Orang-Utan

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Orang-Utan

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Infraordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Hominidae)
Gattung: Orang-Utans (Pongo)
Art: Orang-Utan
Wissenschaftlicher Name
Pongo pygmaeus
Linnaeus, 1760

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Orang-Utan (Pongo pygmaeus), in seiner Heimat auch Waldmensch genannt, gehört innerhalb der Familie der Menschenaffen (Hominidae) zur Gattung der Orang-Utans (Pongo) . Es leben in getrennten Verbreitungsgebieten zwei Unterarten. Orang-Utans sind eng mit den Gorillas und den Schimpansen verwandt. Im Englischen wird dieser Menschenaffe Orangutan genannt. Ein weiteres deutsches Synonm ist Borneo Orang-Utan.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Orang-Utans erreichen eine Körpergröße von 110 bis 140 Zentimeter sowie ein Gewicht von 40 bis 90 Kilogramm. Weibchen bleiben mit bis zu 50 Kilogramm deutlich kleiner und leichter als Männchen. Vereinzeln können Männchen auch noch größer werden. Das langhaarige Fell weist eine rötlichbraun bis orangebraune Färbung auf. Die Arme sind länger als die Beine. Orang-Utans können leicht eine Armspannweite von über 200 Zentimeter erreichen. An den Armen kann das Fell eine Länge von nahezu 50 Zentimeter erreichen. Das Gesicht ist nur spärlich behaart, fast nackt. Erwachsene Männchen zeichnen sich durch extreme Backenwülste aus, die aus Bindegewebe bestehen und seine Dominanz zum Ausdruck bringen. Ältere Männchen haben im Kinnbereich einen weißlichen Bart. Nackte Hautstellen weisen eine blaugraue Färbung auf. Insgesamt ist der Körperbau an das Leben in den Bäumen angepasst. Die sehr langen Arme dienen dem Hangeln in den Bäumen. Gemessen an der Körperlänge hat der Orang-Utan die längsten Arme unter den Primaten. Die Tiere sind tagaktiv und leben als Einzelgänger in kleinen bis mittelgroßen Revieren. Nur selten sieht man sie in kleinen Familienverbänden. Auch die Nächte verbringen die Orang-Utans in den Bäumen. Hierzu bauen sie sich in Astgabeln regelrechte Nester aus Zweigen und Blattwerk.

Verhalten

Orang Utan schützt sein Gesicht vor den neugierigen Blicken
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Orang Utan schützt sein Gesicht vor den neugierigen Blicken

Wie bereits erwähnt, leben Orang-Utans meist einzelgängerisch. Selten bilden einzelne Weibchen Kleingruppen, die meist aus zwei Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Eher selten befindet sich auch ein Männchen in der Gruppe. Sie leben fast ausschließlich einzelgängerisch und treffen nur während der Paarungszeit auf die Weibchen. Die Reviere einzelner Tiere weisen eine Größe von bis zu fünf Quadratkilometer auf. Nur selten überschneiden sich die Reviere einzelner Individuen. Orang-Utans halten sich fast ausschließlich in den Bäumen auf. Den Boden betreten sie allenfalls, um einen Baum zu wechseln. In den Bäumen halten sie sich dort auf, wo sich Früchte, ihre Hauptnahung, befinden. Stehen einzelne Bäume nah genug beieinander, so schwingen sie an Ästen von einem Baum zum anderen. Für die Nacht bauen Orang-Utans sich ein Nest aus Zweigen und Ästen. Dabei gehen sie äußerst geschickt vor. Schon die Jüngsten erlernen den Nestbau von ihren Müttern. Ein Nest kann sich in Höhen von 15 bis 20 Metern befinden. Ein solches Nest ist wie ein Wegwerfartikel, es dient als Nachtlager lediglich für eine Nacht. Regnet es, so sind sie in der Lage sich aus Zweigen und Blättern regelrechte Regenschirme zu bauen, mit denen sie sich vor Nässe schützen. Wasser wird strikt gemieden. Schwimmen können sie nicht. Die Kommunikation untereinander erfolgt durch Tastkommunikation und Lauten. Man hat festgestellt, das Orang-Utans über mehr als zehn verschiedene Töne produzieren können. Vor allem das Brüllen der Männchen ist bereits aus beträchtlicher Entfernung zu hören. Zur Kommunikation zählen auch verschiedene Gesten und Gesichtsausdrücke.

