Radnetzspinne

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Radnetzspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Echte Radnetzspinnen (Araneidae)
Gattung: Argiope
Art: Radnetzspinne
Wissenschaftlicher Name
Argiope lobata
Pallas, 1772

Die Radnetzspinne (Argiope lobata) gehört innerhalb der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) zur Gattung Argiope.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Radnetzspinne ist etwas größer als die Wespenspinne (Argiope bruennichi) und auch bei dieser Art unterscheiden sich die Geschlechter sehr deutlich in der Größe. Das Weibchen der Radnetzspinne erreicht eine Körperlänge von etwa über zwei Zentimeter und das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa vier bis sechs Millimeter, das im Gegensatz zu dem Weibchen geradezu winzig erscheint. Der Hinterkörper der Radnetzspinne ist im Gegensatz zur Wespenspinne (Argiope bruennichi) deutlich abgeflacht und an den Rändern in deutliche, stumpfe Zacken erweitert. Wie bei der Wespenspinne (Argiope bruennichi) ist der Vorderkörper mit einer dichten, silbrig weißen Behaarung überzogen. Diese silberglänzenden Haare überziehen außerdem weite Teile der Oberseite des Hinterleibes. Nur hinten und an den Seiten tritt die fahlgelbe Grundfärbung und eine dunkle Querstreifung stärker hervor. Die ganze Unterseite ist demgegenüber sehr unauffällig gelbbraun und mit dunkleren Fleckenzeichnungen versehen. Trotz der Größe ist die Radnetzspinne im Netz schwer zu erkennen, da sich die tarnfarbige Bauchseite kaum gegen den Boden abhebt. Auch durch ihre silbrige Behaarung ist die Radnetzspinne auch von unten gegen den Himmel sehr gut getarnt. Die adulten Tiere findet man von August bis Oktober.

Lebensweise

Die Radnetzspinne baut ihr oft sehr großes Netz stets dicht über dem Erdboden. Das Netz kann einen Durchmesser von etwa einen Meter erreichen. Das Zickzack-Band, das sogenannte Stabiliment, ist im Allgemeinen weniger deutlich ausgebildet als bei der Wespenspinne (Argiope bruennichi). Oft ist das Netz an einem sehr langen, zwischen zwei Sträuchern ausgespannten Brückenfaden befestigt.
Radnetzspinne
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Radnetzspinne
Die Fäden besitzen eine hell gelbliche Färbung. Die Netzebene ist meist deutlich geneigt. Die Radnetzspinne sitzt stets bauchoben an der Unterseite der Nabe und legt dabei die Extremitäten jeweils paarweise eng aneinander, so dass ihr Erscheinungsbild einem schrägstehenden Kreuz ähnelt. Mit ihrer unscheinbaren Bauchfärbung ist sie gegen den Untergrund kaum zu erkennen.

Verbreitung

Die Radnetzspinne hält sich gerne an sonnigen, trockenen Orten, meist in steinigen oder felsigen, mit lockerem Gebüsch bewachsenem Gelände auf. Sie ist im Mittelmeergebiet weit verbreitet und gebietsweise, zum Beispiel Südfrankreich recht häufig anzutreffen. In Mitteleuropa kommt die Radnetzspinne nicht vor.

Ernährung

Die Radnetzspinne erbeutet in ihrem sehr reißfesten Netz zum Teil recht große und kräftige Beutetiere. Neben Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) gehören auch große Schmetterlinge (Lepidoptera) zu ihren bevorzugten Beuteobjekten. Gelegentlich findet man in oder neben ihren Netzen die interessante Diebsspinne (Argyrodes gibbosus) aus der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae). Diese lebt hier vor allem von kleinen, im Netz verfangenen Insekten (Insecta), um die sich die Netzbesitzerin nicht weiter kümmert.

Fortpflanzung

Das Männchen erreicht die Geschlechtsreife im Sommer und das Weibchen im Herbst. Die Paarung beginnt in der Regel im Spätsommer und findet in der Netzmitte statt. Das Männchen nähert sich mit vorsichtig tastenden Bewegungen dem Weibchen. Ist dieses paarungsbereit, hebt das Weibchen den Körper vom Netz ab, so dass sich das Männchen in den Zwischenraum drängen und die Paarung vollziehen kann. Das Weibchen verhält sich in der Regel bei der Paarung passiv und überläßt dem Männchen die Paarungsaktivität. Bei der Paarung stirbt das Männchen oft auch ohne Mitwirkung des Weibchens noch während der Begattung. In der Regel wird das Männchen noch während der Paarung von dem Weibchen eingesponnen, getötet und schließlich vom Weibchen verspeist. Nur selten gelingt es dem Männchen die Flucht - dann aber meist unter Verlust eines Beines. Ab September sind die auffallenden Eikokons zu finden. Sie ähneln denen der Wespenspinne (Argiope bruennichi), sind aber nicht ballonförmig, sondern von oben nach unten allmählich verschmälert. Noch im Herbst schlüpfen die Jungspinnen. Sie verlassen erst im Mai des folgenden Jahres ihre schützende Behausung und sind bereits nach zwei bis drei Monaten ausgewachsen.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
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