Riesenkrabbenspinnen

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Riesenkrabbenspinnen
Laotische Riesenkrabbenspinne (Heteropoda maxima)
Weibchen mit Kokon

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Riesenkrabbenspinnen
Wissenschaftlicher Name
Sparassidae
Bertkau, 1872

Die Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) zählen innerhalb der Ordnung der Webspinnen (Araneae) zur Teilordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae). In der Familie werden in 83 Gattungen rund 1.018 rezente Arten geführt. Im Englischen werden Riesenkrabbenspinnen Huntsman spider oder gelegentlich auch Wood spider genannt. Riesenkrabbenspinnen sind nahe mit der Familie der Sackspinnen (Clubionidae) verwandt. Sie unterscheiden sich insbesondere von den Sackspinnen durch ihre Größe.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Riesenkrabbenspinnen erreichen artabhängig eine Körperlänge von bis zu 4,6 Zentimeter sowie eine Beinspannweite von bis zu 30 Zentimeter. Der Körper ist üblicherweise dorsal abgeflacht, was die Arten größer erscheinen lässt. Die Laufbeine sind charakteristisch seitwärts gestellt. Die Färbung der einzelnen Arten ist ausgesprochen variabel. So ist beispielsweise die Grüne Huschspinne (Micrommata virescens) intensiv grün gefärbt, andere Arten zeichnen sich durch eine dezentere Tarnfärbung aus.

Der Körperbau und die Laufbeinpaare sind im Wesentlichen an die jeweiligen Lebensräume angepasst. So verfügen die in Wüsten lebenden Arten über Beinglieder, die auf der Unterseite mit dichten Polstern feiner, spatelartiger Härchen besetzt sind. Auch das Fluchtverhalten weist eine klare lebensraumspezifische Spezialisierung auf. Die in der Namib vorkommenden Arten der Gattung Carparachne haben ein einzigartiges Fluchtverhalten entwickelt. Carparachne alba rollt seitlich mit bogig abgespreizten Beinen einem Feind davon. Je nach Hangwinkel einer Düne erreicht die Art eine Fluchtgeschwindigkeit von 1,5 m/sec.

Lebensweise

Es sind zwar nicht alle Tiere nachtaktiv, jedoch gehen die meisten Arten in der Dämmerung oder in der Nacht auf Nahrungssuche. Am Tage halten sich die Tiere meist an geschützter Stelle verborgen. Die meisten Arten gelten als ausgesprochen angriffslustig, die Arten in den kaltgemäßigten Regionen gelten als sehr sonneliebend. Einen Schlupfwinkel legen Riesenkrabbenspinnen nicht an, da sie sich als aktive Jäger auszeichnen und im Gestrüpp oder auf Blättern auf Beutetiere lauern. Ein Gespinst wird meist nur in den kaltgemäßigten Regionen zur Überwinterung und während der Fortpflanzungszeit zur Eiablage gewebt. Einige Arten in den Tropen und Subtropen halten sich während der Ruhephase in sackartigen Gespinsten auf. Die Gespinste werden in der Regel an geschützter Stelle in Mauerritzen, unter Steinen oder in Felsspalten angelegt. Die Unterschlüpfe weisen immer 2 Ausgänge auf. Während der Paarungszeit schließen sich die Weibchen mit dem Kokon in die sackartigen Gespinste ein. Es gibt jedoch auch Arten, die während der Ruhephasen in kleinen Erdhöhlen leben und diese mit einem Gespinst auskleiden.

Verbreitung

Vertreter der kaltgemäßigten Regionen: die Grüne Huschspinne (Micrommata virescens)
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Vertreter der kaltgemäßigten Regionen: die Grüne Huschspinne (Micrommata virescens)

Die Verbreitung der Riesenkrabbenspinnen erstreckt sich hauptsächlich über tropische und subtropische Regionen. Nur wenige Arten, wie beispielsweise die Vertreter der Huschspinnen (Micrommata) kommen auch in kaltgemäßigten Regionen der Erde vor. In Europa reicht das Verbreitungsgebiet dieser Gattung bis ins südliche Skandinavien. Als Lebensraum dient den meisten Arten die Kraut- und Strauchschicht, meist an sonnigen Lagen. Einige Arten wie die Gattung Isopeda hat sich feuchtwarmen tropischen Regenwäldern angepasst, andere Gattungen wie Leucorchestris oder Carparachne sind ausgesprochene Wüstenbewohner, die selbst die Namib im südwestlichen Afrika besiedeln.

Ernährung

Riesenkrabbenspinnen gelten als schnelle und gewandte Räuber. Zum Beutespektrum zählen insbesondere kleine bis mittelgroße Insekten (Insecta), wie zum Beispiel Laubheuschrecken (Tettigoniidae) oder Käfer (Cleoptera). Beutetiere werden durch blitzschnelle Bewegungen mit den Vorderbeinen gegriffen und unverzüglich den Cheliceren zugeführt. Durch einen Giftbiss mit den kräftigen Giftklauen wird ein Beutetier getötet. Die Verdauung der Beute erfolgt außerhalb des Körpers der Spinnen. Dazu gibt eine Riesenkrabbenspinnen Verdauungssäfte in ein Beutetier, welche es innerlich verflüssigt. Anschließend wird die Beute ausgesaugt und es bleibt nur noch der Chitinpanzer, also das Außenskelett des Beutetieres, übrig.

Fortpflanzung

In den kaltgemäßigten Regionen wie Mitteleuropa erstreckt sich die Paarungszeit über den Frühsommer. Während dieser Zeit geht ein Männchen auf die Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen. Dazu befüllt das Männchen seine Bulbi mit Spermien. Während der Kopulation führt das Männchen einen der beiden Pedipalpen in die Geschlechtsöffnung des Weibchens (Epigyne) ein und befruchtet dort die Eier. Bei der Brutpflege kommt es artabhängig zu unterschiedlichen Strategien. Bei einigen Arten tragen die Weibchen ihren Kokon am Bauch mit sich herum, andere lagern den Kokon im Wohngespinst. Die Vertreter der Gattung der Palystes legen ihre Eier in große, scheibenförmige Kokons und hängen diese in einem Fadengerüst auf. In allen Fällen wachen die Weibchen während der Eientwicklung über das Gelege. Die Lebenserartung liegt bei den meisten Arten bei 1 bis 2 Jahren.

Systematik

G a t t u n g e n G a t t u n g e n G a t t u n g e n G a t t u n g e n G a t t u n g e n
Adcatomus Anaptomecus Anchognatha Anchonastus Arandisa
Barylestis Beregama Berlandia Bhutaniella Carparachne
Cebrennus Cerbalus Cercetius Chrosioderma Clastes
Damastes Decaphora Defectrix Delena Dermochrosia
Eodelena Eusparassus Exopalystes Geminia Gnathopalystes
Heteropoda Holconia Irileka Isopeda Isopedella
Keilira Leucorchestris Macrinus Martensopoda Megaloremmius
Micrommata Microrchestris Neosparassus Nisueta Nolavia
Nonianus Olios Orchestrella Origes Paenula
Palystella Palystes Panaretella Pandercetes Parapalystes
Pediana Pleorotus Polybetes Prusias Prychia
Pseudomicrommata Pseudopoda Pseudosparianthis Quemedice Remmius
Rhacocnemis Rhitymna Sagellula Sampaiosia Sarotesius
Sinopoda Sivalicus Sparianthina Sparianthis Spariolenus
Spatala Staianus Stasina Stasinoides Stipax
Strandiellum Thelcticopis Thomasettia Tibellomma Tychicus
Typostola Vindullus Yiinthi Zachria -

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
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