Rote Röhrenspinne

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Rote Röhrenspinne
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Röhrenspinnen (Erisidae)
Gattung: Eresus
Art: Rote Röhrenspinne
Wissenschaftlicher Name
Eresus cinnaberinus
Olivier, 1789

Die Rote Röhrenspinne (Eresus kollari), ehemals (Eresus cinnaberinus), zählt innerhalb der Familie der Röhrenspinnen (Erisidae) zur Gattung Eresus. In älterer Literatur wird die Rote Röhrenspinne auch unter dem Synonym Eresus niger geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Männchen der Roten Röhrenspinne bleiben mit 8 bis 11 Millimeter deutlich kleiner als die Weibchen. Die Weibchen erreichen eine stattliche Länge von bis zu 16 Millimeter. Südliche Unterarten werden noch ein wenig größer und können durchaus eine Länge von gut 20 Millimeter aufweisen. Durch die kurzbeinige Bauweise wirkt der Körper ausgesprochen gedrungen. Der Körperbau weist zudem eine leichte Ähnlichkeit zu den Springspinnen (Salticidae) auf. Eine Verwandtschaft ergibt sich aus der konvergenten Entwicklung jedoch nicht. Neben der Größe sind die Geschlechter auch anhand der Färbung leicht zu unterscheiden. Beim Männchen ist der Vorderkörper tief schwarz gefärbt. Hier ist eine dichte Behaarung zu erkennen, die überwiegend schwarz gefärbt ist. Vereinzeln sind auch weiße Härchen zu erkennen. Dorsolateral zeigt sich im hinteren Bereich des Vorderkörpers ein scharlachroter Saum. Markant ist das Abdomen. Es ist leuchtend rot bis scharlachrot gefärbt. Zentral auf dem Abdomen sind vier runde und gleichmäßige schwarze Flecken zu erkennen. Die Flecken weisen je nach Vorkommen und Unterart eine feine weißliche Säumung auf. Lateral ist das Abdomen in der Regel schwarz abgesetzt. Aber auch hier kann es bei den Unterarten leichte Unterschiede geben. Auch die Extremitäten sind markant gefärbt. Auf einer schwarzen Grundfärbung zeigen sich an den beiden vorderen Beinpaaren markante weiße Ringe. An den hinteren beiden Beinpaaren zeigt sich an den ersten beiden Segmenten eine feine rötliche Färbung, die beiden letzten Beinelemente weisen je einen weißen Ring auf. Die weißen Ringe befinden sich an allen Beinen im wesentlichen im Bereich der Gelenke.

Die Weibchen sind insgesamt schwarzbraun bis schwarz gefärbt und zeigen keine auffällige Zeichnung. An den Beinen ist die weiße Ringelung nur leicht durch feine Linien angedeutet. Der Körper der Weibchen ist dorsal dicht behaart. Die acht Augen sind in Relation zum Körper sehr klein und befinden sich im Kopfbereich. Vier Augen liegen jeweils seitlich am Kopf, die anderen vier Augen liegen im Stirnbereich. Die Cheliceren sind bei beiden Geschlechtern kräftig ausgeprägt. Sie enden in kräftige Giftklauen, mit denen den Beutetieren ein wirksames Gift injiziert wird. Wie alle Röhrenspinnen verfügen auch Rote Röhrenspinnen als cribellate Spinnen über ein spezielles Organ, mit dem die Fangwolle gesponnen wird. Dieses Organ wird auch als Cribellum bezeichnet. Die Fangwolle weist dabei im Gegensatz zu den ecribellaten Spinnen keine Leimtröpfchen auf.

