Przewalski-Gazelle

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Przewalski-Gazelle
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Kurzschwanzgazellen (Procapra)
Art: Przewalski-Gazelle
Wissenschaftlicher Name
Procapra przewalskii
(Büchner, 1891)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Przewalski-Gazelle (Procapra przewalskii) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Kurzschwanzgazellen (Procapra). Im Englischen wird die Art Przewalski's Gazelle, Gazelle De Przewalski oder Gacela De Przewalski genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die eurasischen Vorfahren der Przewalski-Gazelle entwickelten sich bereits im späten Miozän, also vor rund 15 Millionen Jahren und stammen im Wesentlichen vom tibetischen Plateau. Fossile Funde von Kurzschwanzgazellen (Procapra) sind begrenzt und wurden nur im nördlichen Hochland von Tibet gefunden. Die Funde stammen aus pliozänen Ablagerungen und weisen ein Alter von 2 bis 3 Millionen Jahren auf (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Przewalski-Gazelle erreicht eine Körperlänge von 109 bis 160 cm, eine Schulterhöhe von 50 bis 70 cm, eine Schwanzlänge von 7 bis 12 cm, eine Schädellänge von 192,5 bis 220,3 mm, eine Schädelbreite von 90,4 bis 100,7 mm, eine Hirnschädellänge von 108,0 bis 122,8 mm, sowie ein Gewicht von 17 bis 32 kg. Zwischzen den Geschlechter zeigt sich ein deutlicher Dimorphismus in der Größe. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Zudem sind Männchen insgesamt etwas dunkler gefärbt. Männchen verfügen über gut ausgebildete Hörner, die den Weibchen fehlen. Die Hörner erreichen eine Länge von 193 bis 233,1 mm. Das Fell ist im Winter gräulich bis sandfarben gefärbt. Im Sommer zeigt sich eine ockerfarbene Färbung mit leicht rötlichem bis zimtbraunen Glanz. Ventral ist das Fell weißlich gefärbt. Die Ohren sind kurz, diee Augen relativ groß. Im Verhältnis zur Körpergröße ist der Schädel groß und robust gebaut. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i0/3, c0/ 1, p3/3 , m3/3 (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Lebensweise

Przewalski-Gazellen leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Männchen leben einzelgängerisch oder in Junggesellengruppen. Die Geschlechter treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Weibchen leben mit mehren Muttertieren und deren Nachwuchs in einer Gruppe. Während der Paarungszeit treten kurzfristig auch gemischte Gruppen auf. Eine durchschnittliche Gruppe besteht aus 15 bis 40 Individuen. Selten treten Gruppen mit mehreren Hundert Tieren in Erscheinung. Männliche Gruppen sind konsequent klein und weisen meist nur 2 bis 3 Individuen auf. Przewalski-Gazellen sind zagaktiv und sind je nach Jahreszeit zwischen 10 und 15 Stunden auf Nahrungssuche (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Das heutige Verbreitungsgebiet der Przewalski-Gazelle beschränkt sich auf kleine isolierte Flächen im Nordosten von Qinghai, einer chinesischen Provinz. Die ursprünglichen Vorkommen erstreckenten sich über die chinesischen Provinzen Gansu, Ningxia, Shanxi sowie über die innere Mongolei. Die Tiere besiedeln im Wesentlichen semiaride, wüstenähnliche Habitate. Lokal werden auch Steppen, offene Täler und reine Wüsten besiedelt. Die letzten Vorkommen leben heute in großen Höhen von 2.900 bis 3.700 m über NN (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Biozönose

Sympatrie und Prädatoren

Interspezifische Interaktionen gibt es auf der tibetische Hochebene zwischen den Przewalski-Gazellen und zahlreichen anderen Huftieren. Die Wechselwirkungen zwischen den Arten sind jedoch begrenzt. Eine sympatrische Beziehung besteht beispielsweise mit dem Kiang (Equus kiang), der Mongolischen Gazelle (Procapra gutturosa) und Hausschafen (Leslie, Groves & Abramov, 2010). Zu den natürlichen Feinden der Przewalski-Gazellen werden der Wolf (Canis lupus) (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Parasiten und Krankheiten

Krankheiten und Parasiten sind bei den Przewalski-Gazellen keine bekannt bzw. nicht erforscht. Die Übertragung von Krankheiten wird wahrscheinlich durch Haus- und Wildarten erfolgen. Nachgewiesen ist beispielsweise die Maul- und Klauenseuche (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Ernährung

Przewalski-Gazellen ernähren sich hauptsächlich von Gräsern und Seggen. Als Futterpflanzen sind insbesondere Agropyron cristatum , Carex stenophylla, Carex scabrirosfris, Koeleria cristafa , Orinus kokonorica, Poa pratensis und Stipa purpursa zu nennen. Darüber hinaus fressen die Tiere auch krautige Vegetation wie Artemisia frigida und Pflanzen der Gattung Astragalus (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Fortpflanzung

Die Weibchen der Przewalski-Gazelle erreichen die Geschlechtsreife im Alter von knapp 2 Jahren. Die Paarungszeit beginnt Ende Dezember oder Anfang Januar. Nach einer Tragezeit von 5,5 bis 6 Monaten bringt ein Weibchen meist im Mai ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten. Während der Paarungszeit kommt es unter dem Männchen oftmals zu heftigen Kämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Hörner dienen den Männchen dabei als Waffe (Leslie, Groves & Abramov, 2010).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Przewalski-Gazelle gehören heute zu den stark gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie EN, Endangered, geführt. Die größte Gefahr geht heute vom Verlust der natürlichen Lebensräume aus (IUCN, 2013).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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