Plumploris

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Plumploris
Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Loris (Loridae)
Gattung: Plumploris
Wissenschaftlicher Name
Nycticebus
E. Geoffroy, 1812

Plumploris (Nycticebus) zählen innerhalb der Ordnung der Primaten (Primates) zur Familie der Loris (Loridae). Im Englischen wird die Gattung Slow lorises genannt. In der Gattung werden je nach Systematik 3 bis 5 rezente Arten geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die robust gebauten Plumploris erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 19 bis 38 Zentimeter sowie ein Gewicht von 265 bis 1.605 Gramm. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich in Größe und Gewicht kein nennenswerter Dimorphismus. Männchen sind lediglich ein wenig schwerer als Weibchen. Der Dimorphismus fällt je nach Art unterschiedlich aus. Beim Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang) sind Männchen und Weibchen gleich schwer. Das dichte Fell ist meist bräunlich bis hellbraun oder gelblichgrau gefärbt. Nicht selten zeigt sich dorsal ein dunkler Aalstrich. Das Fell der Zwergloris (Nycticebus pygmaeus) ist eher rötlichbraun bis dunkelbraun gefärbt. Ventral ist das Fell bei allen Arten etwas heller gefärbt. Der Kopf weist eine rundliche Form auf, die kleinen und rundlich geformten Ohren ragen nur wenig aus dem Fell heraus. Im Stirnbereich zeigt sich bei allen Arten ein mehr oder wenig stark ausgeprägter weißlicher bis cremefarbener Streifen, der sich von der Schnauzenspitze bis zur Stirn erstreckt. Aufgrund der Nachtaktivität sind die Augen sehr groß und sind nach vorne gerichtet. Der Schwanz ist nur rudimentär vorhanden und liegt für gewöhnlich im Fell verborgen. Die Finger und Zehen der Hände und Füße sind gut ausgebildet und an das Umgreifen von Ästen angepasst. Plumploris bewegen sich im Geäst der Bäume quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Die Bewegungen sind dabei äußerst bedächtig. Auf den Boden steigen Plumploris nur selten hinab. Das Gebiss der Plumploris weist 36 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 3/3, 3/3. Die oberen Eckzähne sind relativ lang und gut entwickelt. Die unteren Schneidezähne und die schneidezahnartigen Eckzähne sind leicht vorstehend und kammartig angeordnet (Nowak, 1999; Wiens, 2002, 2003; Nekaris & Bearder, 2007; Geissmann, 2005).

Lebensweise

Soziale Organisation und Verhalten

Abgesehen von der Paarungszeit führen die Geschlechter eine einzelgängerische Lebensweise. Bei gesichteten Kleinstgruppen handelt es sich zumeist um ein Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Soziale Interaktion tritt ebenfalls nur zwischen Weibchen und ihrem Nachwuchs auf. Während der Nahrungssuche kann es jedoch durchaus zur Bildung von kleinen Gruppen kommen, die jedoch nut temporärer Natur sind und sich nach der Nahrungssuche und -aufnahme wieder auflösen. Aufgrund der geringen Territorialität kommt es nur selten zwischen einzelnen Individuen zu agonistischem Verhalten. Lockere Beziehungen sind daher in der Regel freundlicher Natur. Das Verhalten in Gefangenschaft kann anders sein. Hier wurde beispielsweise ein Komfortverhalten (Autogrooming, Allogrooming) nachgewiesen, wobei die gegenseitige Fellpflege im Mittelpunkt steht. In freier Wildbahn wurde ein solches Verhalten nicht beobachtet (Nowak, 1999; Wiens, 2002, 2003; Nekaris & Bearder, 2007).

