Rote Viscacharatte

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Rote Viscacharatte
Foto/Zeihnung folgt.

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Trugrattenartige (Octodontoidea)
Familie: Trugratten (Octodontidae)
Unterfamilie: Octodontinae
Tribus: Octodontini
Gattung: Tympanoctomys
Art: Rote Viscacharatte
Wissenschaftlicher Name
Tympanoctomys barrerae
(Lawrence, 1941)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Rote Viscacharatte (Tympanoctomys barrerae) zählt innerhalb der Familie der Trugratten (Octodontidae) zur Gattung Tympanoctomys. Im Englischen wird die Art ebenfalls Plains Viscacha Rat oder Red Vizcacha Rat genannt. Innerhalb seiner Gattung ist die Rote Viscacharatte die einzige Art. Es sind keine Unterarten bekannt. Ein nicht mehr gültiges Synonym ist Octomys barrerae (Lawrence, 1941; Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Rote Viscacharatte ähnelt im Wesentlichen anderen Arten der Trugratten (Octodontidae). Insbesondere trifft dies auf die Viscacharatte (Octomys mimax) und den Bori (Octodontomys gliroides) zu. Die Rote Viscacharatte ist im Vergleich zu Octomys mimax jedoch kleiner und hat kürzere Hinterbeine sowie einen kürzeren Schwanz. Auch der Schädel ist kleiner und kürzer. Die Fellfärbung hingegen ist nahazu identisch (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rote Viscacharatte ist eine mittelgroße Trugratte mit einem relativ großen Kopf. Die Ohren sind kurz und mit präaurikulären Büschel versehen. Der buschige Schwanz ist zweifarbig gefärbt und entspricht in der Länge etwa 49 bis 53% der Körperlänge. Die Oberseite des Schwanzes ist dunkelbraun bis rotbraun. Das Fell ist dorsal gelblichbraun, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Die kurzen Hinterpfoten sind mit weißem Haar bedeckt, der Schädel ist breiter als länger. Die Rote Viscacharatte erreicht eine Gesamtlänge von 254,93 bis 293,23 (274,08) mm, eine Körperlänge von 111,67 bis 146,17 (128,92) mm, eine Schwanzlänge von 137,26 bis 153,04 (145,15) mm, eine Hinterfußlänge von 32,97 bis 35,19 (34,08) mm, eine Ohrlänge von 15,34 bis 18,94 (17,14) mm, eine Schädellänge von 38,67 bis 40,03 (39,35) mm, eine Condylobasallänge von 34,66 bis 37,24 (35,95) mm, eine Jochbeinbreite von 18,98 bis 19,58 (19,28) mm sowie ein Gewicht von 80 bis 105 g (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Lebensweise

Die Rote Viscacharatte ist nachtaktiv und lebt einzelgängerisch. Die Tiere halten sich fast ausschließlich in ihren komplexen Erdbauten auf. Ein Bau besteht aus mehreren Gängen, Kammern und zahlreichen Ein- und Ausgängen. In den Futterkammern werden vor allem Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) wie Alternanthera nodifera und Melden (Atriplex) sowie Heterostachys ritteriana gelagert. Die Siedlungsdichte ist gering und liegt zwischen 0.007 und 7,31 Individuen je Hektar. Der Abstand zwischen 2 Bauten liegt bei 19 bis 470 m (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Verbreitung

Die Rote Viscacharatte ist in den ariden Regionen des zentralen und westlichen Argentinien endemisch. Die Vorkommen sind hierbei nicht flächendeckend, sondern eher lückenhaft über die Provinzen Mendoza und La Pampa verteilt. Zu den bevorzugten Lebensräumen gehören Sanddünen, Buschlandschaften und ähnlich offnene und trockene Habitate. Die Art kommt in Höhen zwischen 300 und 1.400 m über NN vor (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Biozönose

Sympatrie

In Trockengebieten des zentralen Argentiniens lebt die die Rote Viscacharatte in Koexistenz mit zahlreichen anderen kleinen und mittelgroßen Tieren. Hierzu gehören insbesondere Fettschwanzbeutelratten (Thylamys) wie Thylamys pusilla, Blattohrmäuse (Graomys) wie Graomys griseoflavus, Hochland-Wüstenmäuse (Eligmodontia) wie Eligmodontia typus, Vespermäuse (Calomys) wie Calomys musculinus, Südamerikanische Feldmäuse (Akodon) wie Akodon molinae, Graue Wieselmeerschweinchen (Galea musteloides), Südliche Zwergmeerschweinchen (Microcavia australis), Große Maras (Dolichotis patagonum), Viscachas (Lagostomus maximus) sowie Tukotukos (Ctenomys) wie Ctenomys mendocinus (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Prädatoren

ZU den natürlichen Feinden der Art zählen die Schleiereule (Tyto alba), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), Amerikanische Lanzenottern (Bothrops) wie Bothrops newiediiund Bothrops ammodytoides, die Kaninchen-Eule (Athene cunicularia), der Pampasfuchs (Lycalopex gymnocercus), die Pampaskatze (Leopardus pajeros), Patagonische Wiesel (Lyncodon) und das Kleingrison (Galictis cuja) (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Ernährung

Rote Viscacharatten sind reine Pflanzenfresser. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) wie Melden (Atriplex), Allenrolfea vaginata, Heterostachys ritteriana und Salzmelden (Suaeda). Bis zu 40% entfallen dabei auf Melden (Atriplex) (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Roten Viscacharatte ist nur wenig bekannt. In der Gefangenschaft hat ein Weibchen bis zu 4 mal Jungtiere in einer Saison zur Welt gebracht. In freier Wildbahn beginnt die Paarungszeit für gewöhnlich im Februar. Die Augen und Ohren der Neugeborenen sind geschlossen, das Geburtsgewicht liegt bei rund 4 g. Die Augen öffnen sich im Alter von 6 Tagen. Bereits vor der Entwöhnung von der Muttermilch nehmen die Jungtiere ihre erste feste Nahrung zu sich (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Sonstiges

Der generische Name Tympanoctomys ist zum einen abgeleitet von dem griechischem Wort tympa für "Trommel" (wegen der großen Gehörkapseln) und zum anderen von octomys, bezogen auf die Morphologie der Backenzähne. Der Artname barrerae wurde zu Ehren des Parasitologen J. M. de la Barrera vergeben (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Rote Viscacharatte gilt heute als gefährdet und wird daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie NT, Near Threatened,geführt. Die größte Gefahr geht heute vom Verlust der natürlichen Lebensräume in Verbindung mit der eingeschränkten Verbreitung sowie der geringen Siedlungsdichte aus. Im Lebensraum der Tiere expandiert vor allem die Öl- und Gasindustrie (Diaz, Ojeda, Gallardo & Giannoni, 2000).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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