Pferde

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Pferde
Damara-Zebra (Equus burchellii antiquorum)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde
Wissenschaftlicher Name
Equidae
Gray, 1821

Pferde (Equidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla).

Neben den Pferde gehören auch die Nashörner (Rhinocerotidae) und die Tapire (Tapiridae) zur Ordnung der Unpaarhufer. In der Familie der Pferde werden in einer monogenerischen Gattung laut Wilson & Reeder (2005) 8 rezente Arten geführt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Allgemeines

Für nur wenige taxonomische Tiergruppen konnte die Evolutionsgeschichte so gut dokumentiert werden wie im Fall der Pferde. Lange vor den modernen Pferden nahm die Entwicklung der Evolution der Pferde ihren Lauf. Am Anfang, vor rund 55 bis 50 Millionen Jahren entwickelten sich die ersten Vorfahren der heutigen Pferde. Im Eozän, einer Epoche innerhalb der Periode des Paläogens, entstand die Gattung Hyracotherium. Die Vertreter der Gattung Hyracotherium sind die ersten pferdeähnlichen Tiere.
Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)
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Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)
Diese Gattung gilt daher als der Beginn der Evolution der Pferde. Die Hyracotheriums erreicht im Schnitt nur eine Standhöhe von 20 Zentimetern und erinnerten nur entfernt an ein Pferd. Auch die heutigen Hufe wiesen diese Tiere noch nicht auf. Ihre Füße endeten in jeweils 4 Zehen. Auch der Rücken unterschied sich mit seiner gewölbten Form deutlich von den rezenten Pferdearten. Vor rund 50 bis 47 Millionen Jahren entstanden aus den Hyracotheriums die ersten Vertreter der Gattung Orohippus, die dann vor 47 Millionen Jahren in die Epihippus ausliefen. Hier begann dann auch die Entwicklung der ersten hufartigen Zehen. Auch die Zähne ähnelten bereits den heutigen Arten. Die Entwicklung der Hufe beruht auf der Tatsache, dass sich das Klima in den Verbreitungsgebieten drastisch änderte. Die Wälder wandelten sich in die ersten Steppen- und Buschlandschaften um, zudem wurde es deutlich trockener. Vor gut 40 Millionen Jahren bildete sich die Gattung Mesohippus. Diese Tiere wiesen auch schon körperliche Parallelen zu den heutigen Arten auf. Die Tiere dieser Gattung hatten bereits eine Schulterhöhe von 55 bis 60 Zentimeter. Rücken, Hals, Beine und der Kopf passten sich den Lebensbedingungen langsam aber sicher an. Mesohippus hatte an den Extremitäten aber immer noch drei Zehen, vorne zusätzlich noch eine vierte Zehe, die aber nur rudimentären Charakter hatte.
Skelett eines Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)
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Skelett eines Urpferdchen (Propalaeotherium parvulum)
Im nächsten Evolutionsschritt entstand die Gattung Miohippus. Diese Tiere waren bereits deutlich größer als ihre Vorfahren. Vor rund 23 bis 22 Millionen Jahren entwickelte sich die Gattung Parahippus. Diese Vertreter dieser Gattung besaßen noch drei Zehen, die vierte Zehe fehlte bereits. Die Zähne waren ebenfalls deutlich länger als bei den Vorfahren. Der nächste Entwicklungsschritt erfolgte vor 18 Millionen Jahren mit Merychippus. Die Tiere wiesen bereits ein Stockmaß von etwa 100 Zentimetern auf. Der Schädel war deutlich lang gestreckt und die Zähne passten sich langsam an die faserhaltige Nahrung an. Doch auch Merychippus besaß noch drei Zehen. Jedoch standen sie bereits auf ihre Zehenspitzen. Nun war es nur noch ein kleiner Schritt zur vollständigen Entwicklung der Hufe. Vor rund 15 Millionen Jahren entwickelte sich die Gattung Pliohippus. Die Arten dieser Gattung hatten am Anfang immer noch drei Zehen, diese bildeten sich jedoch im Laufe der nächsten elf Millionen Jahre zu einer Zehe zurück. Schlussendlich entstand im Pliozän, einer Epoche der Periode des Neogen, vor 4 Millionen Jahren, die heutige Gattung der Pferde, die Gattung Equus. Hier bildeten sich nun die ersten Zebras, das Przewalski-Pferd, Afrikanische und Asiatische Esel sowie das heutige Hauspferd. Alle Arten verfügten bereits vor vier Millionen über die charakteristischen Hufe. Die ersten, die sich von den frühen Pferden abspalteten, waren die Esel. Ihnen folgten nur wenig später die Zebras. Unter den Zebras tauchte das Grevy-Zebra vor dem Berg- und Steppenzebra sowie dem Quagga auf. Die Vorfahren des Hauspferdes entwickelten sich als einzige Art nicht in geografischer Isolation. Alle Arten gediehen während des gesamten Pleistozäns. Gegen Ende der letzten Eiszeit starben die Pferde in Nordamerika, wahrscheinlich aufgrund der Bejagung durch den Menschen oder aufgrund von klimatischen Veränderungen aus. Die ersten europäischen Siedler führten die Pferde in Nordamerika wieder ein.