Unterarten

Ursprüngliche Einteilung in Unterarten:

Die beiden Unterarten werden heute als eigene Art geführt; der Borneo Orang-Utan (Pongo pygmaeus) und der Sumatra Orang-Utan (Pongo abelii).

Verbreitung

Regenwald, Malaysia
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Regenwald, Malaysia

Vor einer Millionen Jahren lebten Orang-Utans noch in weiten Teilen von Südostasien. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen China bis nach Java. Heute leben nur noch kleinere Populationen auf den Inseln Sumatra und Borneo. Sumatra gehört zu Indonesien, Borneo zählt zu Malaysia und Indonesien. Die Nominalform Pongo pygmaeus pygmaeus lebt dabei auf Borneo, Pongo pygmaeus abelii lebt auf Sumatra. Die Unterarten unterscheiden sich geringfügig in der Größe. Zudem hat der Sumatra Orang-Utan ein etwas schmaleres Gesicht und das Fell ist etwas heller gefärbt. Beim Männchen der Borneo Orang-Utans fallen die Backenwülste etwas größer aus. Orang-Utans leben in den großen Primärregenwäldern. Sie kommen sowohl in der Ebene als auch im Hochland in Höhen von bis zu 1.500 Metern vor. Auf Sumatra leben nur noch rund 9.000 Tiere, von denen die meisten im Gunung-Leuser-Nationalpark leben. Die größere Population lebt mit 15.000 Tieren auf Borneo. Aber auch hier sind sie stark vom Aussterben bedroht. Mit ein Grund dafür ist die sehr geringe Reproduktionsrate.

Ernährung

Orang-Utans ernähren sich hauptsächlich von pflanzlicher Kost wie Früchte, Rinde, Blüten, Knospen, junge Triebe und ähnlichem. Ihre Lieblingsspeise scheint die Frucht des Zibetbaumes (Durio zibethinus) zu sein. Auch Feigen verschiedenster Sorten stehen bei den Tieren hoch im Kurs. Insgesamt stehen 300 bis 400 verschiedene Pflanzen auf ihrer Speisekarte. Es werden hier und da aber auch Insekten wie Ameisen und Termiten gefressen. Dies aber nur in Zeiten knapper Nahrung. Wasser trinken sie aus Astlöchern, Blättern oder Blütenkelchen. In ihrem Lebensraum haben Orang-Utans eine wichtige Rolle als Samenverbreiter. Für die Nahrungssuche und -aufnahme wenden Orang-Utans rund 60% des Tages auf.

Fortpflanzung

Junger Orang Utan im Frankfurter Zoo
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Junger Orang Utan im Frankfurter Zoo

Orang-Utans erreichen die Geschlechtsreife erst sehr spät. Unter den Menschenaffen haben Orang-Utans die längste Kindheit. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit sechs bis acht Jahren, Männchen hingegen erst mit rund zehn Jahren. Die Paarungszeit ist in den tropischen Lebensräumen an keine bestimmte Jahreszeit gebunden und kann ganzjährig erfolgen. Mit einer Fortpflanzungsrate von rund 6 Jahren pflanzen sie sich nur sehr langsam fort. Orang-Utans leben polygam. Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Ein Männchen bemüht sich meist drei bis acht Tage um eine potentielle Partnerin. Die Kopulationshäufigkeit liegt bei 0,5 mal pro Tag. Die Kopulationsdauer beträgt im Schnitt 11 min. Nach der Paarung vertreibt das Weibchen das Männchen aus ihrem Revier. Das Männchen hat also mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun.

