Rotbauchunke

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rotbauchunke

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Urtümliche Froschlurche (Archeobatrachia)
Familie: Unken (Bombinatoridae)
Gattung: Unken (Bombina)
Art: Rotbauchunke
Wissenschaftlicher Name
Bombina bombina
Linnaeus, 1761

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Rotbauchunke (Bombina bombina), auch als Tieflandunke oder Feuerkröte bekannt, zählt innerhalb der Familie Unken (Bombinatoridae) zur Gattung der Unken (Bombina). Im Englischen wird die Rotbauchunke European Fire-bellied Toad oder Fire-bellied Toad genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Sehr leicht mit der Gelbbauchunke (Bombina variegata) ist die Rotbauchunke zu verwechseln. Der zweite Trivialname Tieflandunke ist auf die Verbreitung bezogen und scheint wesentlich besser gewählt als die farbbezogene Bezeichnung. Wen sollte es nicht wundern, wenn eine Unke mit gelbem Bauch kurzerhand als Rotbauchunke bezeichnet wird? Die Bauchfärbung ist recht variabel und kann durchaus neben dem namengebenden Rotorange bei einigen Tieren auch gelb sein. Die Fleckung der Unterseite ist dunkler als bei der Gelbbauchunke (Bombina variegata), in der Regel schwarz. Während die Unterseite der Gelbbauchunke (Bombina variegata) glatt ist, hat die Rotbauchunke kleine, weißlich eingefaßte Warzen. Die Oberseite des Körpers wird in der gleichen Schlammfarbe gehalten wie bei der Gelbbauchunke (Bombina variegata), jedoch kann sie auch dunkler grau gefärbt sein. Nur selten ist eine dunkle Fleckung oder Marmorierung sichtbar. Eine einfache Kontrolle kann endgültige Sicherheit über die Artzugehörigkeit geben: Die Spitzen von Fingern und Zehen sind bei ihr nicht farbig, sondern schwarz. Das Verhältnis von Körperlänge zur Unterschenkellänge beträgt meist mehr als 3:1. Auf den Warzen der Oberseite sitzt je ein kleines, wenige hervorragendes schwarzes Hornhöckerchen. Die Warzen sind nicht mit Stacheln besetzt. Das Trommelfell ist unsichtbar. Die Pupille hat eine von der Kröten- und Froschpupille abweichende Form, sie ist herzförmig oder rund. Die Männchen besitzen eine innere Schallblase. Die Kehle wird beim Rufen sackartig erweitert. Während der Paarungszeit weisen die Männchen dunkle Hornschwielen auf der Innenseite der Vordergliedmaßen sowie des ersten und zweiten Fingers auf. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 4 bis 5 Zentimeter. Die Stimme ist ein eintöniges, aber klangvolles uuh-uhh-uhh, das besonders dann recht laut klingt, wenn die Männchen, den ganzen Körper als Resonanzboden benutzend, aufgeblasen auf der Wasseroberfläche liegen. Die Intervalle zwischen den Rufen sind bei höheren Wassertemperaturen (25 bis 30 Grad Celsius) kürzer und schneller als bei niedrigen Wassertemperaturen. Pro Minute werden jedoch niemals mehr als 40 Rufe geäußert. Junge Tiere haben bei beiden Arten einen schnelleren Ruf. Rufen zahlreiche Tiere im Chor, so hört man ein lautes, schwingendes uuhuuhuuh. In Europa ist die Rotbauchunke nur mit der Gelbbauchunke (Bombina variegata) zu verwechseln, mit der sie sich auch erfolgreich kreuzt. In solchen Fällen, bekannt zum Beispiel aus Polen und Rumänien, kann es zur Bildung ganzer Populationen mit intermediären Merkmalen kommen. Der Laich der Rotbauchunke ist kaum von den Eiern der Gelbbauchunke (Bombina variegata) zu unterscheiden. Die Larven weisen ein Kiemenloch in der Mitte des Bauches, näher am Rumpf- als am Kopfende, auf. Das Mundfeld ist dreieckig. Die Färbung der Larven ähnelt ebenfalls den Larven der Gelbbauchunke (Bombina variegata). Die Larven der Rotbauchunke erreichen eine Länge von etwa 3,5 bis 5,5 Zentimeter, davon 2 Zentimeter Schwanz. Der Flossensaum ist am Ende stumpf.

In der unten aufgeführten Tabelle sind noch einmal die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen der Rotbauchunke und der Gelbbauchunke (Bombina variegata) zusammengestellt.