Entwicklung der Hufe

Der Hauptgrund für die Entwicklung der Hufe war wohl der Klimawandel. Auf steinigen und sandigen Untergründen sind einzehige Füße, respektive Hufe von Vorteil. Ein Huftier entwickelt mit Hufen mehr Halt auf so einem Untergrund. Der Klimawandel setzte im heutigen Nordamerika vor rund sechs bis vier Millionen Jahren ein. Nordamerika gilt aufgrund von fossilen Funden als der Ursprung der heutigen Pferde. Am Anfang der Entwicklung, also bei den damaligen Hyracotheriums vor 55 Millionen Jahren, wiesen die Füße der Urpferde noch vier Zehen auf. Im Laufe von Jahrmillionen reduzierte sich die Anzahl der Zehen zunächst auf drei (siehe Mesohippus) und mit Ende der Entwicklung auf eine Zehe. Diese verbliebende Zehe bildete den Huf. Im Laufe der Zeit verbreiteten sich die ursprünglich nur in Nordamerika vorkommenden Urpferde über weite Teile der Erde. Insbesondere in Afrika, Asien und in Europa verbreiteten sich die Vorfahren der heutigen Pferde rasch aus. Neben den bereits erwähnten ersten Zebras, dem Przewalski-Pferd sowie dem Afrikanischen und Asiatischen Esel entwickelte sich auch das Wildpferd, oder wie es heute genannt wird, Hauspferd.

  • Siehe auch: die weitere Entwicklung zum Hauspferd (Equus caballus)

