Rosapelikan

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Rosapelikan
Rosapelikane mit typisch kirschroten Hakenspitzen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Pelikane (Pelecanidae)
Gattung: Pelikane (Pelecanus)
Art: Rosapelikan
Wissenschaftlicher Name
Pelecanus onocrotalus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) zählt innerhalb der Familie der Pelikane (Pelecanidae) zur gleichnamigen Gattung der Pelikane (Pelecanus). Im Englischen wird der Rosapelikan Great White Pelican, selten auch Easter White Pelican oder nur White Pelican genannt. Das erste Mal wissenschaftlich beschrieben wurde der Rosapelikan von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné im Jahre 1758.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Evolution und Fossile Funde

Die Familie der Pelikane (Pelecanidae) wird von vielen Fachleuten zu einer der entwicklungsgeschichtlich ältesten Vogelordnung der Ruderfüßer (Pelecaniformes) gezählt. Die ersten Exemplare der Ruderfüßer, wie z.B. die Pelikane, die Kormorane (Phalacrocoracidae), die Tropikvögel (Phaethontidae), die Fregattvögel (Fregatidae), die Tölpel (Sulidae) und die Schlangenhalsvögel (Anhingidae), tauchten in der mittleren Kreidezeit, vor etwa 100 Mio. Jahren auf. Durch diese frühe Entstehung der Ruderfüßer, somit auch der des Pelikans, gilt der Pelikan als ein sehr ursprünglicher Vogel. Nur ganz wenig andere Vogelordnungen können so weit in ihren Stammbaum zurückblicken. Die Blütezeit der Ruderfüßer, und natürlich des Pelikans war ungefähr im Paläozän, also vor 65-54 Mio. Jahren, danach nahm ihre Artenvielfalt ab.

In Ablagerungen aus dem mittleren Oligozän, die Zeit vor ca. 30 Mio. Jahren, wurden fossile Überreste der ersten Pelikane gefunden. Diese waren den heutigen Pelikanen zwar sehr ähnlich, doch sie waren deutlich größer.

Rosapelikan - Zoo Frankfurt
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Rosapelikan - Zoo Frankfurt

Erst in der Erdneuzeit, dem Pleistozän, entstanden die heutigen Pelikanarten, somit sind sie heute zirka 2 Mio. Jahre alt. Zahlreiche Paläontologen fanden heraus, dass zu Beginn dieses Zeitalters um ein Dutzend mehr Pelikanarten die Erde bevölkerten, so auch in Europa. Dort wurden die Überreste in Großbritannien und Mitteleuropa gefunden, wie z.B. in Yorkshire und dem Rheintal.

Seit der letzten Eiszeit schrumpfte der Bestand der Pelikane in Europa stark, nur noch in der Türkei und anderen Gebieten im Südosten von Europa finden sich diese Vögel ein. Heute sind nur noch zwei Pelikanarten von sieben in Europa vertreten, der Rosapelikan und der Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus).

Bei den alten Ägyptern waren das Fleisch und die Eier sehr beliebte Speisen. So hielten sie sich oft Pelikane als Hausgenossen, wie man heute an Wandmalereien sehen kann.

Der Pelikan als christliches Symbol

Im Physiologus einer griechischen Sammlung von Tiergeschichten des 2.- 3. Jahrhunderts wird auch der Pelikan dargestellt. Es wird erzählt, dass er für seine Kinder aufgeht und sich auch opfert, genau wie es Jesus Christus für die Menschen zu seiner Zeit tat. Folgendes berichtet die griechische Geschichte des Vogels: Immer wenn die Jungen Pelikane hungrig sind, picken sie ihren Eltern ins Gesicht, worauf hin die Elterntiere die Jungen zerhacken. Doch bereuen sie es gleich und trauern 3 Tage um ihre Jungen. Anschließend reißt sich die Mutter die Seite auf und lässt so ihr Blut auf die Jungen tröpfeln um sie zum Leben zu erwecken. Auch in anderen christlichen Symboliken wurde dieses Bild des Pelikans dargestellt, das alles wird sich wahrscheinlich daraus entwickelt haben, da manche Pelikane rötliche Flecken an der Brust haben, wie etwa die Braunpelikane (Pelecanus occidentalis).

