Ohrenqualle

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Ohrenqualle

Systematik
Klasse: Schirmquallen (Scyphozoa)
Unterklasse: Scyphomedusae
Ordnung: Fahnenquallen (Semaeostomeae)
Familie: Ulmaridae
Gattung: Aurelia
Art: Ohrenqualle
Wissenschaftlicher Name
Aurelia aurita
Linnaeus, 1758

Die Ohrenqualle (Aurelia aurita) zählt innerhalb der Familie der Ulmaridae zur Gattung der Aurelia. Die geläufigste englische Bezeichnung der Ohrenqualle lautet Moon Jellyfish (Mondqualle).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Ohrenqualle tritt in zwei verschiedenen Erscheinungsformen auf, und zwar als Meduse und als den weniger bekannten Polypen. Die geschlechtliche Meduse, die man oft im Wasser schwimmen oder am Strand liegen sieht, ist die vorherrschende Form der Ohrenqualle. Der ungeschlechtliche Polyp dagegen ist die kleine unauffällige festsitzende Form. Die Meduse der Ohrenqualle besitzt einen flach gewölbten tellerförmigen Schirm, dessen Rand von zahlreichen kurzen Tentakeln umsäumt ist. Der Durchmesser des Schirms beträgt etwa 20 bis 40 Zentimeter. Die Schirmenden sind lappenförmig angeordnet. Über dem Schirm laufen aus dem Zentrum feine Radialen, die sich bis zum Rand des Schirms verzweigen. Der Schirm ist durchscheinend mit einer bläulich weißlichen Färbung versehen. Die Radialen sind weißlich gefärbt. Da der Körper der Meduse radiärsymmetrisch gebaut ist und zu 98 Prozent aus Wasser besteht, kann sie auch ohne Schwimmblase frei im Wasser schweben.

Besonderes Merkmal der Meduse sind die vier violett bis weißlichen ohrenähnlichen Keimdrüsen - namensgebend für die Ohrenqualle - die sogenannten Fortpflanzungsorgane, in der Mitte des Schirms. In der Mitte des Schirms befinden sich noch vier weitere Mundarme. Des weiteren sind die Medusen getrennt geschlechtlich. Männliche Medusen erkennt man an der weißen bis orangenen Färbung der Geschlechtsorgane, die der weiblichen Ohrenquallen sind rotviolett gefärbt. Die Ohrenqualle besitzt auf der Unterseite nur eine Körperöffnung, die Mund und After bildet. Des weiteren führt ein verzweigtes Kanalsystem vom Zentralmagen bis an das Schirmende. Weiterhin befinden sich am Mantelrand einfache Lichtsinneszellen, die als Augen fungieren und acht Gleichgewichtsorgane, die zur Orientierung dienen. Die Ohrenqualle verfügt auch über eine Riechgrube. Die Meduse kann sich mit ihrem glockenförmigen Schirm durch Muskelkontraktionen fortbewegen. Die weniger bekannte Erscheinungsform, der sogenannte Polyp, wird nur 0,2 bis 0,7 Millimeter lang und ist somit im Vergleich
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zur Meduse sehr unscheinbar. Er sitzt mit seiner flachen Fußscheibe am Untergrund fest, kann sich aber mit den Tentakeln fortbewegen. Die Medusen und die Polypen haben kleine giftige Nesselzellen, die gehäuft an den Tentakeln auftreten. Die Nesselzellen dienen zum Beutefang und zur Verteidigung gegen Fressfeinde. Die Nesselzellen sind innen mit Gift gefüllt und haben nach außen hin einen kleinen Stachel als Auslöser. Wenn der Stachel berührt wird, platzt die Nesselzelle und es wird eine kleine giftige Spitze an einem Faden herausgeschleudert. Für den Menschen ist das Gift kaum gefährlich, da die Nesselzellen die Haut des Menschen nicht durchdringen können. Wie am Anfang des Artikels schon erwähnt, erreicht die Ohrenqualle je nach Verbreitungsgebiet eine Größe bis zu 40 Zentimeter im Durchmesser, wobei einige tropische Populationen deutlich kleiner bleiben. Auch in der Lebenserwartung unterscheiden sich die Populationen der tropischen Zonen von denen der kälteren Meere. Während die Medusen der Ohrenquallen aus der Nord- und Ostsee nur ein Alter von etwa vier bis sechs Monaten erreichen, werden die Medusen der tropischen Populationen etwa acht Monate alt. Die Polypen leben im allgemeinen länger.