Beschreibung

Aussehen und Anatomie

Pferde sind mittelgroße bis große Pflanzenfresser. Sie weisen als familienübergreifendes Merkmal lange Hälse und schlanke Gliedmaßen auf. Der mittlere Zeh jeden Fußes trägt das Körpergewicht und ermöglicht ein federloses Abstoßen vom Boden. Das Gebiss weist sowohl obere als auch untere Schneidezähne sowie hochkronige (hypsodonte) und mit gewundenen Schmelzleisten versehene Backenzähne auf.
Asiatischer Esel (Equus hemionus)
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Asiatischer Esel (Equus hemionus)
Letztere sind optimal zum Zermahlen von Nahrung geeignet. Das Gebiss besteht aus bis zu 40 bis 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3-4/3, m3/3. Neben dem federnden Gang, der beträchtlichen Körpergröße und den kräftigen Mahlzähnen hat auch der spezielle Mechanismus der Beingelenke zum Erfolg der Familie beigetragen. Durch diesen speziellen Mechanismus in den Beingelenken können Pferde ohne den Einsatz von Muskeln im Stehen ruhen. Die Körpergröße senkt den gewichtsspezifischen Bedarf an Nährstoffen und ermöglicht den Tieren eine unspezialisierte Ernährungsweise bei einem geringen Energiebedarf, der durch Bewegung entsteht. Die Ohrmuscheln sind bei allen Arten mittellang und von stehender Form. Sie sind hochbeweglich und in beiden Richtungen drehbar. Die Ohren dienen zum einem um optische Signale an Artgenossen zu geben und selbstverständlich akustische Signale aufzunehmen. Vom Nacken bis zum Halsansatz zeigt sich bei Pferden eine mehr oder weniger lange Mähne. Bei einigen Arten ist sie von stehender Form, bei anderen Arten wie beispielsweise dem Hauspferd hängt sie seitlich herab. Der Schweif ist üblicherweise sehr lang und bei einigen Arten mit dichten Haaren versehen. Bei Zebras zeigen sich nur im Bereich der Schweifspitze lange Haare. Die Größe der Pferde variiert je nach Art zum Teil stark. Pferde erreichen eine Körperlänge von 200 bis 300 Zentimeter, eine Schweiflänge von 30 bis 111 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 100 - 160 Zentimeter sowie ein Gewicht von 200 bis 450 Kilogramm. Hengste werden durchschnittlich 10 Prozent größer und schwerer als Stuten. Die Fellfärbung reicht von einer markanten schwarzweißen Streifung bei Zebras bis hin zu einer einfarbigen Zeichnung, die von verschiedenen Brauntönen, über Graubraun bis hin zu Schwarz reichen kann. Die Bauchseite ist meist deutlich heller gefärbt. Die genaue Funktion der schwarzweißen Streifen der Zebras ist bis heute nicht abschließend erfoscht. Diverse Theorien versuchen dies zu erklären. Einige Forscher glauben, dass die Streifung der Tarnung dient. Eine Tarnung setzt jedoch voraus, dass sich die Tiere vor Fleischfressern verbergen. Dies ist im Verhalten der Zebras nicht der Fall. Sie bevorzugen offene Flächen und meiden die Deckung strikt. Immer wieder ist zu lesen, Fleischfresser würden durch das Streifenmuster einer Zebraherde verwirrt. Diese Aussage hält einer kritischen Betrachtung jedoch auch nicht stand. Andere Theorien gehen davon aus, dass Zebras durch die Streifung gefährliche Insekten abschrecken. Dies trifft auch nicht zu, da im Lebensraum der Zebras kaum gefährliche Insekten leben.
Hauspferd (Equus caballus)
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Hauspferd (Equus caballus)
In den letzten Jahren hat sich eine neue Theorie durchgesetzt. Aufgrund von Untersuchungen des Sehvermögens und der Gehirnphysiologie nimmt man an, dass die Streifung eher eine soziale Funktion hat und den Zusammenhalt einer Herde stärkt. Die Tiere scheinen durch die visuelle Stimulierung des Musters zu suchen. Weiter geht man davon aus, dass das Muster das gegenseitige Putzverhalten auslöst. Forscher gehen heute davon aus, dass bereits die Vorfahren der Zebras gestreift waren und durch Selektionsdruck sich die Streifung entwickelte. Bei Arten, die eher in kleinen Herden oder einzelgängerisch lebten, sowie bei Arten mit einem Winterfell war die Streifung eher hinderlich oder gar überflüssig.

Kommunikation

Die Bewegung der Ohren, der Schnauze und des Schweifes geben Aufschluss über die Stimmung. Besonders im Nahbereich ist die visuelle Kommunikation ausgesprochen wichtig. Aber auch der olfaktorische Sinn (Geruchssinn) spielt eine große Rolle: über den Geruchssinn halten sich Pferde über Ortsveränderungen von Artgenossen auf dem Laufenden. Einzelne Individuen werden über den Geruch ihres Urins und Kots erkannt. Auch die Paarungsbereitschaft wird über den Geruchssinn ermittelt. Hengste prüfen die Paarungsbereitschaft der Weibchen durch Umstülpen der innen mit zahlreichen Geruchsrezeptoren besetzten Oberlippe, dem sogenannten Flehmen. Abgesehen von den bereits angesprochenen Kommunikationsarten erfolgt die soziale Kommunikation innerhalb einer Herde durch verschiedenste Laute. Die bekanntesten Laute sind zweifelsohne das Wiehern. Es kommen aber auch quiekende Laute häufig vor. Die quiekenden Schreie dominanter und untergeordneter Hengste unterscheiden sich darin, dass diese Töne bei dominanten Hengsten um rund 50 Prozent länger erklingen und nicht mit pfiffartigen Tönen enden. Die Länge der Schreie ist damit auch ein Indiz für die Lungenkapazität und somit auch für Kraft.