Merkmale und Aussehen

Aussehen

Der Rosapelikan erreicht ein Körperlänge von 150 bis 170 cm, sowie eine Flügelspannweite von 260 bis 360 cm und ein Gewicht von 9 bis 14 kg. Somit gehört er zu den größten flugfähigen Vögeln. Die beiden Geschlechter lassen sich kaum unterscheiden, nur während der Brutzeit nimmt die nackte Hautpartie rund um die Augen, einen geschlechtsspezifischen Farbton an. Bei den männlichen Tieren verfärbt sich die Haut um die Augen gelbrosa, bei den weiblichen in ein kräftiges orange, außerdem sind die Weibchen etwas kleiner und leichter. Das Federkleid aller Altvögel ist überwiegend weiß, nur zur Fortpflanzungzeitzeit ist es leicht rosa. Den Hinterkopf ziert eine Federhaube von fünf bis zehn cm Länge. Die Schwungfedern sind mit schwarzen Spitzen versehen. Die Unterseite, besonders der Brustbereich, weist oft eine braune Farbe auf, die von Eisenoxid im Wasser stammt.

Der Schnabel

Der mächtige Schnabel des Rosapelikans kann bis zu 47 cm lang werden und ist meist orange bis rosa gefärbt. Im Oberschnabel verläuft ein sehr stabiler Oberkiefer, der wie ein Deckel auf dem Unterkiefer liegt. An der Spitze des Oberschnabels befindet sich eine meist kirschrote Hakenspitze, die dem Vogel ermöglicht glitschige Beute festzuhalten oder auch manchmal als Waffe dient. Ebenfalls an der Spitze des Oberschnabels befinden sich zwei kleine Nasenlöcher, die es dem Pelikan ermöglichen, weit ins Wasser einzutauchen ohne die Luft anhalten zu müssen. Der Unterkiefer besteht aus zwei starr, nicht miteinander verwachsenen Ästen, zwischen denen sich der Kehlsack spannt. Mit speziellen Muskeln, die am Knochen liegen, kann der Vogel die zwei Unterkieferäste auseinander ziehen, damit sich der Kehlsack spannt. Dieser Kehlsack dient nicht nur zum Fischfang sondern auch als Beutel zum Transport von Nestbaumaterial. Der Kehlsack hat nebenbei auch die gleiche Funktion wie die großen Ohren beim Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana), er dient nämlich als Wärmeregulator. Das ist durch die vielen Blutgefäße im Kehlsack möglich, so hechelt er bei Hitze und erhöht so seine Atemfrequenz. Wenn es besonders heiß ist, tritt das so genannte Kehlflattern auf, d.h. er versetzt die Blutgefäße in Schwingung und kann so die Temperatur in seiner Mundhöhle bis zu 5 C° senken. Beim Ruhen, legt er den Kopf auf seinen Rücken um den schweren Schnabel und Kehlsack, der bis zu 13 Liter umfassen kann, auf seinen Hals zu stützen. Der Hals des Rosapelikans ist äußerst kräftig und besitzt 17 Halswirbel.

Rosapelikane, mit rosafarbenem Gefieder während der Brutzeit
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Rosapelikane, mit rosafarbenem Gefieder während der Brutzeit
Die Füße

Im Gegensatz zu anderen Wasservögeln, bei denen sich die Schwimmhäute nur über die drei vorderen Zehen erstrecken, umfassen sie beim Rosapelikan auch die vierte Zehe, die nicht wie bei anderen Vögeln nach hinten gestreckt ist, sondern nach innen gewinkelt ist. Dies vergrößert nicht nur die Fläche der Schwimmhäute, sondern verbessert auch den Antrieb im Wasser und hilft beim verringern der Geschwindigkeit beim Landen. Das ist eine Besonderheit die nur die Ruderfüßer besitzen. Dadurch, dass seine kurzen, orangen Beine, so weit seitlich angesetzt sind, ist auch beim Pelikan, als auch bei vielen anderen Wasservögeln, der Gang watschelnd. Dadurch fühlt sich der Vogel im Wasser und auch in der Luft wohler als am Boden.

