Riesen-Strumpfbandnatter

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-Die [[Riesen-Strumpfbandnatter]] (''Thamnophis gigas'') zählt innerhalb der {{familia}} der [[Nattern]] (''Colubridae'') zur {{genus}} der [[Strumpfbandnattern]] (''Thamnophis''). Im Englischen wird die Riesen-Strumpfbandnatter '''giant gartersnake''' oder '''giant garter snake''' genannt.+Die [[Riesen-Strumpfbandnatter]] (''Thamnophis gigas'') zählt innerhalb der {{familia}} der [[Nattern]] (''Colubridae'') zur {{genus}} der [[Strumpfbandnattern]] (''Thamnophis''). Im Englischen wird die Riesen-Strumpfbandnatter '''giant gartersnake''' oder '''giant garter snake''' genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.
==Taxonomie== ==Taxonomie==

Version vom 15:01, 26. Jun 2011

Riesen-Strumpfbandnatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Gattung: Strumpfbandnattern (Thamnophis)
Art: Riesen-Strumpfbandnatter
Wissenschaftlicher Name
Thamnophis gigas
Fitch, 1940

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Riesen-Strumpfbandnatter (Thamnophis gigas) zählt innerhalb der Familie der Nattern (Colubridae) zur Gattung der Strumpfbandnattern (Thamnophis). Im Englischen wird die Riesen-Strumpfbandnatter giant gartersnake oder giant garter snake genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Laut der Roten Liste der IUCN zählten früher Thamnophis gigas, Thamnophis hammondii und Thamnophis atratus (einschließlich die Unterarten hydrophilus und aquaticus) zu Thamnophis couchii, aber jetzt sind sie alle als eigenständige Arten anerkannt (Rossman et al. 1996; Crother et al. 2000, 2003; Ernst und Ernst 2003).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Riesen-Strumpfbandnatter erreicht eine Körperlänge von etwa 94,0 bis 165,0 Zentimeter. Die Oberseite weist eine olivfarbene oder braune Färbung mit getrennt kleinen dunklen Flecken zwischen den Streifen auf jeder Seite auf. Der Aalstrich, wenn sichtbar, ist gelblich gefärbt, oft mit unregelmäßigen Rändern versehen. Die Seitenstreifen, wenn vorhanden, sind auf der zweiten oder dritten Schuppenreihe begrenzt. Die Unterseite weist eine hellbraune oder hellgraue Färbung auf. Des Weiteren zeigen sich wurzellose, nach hinten gerichtete Zähne, die meist im Zahnfleisch versteckt sind. Der Unterkiefer weist eine und der Oberkiefer weist zwei Zahnreihen auf. Aufgrund der vielen Zähne kann die Riesen-Strumpfbandnatter besser die Beute festhalten. Die drei letzten Zähne im Oberkiefer sind oft vergrößert und in der Regel ist der 6. Zahn kürzer als der 7. Zahn. Die dorsalen Körperschuppen sind gekielt und in der Regel sind maximal 23 oder 21 Reihen vorhanden. Die Analschuppe ist einteilig. Bei Individuen, die im oberen Sacramento Valley vorkommen, ist die Oberseite meist dunkelbraun gefärbt und mit deutlichen dorsalen und seitlichen Streifen versehen. Während bei den Individuen, die weiter südlich leben, undeutliche Streifen aufweisen und die dorsalen Muster, die meist aus dunklen Flecken bestehen, kaum oder gar nicht vorhanden sind.