Daten der Männchen:

  • Hodengewicht: 35,3 g
  • Gliedlänge, erigiert: 4 cm
  • Ejakulatvolumen: 1,2 ml
  • Spermiendichte: 76 Mio./ml
  • Anzahl Spermien pro Ejaklulation: 91 Mio.

Der weibliche Zyklus beträgt 26-32 Tage. Der Menstruationsfluss der Weibchen erstreckt sich über drei bis vier Tage. Nach einer Tragezeit von 235 bis 260 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind äußerst selten, kommen gelegentlich aber vor. Ein Jungtier weist ein Geburtsgewicht von etwa 1.300 bis 1.500 Gramm auf. Die ersten Wochen klammert es sich am Bauch der Mutter fest. Bereits nach einem Monat bekommt das Jungtier neben der Muttermilch einen vorgekauten Pflanzenbrei zugefüttert. Brüste sind nur während der Stillzeit entwickelt. Die vollständige Entwöhnung wird frühestens mit drei Jahren vollzogen.

Die Jugendlichen bleiben bis zur Geschlechtsreife bei der Mutter und lernen während dieser Zeit alles was sie für ein selbständiges Leben benötigen. Der Nachwuchs der Orang-Utans haben die längste Jugendzeit aller Primaten. Zwar wird die Geschlechtsreife schon mit sechs bis zehn Jahren erreicht. In der Regel kommt es zur ersten Fortpflanzung ab dem zwölften bis fünfzehnten Lebensjahr. Während ihres Lebens bringt ein Weibchen meist nur drei bis vier Jungtiere zur Welt. Die Lebenserwartung liegt bei über 40 Jahren. In Gefangenschaft werden die Tiere annähernd 60 Jahre alt.

Gefährdung, Schutz

Männchen im Zoo Berlin
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Männchen im Zoo Berlin

Allgemeines

Orang-Utans sind heute stark vom Aussterben bedroht. Wie bei allen Tierarten der Neuzeit ist es nicht die natürliche Auslesen, sondern die Ignoranz des Homo sapiens, der den Orang-Utan an den Rand der Ausrottung gebracht hat. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt den Orang-Utan in Anhang I unter besonderem Schutz. Der Handel mit Tieren und Produkten aus den Tieren ist weltweit stark reglementiert bzw. verboten. Die Rote Liste des IUCN sieht die Art als stark gefährdet an. Auch die Regierungen von Malaysia und Indonesien haben den Orang-Utan unter strengem Schutz gestellt.

Einst und Heute

Fossile Funde belegen in historischer Zeit sogar eine Verbreitung über ganz Südostasiens. Noch vor 100 Jahren lebten auf Sumatra und Borneo über 300.000 Orang-Utans. Anfang des 20. Jahrhunderts begann das Abschlachten der Tiere. Bis heute wurde die Gesamtpopulation unm rund 94 Prozent vernichtet. Wenn der Raubbau an der Natur und der hohe Jagddruck nicht eingedämmt oder besser beseitigt werden, ist der letzte Orang-Utan in Freiheit im Jahren 2010 verschwunden. Die Hauptprobleme sind die durch den Menschen ausgelöste klimatische Veränderung, die Vernichtung der Regenwälder und der hohe Jagddruck. Mittlerweile sind auf Sumatra und Borneo rund 80 Prozent der ursprünglichen Lebensräume vernichtet und Plantagen mit Palmölbäumen gewichen.

Palmöl-Plantagen

Seit Jahrzehnten weiten sich Palmöl-Plantagen rapide aus. Die Nachfrage nach Palmöl steigt von Jahr zu Jahr. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, fallen jedes Jahr alleine auf Borneo zwischen 200.000 und 250.000 Hektar tropischen Regenwaldes der Rodung und Brandrodung zum Opfer. Malaysia und Indonesien sind weltweit die größten Produzenten von Palmöl. Mittlerweile sind rund 5.000.000 Millionen Hektar mit Palmölbäumen bepflanzt. Nicht nur eine Katastrophe für die Orang-Utans, sondern für die gesamte Flora und Fauna. Obwohl Palmöl auch synthetisch hergestellt werden könnte, bevorzugen die Produzenten von Verbrauchsgütern natürliches Palmöl. Dieses Öl ist in einer Vielzahl von Produkten zu finden, unter anderem in Zahnpaste, Kosmetika, Reinigungs- und Pflegemittel und eine Vielzahl anderer Produkte.

