Goliathus orientalis

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Orientalischer Goliathkäfer
Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Teilordnung: Scarabeiformia
Überfamilie: Scarabaeoidea
Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeidae)
Unterfamilie: Rosenkäfer (Cetoniinae)
Gattung: Goliathkäfer (Goliathus)
Art: Orientalischer Goliathkäfer
Wissenschaftlicher Name
Goliathus orientalis
Moser, 1909

Der Orientalische Goliathkäfer (Goliathus orientalis) gehört innerhalb der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) zur Gattung Goliathkäfer (Goliathus). Die Gattung zählt acht Arten, die in Färbung und Musterung sehr unterschiedlich sind und nur in Afrika vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Orientalische Goliathkäfer zählt nicht nur zu den größten aller aus der Familie Blatthornkäfer (Scarabaeidae), sondern er gehört mit zu den größten Insekten auf der Erde. Es gibt einige Käfer die noch länger erscheinen, aber der Orientalische Goliathkäfer ist vermutlich größer und schwerer und bringt ein Gewicht von etwa 110 Gramm auf die Waage. Der Orientalische Goliathkäfer kann eine Körperlänge von bis zu 95 Milimeter erreichen, wobei das Männchen im allgemeinen eine Körperlänge von etwa 70 bis 95 Millimeter mißt. Das Weibchen dagegen erscheint viel kleiner als das Männchen und weist eine Körperlänge von etwa 65 Millimeter auf. Wie fast alle Käfer, so besitzt auch der Orientalische Goliathkäfer zwei Flügelpaare. Jedoch sind die Vorderflügel aufgrund der substratgebundenen Lebensweise zu stark sklerotisierten Deckflügeln umgebildet, die sogenannten Elytra, die den zarteren Hinterflügeln (Alae) mechanischen Schutz gewähren. Die Hinterflügel sind um einiges länger als die Elytren und werden deshalb, wenn der Käfer nicht fliegt und sich im Ruhezustand befindet, unter diesen eingefaltet. Aufgrund seiner Größe und seines Gewichtes verursacht der Orientalische Goliathkäfer beim Fliegen ein sehr lautes Brummen, das sich wie ein rotierender Hubschrauber anhört. Des weiteren besitzt der Orientalische Goliathkäfer wie alle Käferarten drei Beinpaare, die sich am Prothorax (Vorderbrust), Mesothorax (Mittelbrust) und am Metathorax (Hinterbrust) befinden.
Beschreibung und Bestimmung der Laufbeine und des Körpers eines Käfers
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Beschreibung und Bestimmung der Laufbeine und des Körpers eines Käfers
Jedes der Beinpaare ist fünfgliedrig und setzt sich aus Coxa (Hüfte), Trochanter (Schenkelring), Femur (Schenkel), Tibia (Schiene) sowie Tarsus (Fuß) mit dem Praetarsus (Krallensegment) zusammen. Das letzte Tarsalsegment des Fußes trägt die eigentlichen Krallen und eine Reihe weiterer Anhänge. Die Krallen sind bei dem Orientalischen Goliathkäfer besonders stark ausgeprägt und ermöglicht ihm, an Baumstämmen und auf Zweigen entlang zu krabbeln und sich außerordentlich gut festzuhalten. Er kann sich zum Beispiel an Zweigen - wie aus Eisen geschmiedet - anklammern.

Die Fühler bei dem Orientalischen Goliathkäfer sind ausgesprochen kurz, die Endglieder sind etwas vergrößert und lamellenförmig angeordnet und verdicken sich am Ende zu einer blätterartigen Keule, wobei die letzten drei bis sieben Glieder seitlich blattartig verbreitert sind. Die Antennen sind überaus empfindlich und dienen vorwiegend für die Nahrungssuche und fungieren auch als Geruchsempfänger. Insbesondere bei dem Männchen, der für eine erfolgreiche Partnerfindung über große Strecken das Weibchen über Sexuallockstoffe, die das Weibchen aussondert, mit seinen Antennen wahrnimmt. In Anpassung daran ist dann die Oberfläche der männlichen Antennen stark vergrößert, so dass darauf mehr Riechsinneszellen untergebracht werden können. Das Sehvermögen spielt bei dem Orientalischen Goliathkäfer keine so große Rolle, wichtig für das Überleben des Käfers sind seine Antennen. Des Weiteren ist der Kopf mit einem kleinen Fortsatz verlängert, auf dem sich bei dem Männchen ein Gabelhorn befindet, das als Hebel bei Auseinandersetzungen zwischen Rivalen eingesetzt wird. Denn besonders kampflustig sind auch die Männchen des Orientalischen Goliathkäfers. Mit überraschender Schnelligkeit versuchen sie einander auf das Gabelhorn der Stirn zu nehmen und mit kräftigen Kopfbewegungen hochzuschleudern.