Die Flügel

Die so genannten Flügelbuge, die den Handgelenken des Menschen entsprechen, treten deutlich hervor, wenn der Vogel sitzt, schwimmt oder steht. Anders als bei anderen Vögeln, bleiben sie in zusammengefalteten Zustand dadurch sichtbar, da sie sie nicht unter den Federn verbergen können. Dadurch erhält der Pelikan die kräftigen "Schultern", die seine typische Körperform prägen.

Die Bürzeldrüse

Wie die meisten Vögel, besitz auch der Rosapelikan eine haselnussgroße Bürzeldrüse, die an der Schwanzwurzel sitzt und von kurzen Federbüscheln umgeben ist. Aus sieben bis neun spaltförmigen Öffnungen tritt ein öliges Sekret aus, mit dem er sein Gefieder reinigt. Mit seinem Schnabel streift er das Öl ab und verteilt es auf alle Federn, zu denen er gelangen kann. Die Federn die er nicht erreicht, wie die am Hinterkopf und am obere Hals, reibt er direkt auf die Bürzeldrüse. Dank diesem Öl, können besonders die Schwungfedern, die einer enormen Belastung ausgesetzt sind, nicht austrocknen und bleiben biegsam. Außerdem macht das Öl das Gefieder wasserabweisend, da das Öl eine Fettschicht bildet die dem Federkleid ausgezeichneten Schutz bieten.

Federkleid

Anfangs sind die Jungvögel unauffällig gefärbt, ihr Gefieder hat eine graubraune Farbe, die Iris im Auge ist braun gefärbt und der Schnabel, der Kehlsack und die nackte Haut rund um das Auge sind gelbgrau. Später bekommen die Altvögel ein weißes Federkleid, einen gelben Kehlsack, eine rosa bis gelben Schnabel und die nackte Hautpartie rund um das Auge verfärbt sich rosa. Während der Fortpflanzungszeit entsteht ein deutlicher Höcker am Schnabelansatz, die nackte Haut ums Auge bekommt eine kräftigere Farbe und die Rosapelikane bekommen einen Federschopf am Hinterkopf. Meist verfärbt sich das Gefieder zu dieser Zeit leicht rosa.

Flugtechnik und Wanderung

Mit seinen 3,60 m breiten Flügeln und seinen 9 bis 11 kg ist der Rosapelikan einer der schwersten und größten flugfähigen Vögeln der Welt. Vor ihm liegen z.B. vom Gewicht her nur noch der Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus), der Kondor (Vultur gryphus), der Mönchsgeier (Aegypius monachus), die Großtrappe (Otis tarda) und der schwerste Vogel, der Höckerschwan (Cygnus olor) mit 22,5 kg. Damit der Pelikan genügend Sauerstoff bekommt, besitzt er fünf Luftsäcke, die sich durch den gesamten Bauchraum ziehen, kleine Verästelungen, die die Luft auch in die Knochen, inneren Organe, in die Muskulatur, in die Unterhaut befördern und durch seine Lunge pressen. Eine besondere Technik ist auch der Schlagflug, mit dem er 70-mal in der Minute schlägt, eine Möwe (Laridae) z.B. braucht 180 Schläge in der Minute. Er kann auch als einer der wenigen Wasservögel, außer einigen Möwenarten, auch die Thermik nutzen, indem er die aufsteigende warme Luft zum Segeln nutzt. Diesen Vorgang gebraucht er hauptsächlich zur Erholung im Flug.

Rosapelikan mit typisch abgewinkelten Hals im Flug
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Rosapelikan mit typisch abgewinkelten Hals im Flug
Ausschnitt von einem Ellenknochens des Rosapelikans
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Ausschnitt von einem Ellenknochens des Rosapelikans

Wie viele Vögel hat der Pelikan ein sehr leichtes Skelett, in seinen Röhren- und Schädelknochen befinden sich anstatt Mark, Luftkammern. In diesen Kammern befindet sich ein äußerst kompliziertes System aus Verstrebungen, die den Knochen stabil machen. Auch enthalten die Knochen des Rosapelikans mehr Kalk und weniger Fett als die der Säugetiere (Animalia), was sie noch leichter macht. Leider hat das ganze auch zwei Nachteile, erstens werden die Knochen schnell spröde und zweitens taucht der Körper des Vogels im Wasser nur weinig ein und ermöglicht ihm nicht sich unter Wasser zu bewegen, so kann er nur in flachen Seen und Tümpeln nach Nahrung suchen. Auch muss er, um vom Wasser abheben zu können, Anlauf nehmen damit er seinen trotzdem schweren Körper in die Luft bekommen. Erstmal oben, fliegen die Pelikane elegant und leicht dahin.