Äußere Unterscheidungsmerkmale der Rotbauchunke und der Gelbbauchunke

Rotbauchunke (Bombina bombina) Gelbbauchunke (Bombina variegata)
Körper relativ schlank Körper plump
Kopf relativ schmal Kopf rundlich
Spitzen der Finger nicht leuchtend gefärbt Spitzen der Finger leuchtend gefärbt
Warzen weich und nicht stachelig Warzen hart und stachelig
Warzen der Unterseite häufig hell eingefaßt Warzen der Unterseite nur mit schwarzem Stachel
Innere Schallblase Keine Schallblase

Lebensweise

Im Frühjahr und im Sommer an und in Gewässern lebend. Die Rotbauchunken bevorzugen warme Plätze. Die erwachsenen Tiere haben eine Vorzugstemperatur von 26 bis 27 Grad Celsius, die Larven sogar noch höher, bis knapp 30 Grad Celsius. Nur die Kreuzkröte (Bufo calamita), die oftmals die gleichen Lebensräume besiedelt, liegt noch höher in ihrer Wahl, bis zu 30 Grad Celsius wurden bei erwachsenen Tieren gemessen. Die Larven bevorzugen sogar Wassertemperaturen von über 32 Grad Celsius. Die Rotbauchunke ist in der Regel tag- und nachtaktiv. Der Winterschlaf erfolgt auf dem Lande in Tierhöhlen oder im lockeren Erdreich. Er wird in der Zeit zwischen Ende März und Anfang Mai beendet. Zwei bis drei Wochen danach kommt es zur ersten Paarung. Die Larven aus späteren Gelegen können überwintern, Riesenlarven kommen vor. Im September/Oktober ziehen sich die Rotbauchunken zur Winterruhe zurück. Bei Gefahr biegen die Rotbauchunken ihren Rücken zuweilen zu einem Hohlkreuz durch und drehen Vorder- und Hinterbeine so nach oben, dass die grellfarbenen Flecken der Unterseite teilweise sichtbar werden. Ausnahmsweise werfen sie sich auch auf den Rücken. Dieses Verhalten wird Unkenreflex genannt und als Warnreaktion gegenüber Feinden gedeutet. Das Hautsekret ist giftiger als bei den übrigen europäischen Froschlurchen und wirkt auch auf die Schleimhäute des Menschen äußerst unangenehm.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet reicht im Westen bis zur Weser und nach Dänemark, im Norden bis zum Finnischen Meerbusen, im Osten bis zum Ural, im Südosten bis zum Schwarzen Meer und im Süden bis zum östlichen Teil Serbiens und Bulgarien. Des Weiteren ist die Rotbauchunke in Deutschland im östlichen Niedersachsen und in Schleswig-Holstein, in Österreich: Donautal, westlich bis Ottensheim, Niederösterreich sowie im Burgenland anzutreffen.
Tümpel in einer Feuchtwiese in der Elbtalniederung (Landkreis Lüchow-Dannenberg)
vergrößern
Tümpel in einer Feuchtwiese in der Elbtalniederung (Landkreis Lüchow-Dannenberg)
Die Rotbauchunke ist in ihrer Verbreitung auf die Tieflandgebiete beschränkt, sie ist über 250 Meter kaum noch zu finden. In Deutschland besitzt sie ihren Verbreitungsschwerpunkt in den östlichen Bundesländern. Doch sind die einst sehr starken Bestände dieser Art heute auch dort vielerorts empfindlich geschrumpft. Rotbauchunken siedeln vor allem in den Überschwemmungsbereich (Auen) von Elbe, Oder und Donau (nur Österreich). Sie sind auf klare, sonnenexponierte, flache Stillgewässer angewiesen. Diese müssen über den Sommer zumindest noch etwas Wasser führen. Besonders geeignet sind die sogenannten Qualmgewässer. Diese liegen hinter den Deichen von Fließgewässern und enthalten Grundwasser, das durch den Druck des Flusses an die Oberfläche steigt (=Drängewässer). Sie sind meist nährstoffarm, flach, leicht erwärmbar und besitzen einen schlammigen, oft mit dichter Vegetation bestandenen Grund. In diesen Gewässern bzw. in ihrer unmittelbaren Nähe spielt sich das Leben der Rotbauchunken ab. Wenn diese Gewässer trockenfallen, aber auch zur Überwinterung, suchen die Tiere Bodenverstecke auf. Der Lebenszyklus der Art ist an die wechselnde Existenz von flachen Gewässern in Überschwimmungsgebieten angepaßt. Die Laichzeiten sind dabei in jedem Jahr den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepaßt und variieren daher oft stark.