Maße und Gewicht

Die angegebenen Werte beruhen auf Angaben von Novak, 1999. Beim Hauspferd können abweichend von den angebenen Werten bei bestimmten Rassen deutlich höhere Maße und Gewichte auftreten.

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Körperlänge Schulterhöhe Schwanzlänge Gewicht
Afrikanischer Esel Equus asinus 200 cm 125 cm 45 cm etwa 250 kg
Asiatischer Esel Equus hemionus 200 - 250 cm 100 - 142 cm 30 - 49 cm 200 - 260 kg
Kiang Equus kiang bis 250 cm bis 142 cm bis 49 cm 250 - 400 kg
Hauspferd Equus caballus 220 - 280 cm 120 - 146 cm 92 - 111 cm 200 - 300 kg
Grevyzebra Equus grevyi 250 - 300 cm 140 - 160 cm 38 - 60 cm 352 - 450 kg
Bergzebra Equus zebra 210 - 260 cm 116 - 150 cm 45 - 59 cm 240 - 372 kg
Steppenzebra Equus quagga 217 - 246 cm 110 - 145 cm 47 - 56 cm 175 - 385 kg

Lebensweise

Pferde leben in geselligen, wobei 2 unterschiedliche Sozialstrukturen auftreten. Die erste Sozialstruktur sind Haremsgruppen, die aus einem Hengst, mehreren Stuten sowie deren Fohlen bestehen. Die Streifreviere mehrerer Haremsgruppen überlappen sich. Auf den Wanderungen schließen sich in der Regel mehrere Gruppen zu größeren Herde zusammen. In der zweiten Sozialstruktur bilden Weibchen und ihr Nachwuchs kleinere Herden, die Männchen leben meist einzelgängerisch und stoßen nur während der Paarungszeit zu den Weibchengruppen. Neben den einzelgängerisch lebenden Männchen treten auch Junggesellenherden in Erscheinung. Die Gruppengröße ist höchst variabel. Sie liegt beispielsweise bei den Afrikanischen Eseln bei bis zu 49 Individuen. Ähnliche Gruppenstärken zeigen sich bei den Asiatischen Eseln. Kiangs (Equus kiang) leben in zum Teil sehr großen Herden. Die Gruppenstärke liegt zwischen 5 und 400 Individuen. Grevyzebras (Equus grevyi) leben in Herden mit 20 bis 50 Tieren. Die Streifreviere weisen je nach Gruppengröße und Lebensraumqualität eine Größe von 2 bis 20 km² auf. Die Reviere der Steppenzebras (Equus quagga) können sich über ein Gebiet von bis zu 566 km² erstrecken. Sozialsysteme mit temporärer Gruppenbildung und einzelgängerisch lebenden Hengsten treten vor allem in ariden und nahrungsarmen Regionen auf. In der Regel liegen die Futterplätze und Wasserquellen weit auseinander.

Pferde sind durchaus schnelle und ausdauernde Läufer. Afrikanische Esel (Equus asinus) können selbst über größere Strecken Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen. Asiatische Esel (Equus hemionus) erreichen kurzfristig sogar Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h, über längere Strecken jedoch auch nur bis zu 50 km/h.