Kommunikation

Für gewöhnlich sind Plumploris akustisch nicht sehr kommunikativ. Es treten lediglich 2 Gruppen an Lauten auf. Dies sind pfeifende bis keckernde Laute sowie knurrende, grunzende bis laut keckernde Laute. Letztere treten hauptsächlich nur bei agonistischer Verhaltensweise auf. Alarmausrufe sind nicht bekannt. Ein nicht unbeachtlicher Teil der Laute liegt im Ultraschallbereich und ist daher vom Menschen nicht zu hören. Während des Östrus machen Weibchen durch pfeifende Laute auf sich aufmerksam. Deutlich wichtiger als die akustische Kommunikation ist die olfaktorische Kommunikation. Die Reviermarkierung erfolgt über Sekrete, einer öligen Substanz, aus Drüsen an den Ellbogen und dient der intraspezifischen Kommunikation. Man geht davon aus, dass die olfaktorische Kommunikation die wichtigste Art der intraspezifischen Kommunikation darstellt. Neben den Ellbogendrüsen weisen Plumploris auch Drüsen im Bereich der Analregion auf. Auch die Abgabe von Urin könnte der Reviermarkierung und der Kommunikation dienen. Im Nahbereich ist die taktile Kommunikation und die Mimik wichtig. Sie geben anderen Individuen Auskunft über den Gemütszustand und kommen auch bei agonistischem Verhalten zu Tragen (Nowak, 1999; Wiens, 2002, 2003; Nekaris & Bearder, 2007).

Aktivitätsmuster

Plumploris sind streng nachtaktiv und leben hauptsächlich einzelgängerisch. Die täglichen Aktivitäten erstrecken sich vom Sonnenuntergang bis in die frühen Morgenstunden. Plumploris bewegen sich ausgesprochen langsam und bedächtig durch ihren Lebensraum. Es verwundert nicht, dass die Tiere sich durch eine niedrige metabolische Rate auszeichnen. Diese liegt deutlich unter der anderer Säugetiere vergleichbarer Größe. Aufgrund der einzelgängerischen Lebensweise treffen Plumploris meist nur während der Paarungszeit aufeinander, seltener auch während der Nahrungssuche. Für die tägliche Nahrungssuche wird etwa 20% der aktiven Zeit aufgewandt. Die restliche Zeit entfällt im Wesentlichen auf Ruhephasen. Am Tage ruhen die Tiere zusammengekauert in geschützter Stelle in dichter Vegetation. Dies können auch Baumhöhlen oder größere Astlöcher sein (Nowak, 1999; Wiens, 2002; Nekaris & Bearder, 2007).

Revier und Revierverhalten

Die Reviergrößen unterscheiden sich nicht nur je nach Art, sie sind auch je nach Population und Lebensraumqualität höchst unterschiedlich. Die Reviergrößen schwanken dabei zwischen 0,4 und 25 Hektar je Individuum. Zwischen den einzelnen Tieren gibt es erhebliche Überschneidungen an den Reviergrenzen. Daraus kann eine relativ geringe Territorialität geschlossen werden (Nowak, 1999; Wiens, 2002; Nekaris & Bearder, 2007).

Verbreitung

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der Plumploris erstreckt sich über Südostasien. Es erstreckt sich vom östlichen Indien bis nach Indochina und dem südlichen China, südlich über die malaiische Halbinsel bis nach Borneo und Java. Neben den Regionen auf dem Festland werden auch zahlreiche größere Inseln der philippinischen Inselwelt wie Simunul, Bongao, Sanga Sanga und Tawitawi besiedelt. Im Einzelnen sind Plumploris in Indien, Myanmar, Kambodscha, Brunei, Singapur, China, Laos, Thailand, Indonesien, Malaysia, Vietnam, Java, Bangladesch und Philippinen nachgewiesen (Nowak, 1999; Nekaris & Bearder, 2007).

Lebensraum

Plumploris besiedeln je nach Verbreitungsgebiet höchst unterschiedliche Lebensräume. In Abhängigkeit der Art, Unterart und einzelner Populationen werden neben tropischen Regenwäldern auch lichte Wälder, Bambuswälder, subtropische Wälder, Sumpfgebiete, Mangrovensümpfe, Baum- und Strauchsavannen bewohnt. In Höhenlagen werden auch montane Wälder besiedelt. In den natürlichen Lebensräumen liegt die durchschnittliche Temperatur bei 26,7 ° C, der jährliche Niederschlag liegt bei 1.785 mm (Nowak, 1999; Wiens, 2002; Nekaris & Bearder, 2007).

