Pan troglodytes verus

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Echtschimpanse

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Hominidae)
Gattung: Schimpansen (Pan)
Art: Gemeiner Schimpanse (Pan troglodytes)
Unterart: Echtschimpanse
Wissenschaftlicher Name
Pan troglodytes verus
Schwarz, 1934

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Echtschimpanse (Pan troglodytes verus), auch Westlicher Schimpanse genannt, zählt innerhalb der Familie der Menschenaffen (Hominidae) zur Gattung der Schimpansen (Pan). Im Englischen wird dieser Schimpanse West African Chimpanzee genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Echtschimpanse erreicht eine Körperlänge von 63 bis 92 Zentimeter. Aufrechtstehend erreichen sie eine Größe von 90 bis 160 Zentimeter. Das Gewicht schwankt je nach Geschlecht zwischen 30 und 70 Kilogramm. Männchen werden deutlich größer und schwerer als Weibchen. Die Fellfärbung variiert stark nach Verbreitungsgebiet und Alter und reicht von schwarz bis dunkelbraun. Auffallend sind die langen Arme, die bis zu den Knien reichen. Mit ihnen ist der Echtschimpanse ein ausgezeichneter Kletterer. Die Hände und die Finger sind ausgesprochen lang, der Daumen ist hingegen verkümmert und wird zum Klettern nicht gebraucht. Die Füße sind deutlich kürzer als die Hände.

Das Gesicht ist im wesentlichen unbehaart. Die Hautfarbe variiert dabei je nach Alter zwischen fleischfarben und schwarz. Die Hautfarbe dunkelt mit zunehmendem Alter deutlich ab. Bei älteren Männchen zeigt sich ein weißlicher Bart. Die Augenwülste treten weit hervor. Die Augen liegen tief in den Augenhöhlen. Das Gesicht ist von helleren Haaren umgeben, die mit zunehmendem Alter fast weiß wirken. Die kleinen und gerundeten Ohren sitzen an den Kopfseiten und stehen leicht ab. Die wulstigen Lippen stehen deutlich hervor und sind sehr beweglich. Die mächtigen Eckzähne sind insbesondere beim Männchen stärker ausgebildet. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 2/2, 3/3. <2>

Lebensweise

Echtschimpansen sind tagaktive Primaten. Sie leben sowohl auf den Bäumen als auch auf dem Erdboden. Aufgrund ihrer kräftigen und langen Arme können sie sich in den Bäumen sehr gut bewegen. Auch die Nacht verbringen sie im Geäst der Bäume. Dazu bauen sie täglich ein neues Schlafnest aus Zweigen und Laub, meist in Astgabeln oder an ähnlichen Plätzen. Jungtiere bleiben dabei im Nest der Mutter, selbständige Jungtiere bauen hingegen ihr eigenes Nest. Auf dem Boden gehen sie meist auf allen Vieren und bewegen sich im Knöchelgang fort. Eher selten sieht man sie auch auf zwei Beinen gehen. Physikalisch sind sie dazu recht gut in der Lage.

Schimpansen sind sehr gesellig und leben in größeren Gruppen von 20 bis 80 Tieren. Während des Tages teilt sich die Hauptgruppe insbesondere bei der Nahrungssuche in kleinere Untergruppen, wobei der Aufbau der Gruppen hinsichtlich Größe und Zusammensetzung flexibel ist. Meist wird eine Untergruppe von einem starken und älteren Männchen geführt. Die Untergruppen bewegen sich sowohl im Geäst der Baume als auch auf dem Boden. Anders als bei den Verwandten, den Zwergschimpansen, bilden bei den Gemeinen Schimpansen eher die Männchen Allianzen bzw. Koalitionen. Innerhalb der Allianzen herrscht eine strikte Rangfolge. Weibchen pflegen ein eher neutrales Verhältnis zu den Artgenossinnen.

Echtschimpanse
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Echtschimpanse

Das Sozialverhalten ist ein weites Feld. Insbesondere die Fellpflege, die sich meist im Säubern der Haut und des Fells von Schmutz und Parasiten manifestiert, dient der Festigung der sozialen Bindung untereinander. Dabei kommt es nicht nur zu geschlechtsübergreifenden Kontakten, sondern auch zu gleichgeschlechtlichen Interaktionen. Sexuelle Handlungen spielen im Gegensatz zu den Bonobos nicht eine so große Rolle. Auch Aggressivität ist den Gemeinen Schimpansen nicht fremd. Hier kommt es insbesondere zwischen verschiedenen Gruppen zu regelrechten Kriegen, bei denen auch Äste und Stöcke als Waffe eingesetzt werden. Bringen Einschüchterungen, Drohgebärden und Geschrei bei einer Auseinandersetzung nichts, kommt es meist zu teils brutalen Handgreiflichkeiten. Dabei kommt es oft zu schweren Verletzungen bei den rivalisierenden Männchen, nicht selten auch zu Todesfällen.

