Riesen-Stabschrecke

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Riesen-Stabschrecke
Weibchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Familie: Phasmatidae
Unterfamilie: Phasmatinae
Tribus: Pharnaciini
Gattung: Phobaeticus
Art: Riesen-Stabschrecke
Wissenschaftlicher Name
Phobaeticus serratipes
(Gray, 1835)

Die Riesen-Stabschrecke (Phobaeticus serratipes), auch unter den Synonymen Bacteria acanthopus, Baculolonga serratipes, Cladoxerus serratipes, Pharnacia serratipes, Phibalosoma serratipes und Bactridium grande bekannt, zählt innerhalb der Familie Phasmatidae zur Gattung Phobaeticus. Im Englischen wird die Riesen-Stabschrecke giant stick bug genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Riesen-Stabschrecke ist eines der größten Insekten der Welt. Weibchen können eine Körperlänge von etwa 33,0 Zentimeter erreichen und mit ausgestreckten Extremitäten sogar 55,5 Zentimeter. Zwischen beiden Geschlechtern besteht ein deutlicher Dimorphismus in der Körperlänge und auch in der Färbung. Das Männchen ist deutlich kleiner als das Weibchen. Der Hinterleib ist sehr lang und fadenförmig und die Abdominalsegmente sind an jedem Ende leicht erweitert. Das siebte Abdominalsegment ist stark erweitert und konisch geformt. Das neunte Abdominalsegment ist fast so lang wie das siebte und achte, jedoch ist das neunte schlank und gespalten. Die Deckflügel sind bei dem Männchen sehr klein und schmal geformt. Die Flügel selbst sind ebenfalls kurz und von einer blassen braunen Färbung. Im Gegensatz zum Männchen fehlen bei dem Weibchen die Flügel. Die Färbung kann bei dem Männchen unterschiedlich sein, entweder ist die Farbe völlig grün oder fast braun. Die Unterseite kann auch bei braun gefärbten Männchen grün sein. An den Seiten der Mittelbrust zeigt sich eine türkisfarbene Linie, die sich von der darunter verlaufenden schwarzen Linie deutlich absetzt. Bei dem Weibchen statt dieser Linie ein blaugrüner Streifen erkennbar.
Riesen-Stabschrecke - Eier
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Riesen-Stabschrecke - Eier
Die Färbung des Weibchens variiert zwischen apfelgrün, dunkelbraun und hellbraun. Individuen, die eine grüne Grundfarbe aufweisen sind oberseits mit einer hellbraunen Färbung an den hinteren Rändern der Abdominalsegmente versehen. Die Beine bei beiden Geschlechtern sind entlang ihrer unterschiedlichen Winkel stark gezackt, die des Männchens sind länger und schlanker. Die Tarsen sind abgeflacht und von einer hellen orangebraunen Tönung.

Lebensweise

Die Riesen-Stabschrecke imitiert ihren Körper immer Teile ihrer Umgebung, in der Regel Pflanzenteile (sog. Phytomimese). Sie ähnelt zum Beispiel einem Stängel oder Ast. Außerdem ist die Riesen-Stabschrecke auch farblich an ihre Umgebung angepasst. Alles in allem ist sie ein Meister der Tarnung. Die Riesen-Stabschrecke lebt bevorzugt in Sträuchern sowie Bäumen und ist nachtaktiv.

Verbreitung

Riesen-Stabschrecke - Männchen
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Riesen-Stabschrecke - Männchen

Die Riesen-Stabschrecke kommt auf der Malaiischen Halbinsel vor. Jedoch soll die Art aber auch in Singapur sowie auf Borneo, Sumatra und Java zu finden sein.

Ernährung

Die Riesen-Stabschrecke ist ein reiner Pflanzenverzehrer und ernährt sich hauptsächlich von den Blättern der Mangos und der Guaven. Im adulten Stadium haben besonders die Weibchen einen hohen Futterumsatz. Eine andere Angewohnheit dieser Art ist, dass sie neben den Blättern auch die Stiele der Futterpflanzen verzehrt. Bei solchen Aktionen werden aber meist die Blätter abgeknabbert, so dass diese nicht mehr gefressen werden, weil sie auf den Boden fallen. Wie jede Stabheuschrecke verzehrt auch diese Art während oder nach der Häutung die gesamte alte Haut oder Teile von ihr. Dies dient höchstwahrscheinlich der Mineralstoffaufnahme.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Riesen-Stabschrecke kann sowohl zweigeschlechtlich als auch parthenogenetisch, das heißt ohne Männchen erfolgen. Etwa zwei Wochen nach der Imaginalhäutung wird das Weibchen paarungsbereit, das Männchen schon nach zirka einer Woche. Sobald sich ein Paar gefunden hat steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens und die Kopulation beginnt. Dabei überträgt das Männchen seine Spermien in Form einer sogenannten Spermatophore. Diese schützt vor allem vor Austrocknung, bis das Weibchen alle aufgenommen hat. Das Männchen schiebt dieses Spermapaket in die Öffnung am Abdomen. Nachdem die Spermatophore geleert ist, werden die Spermien in die Samentaschen des Weibchens übertragen. Dort werden die Eier anschließend befruchtet. Nach einigen Stunden steigt das Männchen wieder herunter. Auch wenn das Weibchen noch nicht adult oder noch nicht paarungsbereit ist, sitzt das Männchen oft tagelang auf dem Rücken des Weibchens, dabei werden aber keine Samen übertragen. Nach ein paar Wochen beginnt das Weibchen mit der Eiablage, dabei werden jeden Tag einige Eier einfach fallen gelassen. Falls kein Männchen vorhanden ist bleiben die Eier unbefruchtet und es schlüpfen sozusagen "Klone" der Mutter. Wenn sich das Weibchen parthenogenetisch fortpflanzt, werden weniger Eier gelegt, die Larven sind schwächer und alle sind Weibchen. Die Eier weisen eine helle cremefarbene Grundfärbung auf und sind dunkelbraun marmoriert. Die Größe liegt bei zirka 5 Millimetern. Die Eier bestehen aus einem hartschaligen Eikörper, der mit einer Art Deckel versehen ist und beim Schlupf von der Larve von innen aufgestoßen wird. Der Zeitraum zwischen Embryonalentwicklung im Ei bis zum erwachsenen Tier dauert etwa drei bis sechs Monate. Im Laufe ihrer Entwicklung häuten sich die Tiere fünf- bis sechsmal und erreichen ein Alter von 1 bis 1,5 Jahren.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
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