Lebensweise

Zwischen dem Halsschild und den Flügeldecken besitzen die Männchen des Orientalischen Goliathkäfers eine scharfrandige Fuge, die sie bei Bedrohung weit auseinanderspreizen. Greift nun der Gegner an dieser Stelle an, so wird er sehr rasch eingeklemmt. Eigenartigerweise wird dieses Verfahren aber nicht bei den Kämpfen untereinander verwendet. Es kommt auch vor, dass die Weibchen einen Kampf mit den Männchen nicht scheuen und oft als Sieger hervorgehen. Wenn ein Männchen dann immer noch nicht aufgibt, dann gräbt sich das Weibchen in verrottendes Holz oder in die Erde ein. Solche Kämpfe sind verbunden mit lautem Poltern und kurzen Flugeinlagen. Fühlt sich der Käfer bedroht, dann zuckt er ruckartig zusammen und erzeugt ein zischendes Geräusch. Das Weibchen weist kein Horn auf, stattdessen ist der Kopf bei dem Weibchen keilförmig ausgebildet, der insbesondere als Hilfsmittel beim Graben benutzt wird, wenn das Weibchen Eier legt. Bemerkenswert ist die Farbschönheit bei den Goliathkäfern, die oft ein rehbraunes, samtartiges Muster auf weißem Grund ziert. Im Allgemeinen sind die Goliathkäfer aber mit hellen Mustern versehen. Die grundlegende Farbe ist schwarzweiss. Die Färbung kann aber je nach Vorkommen zwischen gelb, braun und beige stark variieren. Einige der wahrnehmbaren Markierungen, die für alle Goliathkäfer allgemein sind, so auch für den Orientalischen Goliathkäfer, sind die scharf kontrastierenden schwarzen vertikalen Streifen auf ihrem Pronotum (Rückenplatte der Vorderbrust), auch als Halsschild bezeichnet.

Tanzania - Regenwald - Kilimanjaro
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Tanzania - Regenwald - Kilimanjaro

Unterarten

Verbreitung

Alle Goliathkäfer kommen nur in Afrika in Tanzania und Zaire vor und leben im tropischen Klima, außer die seltene Art, und zwar Goliathus albosignatus. Dieser Käfer lebt im gemäßigten Klima im südöstlichen Teil von Afrika in den Baumsavannen. Dagegen hält sich der Orientalische Goliathkäfer in den tropischen Regenwäldern in Tanzania und Zaire auf.

Ernährung

Goliathus orientalis - Männchen
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Goliathus orientalis - Männchen

Der Orientalische Goliathkäfer ist ein nachtaktiver Käfer und kommt - wie schon oben erwähnt - vorwiegend in den tropischen Regenwäldern vor. Um an die begehrten Baumsäfte von verletzten Bäumen und an die Früchte zu gelangen, krabbelt er an den Baumstämmen und Zweigen entlang und klammert sich mit seinen stark ausgeprägten Krallen an diesen außerordentlich gut fest.

Fortpflanzung

Die überwiegende Zahl der Käfer kopuliert, so auch der Orientalische Goliathkäfer, indem das Männchen das Weibchen von hinten besteigt und sich mit seinen Vorderbeinen und Mittelbeinen an ihm festhält. Mitunter sind an den Beinen besondere Hafteinrichtungen ausgebildet. Die männlichen Kopulationsorgane werden in das Weibchen eingeführt und das Sperma, gelegentlich konzentriert in einer Samenkapsel (Spermatophore), übertragen. Die Kopulationsorgane sind meist recht fest miteinander verbunden. Die Kopulation dauert lange, und das Weibchen nimmt während dieser Zeit Nahrung auf. Auf die Kopulation folgt in einem oder minder kurzen Zeitabstand die Eiablage. Wie alle Käfer so durchläuft der Orientalische Goliathkäfer ebenfalls eine komplette Metamorphose: Ei - Larve - Puppe - Käfer.

Das Weibchen legt ihre Eier an geeigneter Stelle tief in moderndes Holz eines Baumstumpfes, Kompost oder an ähnlichen Orten ab. Bereits nach wenigen Tagen erfolgt der Schlupf der Larven. Die Larven des Orientalischen Goliathkäfers sind, wie alle aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae), für eine intakte Ökologie des Regenwaldes sehr wichtig, da sie sich von zersetzenden Holzresten, Mulm, Kompost sowie von reifen Früchten ernähren. Das larvale Stadium schließt zwei Häutungen mit ein und die Larven erreichen eine enorme Körperlänge von etwa 150 Millimeter und ein Gewicht von etwa 100 Gramm. Die Gesamtentwicklung hängt stark von den klimatischen Bedingungen ab und erstreckt sich meist über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Zum Zeitpunkt der Verpuppung baut sich die Larve einen dünnwandigen verhärteten Kokon aus Erde und verstärkt ihn zusätzlich mit einem ausgeschiedenen Sekret.

In diesem Kokon durchläuft die Larve die gesamte Metamorphose vom Puppenstadium bis zum voll entwickelten Käfer. Sobald der Kokon fertiggestellt ist, verbringt die Larve mehrere Monate in einem pupalen Stadium. Ist die gesamte Metamorphose nach einigen Monaten beendet, öffnet der Käfer den Kokon und verläßt diesen als voll entwickelten großen Orientalischen Goliathkäfer. Nach dem Schlupf des fertigen Käfers wird die Geschlechtsreife erreicht. Der voll entwickelte Käfer ernährt sich von zuckerhaltigen Säften, die er von verletzten Bäumen aufnimmt. Des weiteren verspeist er auch zuckerhaltige Früchte. Unter günstigen Umständen kann der Orientalische Goliathkäfer in der Natur ein Jahr alt werden, was aber wegen der natürlichen Fleischfresser selten vorkommt. Im allgemeinen lebt er etwa nur ein Paar Monate. Der Hauptzweck des Käfers ist die eigentliche Reproduktion und sobald diese Funktion durchgeführt wurde, ist die Lebenszeit des Orientalischen Goliathkäfers sehr begrenzt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Bernhard Klausnitzer: Wunderwelt der Käfer. 1981 by Edition Leipzig. Lizenzausgabe für den Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1982.ISBN 3-451-19630-1
  • Kurt Günther (Autor), Hans-Joachim Hannemann (Autor), Fritz Hieke (Autor): Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten (Gebundene Ausgabe). Verlag: Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5., überarb. A. (1990).ISBN 10-3871-4494-4
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