Ein weiteres Merkmal des Pelikans ist das Abwinkeln des Halses im Flug in eine S-Form. Neben ihm machen das noch Reiher (Ardeidae). Das genaue Gegenteil hingegen sind die Störche (Ciconia ciconia) und Flamingos (Phoenicopteridae), die ihre Hälse während des Flugs gerade ausstrecken.

Wie viele Vögel begibt sich auch der Rosapelikan auf Wanderung zur Überwinterung nach Afrika. Eine Zählung ist nicht möglich, da sich die Population aus Europa mit der afrikanischen schnell vermischt. 1962 beobachteten Vogelforscher etwa 3000 Rosapelikane an der Küste von Israel. Bei dieser Wanderung bemühen sich die Pelikane möglichst wenig Energie zu verbrauchen und trotzdem schnell an ihr Ziel zu kommen. Dies ermöglicht ihnen die von den Gänsen (Anserinae) oder Enten (Anatinae) bekannte V-Formation. Dabei verbraucht der Pelikan der an der Spitze fliegt am meisten Energie und die am Ende am wenigsten. So wird der Führer an der Spitze häufig gewechselt um einen anderen führen zu lassen und um weiterhin das Tempo beizubehalten. Der vorige Führer reiht sich meist am Ende wieder ein.

Verhalten

Rosapelikane und Flamingos (im Hintergrund) am Ufer des Nakurusees
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Rosapelikane und Flamingos (im Hintergrund) am Ufer des Nakurusees

Die Rosapelikane sind sehr gesellige Vögel, die immer die Nähe von Artgenossen suchen, egal ob beim Fischfang, bei Wanderungen, beim Brüten oder beim Ruhen, nur verletzte oder verwirrte Pelikane trifft man alleine an. Es werden immer große Gruppen gebildet, wobei beim Fischfang die kleinste Gruppe, mit etwa 6 Vögeln gebildet wird und beim Brüten die größte Gruppe mit bis zu 40.000 Vögeln. Bei den Wanderungen finden sich bis zu 500 Pelikane zusammen und beginnen ihre Reise nach Afrika. Diese Verhalten bietet ihnen auch viele Vorteile wie z.B. großen Schutz, denn eine größere Gruppe kann nicht so leicht angegriffen werden wie einzelne Vögel, auch werden beim Ruhen, ähnlich wie bei den Nashornpelikanen, Wachposten bestimmt, die bei der kleinsten Gefahr Alarm schlagen.

Unter den Pelikanen gibt es keine hierarchische Rangordnung. Jeder Vogel ist ein Teil der Gruppe und hat die gleichen Rechte wie ein anderer. Lediglich Jungvögel müssen sich den Erwachsenen Tieren unterordnen, so z.B. beim Fischfang, bei dem sie die Alten als Vorbild nutzen.

Obwohl oft tausende Tiere beieinander sind ist es immer sehr ruhig, selten gibt es eine Auseinandersetzung zwischen einzelnen Tieren, wie z.B. ein Streit um Futter. Sehr selten kann es zu Verletzungen kommen, so kann es passieren dass ein Vogel mit der Hakenspitze auf den Kehlsack des anderen schlägt und ihn abreißt oder Löcher hineinschlägt.

Ihre Geselligkeit macht auch nicht vor anderen Vogelarten halt, so finden sich die Rosapelikane oft mit riesigen Scharen von Marabus und Kormoranen zusammen, oder versammeln sich mit Zwergflamingos am Ufer des Nakurusees in Kenia.