Verbreitung

Pferde kommen im östlichen und im südöstlichen Afrika sowie vom Nahen Osten bis in die innere Mongolei vor. Afrikanische Esel leben im Osten Afrikas und bewohnen meist felsige Wüsten und Halbwüsten. Einen ähnlichen Lebensraum besiedeln die Asiatischen Esel, die vom Nahen Osten bis nach Nepal anzutreffen sind. Sie kommen sowohl in der Ebene als auch im Hochland vor. Das Przewalski-Pferd kommt in der Mongolei nahe des Altai vor und besiedelt karge Steppen und Halbwüsten in der Region. Das Hauspferd kommt heute weltweit mit Ausnahme der Antarktis vor. In einigen gemäßigten Regionen kommen verwilderte Herden vor und besiedeln meist Grasland oder auch karge Steppen. Zebras leben ausschließlich in Afrika. Das Steppenzebra tritt in Ostafrika in Erscheinung, das Bergzebra lebt im Südwesten Afrikas in kargen Hochländern. Das Grevyzebra kommt im östlichen Afrika vor, insbesondere in Äthiopien, Somalia und dem nördlichen Kenia. Alle Zebraarten besiedeln das weite Grasland bis hin zu Steppen und Halbwüsten.

Biozönose

Prädator: der Löwe (Panthera leo)
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Prädator: der Löwe (Panthera leo)

Prädatoren

Pferde, insbesondere die afrikanischen Arten wie Esel und Zebras, stehen auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Dazu gehören insbesondere Katzen (Felidae) wie der Löwe (Panthera leo), der Leopard (Panthera pardus), der Gepard (Acinonyx jubatus) sowie Hyänen (Hyaenidae) wie die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta). Aber auch Hunde (Canidae) wie der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus) stellen den Zebras regelmäßig im Rudel nach. Die Jagd auf Zebras erfolgt üblicherweise im Rudel. Nur der Gepard jagt einzelgängerisch und hat es daher nur auf Jungtiere abgesehen. Ein ausgewachsenes Zebra ist für einen Geparden eine Nummer zu groß. Im asiatischen Raum gehören Wölfe (Canis lupus) zu den natürlichen Fleischfressern, in Nordamerika auch der Puma (Puma concolor).

Parasitismus

Pferde sind Träger zahlreicher Bakterien. Bei Zebras wurde unter anderem der Erreger des Milzbrandes, Bacillus anthracis, nachgewiesen. Als nachgewiesen gelten auch verschiedene geißeltragende Protozoen wie Trypanosomen (Trypanosoma) und parasitierende Protozoen, insbesondere den Babesien (Babesia), die von Schildzecken (Ixodidae) übertragen werden sowie Toxoplasma gondii, einem bogenförmigen Protozoon mit ebenfalls parasitischer Lebensweise. Zu den weiteren Endoparasiten gehören verschiedene Saugwürmer (Trematoda), insbesondere Pärchenegel (Schistosoma) sowie zahlreiche Bandwürmer (Cestoda) und Fadenwürmer (Nematoda). Zu den Ekroparasiten, die zum Teil Krankheiten übertragen gehören vor allem Tsetsefliegen (Glossina), verschiedene Tierläuse (Phthiraptera) und Zecken (Ixodida).

Konkurrenz

Pferde, insbesondere die Zebraarten leben in ihrem Lebensraum mit zahlreichen Wiederkäuern (Ruminantia) zusammen. Die Beziehung der Zebras zu den wiederkäuenden Weidetieren ähnlicher Größe kann die Form der friedlichen Koexistenz, der Konkurrenz oder der leichteren Nahrungssuche annehmen. Interaktionen treten beispielsweise zwischen dem Steppenzebra und Gnus (Connochaetes) sowie Thomsongazellen (Gazella thomsonii) und anderen Hornträgern (Bovidae) auf. In aller Regel, vor allem während der Wachstumsphase (Regenzeit) des Grases, kommt es aufgrund der unterschiedlichen Bisshöhe und Maulgröße kaum zur Nahrungskonkurrenz. Während der Trockenzeit kommt es unter den Zebras zu weiten Wanderungen zu neuen Nahrungsgründen. Auch hierbei kommt es meist nicht zur Nahrungskonkurrenz.

