Opuntienspinne

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Opuntienspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Echte Radnetzspinnen (Araneidae)
Gattung: Cyrtophora
Art: Opuntienspinne
Wissenschaftlicher Name
Cyrtophora citricola
Forsskål, 1775

Die Opuntienspinne (Cyrtophora citricola) zählt innerhalb der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) zur Gattung Cyrtophora.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese merkwürdig gestaltete Radnetzspinne zeigt kollossale Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern. Das Männchen erreicht gerade 2 bis 4 Millimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von 10 bis 15 Millimeter erreicht. Der Hinterkörper trägt in seinem vorderen Teil oben vier Höcker. Zwei weitere Höcker liegen an der Hinterleibsspitze. Die Färbung ist meist unscheinbar graubraun mit einer variablen, dunklen Fleckzeichnung. Die adulten Tiere findet man von Juni bis September.

Lebensweise

Opuntienspinne - Weibchen
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Opuntienspinne - Weibchen

Die Opuntienspinne ist eine kolonielebende Art und erstellt große Gemeinschaftsnetze. Sie baut ein stark abgewandeltes Radnetz, das zu den beeindruckendsten Konstruktionen unter den Spinnennetzen gehört. Es besteht aus einer 50 bis 60 Zentimeter großen, eng gemaschten, horizontalen Radnetzdecke, über der, ähnliche wie bei vielen Baldachinnetzen, eine große Zahl sich wirr überkreuzender Stolperfäden ausgespannt ist. Darunter finden sich Spannfäden zur stabilen Verankerung. Die Netzdecke ist in der Mitte trichterförmig hochgezogen und zu einem Schlupfwinkel ausgesponnen. Sie zeigt ein erstaunlich dichtes und regelmäßiges Netzwerk aus jeweils einen Quadratmillimeter großen Maschen. Die sehr zahlreichen Radien ziehen vom zentralen Netztrichter nach außen und sind dort am Rahmenfaden befestigt. Sobald aber der Abstand zwischen ihnen größer wird als 1 Millimeter, heftet die Opuntienspinne einen weiteren Radius an, so dass ihre Zahl von innen nach außen deutlich zunimmt. Die sehr eng gewundene Fangspirale wird aus einem glatten Faden gebildet, trägt also im Gegensatz zu allen übrigen Radnetzspinnen keine Klebtröpfchen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, dass das Netz aus einem großen, räumlichen Fanggewirr besteht, in das eine horizontale Decke eingezogen wird. Diese eingezogene Decke ähnelt einem typischen Radnetz insoweit, als radial verlaufende Speichen und ein eng gewundener Spiralfaden vorliegen. Die Radialzahl ist jedoch deutlich erhöht und liegt um die 200 und besteht nicht selten aus gespaltenen Speichen. Man geht davon aus, dass es sich bei den Netz der Opuntienspinne und der anderen Cyrtophora-Arten wahrscheinlich um eine phylogenetische Vorstufe des Radnetzes handelt. Die Spirale ist im Übrigen nicht klebrig. Durch die Reduktion der irregulären Raumfäden und Kippung der Fangdecke in die Vertikale könnte es sich demnach um den Übergang zum eigentlichen Radnetz handeln. Andere Forscher gehen davon aus, dass es sich lediglich um eine Abwandlung des Radnetzes handelt.

Die Fangtechnik der Opuntienspinne erinnert sehr an die der Baldachinspinnen (Linyphiidae). Für die Neuanlage ihres Netzes benötigt die Opuntienspinne mehrere Nächte. Allerdings kann das Netz der Opuntienspinne einige Wochen alt werden, während die Netze anderer Spinnenarten nach ein oder zwei Tagen bereits wieder erneuert werden. Bei dieser Art findet man besonders häufig die Diebsspinne (Argyrodes gibbosus) aus der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae). Nicht selten halten sich gleich mehrere dieser Nahrungsdiebe im Bereich ihrer Netzdecke auf. Diese leben hier vor allem von kleinen, im Netz verfangenen Insekten (Insecta), um die sich die Netzbesitzerin nicht weiter kümmert.

Opuntienspinne - Weibchen
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Opuntienspinne - Weibchen

Unterarten

Verbreitung

Die Opuntienspinne hält sich vorwiegend an sonnigen, warmen Orten im Gestrüpp von Feigenkakteen (Opuntioideae) der Gattung Opuntien (Opuntia) auf, die auch namensgebend für diese Spinnenart war. Sie ist im südlichen Mittelmeerraum weit verbreitet und vielerorts häufig anzutreffen. Opuntien kamen ursprünglich nur in der neuen Welt vor. Im Laufe der Zeit wurde sie in weiten Teilen der Erde eingeführt oder eingeschleppt.

Ernährung

Opuntienspinne - Weibchen
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Opuntienspinne - Weibchen

Die Spinne sitzt tagsüber mit angezogenen Beinen unter ihrem trichterförmigen Schlupfwinkel. Sobald ein Geflügeltes Insekt (Pterygota) gegen einen der Stolperfäden stößt, stürzt es ab und fällt auf die Netzdecke herab. Die Spinne eilt sofort an der Netzunterseite herbei und ergreift durch die Fangspirale hindurch die Beute, wickelt sie ein und trägt sie zum Fressen in ihren Schlupfwinkel. Sie ernährt sich vorwiegend von Geflügelten Insekten (Pterygota). Aber die Opuntienspinne ist auch in der Lage, kleine und junge Eidechsen (Lacertidae), wie zum Beispiel die Kleine Kanareneidechse (Gallotia caesaris), zu überwältigen und dann zu verzehren, wenn sie in das Netz der Opuntienspinne geraten sind.

Fortpflanzung

Die Paarung findet ab Ende Juli statt. Das Männchen spinnt dabei, anders als bei den Arten der Kreuzspinnen (Araneus) keinen Werbefaden, sondern begibt sich unter ständig wiederholten Zupfsignalen direkt ins Netz des Weibchens. Ist das Weibchen paarungsbereit, verhält sich das Weibchen sehr passiv und hebt seinen Körper etwas von der Netzebene ab. Das Männchen kriecht in diese Lücke und führt, kopfunten auf dem Bauch des Weibchens sitzend, einen Taster ein. Nach wenigen Sekunden erwacht das Weibchen aus seiner Passivität, ergreift das Männchen, tötet und verzehrt es. Nur manchmal gelingt dem Männchen noch rechtzeitig die Flucht, in den meisten Fällen aber nur unter Verlust mindestens eines Beines. Etwa Ende August stellt die Opuntienspinne bis zu elf flache, grau gefärbte Eikokons her und befestigt diese in ihrem Schlupfwinkel, so dass dort nach und nach ein wurstförmiges, langgestrecktes Gebilde entsteht. Die Jungspinnen, die erst im Frühjahr den schützenden Kokon verlassen, wachsen erstaunlich schnell heran und sind bereits zwei Monate später erwachsen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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