Biozönose

Prädator: der Einfarb-Haubenadler (Spizaetus cirrhatus)
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Prädator: der Einfarb-Haubenadler (Spizaetus cirrhatus)

Sympatrie

Bis auf 2 Arten leben alle Arten bzw. Unterarten nicht in Sympatrie zueinander. Eine Ausnahme bilden hier jedoch der Bengalische Plumplori (Nycticebus bengalensis) und der Zwerglori (Nycticebus pygmaeus). Zu Begegnungen kommt es insbesondere an den Futterplätzen bzw. auf den Futterbäumen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen vor allem Einfarb-Haubenadler (Spizaetus cirrhatus) und der Netzpython (Python reticulatus). Gelegentlich stellen auch Orang-Utans (Pongo pygmaeus) den Tieren nach. Es ist anzunehmen, dass auch Schleichkatzen (Viverridae) und Eulen (Strigiformes) gelegentlich einen Plumplori erbeuten. Wissenschaftlich nachgewiesen ist dies jedoch nicht. Den meisten natürlichen Feinden entgehen Plumploris durch ihre verschwiegene, fast kryptische Lebensweise. Eine andere Methode der Feindvermeidung konnte nicht nachgewiesen werden (Nowak, 1999; Wiens, 2002; 2003b).

Ernährung

Plumploris gelten als Allesfresser. Sie ernähren sich von Pflanzensäften (etwa 35%), Blüten und anderen Pflanzenteilen (etwa 32%), Früchten (etwa 22%) sowie Gliederfüßern (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) und Spinnentiere (Arachnida). Aber auch kleine Wirbeltiere (Vertebrata) und die Eier von Vögeln (Aves) werden keineswegs verschmäht. Die jeweiligen Anteile können artabhängig und saisonal stark schwanken. Wiens (2002) konnte zahlreiche Futterpflanzen im Rahmen einer Studie feststellen. Hierzu gehören nach Wiens (2002) beispielsweise:

Palmengewächse (Arecaceae)
Eugeissona tristes und Ölpalmen (Elaeis guineensis)
Lindengewächse (Tilioideae)
Sternbüsche (Grewia)
Sapotengewächse (Sapotaceae)
Planchonella obovata und Ganua motleyana
Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae)
Stechpalmen (Ilex) sp.
Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
Garcinia sp.
Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Buchanania arborescens, Mangifera griffithii, Buchanania sessifolia, Ocrantomelon dao, Anacardium occidentale und Gluta curtisii
Mahagonigewächse (Meliaceae)
Chisocheton macrophyllus und Reinwardtiodendron humple
Rosengewächse (Rosaceae)
Prunus polystachya
Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Diverse, nicht klassifizierte Arten
Balsambaumgewächse (Burseraceae)
Dacryodes rugosa
Maulbeergewächse (Moraceae)
Feigen (Ficus) und Jackfruchtbaum (Artocarpus heterophyllus)
Ebenholzgewächse (Ebenaceae)
Diospyros kingii
Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Pometia pinnata
Lindengewächse (Tilioideae)
Grewia laevionata
Myrtengewächse (Myrtaceae)
Rhodomyrtus tomentosa

