Röhrenspinnen

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Röhrenspinnen
Rote Röhrenspinne (Eresus kollari)

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Röhrenspinnen
Wissenschaftlicher Name
Eresidae
Koch, 1851

Röhrenspinnen (Eresidae) zählen in der Ordnung der Webspinnen (Araneae) zur Unterordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae). In der Familie werden in 10 Gattungen 101 rezente Arten geführt. Von den rezenten Arten treten im zentralen Mitteleuropa lediglich 2 Arten auf. Dies ist die Rote Röhrenspinne (Eresus cinnaberinus) und die Eresus sandaliatus. Im Englischen werden die Vertreter dieser Familie Velvet spiders genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Je nach Art wird eine Körperlänge von bis zu 50 Millimeter erreicht, wobei Männchen immer deutlich kleiner bleiben als Weibchen. Sie erreichen meist weniger als 50 Prozenzt der Körpergröße der Weibchen. Neben der Größe lassen sich die Geschlechter im adulten Stadium der Röhrenspinnen auch durch ihre Färbung unterscheiden. Weibchen sind meist einfarbig schwarzbraun bis schwarz, bei den Männchen zeigt sich im Bereich des Opisthosoma eine farbige Zeichnung. Diese weist meist eine rot-schwarze oder schwarz-weiße Färbung auf. Die adulte Ausfärbung stellt sich bei den Männchen erst mit der Reifehäutung ein. Vorher sind sie farblich von den Weibchen nicht zu unterscheiden. Der Körperbau der Röhrenspinnen wirkt gedrungen. Dieser Eindruck wird durch die Kurzbeinigkeit verstärkt. Auch wenn Röhrenspinnen mit diesen Merkmalen den Springspinnen (Salticidae) ähneln, so sind sie mit diesen nicht weiter verwandt. Die Ähnlichkeit beider Familien läßt sich mit der konvergenten Evolution erklären. Röhrenspinnen verfügen über ein spezielles Organ, mit dem die Fangwolle gesponnen wird. Dieses Organ wird auch als Cribellum bezeichnet. Die lachsfarbene oder bräunlich bis leicht bläulich schimmernde Fangwolle weist dabei im Gegensatz zu den ecribellaten Spinnen keine Leimtröpfchen auf. Die Augen sitzen in 3 Reihen im Bereich des Vorderkörpers. Die vorderen Mittelaugen (VMA) sind anders als bei den Vertreter der Springspinnen eher klein. Die Cheliceren sind kräftig gebaut und enden in starke aber kurze Giftklauen.

Lebensweise

Röhrenspinnen leben meist einzelgängerisch, nur wenige Arten leben auch permanent sozial in kleinen Kolonien. Einige andere, in den Tropen heimische Stegodyphus-Arten gehen noch einen Schritt weiter, indem sie umfangreiche, von mehreren adulten Tieren gleichzeitig bewohnte Netzkomplexe errichten und darin nach Art einer Kommune leben. Die adulten Männchen legen eine vagabundierende Lebensweise an den Tag. Weibchen führen in ihren Erdröhren eine eher zurückgezogene Lebensweise. Man kann die Weibchen daher als sesshaft bezeichnen. Die Erdröhren können bei den mitteleuropäischen Arten eine Tiefe von bis zu 15 Zentimeter und eine Tunnelbreite von rund 1 bis 5 Zentimeter aufweisen. Die Innenseite der Wohnröhre ist vollständig mit einem Gespinst ausgekleidet. Das Gespinst reicht meist bis zum Mündungsrand. Die Mündung der Röhre bleibt unverschlossen oder wird artabhängig mit einem Gespinst oder anderen Materialien abgedeckt. Die Röhrenmündung dient einem Weibchen als Ansitzwarte. Von hieraus lauern Weibchen auf Beutetiere.

Nur wenige Röhrenspinnen bewohnen keine Röhre. Hier ist beispielsweise die in Afrika und Asien beheimatete Gattung Stegodyphus zu nennen. Bei dieser Gattung handelt sich um eine sessile Netzspinnen mit röhrenförmigen Trichternetzen. Die Vertreter dieser Gattung bauen ein auffälliges Fangnetz, durch das die Spinnen oft schon aus größerer Entfernung zu entdecken sind. Das Netz wird in den Randzweigen der Büsche oder zwischen zwei Sträuchern nach Art eines Stellnetzes ausgespannt und besteht aus einem oft fast rechteckigen, etwa 30 Zentimeter großen Rahmen mit unregelmäßig gemaschten, cribellaten Fangfäden. Das Netz geht auf einer Seite in eine etwa 5 bis 7 Zentimeter lange, nach unten offene, sehr fest gesponnene, vertikale Gespinströhre über, in der die Spinne sitzt und auf Beute lauert. In der Röhre findet später auch die Eiablage und die Jungenaufzucht statt.

Verbreitung

Beliebte Beute: der Waldmistkäfer (Geotrupes stercorosus)
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Beliebte Beute: der Waldmistkäfer (Geotrupes stercorosus)

Die heute bekannten Arten kommen vor allem in den subtropischen und tropischen Regionen der Erde vor. Auch Australien wird besiedelt. Nur wenige Arten treten auch in den gemäßigten Regionen von Nordamerika und Südamerika, Asien und Europa. In Deutschland treten nur 2 Arten in Erscheinung.

Ernährung

Weit oben auf der Speisekarte stehen Käfer (Coleoptera), insbesondere Mistkäfer (Geotrupidae), Dunkelkäfer (Laemosthenes), Dungkäfer (Aphodius) und Sandlaufkäfer (Cicindelidae). Aber auch Tausendfüßer (Myriapoda) und ähnlichen Tiere werden keineswegs verschmäht.

Fortpflanzung

In den gemäßigten Regionen der nördlichen Hemisphäre treten reife Spinnenmännchen im Spätsommer in Erscheinung. Zu dieser Zeit wandern die Männchen auf der Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen. Trifft ein Männchen auf die Wohnröhre eines Weibchens und wird das Männchen von dem Weibchen nicht abgewiesen, so begibt sich das Männchen in die Wohnröhre des Weibchens und überwintert hier zunächst. Zur eigentlichen Paarung kommt es im Frühjahr des Folgejahres. In tropischen und subtropischen Regionen kommt es kurz nach dem Aufeinandertreffen zur Paarung. Zur eigentlichen Verpaarung kriecht das Männchen unter das Abdomen des Weibchens. Das Männchen führt dabei seine Begattungsorgane in die des Weibchens. Das Weibchen legt ihre Eier in einen linsenfömigen Kokon und trägt ihn während der Embryonalentwicklung mit sich. Der Kokon haftet dabei am Sternum des Weibchens. Auch nach dem Schlupf zeigt sich das Weibchen als aufopfernde Mutter und betreut ihren Nachwuchs bis zur Selbständigkeit. Sie sorgt dabei für Schutz und Nahrung. Die Jungspinnen werden von der Mutter von Mund zu Mund mit vorverdauten Nahrungstropfen gefüttert. In einer späteren Phase fressen die Jungspinnen auch gemeinsam mit der Mutter an der im Netz gefangenen Beute.

Systematik der Röhrenspinnen

Rote Röhrenspinne (Eresus kollari)
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Rote Röhrenspinne (Eresus kollari)

Familie: Röhrenspinnen (Eresidae)

Gattung: Adonea
Gattung: Dorceus
Gattung: Dresserus
Gattung: Eresus
Gattung: Gandanameno
Gattung: Paradonea
Gattung: Penestomus
Gattung: Seothyra
Gattung: Stegodyphus
Gattung: Wajane

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1

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