Die Pelikane als Helfer

Dass die Pelikane nicht überall verhasst sind, zeigt die senegalesische Küste nahe der Stadt Mbour, denn dort profitieren die Dorfbewohner von den großen Vögeln. Immer wenn die Pelikane von der Nahrungsscuche zurückkommen, fällt ihnen meist der ein oder andere Fisch aus dem Schnabel, diesen sammeln die Menschen ein und verkaufen sie in benachbarten Dörfern. Dadurch bekommen auch Menschen die nicht in Meeresnähe wohnen genügend Fisch. Als Gegenleistung bewachen die Menschen die Nester der Pelikane gewissenhaft.

Nahrung

Altvogel mit typischem Ruhekleid beim Fischfang
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Altvogel mit typischem Ruhekleid beim Fischfang

Die Pelikane ernähren sich ausschließlich von Fischen, die im Flachwasser oder an der Oberfläche schwimmen. Dabei konzentrieren sie sich auf Fische die in Schwärmen schwimmen, da diese leichter zu erbeuten sind. Durch die weite Verbreitung der Rosapelikane sieht der Speiseplan in den verschiedenen Zonen sehr unterschiedlich aus. So untersuchten rumänische Wissenschaftler, wie sich die Rosapelikane im Donaudelta ernähren, sie fanden heraus dass:

Die restlichen 33,4% bildeten andere zwölf Fischarten.

Eine ganz andere Ernährung haben die Rosapelikane in den Tropen und Afrika. So ersetzten die Buntbarsche (Cichlidae), die Karpfen (Cyprinus carpio) in Europa an der Spitze. Diese Barsche, meist Tilapia-Arten, machen sogar 83% der Beutetiere aus.

Schätzungen zufolge brauchen Rosapelikane bis zu 1200 g Nahrung am Tag, wenn ihr Nachwuchs gefüttert werden muss deutlich mehr. Dank ihres Kehlsacks können sie auch Karpfen mit einem Gewicht von bis zu 1,85 kg tragen.

Ein einzelnes Tier hat beim Fischfang keine Chance etwas zu erbeuten, in der Gruppe schon deutlich mehr. Rosapelikane, und auch andere Pelikanarten, teilen sich in kleine Gruppen auf und bilden einen Halbkreis. Zuerst suchen alle das Wasser nach Beute ab, wenn sie etwas entdeckt haben stecken alle Tiere gleichzeitig den Kopf ins Wasser und blähen ihren Kehlsack mit Hilfe spezieller Muskeln am Unterkiefer, so weit auf, dass er bis zu 12 Liter umfassen kann. Diesen gebrauchen sie als Kescher und jagen die Tiere ins flache Wasser, in dem sie die Fische dann einfach in die Luft werfen, mit dem Schnabel wieder auffangen und als Ganzes verschlingen.

Fortpflanzung

Fortpflanzungs- und Brutzeit

Fortpflanzungszeit ist von April bis Mitte September. In europäischen Brutgebieten beginnt die Brutsaison im April und endet im Juni. Sie brüten in Kolonien mit zum Teil mehreren tausend Vögeln.

Typischer Höcker am Schnabelansatz während der Fortpflanzungszeit
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Typischer Höcker am Schnabelansatz während der Fortpflanzungszeit

Während der Fortpflanzungszeit bilden die Rosapelikane Paare die sich treu bleiben bis der Nachwuchs aufgezogen ist. Zunächst müssen sich die Vögel auf Partnersuche begeben, während dieser Zeit wächst sowohl dem Männchen als auch dem Weibchen ein Höcker am Schnabelansatz, ein Federschopf am Hinterkopf und die Federn verfärben sich leicht rosa. Auch verfärbt sich die nackte Haut rund um das Auge bei den Männchen gelbrosa und bei den Weibchen leuchtend orange. An diesen beiden Merkmalen erkennen die männlichen Vögel, die außerhalb der Brutplätze eine gleichgeschlechtliche Gruppe bilden, einen möglichen Partner. Wenn ein Männchen ein Weibchen entdeckt hat nähert er sich und bemüht sich um sie, oft gleichzeitig mit anderen Konkurrenten.