Ernährung

Damara-Zebra (Equus burchellii antiquorum) beim Grasen
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Damara-Zebra (Equus burchellii antiquorum) beim Grasen

Alle Pferdearten ernähren sich von ausgesprochen faserreicher Nahrung. Neben zahlreichen Süßgräsern (Poaceae) und Seggen (Carex) werden auch Rinde, Blätter, junge Triebe und Knospen, zuweilen auch Früchte und Wurzeln gefressen. Die faserhaltige Nahrung wird im Verdauungstrakt von Mikroorganismen aufgespalten. Die Verdauung erfolgt dabei hauptsächlich im Blinddarm, dem Caecum. Die Nahrungsbestandteile gären, nachdem sie den Magen passiert haben. Die Nahrungsmenge ist dabei nicht so begrenzt wie bei den Wiederkäuern (Ruminantia). Pferde können daher große Menge an minderwertige Nahrung zu sich nehmen und finden auch in kargen Lebensräumen ihr Auskommen. Ist Nahrung reichlich vorhanden, so widmen sich Pferde rund 60 Prozent ihrer aktiven Zeit der Nahrungsaufnahme, während der Trockenzeit bis zu 80 Prozent. Wichtig für alle Pferdearten ist das Vorhandensein einer Wasserquelle, da sie täglich auf Trinkwasser angewiesen sind. Trächtige oder säugende Stuten müssen sogar mehrmals am Tage Trinkwasser zu sich nehmen. Hauspferde in menschlicher Obhut fressen neben Hafer, Gerste, Weizen, Weizenkleie, Heu und Stroh auch Grünfutter. Grünfutter in Form von Gräsern, Kräutern und Klee wird in der Regel nur in Maßen verfüttert, da sonst die Gefahr von Koliken auftreten kann.

Fortpflanzung

Stuten erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 3 Jahren. Der erste Nachwuchs kommt meist zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr zur Welt. Hengste brauchen etwa 1 bis 2 Jahre länger als Stuten. Zu ihrer ersten Paarungskommen Hengste jedoch erst sehr viel später, wenn sie in der Lage sind, den Leithengst einer Gruppe zu vertreiben.
Böhm-Zebra (Equus burchellii boehmi) mit Nachwuchs
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Böhm-Zebra (Equus burchellii boehmi) mit Nachwuchs
Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen über das ganze Jahr. Jedoch fallen die meisten Geburten in die Regenzeit. Zu dieser Zeit ist die Nahrung reichlich vorhanden und die Jungen haben die größten Überlebenschancen. Pferde sowie Bergzebra und Steppenzebra leben in einer polygamen Beziehung. Der Hengst einer Haremsgruppe bzw. Herde paart sich mit mehreren Weibchen, nur er ist paarungsberechtigt. Eine Herde weist in der Regel bis zu fünf Weibchen auf. Hengste ohne eigene Herde leben in der Regen in sogenannten Junggesellenherden. Bei den Eselarten und den Grevyzebra zeigt sich eine andere Sozialstruktur. Bei diesen Arten bleiben adulte Tiere länger als ein paar Monate zusammen. Hengste ohne eigene Gruppe leben üblicherweise einzelgängerisch. Anders als bei den meisten Säugetiergruppen bestehen die Herden in der Regel aus nicht miteinander verwandten Tieren, da sowohl geschlechtsreife Männchen als auch Weibchen die Gruppe verlassen und sich anderen Herde anschließen.

Die Tragezeit erstreckt sich durchschnittlich 330 bis 345. Die längste Tragezeit mit mehr als einem Jahr weisen die Grevyzebras auf. Nach dieser langen Tragezeit bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle ein Jungtier zur Welt. Es wiegt bei der Geburt rund 20 bis Kilogramm und weist eine Körperlänge von etwa 100 bis 120 Zentimeter auf. Bereits nach 7 bis 10 Tagen nach der Geburt sind Weibchen wieder empfänglich. Die Jungtiere werden im Alter von 8 bis 13 Monaten von der Muttermilch abgesetzt. Danach ernähren sie sich im Schutze der Herde selbständig. Die Hengste kümmern sich nicht um die Aufzucht des Nachwuchses, jedoch wachen sie über die gesamte Gruppe. Die Lebenserwartung der Zebras liegt in Freiheit bei bis zu 20 Jahren. In Gefangenschaft können sie durchaus ein Alter von fast 30 Jahren erreichen. Ein ähnlich hohes Alter erreichen auch die Eselarten.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Bis auf den Kiang gelten alle anderen Arten heute als gefährdet oder stark gefährdet. Als gefährdet (VU, Vulnerable) gelten die Asiatischen Esel (Equus hemionus). Das Bergzebra (Equus zebra) und das Grevyzebra (Equus grevyi) gelten als stark gefährdet (EN, Endangered). Der Afrikanische Esel (Equus asinus) steht kurz vor der Ausrottung und wird in der Roten Liste der IUCN als kritisch gefährdet (CR, Critically endangered) geführt. In Freiheit gilt das Quagga (Equus quagga quagga) bereits als ausgestorben. Bis vor kurzem galten auch die Przewalski-Pferde (Equus caballus przewalskii) in Freiheit als ausgestorben. In den vergangenen Jahrzehnten wurden aus Zuchtbeständen nach und nach Exemplare ausgewildert. Dennoch ist die Unterart auch heute noch vom Aussterben bedroht.