Lebensweise

Die Ohrenqualle bewegt sich im Meer eher primär passiv. Die Ohrenqualle wird von der Meeresströmung fortbewegt und von der immer leicht vorhandenen vertikalen Aufwärtsströmung in der Schwebe gehalten. Die sporadisch eingesetzten Schwimmbewegungen reichen ohne die Unterstützung der Strömung alleine nicht aus, um ein Absinken der Ohrenqualle auf den Bodengrund zu verhindern. Die breite Anpassungsfähigkeit der Ohrenqualle läßt sich auf eine ökologische Toleranz gegenüber Klima und Salzgehalt zurückführen, so dass die Ohrenqualle als Bewohner aller Meere von 40 Grad südlicher bis 70 Grad nördlicher Breite und Habitaten mit Salinitäten gilt. In gemäßigten Klimazonen ist die bisexuelle Vermehrung und das anschließende oft massenhafte Absterben in Küstennähe auf den Sommer beschränkt, so dass die Medusen der Ohrenqualle häufige spätsommerliche Gäste an Stränden zum Beispiel der Nord- und Ostsee sind.

Die häufig massenhaften Ansammlungen der Medusen und der daraus resultierende Prädationsdruck gegenüber dem Mikrozooplankton weist der Ohrenqualle eine wichtige und gelegentlich dominierende Stellung in den marinen Plankton-Lebensgemeinschaften zu.

Verbreitung

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Die Ohenquallen sind in allen Ozeanen wie Indischer Ozean, Pazifischer Ozean und im Atlantik anzutreffen. Weitere Verbreitungsgebiete sind die Ostsee, Nordsee, das Grevelinger Meer und die Oosterschelde sowie das Mittelmeer. Ihre Habitate sind küstennahe warme und tropische Gewässer. Die Wassertemperaturen können minus sechs Grad Celsius und plus einunddreißig Grad Celsius betragen. Eine optimale Temperatur für die Ohrenquallen sind aber zwischen plus neun Grad Celsius und plus neunzehn Grad Celsius. Die Medusen halten sich meist nahe der Wasseroberfläche auf und können von April bis September invasionsförmig auftreten. Die Polypen halten sich vorwiegend an der Unterseite von Algen, Steinen und Felsen fest, können aber mit Hilfe der Tentakeln den Standort wechseln.

Ernährung

Die Meduse der Ohrenqualle ist ein Fleischfresser und ernährt sich hauptsächlich von Planktonorganismen. Des weiteren nimmt die Meduse auch Weichtiere (Mollusca), Ruderfußkrebse (Copepoda, Copepoden), Rädertierchen (Rotatoria, Rotifera), Fadenwürmer (Nematoda), junge Vielborster (Polychaeta), Kieselalgen (Bacillariophyta) sowie Krebstiere (Crustacea) zu sich. Manchmal wird auch beobachtet, dass die Meduse Rippenquallen (Ctenophora) verspeist. Weiterhin ernährt sie sich von Wasserflöhen, Fischlarven, Fischeiern und von Plankton. Selten werden größere Fische (Pisces) erbeutet. Der Polyp nimmt dagegen, bedingt durch seine Größe, nur Kleinstlebewesen zu sich. Die Nahrung wird meistens auf der Hautoberfläche anderer Tiere aufgenommen, indem sich die Tiere im Schleim verfangen. Die Nahrung wird dann an die Seitenränder durch flagellare Tätigkeit weitergeleitet und in den herabhängenden kurzen Tentakeln gesammelt. Sie werden dann wiederum durch die flagellare Strömung entlang verschiedener Kanäle weitergeleitet, die für diese Quallenart einzigartig sind. Diese Kanäle verlaufen in den Magen und holen die Nahrung über den Ringkanal.

Fortpflanzung

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Die Medusen vermehren sich durch Befruchtung. Die männlichen Medusen sondern Spermienschnüre ins Wasser ab, die von den Weibchen in die Bruttaschen eingesogen werden. In der Bruttasche entwickeln sich die befruchteten Eier zu bewimperten Larven. Die Larven werden ins Wasser gelassen, wo sie sich später absetzen und sich zu einem ungeschlechtlichen Polypen entwickeln. Während der Entwicklungsphase der Polypen im Herbst sterben die Medusen ab. Die Ohrenqualle überlebt den Winter in Form eines Polypen. Im Frühjahr schnüren sich etwa 50 bis 60 Medusen-Larven von den Polypen ab. Die Larven wachsen pro Tag ein bis zwei Millimeter zu tellergroßen Jungquallen heran. Im Sommer, etwa Juli, ist der Entwicklungszyklus der Jungquallen abgeschlossen und haben somit die Geschlechtsreife erreicht.

Medusen werden nur drei, selten sechs bis neun Monate alt und sterben nach beendeter Fortpflanzung durch Alterstod und Nahrungsmangel. Die Polypen dagegen leben länger. Sie können mehrmals Medusen erzeugen und dabei ein Alter von mehreren Jahren erreichen.

Anhang

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