Lebensweise

Riesen-Strumpfbandnatter - Habitat Sacramento Valley in Kalifornien
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Riesen-Strumpfbandnatter - Habitat Sacramento Valley in Kalifornien

Laut der Roten Liste der IUCN ist diese Art im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika endemisch. Die historischen Gebiete der Art erstreckten sich von Kalifornien (Sacramento und San Joaquin Tal), Butte County im Norden bis nach Kern County im Süden (Rossman et al. 1996 , Ernst und Ernst 2003, Stebbins 2003). Offenbar ist die Art jetzt in den meisten Bereich von San Joaquin Valley (Rossman et al. 1996, USFWS 1993, Stebbins 2003) ausgestorben. Die noch überlebenden Populationen sind meist in Regionen zu finden, wo Reis angebaut wird, wie zum Beispiel Sacramento, Sutter, Butte, Colusa und Glenn Counties, entlang der westlichen Grenze des Yolo Passes in Yolo County und entlang der östlichen Randgebiete des Sacramento-San Joaquin Delta bis zur Region Laguna Creek-Elk Grove im Zentral Sacramento County südlich der Stockton Gegend von San Joaquin County (Hansen, zitiert von USFWS 1993). Ab 1992 gab es noch 13 bekannte Populationen, die in einem zusammenhängenden Lebensraum zu finden waren: Butte Basin, Colusa Basin, Sutter Basin, American Basin, Yolo Basin-Willow Slough, Yolo Basin-Liberty Farms, Sacramento Basin, Badger Creek-Willow Creek, Caldoni Marsh, East Stockton-Diverting Canal und Duck Creek, North und South Grasslands (ausgestorben?), Mendota (ausgestorben?) und Burrell-Lanare (vermutlich ausgestorben) (USFWS 1993). Die Populationen von Butte Basin, Colusa Basin, Sutter Basin, American Basin leben überwiegend in Regionen, wo Reis angebaut wird und die Populationen von Yolo Basin-Willow Slough, Yolo Basin-Liberty Farms, Sacramento Basin, Badger Creek-Willow Creek, Caldoni Marsh East Stockton-Umleiten Canal und Duck Creek, North und South Grasslands, Mendota und Burrell-Lanare leben vorwiegend in kleinen, isolierten Lebensräumen.

Laut der Roten Liste der IUCN zählen zu den Lebensräumen dieser aquatisch lebenden Art in erster Linie Sümpfe und Tümpel, manchmal auch Bäche, Teiche und kleine Seen mit Rohrkolben, Schilf, Weiden oder mit anderer Ufer-Vegetation (California Department of Fish and Game 1990, USFWS 1993, Rossman et al. 1996, Stebbins 2003). Aufgrund der direkten Verluste natürlicher Lebensräume ist die Art stark von bewässerten Reisfeldern in Sacramento Valley abhängig. Jedoch besiedelt die Riesen-Strumpfbandnatter auch geschaffene Feuchtwiesen in verschiedenen nationalen Naturschutzgebieten und staatlichen Naturschutzgebieten (USFWS 1999). Lebenswichtige Lebensraum-Komponenten bestehen aus (USFWS 1999):

Riesen-Strumpfbandnatter - Habitat Sacramento Valley in Kalifornien
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Riesen-Strumpfbandnatter - Habitat Sacramento Valley in Kalifornien
  1. Ausreichend Wasser während der aktiven Saison von Frühjahr bis Mitte Herbst
  2. Emergente, krautige Feuchtgebiet-Vegatation, wie Rohrkolben, Schilf oder Weiden
  3. Hochland-Lebensraum mit grasbewachsenen Flächen und offene Flächen mit reicher Wasser-Vegetaion zum Sonnenbade
  4. Höher gelegene Hochland-Lebensräume für die Zuflucht vor Hochwasser während der inaktiven Saison im Winter

Aufgrund eingefühter Raubfische und aufgrund der Versandung von Feuchtgebieten fehlt die Riesen-Strumpfbandnatter in einigen Bereichen von großen Flüssen und anderen Gewässern. Des Weiteren biten Auenwälder keinen geeigneten Lebensraum für die Riesen-Strumpfbandnatter wegen des übermäßigen Schatten und wegen mangelnder Beute (Hansen und Brode 1980).