Wenn es einer geschafft hat folgt er ihr ins Wasser, in dem dann auch die Paarung erfolgt. Etwas anderes ist dieser Vorgang in der Brutkolonie, in der beide Geschlechter leben. Männliche Vögel balzen, strecken ihre Schnäbel in die Höhe und geben Laute von sich die sich anhören wie die einer Kuh. Dabei sehen die Weibchen zu, warten auf einen Pelikan der sich ihr widmet und entschließt sich oft sehr schnell für einen Partner. Nach einer erfolgreichen Paarung sucht das Weibchen einen Nistplatz aus, meist auf einer kleinen Insel, und gräbt dort eine Mulde. Das Männchen sucht unterdessen geeignetes Nistmaterial, wie Pflanzenteile und Äste. Diese transportiert er in seinem Kehlsack zum Weibchen, die mit dem Material dann das Nest baut. Anschließend legt das Weibchen zwischen einem und drei, meist zwei, 155-195 g schwere Eier ins Nest und die Brut beginnt. Diese dauert in der Regel zwischen 29 und 36 Tage.

Jungenaufzucht

Die Hakenspitze ist ein Auslöser für das Futter suchen
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Die Hakenspitze ist ein Auslöser für das Futter suchen

Beim Schlupf sind die Jungen völlig nackt, haben nur einen kurzen Schnabel, besitzen einen schwarzen Hautring um die Augen und sind unpigmentiert. Zu dieser Zeit werden sie von ihren Elterntieren mit hochgewürgten und halbverdauten Fischen ernährt. Dabei regt die kirschrote Hakenspitze der Erwachsenen zum Futtersuchen aus. Die Jungtiere versenken ihre Köpfe in den Schnabel der Elterntiere, in dem der Nahrungsbrei herunter läuft. Einige Tage später nützt dies nichts mehr und die Elterntiere müssen die Küken kräftig schütteln um sie zum Fressen zu bewegen. Einige Wochen später läuft der Jungvogel, der jetzt ein Dunenkleid trägt oder schon ein wolliger dunkelbrauner Flaum wächst, dem Altvogel entgegen. Dabei wiegt er den Kopf hin und her und flattert mit den Flügeln um zu symbolisieren, dass er gefüttert werden will. Danach öffnet das Elterntier den Schnabel und das Pelikanjunge steckt seinen Kopf in den Kehlsack oder den Schlund um Fischreste zu fressen. Zu dieser Zeit sind die Küken unersättlich, darum flüchten die Pelikane nach dem Füttern schnell wieder. Bald darauf sprießen die ersten Federn.

Wenn die Jungvögel ein Alter von 2-3 Wochen erreicht haben, finden sie sich in Kleingruppen zusammen und bilden einen Kindergarten, der von einigen Altvögeln bewacht wird. Dies ermöglicht beiden Elternteilen auf Nahrungssuche zu gehen. Mit dem Alter von 7 Wochen lösen sich diese Kindergärten auf und die Jungvögel bewegen sich nun frei in der Kolonie. Zu dieser Zeit können sie auch schon schwimmen und fischen. In der zehnten Lebenswoche sind sie dann flugfähig, bleiben aber noch bis zur vierzehnten Woche bei den Eltern und machen sich erst dann selbstständig.

Die Geschlechtsreife erreichen die Pelikane ab einem Alter von drei bis vier Jahren, auch können sie ein Alter zwischen 40 und 50 Jahre erreichen.

Vorkommen

Das Donaudelta in Rumänien ist ein großer Lebensraum für Rosapelikane
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Das Donaudelta in Rumänien ist ein großer Lebensraum für Rosapelikane

Der Rosapelikan kommt in den verschiedensten Lebensräumen vor, der Großteil in Afrika, vor allem in Botswana, Namibia, Ostnatal und Osttransvaal aber auch in Südeuropa, wie in Rumänien, in Griechenland und in der Türkei. Im Gegensatz zu der Umgebung hat der Vogel bei den Gewässern schon mehr Ansprüche. So ist es meist Süßwasser, wie z.B. Seen und Flussdeltas seltener kann es auch Salzwasser sein, wie z.B. Meeresküsten. Die Hauptsache ist, dass das Wasser nicht zu tief ist, da der Vogel fast nicht ins Wasser eintauchen kann und, dass es genügend Fische gibt auf die er spezialisiert ist, wie in Europa die Karpfen und in Afrika die Buntbarsche. Die Umgebung ist ihm hierbei ganz egal, es können sowohl Steppen als auch Wüsten sein, aber auch Savannen, in dem Fall kann es auch vorkommen, dass er sich das Wasserloch mit Gnus oder anderen Paarhufern teilen muss.

