Pityusen-Eidechse

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Pityusen-Eidechse

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Familie: Echte Eidechsen (Lacertidae)
Gattung: Mauereidechsen (Podarcis)
Art: Pityusen-Eidechse
Wissenschaftlicher Name
Podarcis pityusensis
Boscà, 1883

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Pityusen-Eidechse (Podarcis pityusensis) gehört innerhalb der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) zur Gattung der Mauereidechsen (Podarcis). Im Englischen wird diese Echse Ibiza Wall Lizard genannt. Das deutsche Synonym verweist auf das Verbreitungsgebiet, den sogenannten Pityusen. Die Pityusen sind eine Inselgruppe der Balearen, die im wesentlichen aus Ibiza und Formentera sowie zahlreichen kleinen Inselchen bestehen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Pityusen-Eidechse erreicht eine Körperlänge von gut 7 bis 9 Zentimeter. Hinzu kommt der lange Schwanz, der in etwa die 1,5-fache Länge des Körpers erreicht. Daraus ergibt sich eine Gesamtlänge von 18 bis 22 Zentimeter. Der Schwanz weist einen rundlichen Querschnitt auf und ist spitz zulaufend. Die Körperfärbung ist je nach Unterart ausgesprochen variabel. Neben einer graubraunen bis gelblichbraunen Grundfärbung kann der Körper sowohl dorsal als auch lateral eine grünliche bis blaugrüne Färbung aufweisen. Die dorsale Beschuppung ist nur wenig gekielt. Der recht kurze und spitz zulaufende Kopf sowie der Schwanz sind meist graubraun bis gelblichbraun gefärbt. Vom Nacken bis zum Schwanzansatz reichen mehrere dunkle, meist braune Längsreihen. Die Längsreihen laufen auf dem Schwanz aus. Ventral zeigt sich eine hellgraue bis cremefarbene Färbung. Die Extremitäten sind gut ausgeprägt, wobei die hinteren Beine deutlich kräftiger gebaut sind als die Vorderbeine. Die Füße enden jeweils in vier lange Zehen, die mit kleinen Krallen versehen sind.

Verbreitung

Pityusen-Eidechsen sind mit zahlreichen Unterarten (siehe Kapitel Unterarten)auf den Pityusen, einer Inselgruppe der Balearen, endemisch. Die Art kommt neben den beiden Hauptinseln Ibiza und Formentera auf zahlreichen, meist unbewohnten, Inselchen rund um die beiden Hauptinseln vor. Auf dem spanischen Festland wurden die Tiere in einigen Regionen, wie beispielsweise Barcelona, eingeschleppt und gedeihen prächtig. Steinige und trockene Habitate wie Geröllfelder, Busch- und Ödland, Ruinen und Mauern gehören zu den natürlichen Lebensräumen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Pityusen-Eidechse gehören vor allem räuberisch lebende Vögel (Aves). Dazu gehört insbesondere die im westlichen Mittelmeerraum vorkommende Weißkopfmöwe (Larus cachinnans). Die Weißkopfmöwe nistet auf zahlreichen, meist unbewohnten Inseln der Pityusen. Als opportunistische Fleischfresserin stellt die Weißkopfmöwe hier auch den Pityusen-Eidechsen nach. Die Populationen der Weißkopfmöwe hat also einen entscheidenden Einfluss auf die Population der Pityusen-Eidechse. Ein weiteres Problem stellen verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris forma catus) dar. Hauskatzen können die flinken Pityusen-Eidechse mühelos fangen.

Ernährung

Pityusen-Eidechsen ernähren sich als Allesfresser vorwiegend von Insekten (Insecta), deren Larven, Asseln (Isopoda), Spinnentiere (Arachnida) sowie Tausendfüßer (Myriapoda) und Kleingetier ähnlicher Größe. Hier und da werden auch reife Früchte gefressen.

Fortpflanzung

Pityusen-Eidechsen erreichen die Geschlechtsreife mit knapp zwei Jahren. In den südlichen Verbreitungsgebieten kann es ganzjährig zu Paarungen kommen, die Hauptpaarungszeit erstreckt sich jedoch über das späte Frühjahr und den Sommer. Männchen legen während der Paarungszeit ein territoriales Verhalten an den Tag. Es kommt unter den Männchen zu ritualisierten Scheinkämpfen, die oft in Beißereien enden können. Das siegreiche Männchen beansprucht das Paarungsrecht mit einem umworbenen Weibchen. Das Weibchen der Pityusen-Eidechse legt zwei bis sieben, selten auch mehr Eier in eine flache, selbst gegrabene Grube, unter Steinen oder an ähnlich geschützten Stellen. Die Ablagestelle wird hierbei sorgsam ausgewählt, um das Gelege vor Feinden wie Greifvögel und andere Räuber zu schützen. Die Jungeidechsen schlüpfen in der Regel nach etwa 50 Tagen. Die Lebenserwartung liegt wahrscheinlich bei etwa fünf bis sechs Jahren.

Gefährdung und Schutz

In den letzten Jahren haben sich die Populationen stabilisieren können. Dieser Zustand ist jedoch erst in letzter Zeit erreicht worden. Noch im Jahre 1996 galt die Art als durchaus gefährdet. Heute wird die Pityusen-Eidechse in der Roten Liste der IUCN als gering gefährdet geführt (NT, Near Threatened). Neben der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Urbanisierung und Erschließung für den Tourismus, gilt der Wildfang für den Haustierhandel und die zahlreich ausgesetzten verwilderten Hauskatzen zu den Gefährdungsfaktoren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ludwig Trutnau: Europäische Amphibien und Reptilien. Belser ISBN 376301831X

Links

Unterarten

'Persönliche Werkzeuge