Ernährung

Die überaus gefräßige Rotbauchunke erbeutet Tiere, die im Vergleich zu ihrer Körpergröße unverhältnismäßig groß sind. In Gefangenschaft werden Regenwürmer (Lumbricidae) von doppelter Länge wie sie selbst unter Auferbietung aller Kräfte mit den Vorderfüßen gesäubert (sie streift Erde und Sand mit den Fingern ab) und ins Maul gestopft. Ebenso werden Spinnentiere (Arachnida), Käfer (Coleoptera), Asseln (Isopoda) und andere Kleintiere gefressen.

Fortpflanzung

Die Balz der Rotbauchunke ist nachts und tagsüber, aber am besten in den Abendstunden bei Lufttemperaturen von 10 bis 30 Grad Celsius zu verfolgen. Während des Rufens blähen sich die Männchen weit auf, um so ihren gesamten Körper als Resonanzraum zu nutzen. Der Ruf, meist im Chor zu hören, klingt tiefer und langsamer als der Ruf der Gelbbauchunke (Bombina variegata). Er dient wohl im Gegensatz zum Ruf anderer Lurcharten nicht nur dem Anlocken der Weibchen, sondern auch zur Abgrenzung der Reviere. Bei Vorliegen geeigneter Laichbedingungen steigt die Fortpflanzungsbereitschaft schlagartig an, deutlich wird dies an der gesteigerten Rufaktivität. Teilweise werden neu entstandene Gewässer den ständig vorhandenen Gewässern vorgezogen. Große Populationsteile können so gemeinsam in kurzer Zeit umsiedeln. Eine Strategie, die eine Ausbreitung im dynamischen, ständigen Änderungen unterliegenden Lebensraum fördert. Durch eine im Jahr langandauernde Laichbereitschaft kann so ein- und dasselbe Weibchen in mehreren Gewässern ablaichen. Das Risiko der hohen Nachkommensverluste, zum Beispiel bei austrocknenden Gewässern bzw. Überflutungen, wird so deutlich gemindert.
Rotbauchunke
vergrößern
Rotbauchunke
Aber auch die Männchen der Rotbauchunke zeigen ein Verhalten, das eine möglichst vollständige Inanspruchnahme des gesamten Lebensraumes fördert. Sie zeigen Territorialverhalten und halten Geschlechtsgenossen im Gewässer auf etwa 1 bis 1,5 Meter Abstand. Durch Rufen und Imponiergehabe grenzen sie jedem Konkurrenten gegenüber ihr Revier deutlich ab und führen sogar Revierkämpfe durch. Durch dieses Verhalten wird der Laich in einem möglichst großen Gebiet verteilt, was bei ungünstigen natürlichen Umweltbedingungen zu einer Risikominderung führt. Das Weibchen setzt mehrere kleine Eiklümpchen an Wasserpflanzen oder am Gewässergrund ab. Die Zahl der Eier liegt pro Weibchen und Saison nicht höher als 600. Bis zur Metamorphose, bei der die Larven 3,5 bis 5,5 Zentimeter (davon 2 Zentimeter Schwanz) lang sind, vergehen etwa 2 bis 3,5 Monate.

Gefährdung und Schutz

Auch die Rotbauchunke ist in Deutschland vollkommen geschützt. Ihr Bestand muß sogar noch ungünstiger eingestuft werden, es gibt nur noch Einzelvorkommen (nach Erik Nowak, 1981). Der hohe Gefährdungsgrad der Rotbauchunke geht auf die starke Veränderung der Landschaft und auf die Umweltbelastung durch den Menschen zurück. Insbesondere die Fließgewässerregulierungen hatten starke Auswirkungen. Heute treten die gebändigten Flüsse nicht mehr regelmäßig über die Ufer, Bebauung, Bodenversiegelung bzw. intensive Landwirtschaft reichen oft bis direkt an die Uferkante heran. Dies bedeutet Biotopverlust für die Rotbauchunke. In Deutschland führen einige Bundesländer Hilfsprogramme für die Rotbauchunke durch. Die Extensivierung von Feuchtgrünland, die Sicherung und Neuanlage von Gewässern stehen dabei im Mittelpunkt. Solche Artenhilfsprogramme kommen aber nicht nur den Lurchen (Amphibia) zugute, sondern können sich auch positiv auf die gesamte Biozönose (Gemeinschaft von Organismen verschiedener Arten in einem abgrenzbaren Lebensraum) auswirken. Eine Art lebt nämlich nie isoliert in ihrem Lebensraum, sie ist vielmehr eingepaßt in ein komplexes Beziehungsgefüge der Gesamtbiozönose. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Wieder-Vernetzung der Lebensräume miteinander. Der dadurch ermöglichte Austausch zwischen den Populationen kann dazu beitragen, die Stabilität der Lebensgemeinschaften und den Genfluß zu sichern. In der Roten Liste der IUCN wird die Rotbauchunke als least concern (nicht gefährdet) führt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge