Riesenschnurfüßer

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Riesenschnurfüßer

Taxonomie
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Tausendfüßer (Myriapoda)
Klasse: Doppelfüßer (Diplopoda)
Unterklasse: Helminthomorpha
Ordnung: Spirostreptida
Unterordnung: Spirostreptidea
Familie: Spirostreptidae
Gattung: Archispirostreptus
Art: Riesenschnurfüßer
Wissenschaftlicher Name
Archispirostreptus gigas
Peters, 1855

Der Riesenschnurfüßer (Archispirostreptus gigas) ist ein Doppelfüßer (Diplopoda) aus der Familie Spirostreptidae. Im Englischen nennt man ihn African giant black millipede.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Riesenschnurfüßer erreicht eine Körperlänge von bis zu 30 cm und ist damit wohl der weltweit längste Tausendfüßer (Myriapoda). Sein Körper ist in rund 300 Segmente unterteilt. Dabei weist jedes Körpersegment zwei Beinpaare auf. Bei der Fortbewegung laufen die Beinpaare in Wellenbewegungen. Sie können sowohl vorwärts als auch rückwärts laufen. Die Körperoberfläche ist meist schwarz. Der Chitinpanzer ist glatt und verleiht dem Tausendfüßer eine gewisse Steifigkeit und auch Schutz.

Über Drüsen auf der Körperoberfläche geben sie ein Sekret aus verschiedenen Chinonen, einer organischen Verbindung auf Basis einer Chinasäure, ab. Es schützt die Tausendfüßer vor Pilzbefall und Fressfeinden. Beim Menschen wirkt dieses Sekret schleimhautreizend. Dieses Sekret wird in der Regel über die Drüsen versprüht. Die Reichweite beträgt bis zu 30 cm. Der Chitinpanzer, die Cuticula, besteht aus drei Schichten. Außen befindet sich die schutzbietende Chitinschicht, darunter zwei Blätterschichten, von denen die untere, dickere einen Kalk produziert, der an die Chitinschicht zur Aushärtung abgegeben wird.

Die Cuticula ist mit Porenkanälen durchzogen, die der Chitinschicht eine gewisse Flexibilität verleiht und sie feucht hält. Außerdem weist die Cuticula Tracheenkanäle auf, über die die Atmung stattfindet. Die Rücken- und Bauchplatten werden Tergite und Sternite genannt. Die vorderen vier Körpersegmente haben je einen Tergiten, alle weiteren Elemente befinden sich zu zweit unter einem Tergiten, wobei das beinlose Steißelement, das sogenannte Präanalsegment, über ein eigenes Tergit verfügt. Am äußern Ende befinden sich Klappen, über die Kot abgegeben wird. Am Kopf hat er Fühler und punktförmige Augen, die sogenannten Ocellen.

Steht eine Häutung an, so vergräbt sich der Riesenschnurfüßer in den Boden und verfällt in eine Starre. Die Starreperiode kann mehrere Wochen dauern. Während dieser Zeit nehmen sie auch keine Nahrung zu sich. Die alte Haut platzt in Längsrichtung auf und wird abgestoßen. Bis der neue Chitinpanzer durch die Kalkabgabe der unteren Hautschichten ausgehärtet ist, bleibt der Tausendfüßer weiterhin in einer Starre.

Riesenschnurfüßer mit Milbenbefall
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Riesenschnurfüßer mit Milbenbefall

Verbreitung

Der Riesenschnurfüßer lebt in den tropischen Regenwäldern Afrikas. Er bevorzugt modrige Bodenschichten mit einer hohen Feuchtigkeit.

Ernährung

Der Riesenschnurfüßer ernährt sich von abgestorbenen Pflanzenteilen und reifen Früchten. Auch Aas wird nicht verschmäht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund zwei Jahren erreicht. Eine Paarung wird für gewöhnlich im Frühjahr und im Herbst vollzogen. Das Männchen entnimmt Samen aus seinem Begattungsorgan und deponiert ihn in dafür vorgesehene Samentaschen. Beim eigentlichen Paarungsakt umklammert das Männchen das Weibchen mit seinen Beinpaaren. Den vorab entnommenen Samen gibt das Männchen mittels seinen Begattungsfüßchen in die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Eine Paarung kann durchaus einige Stunden dauern. Während der eigentlichen Eiablage gräbt sich das Weibchen in den modrigen Waldboden ein. Sie legt ihre befruchteten Eier einzeln in den Erdboden. Die Eier weisen eine weißliche bis gelbliche Färbung auf. In Abhängigkeit von der Inkubationstemperatur schlüpfen die Larven nach 40 bis 45 Tagen. Die Larven sind mit einer Embryonalcuticula überzogen, die der Larve die nötige Stabilität gibt. Dieses Stadium ist durch eine geringe Anzahl an Körpersegmenten geprägt. Kurze Zeit nach dem Schlupf erfolgt die Verpuppung für das nächste Stadium.

Im eigentlichen Juvenilstadium verfügt Archispirostreptus gigas über nur drei Beinpaare und bis zu neun Rumpfsegmente. Während der folgenden postembryonalen Entwicklung weitet sich die Anzahl der Rumpfsegmente auf rund 300 aus, das heißt, mit jeder Häutung erhöht sich die Anzahl der Beinpaare und der Rumpfsegmente. Insgesamt dauert die Entwicklung bis zum adulten Tausendfüßer zwei Jahre.

Anhang

Siehe auch

'Persönliche Werkzeuge