Fortpflanzung

Die Männchen der Plumploris erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 17 Monaten, Weibchen im Alter von 18 bis 24 Monaten (Wiens, 2002). Das Paarungssystem ist bis heute unklar. Es treten vor allem zwischen einzelnen Populationen einer Art zum Teil große Unterschiede auf. Bei den Weibchen zeigen sich während des Östrus deutlich Schwellungen und eine rötliche Färbung im Analogenitalbereich. Beim Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang) sind die Regelschwellungen am geringsten ausgeprägt. Der Östrus erstreckt sich populations- und artabhängig über 29 bis 45 (36) Tage. Während des Östrus konzentrieren sich die Kopulationen im Wesentlichen auf einen Tag. Plumploris gelten als polyöstrische Tiere, es treten demnach mehrere Zyklen pro Jahr auf. Eine saisonale Fortpflanzung konnte nicht nachgewiesen werden. Die Tragezeit erstreckt sich bei allen Arten über einen Zeitraum von 188 bis 192 Tage. Der Intervall zwischen 2 Geburten liegt bei 16 Monaten. Weibchen bringen in der Regel ein Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind dokumentiert, treten jedoch eher selten auf. Der Nachwuchs kommt mit einem feinen Fell zur Welt und auch die Augen sind bei der Geburt bereits geöffnet. Das Jungtier klammert sich in den ersten Lebenswochen instinktiv am Bauch der Mutter fest. Das Geburtsgewicht liegt bei 48,2 Gramm. Im Alter von 6 bis 7 Wochen klettern Jungtiere erstmals umher, bleiben jedoch immer in der Nähe der Mutter. Die erste feste Nahrung und Flüssigkeit nehmen sie im Alter von 9 bis 12 Wochen zu sich. Die Zahlen beruhen auf Beobachtungen in Gefangenschaft, im Freiland kann es zu mehr oder weniger großen Abweichungen kommen. Wann die Jungtiere ihre völlige Unabhängigkeit erreichen ist unbekannt. Die Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei bis zu 25 Jahren. Im Freiland dürfte die Lebenserwartung deutlich darunterliegen (Nowak, 1999; Wiens, 2002, Nekaris & Bearder, 2007).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Alle Arten gelten als gefährdet, Nycticebus javanicus (oder Nycticebus coucang javanicus) gilt sogar als stark gefährdet. In der Roten Liste der IUCN werden die Arten als gefährdet (VU, Vulnerable) oder als stark gefährdet (EN, Endangered) geführt. Zu den Hauptgefahren gehört hauptsächlich die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die Bejagung durch den Menschen. Plumploris sind vor allem anfällig für die Fragmentierung oder Vernichtung ihrer natürlichen Lebensräume. Vor allem in Indien und China wurden in den letzten Jahrzehnten weite Teile der Lebensräume abgeholzt oder brandgerodet. Die Flächen finden Verwendung für den Straßenbau, Tee-Anbau und andere landwirtschaftliche Flächen. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes werden Plumploris bejagt. Die Tiere werden als Haustier gehalten oder Knochen und andere Körperteile finden in der traditionellen asiatischen Medizin Verwendung. Dies ist insbesondere in China, Vietnam und Taiwan der Fall. Lokal stellt man den Tieren auch wegen des Fleisches nach. Lebend gehandelt werden die Tiere vermehrt in Indonedien und in Kambotscha (Nowak, 1999; Nekaris & Bearder, 2007; Nekaris & Nijman, 2007; Medhi, et al., 2004; Nekaris & Jaffe, 2007).

Systematik der Plumploris

Systematik nach Wilson & Reeder, 2005. <2>

Gattung: Plumploris (Nycticebus)

Art: Bengalischer Plumplori (Nycticebus bengalensis)
Art: Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang)
Unterart: Nycticebus coucang coucang
Unterart: Nycticebus coucang javanicus
Unterart: Nycticebus coucang menagensis
Art: Zwerglori (Nycticebus pygmaeus)

Einige Forscher führen die Unterarten des Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang) als eigene Arten. Systematik nach Roos, 2003; Chen, et al., 2006, für N. c. menagensis <3> sowie Nekaris & Jaffe, 2007, für N. c. javanicus. <1>

Gattung: Plumploris (Nycticebus)

Art: Bengalischer Plumplori (Nycticebus bengalensis)
Art: Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang)
Art: Zwerglori (Nycticebus pygmaeus)
Art: Nycticebus javanicus
Art: Nycticebus menagensis

Anhang

Siehe auch

  • Die Ordnung der Primaten (Primates)
  • Die Familie der Loris (Loridae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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