Gemeine Schimpansen bewohnen kein festes Revier sondern ein sogenanntes Streifrevier. Die Streifreviere von verschiedenen Gruppen können sich dabei überschneiden. Meist patroullieren erwachsene Männchen an den Aussengrenzen ihrer Reviere. Auf ihren täglichen Wanderungen legen Schimpansen meist Entfernung von drei bis sechs Kilometer zurück. Weibchen bewältigen in der Regel nur kürzere Strecken am Tag und halten sich meist im Kernbereich ihres Streifrevieres auf. Die Größe des Streifreviers richtet sich stark nach der Lebensqualität, dem Nahrungsangebot und die Größe einer Gruppe. In den bewaldeten Verbreitungsgebieten erstrecken sich die Reviere meist über zehn bis fünfzig Quadratkilometer.

Werkzeuggebrauch

Nur wenige Tiere in der Fauna nutzen Werkzeuge zur Kommunikation, zu sozialen Interaktionen und zum Nahrungserwerb. Der Gemeine Schimpanse gehört zu diesen wenigen Arten, die ein ganzes Repertoire an Werkzeugen einsetzen. Sie nutzen beispielsweise kleine Ästchen, um aus Termiten- oder Ameisenbauten Insekten zu angeln. Mit größeren Stöcken schlagen sie Früchte und Nüsse von den Bäumen. Sie nutzen Steine, um die Nüsse aufzuschlagen. Dabei horten sie gute Steine und verstecken sie bis zum nächsten Gebrauch. Größere Stöcke oder Knüppel werden auch bei Auseinandersetzungen mit Artgenossen oder Prädatoren eingesetzt. Nach dem Geschlechtsverkehr wurde schon oft beobachtet, daß sie sich mit Blättern säubern. Das gilt für Männchen und Weibchen gleicherseits.

Ein weiter interessanter Aspekt ist das Nutzen von Kräutern und Pflanzen, die offensichtlich zur Heilung von Krankheiten und zur Behandlung von Wunden eingesetzt werden. Forscher haben dreizehn Pflanzenarten identifiziert, die von den Schimpansen genutzt werden. Diese Pflanzen werden übrigens auch von den Eingeborenen für die Heilung genutzt. Die Menschen setzen diese Pflanzen zum Beispiel bei Kopfschmerzen, Magenerkrankungen und Infektionen ein. Ähnliche Krankheiten dürften auch bei den Schimpansen zum Tragen kommen.

Echtschimpanse
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Echtschimpanse

Kommunikation

Die Gemeinen Schimpansen setzen eine Vielzahl von Gesten, Mimiken, Lauten und Gerüchen zur Kommunikation untereinander ein. Männliches Imponiergehabe drückt sich meist in lautem Geschrei und Rütteln von Ästen aus. Die eingesetzte Mimik unterstützt dabei ihr Ansinnen. Vor allem die Tastkommunikation dient der sozialen Bindung. Dabei werden Aggressionen abgebaut und beschwichtigt. Auch sanfte Berührungen und Umarmungen und Küsse werden ausgetauscht.

Bei Auseinandersetzungen setzen Schimpansen im Allgemeinen auf wilde Gestik, Mimik und lautstarkes Geschrei. Hilft dieses nicht so treten Schlagen, Treten und Beissen in den Vordergrund. Auch das Spielen hilft solziale Kontakte zu festigen. Und das nicht nur unter den Jugendlichen, auch erwachsene Tiere spielen miteinander. Insgesamt ist die Kommunikation untereinander vielschichtig und kompliziert. Aber ein direkter Sprachgebrauch ist dennoch nicht zu erkennen. Sie scheinen mit ihrer, nennen wir es Sprache, nicht direkt ihren Willen manifestieren zu können. Diese kognitiven Fähigkeiten scheinen den Gemeinen Schimpansen am Ende doch zu fehlen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Echtschimpansen gehören der Leopard (Panthera pardus) und der Königspython (Python regius). Größere Greifvögel (Falconiformes) erbeuten gelegentlich ein Jungtier. Dies ist jedoch eher selten der Fall, da Jungtiere von der Gruppe geschützt werden. <4>

Verbreitungsgebiet

Der Echtschimpanse war früher in sämtlichen Waldgebieten des westlichen Afrikas zwischen Senegal und Ghana anzufinden. Heute kommen die Tiere nur noch in kleinen Gruppen in Burkina Faso, in der Elfenbeinküste, Guinea, Liberia, Sierra Leone, Mali, Ghana, Guinea-Bissau und Senegal vor. In Togo und Gambia wurde der Echtschimpanse bereits vom Menschen ausgerottet. Gleiches gilt wahrscheinlich für die Populationen in Benin. <1> Die einzelnen Familienverbände leben in Westafrika weit verstreut. Die Art ist stark gefährdet (endangered), mehr zu diesem Thema im Kapitel Gefährdung und Schutz. Bewohnt werden vor allem lichte Galeriewälder und savannenartige Habitate mit entsprechendem Pflanzenwuchs.