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Riesen-Strumpfbandnatter nur in den Vereinigten Staaten von Amerika (Kalifornien) vor. Die Riesen-Strumpfbandnatter hält sich in hauptsächlich in Feuchtgebieten (Inland) wie permanente Flüsse, Bäche, schmale Buchten inklusive Wasserfälle, saisonal bedingte irreguläre Flüsse, Bäche, schmale Buchten, Moore, Sümpfe, Torf-Moor-Landschaften, permanente Süßwasserseen über 8 Hektar, saisonal bedingte intermittierende Süßwasserseen über 8 Hektar, permanente Süßwassersümpfe und Pools unter 8 Hektar, saisonal bedingte intermittierende Süßwassersümpfe und Pools unter 8 Hektar, aquatische bewässerte Flächen einschließlich Bewässerungskanäle, saisonal überflutete Ackerflächen sowie aquatische Kanäle und Entwässerungsgräben.

Ernährung

Riesen-Strumpfbandnatter - Habitat Sacramento Valley in Kalifornien
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Riesen-Strumpfbandnatter - Habitat Sacramento Valley in Kalifornien

Die Riesen-Strumpfbandnatter ernährt sich überwiegend von Fischen und Amphibien, aber auch kleinere Nagetiere, Vögel und seltener Reptilien in passender Größe werden nicht verschmäht. Auch Weichtiere werden insbesondere von Jungschlangen gefressen. Die Riesen-Strumpfbandnatter ist ein aktiver Jäger, die dem Geruch der Beute folgt, sie mit den Zähnen ergreift und oft noch lebend verschlingt, nur selten wird die Beute vorher erdrosselt. Die Riesen-Strumpfbandnatter verschlingt nur lebende Beute. Lediglich Jungtiere, trächtige Weibchen und Terrarientiere nehmen auch Aas zu sich. Gewissermaßen reagieren gerade zur Welt gekommene Jungtiere geruchlich selektiv auf Extrakte bestimmter Nahrungstiere. Das heißt es gibt chemische Beutespektren mit angeborenen Vorlieben, welche sich jedoch mit dem Älterwerden individuell entwickeln.

Fortpflanzung

Nach der Winterruhe, wenn die Temperaturen im Frühling wieder ansteigen, erwachen zuerst die Männchen und einige Tage bis Wochen später die Weibchen (sie haben einen höheren Temperaturbedarf). Die Weibchen geben Pheromone (Sexuallockstoffe) über die Haut ab und locken so manchmal scharenweise Männchen an. Unter diesen kommt es dann zu friedlichen und unbissigen Auseinandersetzungen, in dem sie versuchen, sich gegenseitig auf den Boden zu drücken. Der schwächere gibt dann nach und verschwindet. Solche friedlichen Kämpfe nennt man Kommentkämpfe. Dann reibt das gesiegte Männchen zur sexuellen Stimulierung Kinn und Rücken des anderen Geschlechts. Ist das Weibchen paarungsbereit, hebt sie ihren Hinterleib und das Männchen führt den ausgestülpten Hemipenis in die weibliche Kloake ein und gibt sein Sperma ab, so dass die Eizellen befruchtet werden. Das Männchen verschließt dann mit einem Pfropfen die Kloake der Geschlechtspartnerin, damit das Weibchen von keine anderen Männchen mehr befruchtet wird. Auch die Riesen-Strumpfbandnatter ist eilebendgebärend, das heißt, sie bildet zwar Eier aus, aber die Jungschlangen schlüpfen aber bereits vor der Eiablage aus den Eiern heraus und es kommen bereits lebende Junge zur Welt. Bei einem Wurf kommen nach 70 bis 110 Tagen zumeist 10 bis 20, selten über 50 Jungtiere zur Welt. Je nach Vorkommen pflanzen sich die Riesen-Strumpfbandnatter ein- bis zweimal im Jahr fort. Die Geschlechtsreife wird in der Natur nach etwa einem Jahr erreicht, die Lebenserwartung liegt bei maximal über zehn Jahren.