Die Hauptbedrohung, wie sollte es anders sein, geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Die letzten Rückzugspunkte größerer Herden sind meist nur noch in den größeren Nationalparks zu finden. Aber selbst in den geschützten Regionen sind die Populationen rückläufig. Neben der Vernichtung der Lebensräume spielt bei einigen Arten auch die Bejagung eine große Rolle. So werden beispielsweise auf dem illegalen Markt hohe Preise für Fell von Grevyzebras bezahlt. Die einheimische Bevölkerung sieht in den Zebras Nahrungskonkurrenten für ihr Vieh und Schädlinge auf den landwirtschaftlichen Flächen. An der zum Teil weit reichenden Überweidung sind jedoch nicht Zebras zur Verantwortung zu ziehen, sondern das Vieh der einheimischen Bevölkerung. Den Zebras wird so der Zugang zu Weideflächen und Wasserquellen versagt. Auf den weiten Wanderungen nach Ausweichflächen kommen viele Tiere ums Leben.

Systematik der Pferde

Somaliwildesel (Equus asinus somalicus)
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Somaliwildesel (Equus asinus somalicus)
Grevyzebra (Equus grevyi)
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Grevyzebra (Equus grevyi)
Przewalski-Pferd (Equus caballus przewalskii)
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Przewalski-Pferd (Equus caballus przewalskii)

Systematik nach Wilson & Reeder, 2005. Familie: Pferde (Equidae)

Gattung: Equus
Art: Afrikanischer Esel (Equus asinus)
Unterart: Hausesel (Equus asinus asinus)
Art: Steppenzebra (Equus quagga)
Unterart: Burchell-Zebra (Equus quagga burchelli)
Unterart: Damara-Zebra (Equus quagga antiquorum)
Unterart: † Quagga (Equus quagga quagga)
Unterart: Böhm-Zebra (Equus quagga boehmi)
Unterart: Mähnenloses Zebra (Equus quagga borensis)
Unterart: Chapman-Zebra (Equus quagga chapmani)
Unterart: Crawshay-Zebra (Equus quagga crawshayi)
Art: Grevyzebra (Equus grevyi)
Art: Asiatischer Esel (Equus hemionus)
Unterart: Equus hemionus blanfordi
Unterart: Equus hemionus hemippus
Unterart: Khur (Equus hemionus khur)
Unterart: Kulan (Equus hemionus kulan)
Unterart: Equus hemionus luteus
Unterart: Onager (Equus hemionus onager)
Art: Kiang (Equus kiang)
Art: Hauspferd (Equus caballus)
Unterart: Przewalski-Pferd (Equus caballus przewalskii)
Art: Bergzebra (Equus zebra)

Verwandschaftsverhältnis zwischen den Arten der Pferde:

Equus
  │
  ├── Hauspferd/Wildpferd (Equus caballus, Equus ferrus)
  │
  └──N.N.
        ├──Afrikanische Esel (Equus asinus)
        ├──Asiatische Esel (Equus hemionus)
        ├──Kiang (Equus kiang)
        │
        └──N.N.
              ├──Grevyzebra (Equus grevyi)
              │
              └──N.N.
                   ├──Bergzebra (Equus zebra)
                   └──Steppenzebra (Equus quagga)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

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