Die Brutplätze können ebenfalls in den verschiedensten Lebensräumen liegen, so baut diese Pelikanart ihre Nester in Südeuropa und Asien, in Schilfrohrgebieten, damit diese nicht von Feinden am Boden entdeckt und durchdrungen werden können. In Afrika hingegen baut er seine Nester auf kleinen Inseln und Sandbänken, oder sogar auf Inseln im Meer. Dadurch, dass diese Verstecke gut einsehbar sind, legt er seine Eier abgeschiedener ab.

Die Brutplätze, liegen zwar oft bei Gewässern, sind aber dafür viele Kilometer von den Nahrungsgründen entfernt. So müssen die Elterntiere oft 100 km weit fliegen um Futter zu besorgen, im Donaudelta sogar bis zu 200 km. Außerhalb der Brutzeit, ruhen die Tiere gerne in unmittelbarer Nähe von den Fischgründen, gut versteckt unter Pflanzen. In Afrika ruhen sie hingegen auf flachen und abgelegenen Zonen, wie z.B. auf Sandbänken und kleinen Inseln. Selten aber doch ruhen sie sich sogar auf Bäumen aus, das aber nur wenn sie sich vor einem Unwetter nicht rechtzeitig zu ihrem Gewässer retten konnten.

Ihre Wanderung bringt die Population aus dem Donaudelta nach Norden, meist nach Ägypten oder zum Roten Meer. Pelikane von anderen Gebieten nach Indien und in den südlichen Irak.

Oft nur auf der Durchreise und somit nicht sesshaft sind die Rosapelikane z.B. in Kroatien, der Tschechischen Republik, in Dänemark und Finnland, in Frankreich, auf den Malediven und auf Malta, in den Niederlanden, in Polen und Portugal und sogar in der Schweiz. Regional ausgestorben sind die Rosapelikane in Ungarn und in Montenegro.

Prädatoren

Außer dem Menschen hat der Rosapelikan, durch seine Größe kaum Feinde. Da die Vögel bei den Menschen als Konkurrenten im Fischfang gelten töteten sie schon viele tausend Pelikane. Oft werfen sie aber auch riesige Netzte über eine Pelikangruppe um sie festzuhalten, diese Methode verwenden auch Ornithologen um sie festzuhalten und sie für Beobachtungen zu markieren. Besonders im dicht besiedelten Europa litten die Pelikane sehr unter dieser Verfolgung durch Fischer. Jungtiere haben da schon mehr Feinde, wie etwa am Boden lebende Raubtiere, wie verschiedene Raubkatzen die in ihrer Umgebung leben oder auch Schakale, die sie nur dann erwischen wenn das Nest nicht in einer abgelegenen Stelle liegt. Wenn diese Feinde einmal zu nahe kommen, verlassen die Elterntiere das Nest sofort. Falls die Elterntiere kurz keinen Schutz bieten und das Jungtier nicht Acht gibt, kann es auch schnell von Greifvögeln gerissen werden.

Gefährdung und Schutz

Der Rosapelikan ist beim IUCN als "Least Concern", also noch nicht gefährdet aufgeführt. Die Begründungen hierzu sind, zum einen, die riesigen Gebiete auf der Erde auf der die Rosapelikane noch leben. Es wird geschätzt, dass auf den 100.000- 1.000.000 km², auf denen diese Pelikane leben, noch ca. 27.0000- 29.0000 Individuen auftreten. Ein weiterer Grund dafür dass der Rosapelikan zu "Least Concern" dazugezählt wird, ist die Tatsache, dass der Bestand der Rosapelikane, seit 10 Jahren nicht mehr als 30% gesunken ist. Zwar ist der Rosapelikan in Europa eigentlich gefährdet, durch den Bestand in Afrika wird er jedoch als nicht gefährdet eingestuft. Man schätzt, dass in Europa etwa 1.500 Brutpaare leben, in Afrika und Asien deutlich mehr, nämlich um die 28.000 Brutpaare.