Gefährdung und Schutz

Riesen-Strumpfbandnatter
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Riesen-Strumpfbandnatter

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet gelistet, weil die Fläche der Belegung von weniger als 2.000 Quadratkilometer beträgt, die Verteilung stark fragmentiert ist, weiterhin ein Rückgang im Bereich der Belegung besteht, die Zahl der Standorte immer weniger wird und die Zahl der geschlechtsreifen Individuen stark im Abnehmen begriffen ist. Des Weiteren tragen das Ausmaß und die Qualität des Lebensraums ebenfalls zur Gefährdung dieser Art bei. Ab 1992 gab es 13 bekannte Populationen, die in einem zusammenhängenden Lebensraum existierten (USFWS 1993). Nicht alle der bekannten Populationen haben eine gute Viabilität (Überleben). Die Populationsgröße ist unbekannt, aber vermutlich beträgt sie mindestens ein paar Tausend Individuen. Die Anzahl der Größe für drei lokale Populationen Mitte der 1990er Jahren wurde sehr niedrig geschätzt (USFWS 1999). Die Art ist wahrscheinlich ausgestorben oder kommt in den meisten der ehemaligen Gebiete in San Joaquin Valley sehr selten vor. Bestandsaufnahmen in den 1970er und 1980er Jahren zeigten in einigen bisher unbekannten Standorten ein Aussterben oder zumindest einen dramatischen Populations-Rückgang (USFWS 1993). Der Bereich der Belegung, die Anzahl der Subpopulationen und die Populationsgröße sind wahrscheinlich weiterhin rückläufig, aber der Umfang bzw. die Größe des Rückgangs ist noch unbekannt.

Laut der Roten Liste der IUCN haben Verlust und Fragmentierung von Feuchtgebieten die Riesen-Strumpfbandnatter in den meisten historischen Gebieten am Rand der Ausrottung getrieben (USFWS 1999). Die Zerstörung und der Verlust von Lebensräumen bleiben weiterhin die größte Bedrohung für das Überleben dieser Art (USFWS 1999). Aktivitäten wie Wartung von Hochwasserschutzgebieten, Wasserstraßen für die Landwirtschaft Unkrautbekämpfung, Rattenbekämpfung, Entlastung von Schadstoffen in Feuchtgebieten und Gewässern, Überweidung in Feuchtgebieten können die Qualität der Lebensräume dieser Art beeinträchtigen. Faktoren, die ebenfalls in einigen Gebieten zum Aussterben der Art führen können, sind zum Beispiel Parasitismus und Konkurrenz von eingeführten Arten (USFWS 1999, Carpenter et al. 2002). USFWS (1993) listete folgende Bedrohungen auf: Verlust von Lebensräumen durch großflächige Urbanisierungen in American Basin, Entwässerung von Lebensraum durch Wasserumleitungen und Staudämme, Hochwassser für die Reisproduktion in einigen Bereich, Verunreinigungen durch Selen- und Salzgehalt in North und South Grasslands, Wartungsarbeiten der Landwirtschaft auf Deichen und Kanälen, Autoverkehr auf Deichen und entlang der Kanäle, Überweidung und eingeführte Prädatoren wie Hauskatzen, Ochsenfrösche und vielleicht auch Barsche.

Der Entwurf eines Sanierungsplans (USFWS 1999) nannte folgende erforderliche Erhaltungsmaßnahmen:

  1. Schutz der bestehenden Populationen und Lebensräume
  2. Rückführung der Populationen zu den früheren Lebensräumen
  3. Bestandsaufnahme der Arten in den Verbreitungsgebieten
  4. Monitoring der Populationen
  5. Notwendige wissenschaftliche Forschungen, einschließlich Studien zu Demographie, Populationsgenetik und Raumnutzung
  6. Entwicklung und Umsetzung der Incentive-Programm
  7. Schutz der Lebensräume im Delta und der Sacramento Valley Regionen (Hansen und Brode 1980, Rossman et al. 1996)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Roland Bauchot: Schlangen, Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9
  • Dieter Schmidt: Nattern faszinierend & exotisch, Gräfe & Unzer, Auflage 1 (Februar 2005), ISBN 3774269475

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