite sowie die Hände und Füße sind schwarz gefärbt. Das Gesicht weist eine graue bis dunkelgraue Färbung auf. Die großen Augen sind leuchtend gelb mit einer dunklen Iris. Das Fell ist lang und sehr dicht. Es schützt die Tiere selbst bei stärksten Regengüsse vor Nässe.

Diese Varis sind dämmerungs- und nachtaktiv. Am Vormittag sieht man sie aber regelmäßig beim Sonnenbaden. Die Tiere leben in kleinen Familienverbänden, selten auch in größeren Gruppen von bis zu 30 Tieren. Kern einer Gruppe ist das dominante Weibchen, die auch ihre Gruppe gegenüber Artgenossen verteidigt. Ihr Territorium markieren sie zum einen mit einen Sekret aus einer am Hals befindlichen Körperdrüse und zum anderen durch lautstarke Rufe, die weithin zu hören sind. Ein Kehlsack dient ihnen dabei zur Verstärkung der Laute. Jungtiere verlassen meist mit Erreichen der Geschlechtsreife die Gruppe, in der sie geboren wurden.

Zu den natürlichen Feinden gehört nur die Fossa, einer madegassischen Schleichkatze. Aufgrund der massiven Eingriffe in die Natur, insbesondere der Abholzung der Regenwälder, steht die Art kurz vor der Ausrottung. Die starke Bejagung wegen ihres Fleisches für die Ernährung der Bevölkerung und der Felle für den Export tragen zur kritischen Situation deutlich bei. In der Roten Liste des IUCN wird diese Art als "critically endangered" geführt.

Verbreitung

Der Rote Vari ist im Nordosten Madagaskars auf der Maroantsetra-Halbinsel edemisch. Hier befindet sich auch der Masoala Nationalpark. Sie leben in tropischen Regenwäldern meist auf Bäumen, sind aber auch auf dem Boden zu finden. Vor allem beim Sonnenbaden, wo sie mit ausgebreiteten Armen und Beinen auf dem Boden sitzend oder liegend förmlich die Sonne anbeten.

Nahrung

Roter Vari
vergrößern
Roter Vari

Rote Varis ernähren sich rein vegetarisch von Blättern, Samen, Früchten und Nektar. Auf Nahrungssuche gehen sie in den frühen Abendstunden.

Fortpflanzung

Der Rote Vari erreicht die Gesachlechtsreife mit knapp zwei Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich über die Monate Dezember bis April. Im Vorfeld der Geburt baut das Weibchen ein Nest aus Ästen, Blättern und Moosen. Sie polstert es mit eigenen Haaren aus, die sie sich aus ihren Flanken zupft. Nach einer Tragezeit von 100 bis 105 Tagen bringt sie meist zwei bis drei, selten bis fünf Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere weisen ein Geburtsgewicht von rund 100 Gramm auf. Die ersten drei Wochen bleiben die Jungtiere ausschließlich im Nest. Müssen sie transportiert werden, so macht das Weibchen dieses mit dem Maul.

Die Tatsache, daß die Jungtiere im Nest geboren werden ist unter den Lemuren einmalig. Zum Säugen besitzt das Weibchen drei Zitzenpaare, wobei sich ein Paar im Brustbereich und zwei Paar Zitzen im Bauchbereich befinden. Das Fell der Jungtiere gleicht dem der adulten Tiere. Sie wachsen sehr schnell heran und sind bereits gegen Ende des ersten Lebensjahres selbständig. In Freiheit können sie ein Alter von 15 bis 20 Jahren erreichen, in Gefangenschaft auch bis 28 Jahre.

Anhang

Siehe auch

  • Die Gattung der Varis (Varecia)
  • Die Familie der Lemuren (Lemuridae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge