Ringhalsnatter

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Ringhalsnatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Dipsadinae
Gattung: Ringhalsnattern (Diadophis)
Art: Ringhalsnatter
Wissenschaftlicher Name
Diadophis punctatus
Linnaeus, 1766

Die Ringhalsnatter (Diadophis punctatus) zählt innerhalb der Familie der Nattern (Colubridae) zur Gattung der Ringhalsnattern (Diadophis). Die englische Bezeichnung lautet Ring-necked Snake.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Je nach Unterart und Geschlecht erreicht die Ringhalsnatter eine Länge von 45 bis 70 Zentimeter. Männchen bleiben kleiner und leichter als Weibchen. Markantes Merkmal ist der farbige Ring im Nackenbereich, der je nach Unterart eine weißliche, gräuliche, orangene, leicht grünliche oder hellgelbe Färbung aufweisen kann. In der Regel ist der Ring geschlossen, eher seltener unterbrochen oder fehlt bei einigen Farbmorphen völlig. Der Kopf ist in der Regel schwarz gefärbt. Dorsal ist die Ringhalsnatter meist gräulich gefärbt. Die Unterseite ist je nach Unterart sehr auffällig gelb bis orangegelb gefärbt. Einige Unterarten, vor allem die im Südwesten der USA und Mexiko zeigen eine orangerote Färbung. Bei diesen Unterarten ist die Unterseite des Schwanzes grell rot gefärbt und dient im wesentlichen der Abschreckung von Fleischfressern. Der kleine Kopf ist schmal und zur Schnauze hin spitz zulaufend. Er setzt sich nicht vom Körper ab. Die Beschuppung ist bei allen Unterarten sehr glatt und die anale Beschuppung ist geteilt. Juvenile Ringhalsnattern weisen die gleiche Färbung und Markierungen auf wie die adulten Tiere.

Lebensweise

Ringhalsnattern leben überwiegend einzelgängerisch und sind nachtaktiv. Nur selten sind sie auch am Tage zu beobachten. Meist nutzen die Tiere in diesen Fällen die Morgensonne um sich aufzuwärmen. Exponierte Stellen werden von der Ringhalsnatter immer wieder aufgesucht. Ringhalsnattern sind ausgesprochen friedlich und weder gegenüber Artgenossen noch dem Menschen angriffslustig. Neben der einzelgängerischen Lebensweise ist auch ein Leben in Kolonien bekannt. Dies trifft vor allem auf die kalte Jahreszeit zu. Während dieser Zeit halten Ringhalsnattern in Gesellschaft von Artgenossen eine mehrmonatige Winterruhe. In nördlichen Regionen dauert die Winterruhe deutlich länger als in südlichen Regionen.

Unterarten

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Verbreitung

Ringhalsnattern kommen in weiten Teilen Nordamerikas vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die östlichen Provinzen Kanadas, über weite Teile der USA und Mexiko. In Kanada ist die Ringhalsnatter insbesondere in Ontario, Neuschottland (Nova Scotia), Neubraunschweig (New Brunswick) und Quebec anzutreffen, westliche Landesteile werden nicht besiedelt. In den USA fehlt sie nur in Wyoning, Montana und North Dakota. Mexiko wird weitflächig bis in die zentralen Landesteile besiedelt. Die besiedelten Lebensräume sind sehr vielfältig. Beliebte Lebensräume sind Sümpfe, landwirtschaftliche Flächen, Wüsten und Halbwüsten, lichte Wälder und deren Ränder, Heidelandschaften, Wiesen, Savannen und Buschland. Habitate mit ausreichender Deckung werden bevorzugt. Während der Ruhephase ziehen sich Ringhalsnattern unter Steine, in Felsspalten, in Erdbauten oder in Hohlräumen umgestürzter Bäume zurück.

Prädatoren

Je nach Verbreitungsgebiet treten unterschiedliche Fleischfresser in Erscheinung. Dazu gehören insbesondere Säugetiere (Mammalia) wie Wildschweine (Sus scrofa), Virginia-Opossums (Didelphis virginiana), Neunbinden-Gürteltiere (Dasypus novemcinctus), Spitzmäuse (Soricidae) und Streifenskunk (Mephitis mephitis). Aber auch viele Schlangen (Serpentes) wie die Gewöhnliche Königsnatter (Lampropeltis getula), die Harlekin-Korallenotter (Micrurus fulvius) und die Schwarznatter (Coluber constrictor) stellen den Ringhalsnattern nach. Im Osten Kanadas und der USA gehört auch die Östliche Kreischeule (Megascops asio) zu den natürlichen Feinden. Jungschlangen werden nicht selten von Amerikanischen Ochsenfröschen (Rana catesbeiana) oder auch von größeren Spinnen gefressen. Je nach Verbreitungsgebiet treten verschiedene Verteidigungstrategien auf. Zum einen gibt eine Ringhalsnatter ein übelriechendes, nach Moschus riechenden Speichel über ihr Maul ab, zum anderen stellt sie sich tot. Da viele Fleischfresser Aas verschmähen ist dies eine wirksame Methode. Die östlichen Unterarten verfügen über ein Schwanzende, das sich durch Signalfarben hervorhebt. Bei Gefahr heben diese Unterarten ihren Schwanz in die Höhe und präsentieren ihn einem möglichen Angreifer. <1>

Ernährung

Die Nahrung einer Ringhalsnatter besteht im wesentlichen aus Amphibien (Amphibia), Regenwürmer (Lumbricidae), Weichtiere (Mollusca) wie Schnecken (Gastropoda) sowie gelegentlich auch kleinere oder frisch geschlüpfte Schlangen (Serpentes). Unter den Amphibien stehen vor allem Frösche und Salamander (Salamandroidea) wie der Rotrücken-Waldsalamander (Plethodon cinereus) auf der Speisekarte. Kleinere Beutetiere werden durch einen Biss getötet, größere Beutetiere werden erwürgt. Üblicherweise werden Beutetiere mit dem Kopf voran gefressen. Eine Ausnahme bilden hier Frösche, die mit den Beinen voran verschlungen werden. Auf Nahrungssuche gehen Ringhalsnattern ausschließlich in der Nacht.

Fortpflanzung

Die Ringhalsnatter erreicht die Geschlechtsreife im dritten Lebensjahr, spätestens jedoch im Alter von drei Jahren. Dies entspricht einer Länge von 35 bis 40 Zentimeter. Die Paarungszeit erstreckt sich über das Frühjahr und kann sich bis in den Frühsommer erstrecken. Für nördliche Populationen beginnt die Paarungszeit ein bis zwei Monate später als bei südlichen Populationen. Dabei kommt es in einer Saison nur zu einem Gelege. Da Ringhalsnattern einzelgängerisch leben, treffen die Geschlechter nur während der Paarungszeit aufeinander. Weibchen geben Lockstoffe (Pheromone) über ihre Haut ab, die vom Männchen wahrgenommen werden können. Bei der Paarung und Kopulation kommt es zu der für Schlangen typischen Umschlingung und Nackenbissen. Mit seinem Hemipenis dringt das Männchen dabei in die Kloake des Weibchens ein und gibt so Samenzellen frei. Das Weibchen legt bis zu zehn Eier an geschützter Stelle in feuchtem Substrat ab. Nicht selten legen mehrere Weibchen in ein Nest ab. Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungschlangen nach 60 bis 90 Tagen. Eine Brutpflege seitens des Weibchens erfolgt nicht. Die Mortalität ist aufgrund der geringen Größe der Schlüpflinge und der zahlreichen Prädatoren sehr hoch. Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 10, selten auch mehr Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Ringhalsnattern spielen in ihrem Ökosystem eine durchaus wichtige Rolle. Zum einen steuern sie durch ihren gesunden Appetit die Populationen von mehr oder weniger schädlichen Tieren, zum anderen bilden Ringhalsnattern die Nahrungsgrundlage für kleinere und größere Fleischfresser. In der Nähe des Menschen suchen Ringhalsnattern nicht selten Schutz in Kellern und an anderen warmen Plätzen. Obwohl die Tiere für Menschen völlig ungefährlich sind, werden sie wie alle Schlangen gefürchtet und nicht selten getötet. Auf der anderen Seite werden Ringhalsnattern häufig in Terrarien gehalten.

Die Art ist insgesamt noch nicht gefährdet, jedoch steht es um einige Unterarten wie Diadophis punctatus occidentalis, Diadophis punctatus similis, Diadophis punctatus modestu und Diadophis punctatus acricus nicht gut. In Nevada und Washington sowie in Quebec gilt die Ringhalsnatter als verletzbar (vulnerable), in Utah, South Dakota und Colorado als gefährdet und in Idaho als kritisch gefährdet (Diadophis punctatus regalis). In allen anderen Regionen sind die Populationen der Ringhalsnatter stabil, sie sind aufgrund ihrer Nachtaktivität nur selten zu beobachten.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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