Durch die wirtschaftliche Nutzung der Schilfgürtel, wird immer mehr Schilf zerstört und so geht auch der Bestand der Rosapelikane und anderen Arten zurück, da sie ihre Heimat verlieren, auch ist die Wasservergiftung daran Schuld, dass immer mehr Brutgebiete zerstört werden.

Der Rosapelikan ist geschützt.

Haltung in Zoos

In den meisten Zoos leben die Pelikane schon in riesigen Vogelanlagen oder Volieren
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In den meisten Zoos leben die Pelikane schon in riesigen Vogelanlagen oder Volieren

In den meisten Zoos, in denen Rosapelikane gehalten werden gibt es bereits riesige Außengehege, die auch teilweise schon begehbar sind und große Teiche beherbergen. Oft teilen sie sich diese riesige Voliere mit anderen Wasservögeln wie mit Rheiern. Der Kontakt zu solchen Tieren ist auch teilweise sehr auf Vertrauen verbunden. Man kann sie oft schon ohne Abtrennung streicheln und berühren. Nachts werden die Tiere meist in Warmhäusern aus Beton gehalten, zur Brutzeit wird der Beton mit Strohballen ausgelegt. Wie auch in der freien Wildbahn, werden sie auch in Zoos mit Fischen gefüttert, hier meist mit Weißfischen.

Wenn die Brutzeit im Zoo beginnt, sollte man die Tiere auf keinen Fall stören, da sie ihre Eier dann verlassen. In Zoos kann man dieses Problem lösen, indem man die Eier künstlich ausbrütet und die Jungvögel mit der Hand aufzieht. Die erste Aufzucht mit der Hand erfolgte 2006 im Zoo Heidelberg, dort wurde das Junge in einer Wärmebox gehalten und regelmäßig mit Fischstückchen gefüttert. Im Alter von 8 Wochen wurde es dann in den Zoologischen Garten Karlsruhe zu zwei anderen handaufgezogenen Pelikanen umgesiedelt.

Im Tierpark Hagenbeck brüten die Rosapelikane im Dezember bis Januar/Februar in einem Haus an der Rückseite ihres Geheges. Das Gehege ist mit einem flachen Teich ausgestattet und über den Teich liegt ein Baumstamm. Es wird auch für Ruhezonen gesorgt die an Land, sowohl im Schatten als auch in der Sonne liegen. Auch hier gibt es einen beheizten Raum der für Besucher zugänglich ist und eine Fütterung am Vormittag. Damit die Pelikane nicht wegfliegen können, werden ihnen die Schwungfedern an nur einem Flügel gestutzt, so herrscht bei ihnen ein Ungleichgewicht.

In guter Haltung können die Rosapelikane ein Alter von bis zu 60 Jahren erreichen.
Einige Zoos die Rosapelikane halten:

Insgesamt wird der Bestand in Zoos in Europa auf 600 Tiere geschätzt.

Das sich die Pelikane auch sehr an die Menschen gewöhnen können, wenn sie gefüttert werden, zeigt das Buch Ein Pelikan erzählt aus seinem Leben (ISBN 3258057052) das 1950 auf den Markt kam. Das Buch handelt von dem berühmten Arzt Albert Schweitzer, der drei Pelikanjunge erstand und sie von einer Pflegerin von Lambarene großziehen ließ. Ein Tier von diesen drei verließ, obwohl es später schon fliegen konnte, das Krankenhausgelände nicht und lebte seither auch auf diesem Gelände.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Neugebauer, Wilbert: Lebendige Wildnis: Tiere der Seen und Sümpfe. Das Beste, 1995 ISBN 3870705086
  • Schweitzer, Albert: Ein Pelikan erzählt aus seinem Leben. Paul Haupt, Bern, Dezember 2001, ISBN 3258057052
  • Unterlagen der Zooschule Hagenbeck

Links

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