Lebensweise

Die Männchen der Roten Röhrenspinne kann man durchaus als wandernd bezeichnen, die Weibchen führen in ihren Erdröhren eine eher sesshafte Lebensweise. Die Erdröhre kann eine Tiefe von 10 bis 15 Zentimeter erreichen, verläuft im schrägen Winkel in den Boden und ist mit einem feinen Gespinst ausgekleidet. Der Durchmesser einer im oberen Bereich trichterartig verbreiterten Erdröhre umfasst rund 10 Millimeter. Der obere Rand kann dabei durchaus einen Durchmesser von 50 Millimeter oder mehr aufweisen. Die einzelnen Fäden der Fangfäden sind mit einer feinen Cribellumwolle überzogen und laufen rund um die Erdröhre in der umliegenden Vegetation aus. Auch wenn Rote Röhrenspinnen meist einzelgängerisch leben, so kann es durchaus zu einer Anhäufung von Erdröhren kommen. Die einzelnen Röhren weisen jedoch einen Mindestabstand von 20 bis 30 Zentimeter auf. Daraus kann sich zuweilen eine Siedlungsdichte von bis zu 10 Erdröhren pro Quadratmeter ergeben.

Unterarten

Verbreitung

Die Rote Röhrenspinne ist mit 7 Unterarten in weiten Teilen Europas verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom westlichen Russland bis nach England, in Nord-Süd-Ausrichtung von Dänemark bis ins nordwestliche Afrika.

Rote Röhrenspinne - Männchen
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Rote Röhrenspinne - Männchen

Rote Röhrenspinnen leben bevorzugt in ariden und semiariden Regionen in einer Südhanglage mit mäßig dichter Bodenvegetation. Beliebte Habitate weisen meist dichte Büsche und eine schwache Bodenvegetation auf. Sonnige und windgeschützte Bereiche werden bevorzugt besiedelt. Geschlechtsreife Männchen können besonders häufig ab Ende August und im September beobachtet werden. Während der inaktiven Zeit ziehen sich die Roten Röhrenspinnen tief in ihre Erdröhren zurück und überwintern hier in einem dichten Gespinst. Während der Paarungszeit zieht es die Männchen zu den Weibchen. Sie ziehen regelrecht bei den Weibchen als Untermieter ein und ernähren sich auch von der Nahrung des Weibchens.

Ernährung

Rote Röhrenspinnen ernähren sich hauptsächlich von Käfern (Coleoptera) und von Tausendfüßern (Myriapoda). Zur Hauptbeute zählen je nach Verbreitungsgebiet unter anderem Mistkäfer (Geotrupidae) wie Frühlingsmistkäfer (Geotrupes vernalis) oder Gemeiner Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) sowie Sandlaufkäfer (Cicindelidae) wie der Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris).

Fortpflanzung

Rote Röhrenspinnen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa drei bis vier Jahren. Die Paarbildung erfolgt im Spätsommer oder im Herbst. Dabei geht das Männchen auf der Suche nach einer potentiellen Partnerin auf Wanderschaft. Hat ein Männchen ein Weibchen gefunden, so begibt es sich in die Erdröhre des Weibchens und lebt fortan in dieser. Die eigentliche Paarung erfolgt jedoch erst mit Beginn der warmen Jahreszeit im kommenden Frühjahr. Das Männchen hat den Winter über also in der Erdröhre des Weibchens verbracht. Zur eigentlichen Verpaarung kriecht das Männchen unter den Abdomen des Weibchens. Das Männchen führt dabei seine Begattungsorgane an die des Weibchens. Einige Zeit nach der Verpaarung legt das Weibchen ihre rund 60 bis 80 Eier in einen aus Gespinst bestehenden Kokon und trägt ihn ständig mit sich herum. Sie presst den bis zu 10 Millimeter großen Kokon dabei regelrecht gegen ihr Sternum (Brustbein). Auch nach dem Schlupf zeigt sich das Weibchen als aufopfernde Mutter und betreut ihren Nachwuchs bis zur Selbständigkeit. Sie sorgt dabei für Schutz und Nahrung.

Gefährdung und Schutz

Rote Röhrenspinne gehören in Deutschland zu den stark gefährdeten Spinnenarten und werden als solche in der lokalen Roten Liste geführt und genießen entsprechenden Schutz. In weiten Teilen von Mitteleuropa sieht die Gefährdung ähnlich aus. Allenfalls im westlichen Osteuropa sind noch gesicherte Bestände zu verzeichnen. In der Internationalen Roten Liste der IUCN wird die Art nicht geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022

Links

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