Ernährung

Der Echtschimpanse ist ein ausgesprochener Allesfresser. Neben pflanzlichen Stoffen wie Früchte, Blätter, Knospen, junge Triebe und Nüssen werden auch Insekten (Insecta), Eier und sogar kleinere und größere Wirbeltiere wie andere Primaten (Primates) gefressen. Die Jagd auf andere Tiere ist immer ein Gemeinschaftswerk einer Gruppe oder Teilgruppe. Die Beute wird nachher gerecht geteilt. Es bekommen auch Mitglieder einer Gruppe etwas ab, die nicht an der Jagd beteiligt waren. Auf Nahrungssuche gehen Echtschimpansen meist in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag. Eher selten wurde auch das Phänomen des Kannibalismus unter den Echtschimpansen beobachtet. Kommt es unter rivalisierenden Gruppen zu Kämpfen, so kann es durchaus vorkommen das unterlegene Tiere, insbesondere Jungtiere verspeist werden. Innerhalb der eigenen Gruppe wurden auch schon kannibalistische Tendenzen festgestellt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird in Abhängigkeit des Geschlechtes mit zehn bis fünfzehn Jahren erreicht. Männchen brauchen deutlich mehr Zeit als Weibchen, um die Geschlechtsreife zu erreichen. Die Pubertät bei beiden Geschlechtern beginnt mit dem achten Lebensjahr. Eine Paarung kann das ganze Jahr über erfolgen. Der Zyklus der Weibchen beträgt 36 Tage, danach sind sie für sechs Tage empfängnisbereit und weisen deutliche Regelschwellungen auf. Die Initiative beim eigentlichen Paarungsakt geht meist vom Männchen aus und geht einher mit Imponiergehabe und Prahlerei. Die Paarung findet ausschließlich am Boden statt, keineswegs in den Bäumen. Nach einer Paarung wurde oft beobachtet, daß sich die Geschlechter mit Blättern säubern.

Die Tragezeit erstreckt sich durchschnittlich über 230 bis 240 Tage. Das Weibchen bringt an einer geschützten Stellen meist ein, selten zwei Jungtiere zur Welt. Das Geburtsgewicht der Jungaffen beträgt rund 1.500 bis 1.900 Gramm. Die Jungtiere klammern sich instinktiv in den ersten Lebensmonaten am Bauch der Mutter fest. Im späteren Verlauf ihrer Jugend reiten sie meist auf dem Rücken. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt meist zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr. Mit sechs Jahren sind die Jungtiere weitestgehend selbständig. Mit Beginn des achten Lebensjahres treten sie in die Pubertät ein. Die Jungtiere bleiben meist aber bis zum zehnten Lebensjahr eng mit der Mutter verbunden. Während dieser Zeit erlernen sie alle nötigen Fähigkeiten, insbesondere auch den Gebrauch von Werkzeugen.

Auch zwischen den Geschwistern herrschen starke soziale Bande vor. Stirbt zum Beispiel das Muttertier, so kümmern sich die älteren Geschwister oder die weiblichen Verwandten der Mutter um den noch unselbständigen Nachwuchs. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen die weiblichen Tiere die Gruppe, in der sie geboren wurden. Männchen verbleiben in der Geburtsgruppe. Ein Echtschimpanse kann in freier Wildbahn ein Alter von 40 bis 60 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Die starke Bejagung und die Vernichtung der natürlichen Lebensräume hat die Echtschimpansen an den Rand der Ausrottung gebracht. Die freilebenden Bestände wurden vor allem in den letzten 20 bis 30 Jahren dezimiert. Nicht selten werden Muttertiere erschossen, um an den Nachwuchs zu kommen, der dann als Haustier endet und sein Leben unter erbärmlichen Bedingungen in Gefangenschaft fristet. Bejagt werden die Tiere wegen ihres Fleisches, das als Bushmeat in der Regel auf lokalen Fleischmärkten landet. In der Roten Liste der IUCN wird der Echtschimpanse als stark gefährdet geführt. <3>

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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