Rote Waldameise

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rote Waldameise

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Überfamilie: Ameisen (Formicoidea)
Familie: Ameisen (Formicidae)
Unterfamilie: Schuppenameisen (Formicinae)
Gattung: Waldameisen (Formica)
Art: Rote Waldameise
Wissenschaftlicher Name
Formica rufa
Linnaeus, 1761

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Rote Waldameise (Formica rufa) zählt innerhalb der Familie der Ameisen (Formicidae) zur Gattung der Waldameisen (Formica).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Rote Waldameise erreicht je nach Kastenzugehörigkeit eine unterschiedliche Länge. Königinnen und Drohnen erreichen eine Länge von bis zu elf Millimeter. Reine Arbeiterinnen können eine Körperlänge von fünf bis neun Millimeter erreichen. Die Vorderseite des Kopfes sowie der größte Teil des Brustkorbes (Thorax) ist rötlich gefärbt. Der Oberkopf sowie der Abdomen und die Extremitäten sind schwarz bis dunkelbraun gefärbt. Der Kopf, Thorax und Hinterleib sind durch dünne, wie abgeschnürt aussehende Elemente, verbunden. Diese Bauweise des Körpers ermöglicht den Ameisen eine extrem hohe Beweglichkeit.

Die Ameisen verfügen über sehr große Komplexaugen. Die Königinnen sowie die Drohnen verfügen zusätzlich über sogenannte Nebenaugen. Die Beißwerkzeuge sind insbesondere bei den Arbeiterinnen und den Soldaten kräftig ausgeprägt. Mit einem Biss geben sie eine Säure in die Wunde, die ein Beutetier lähmt oder auch töten kann. Für die Versorgung der Larven besitzen Arbeiterinnen einen Kropf, in dem sie Nahrung aufbewahren können. Die Fütterung dient nicht nur dem leiblichen Wohl, sie ermöglicht über verschiedene Pheromone auch eine Art der Kommunikation untereinander.

Wichtiger als die Komplexaugen, die nur eine untergeordnete Rolle spielen, sind die sehr beweglichen Fühler. Mit ihren Fühlern decken sie sowohl den Tast- als auch den Geruchssinn ab. Auch wenn es nicht so ausschaut, Ameisen gehören, bezogen auf die Körpergröße, zu den kräftigsten Tieren überhaupt. Sie können gewaltige Lasten transportieren. Es wurde beobachtet, das sie gemeinschaftlich selbst eine tote Maus in ihren Bau geschafft haben.

Die Flugzeit der Roten Waldameise erstreckt sich meist von Juni bis September, selten sind sie auch schon im Mai zu sehen. Ameisen sind staatenbildende Insekten und zeichnen sich durch eine ausgeklügelte Sozialstruktur aus. Ihre zum Teil riesigen Bauten entstehen in Wäldern meist auf Lichtungen, die sehr gut mit Sonne beschienen sind. Ein Bau besteht aus einem oberirdischen Teil, der hauptsächlich aus Tannennadeln besteht. Zum anderen besteht ein Bau aus einem unterirdischen Teil, wo meist Erde verbaut wurde. Ein Ameisenbau kann durchaus eine Höhe von einem bis zwei Meter sowie einen Durchmesser von mehreren Metern erreichen. Ein alt eingesessenes Ameisenvolk kann aus einer bis zwei Millionen Tieren bestehen. Das Innere eines Baues besteht aus einer Vielzahl von Gängen, die zum einen zum Begehen genutzt werden und zum anderen der Belüftung des Baues dienen. Im Winter ziehen sich die Ameisen ins Innere ihres Baues zurück und verfallen in eine Kältestarre. Vorher werden sorgsam alle Gänge verschlossen, um den Wärmeverlust zu minimieren. Der oberirdische Teil des Baues dient dabei als Dämmung.

Das Sozialsystem besticht durch seine strikte Arbeitsteilung. Neben den Königinnen, die hauptsächlich für den Nachwuchs sorgen, besteht ein Ameisenvolk noch aus Drohnen, also den Männchen, sowie aus einer großen Scharr von Arbeiterinnen und Soldaten. Ein Ameisenvolk kann einige hundert bis einige tausend Königinnen beinhalten.

Die Rote Waldameise ist insbesondere in Deutschland selten geworden. Zum einen ist daran die anhaltende forstwirtschaftliche Nutzung, die Zerstörung der natürlichen Lebensräume und vor allem der steigende Säuregehalt der Waldböden schuld. Seit einiger Zeit steht die Rote Waldameise in Deutschland unter Naturschutz.

Verbreitung

Die Rote Waldameise ist in weiten Teilen Europas, im gemäßigten Teil Nordasiens sowie in Nordamerika verbreitet. Ihr Lebensraum ist in der Regel durch lichtbeflutete Nadel-, Laub- oder Mischwäldern gekennzeichnet. Feuchte oder ausgesprochen schattige Plätze werden gemieden, um Nestfäule zu vermeiden.

Nahrung

Die Rote Waldameise ernährt sich insbesondere von Insekten und Spinnentieren sowie vom Honigtau, der speziell den Blatt- und Schildläusen entnommen wird. Auch der Saft von Bäumen, der an Saftwunden austritt wird von den Ameisen gerne aufgenommen. Auf Nahrungssuche gehen sie immer in großen Gruppen. Dabei können sie problemlos selbst hundertfach größere Beutetiere überwältigen und zum Bau schaffen. Sie gelten in der Forstwirtschaft als besonders nützliche Tiere, da ein durchschnittliches Ameisenvolk pro Tag mehrere Tausend Insekten sowie deren Larven vernichten kann. Ameisen suchen ihre Nahrung meist im Umkreis von zwanzig bis dreißig Metern.

Fortpflanzung

Vor der Verpaarung kann man im zeitigen Frühjahr Königinnen auf ihrem Hochzeitsflug beobachten. Die eigentliche Verpaarung findet am Boden statt. Das Männchen übergibt der Königin ein Samenpaket, welches sie in ihrer Samentasche aufbewahrt. Eine Begattung findet nur einmal statt und dieser Samenvorrat in der Samentasche hält bis zu 20 Jahre. Kurz nach der Paarung sterben zum einen die Männchen und zum anderen werfen die Königinnen ihre Flügel ab. Dazu weisen die Flügel sogenannte Sollbruchstellen auf.

Zur ersten Eiablage kommt es im März oder im April. Die Eier werden in eine separate Bruthöhle gelegt. Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven. Speziell dafür abgestellte Arbeiterinnen versorgen die Larven mit Nahrung. Die Nahrung führen sie in Nahrungstaschen (Kropf) mit und wird über Mund-zu-Mund-Fütterung an die Larven übergeben. Über eine Beimischung von Hormonen aus der Unterlippenspeicheldrüse entscheidet sich, ob aus einer Larve eine Königin entsteht oder ein anderes Mitglied der Kaste.

Nach dem Schlupf der fertigen Ameisen fliegen die Königinnen aus und suchen ein Männchen. Meist wird ein neuer Bau angelegt. Es kommt aber auch vor, daß vorhandene aber leere Bauten bezogen werden. Mit der Ablage der ersten Eier wächst nach und nach ein neues Heer Arbeiterinnen heran. Die Lebensdauer einer Königin kann fünfzehn bis zwanzig Jahre betragen, die Arbeiterinnen leben durchschnittlich zwei bis drei Jahre.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Dieter Otto: Die Roten Waldameisen. (3., überarbeitete und erweiterte Auflage.) Westarp Wissenschaften 2005; 192 Seiten, 77 Abb., ISBN 3-89432-718-9
'Persönliche Werkzeuge