Männchen - Orang-Utan
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Männchen - Orang-Utan

Holzeinschlag

Ein weiterer Gefährdungspunkt ist der illegale Holzeinschlag. Hierdurch geht weit mehr Regenwald verloren als durch die Abholzung für Palmölplantagen. Auch hier steht offensichtlich die kurzfristige Gewinnmaximierung im Vordergrund, denn ist der Regenwald einmal vernichtet, wächst dort nichts mehr außer Monokulturen, die den Raubbau am Boden noch beschleunigen und ihn auslaugen. Die Folge ist zwangsläufig Erosion und die Umwandlung in unfruchtbare Einöden. Aber auch hier stehen weltweit agierende Multikonzerne in der Verantwortung. Denn ohne Nachfrage gäbe es auch kein Abholzen der Wälder.

Goldförderung

Nicht minder gefährlich ist der aus den Fugen geratene Abbau der Goldvorkommen in den betroffenen Regionen. Man geht heute davon aus, dass rund 10 Prozent der Regenwälder auf Sumatra und Borneo wegen der illegalen Goldförderung gerodet wurden. Beim Goldabbau wird Quecksilber eingesetzt. Bei der eigentlichen Goldwäsche wird Quecksilber verwendet, um feinen Goldstaub zu lösen, wodurch Goldamalgam entsteht. Bei der Rückgewinnung des Quecksilbers gelangen großes Teile dieses hochgiftigen Metalls in der Natur und schädigen diese nachhaltig. Grundwasser und das Wasser der Flüsse werden vergiftet. Die Folge ist ein weitreichendes Tiersterben und ein folgendes Ungleichgewicht in der Ökologie eines Lebensraumes.

Bejagung

Das aus menschlicher Sicht vielleicht verwerflichste Handeln ist die Bejagung der Orang-Utans. Zum einen werden die Tiere wegen ihres Fleisches gejagt. Orang-Utans sind langsame Baumbewohner, die gegen Wilderer nicht den Hauch einer Chance haben. Lokal haben Wilderer bereits für das völlige Verschwinden dieser Urwaldbewohner gesorgt. Auch in der Nähe der weitflächig angelegten Ölplantagen wurden bereits viele Orang-Utans von den Plantagenbetreiber und deren Vasallen abgeschlachtet. Meist werden Weibchen getötet und der Nachwuchs des Weibchens wird auf dem illegalen Haustierhandel zu horrenden Preisen zum Kauf angeboten. Auch in der traditionellen Chinesischen Medizin stehen Teile der Orang-Utans hoch im Kurs und erzielen Höchstpreise.

Sonstige Gefährdungsfaktoren

Alle paar Jahre kommt es in den tropischen Regenwäldern auf Sumatra und Borneo zu verheerenden Waldbränden, die in der Regel durch unkontrollierte Brandrodung ausgelöst werden. Durch Brandrodung und die damit einhergehenden Buschfeuer gehen Jahr für Jahr hunderttausende Hektar kostbaren Regenwaldes für immer verloren. Die Palmölplantagen beschleunigen diesen Prozess nur, da sich Feuer auf offenen Flächen noch schneller in die benachbarten Regenwälder ausbreiten kann. Das Klimaphänomen EL Nino mit seinen Trocken- und Dürrezeiten trägt ebenso an der Ausweitung der Brände bei.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Bärbel Oftring: Kosmos - Natur Sammelsurium. Frankh-Kosmos, Stuttgart (2007) ISBN 9783440110324

Links

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