Neuntöter

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Neuntöter

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Parvklasse: Passerae
Überordnung: Passerimorphae
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Parvordnung: Corvida
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Würger (Laniidae)
Gattung: Würger (Lanius)
Art: Neuntöter
Wissenschaftlicher Name
Lanius collurio
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Neuntöter (Lanius collurio), der auch Dorndreher oder Rotrückenwürger genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Würger (Laniidae) zur Gattung der Würger (Lanius). Der Neuntöter wurde zum Vogel des Jahres 1985 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Neuntöter erreicht eine Körperlänge von gut 17 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 30 Zentimeter, sowie ein Gewicht von 50 bis 60 Gramm. Er ist somit eine mittelgroße Würger-Art. Die Geschlechter weisen in der Färbung des Gefieders einen deutlichen Geschlechtsdismorphismus auf. Beim Männchen ist die Oberseite des Gefieders rötlich-braun bis braun, die Bauchseite ist weißlich bis cremefarben und teilweise leicht rötlich. Der Scheitel sowie der Nacken und der Bürzel sind gräulich gefärbt. Charakteristisch ist der breite schwarze Augenstreifen. Der Schwanz ist überwiegend schwarz, wobei der relativ lange Schwanz an der Basis uneinheitliche Weißanteile aufweist. Das Gefieder der Weibchen ist auf der Oberseite deutlich brauner als beim Männchen, der rötliche Einschlag fehlt völlig. Die Bauchseite ist überwiegend hellgrau, stellenweise ist deutlich eine dunkle Quersäumung zu erkennen. Jungvögel ähneln vom Gefieder her eher dem Weibchen.

Die Flügel sind recht kurz und von breiter sowie rundlicher Form. Die Flügeldecken sind überwiegend dunkelbraun gefärbt und stellen einen deutlichen Kontrast zu dem helleren Gefiedersaum im Schulterbereich dar. Beide Geschlechter singen. Ihr Gesang ist äußerst variabel und weithin hörbar. Der Schnabel des Neuntöter ist dunkelgrau gefärbt. Von der Länge her ist er eher kurz aber kräftig und am Ende mit einem Haken versehen.

Der Neuntöter ist ein tagaktiver Vogel. Man sieht ihn meistens auf einer Ansitzwarte auf der Nahrungssuche. Die Nacht verbringt er an angestammten Schlafplätzen. Er ist ein äußerst scheuer Vogel mit einer hohen Fluchtdistanz. Sein Verhalten kann durchaus als besonders territorial bezeichnet werden. Vor allem während der Brutsaison wird das eigene Revier, das bis zu fünf Hektar betragen kann, energisch verteidigt. Bei Erregung kann er sein Nacken- und Kopfgefieder aufstellen. In den südlichen Verbreitungsgebieten ist er ein Jahresvogel. In den nördlichen Gebieten ist er ein Teilzieher oder auch Zugvogel.

Unterarten

Verbreitung

Der Neuntöter lebt in weiten Teilen der nördlichen Erdhalbkugel. Er ist sowohl in den borrealen als auch in den subarktischen Zonen der Holarktis verbreitet. Er kommt insbesondere in West-, Mittel- und Nordeuropa, Westsibirien, Teilen Südeuropas und Kaukasiens, der Mongolei und in Ostsibirien vor. Seine Habitate sind so vielfältig wie sein Verbreitungsgebiet. Im Norden werden die Tundra und Steppengebiete besiedelt. In Innerasien leben sie auch in Hochgebirgssteppen des Himalaya. Er bevorzugt Habitate mit geringem Baum- und Buschbestand. Insbesondere Dornbüsche werden gerne angenommen. In mitteleuropäischen Breitengraden ist er auch in der Heide, in Mooren und an Waldrändern und in Kulturlandschaften anzutreffen. Die Europäischen Populationen ziehen zum Winter hin in den Süden oder Osten Afrikas.

Nahrung

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Als reiner Ansitzjäger geht der Neuntöter von einer Ansitzwarte auf die Jagd. Die Ansitzwarte befindet sich meist in Höhen von zwei bis fünf Meter. Sein Blick ist dabei meist auf Beute gerichtet, die sich in der Regel auf dem Boden befindet. Hier und da kann man ihn bei der Nahrungssuche auch im niedrigen Rüttelflug beobachten. Zur bevorzugten Beute gehören allerlei Kleintiere wie Insekten, Käfer und junge Mäuse. Die Beutetiere werden mit kräftigen Schnabelhieben getötet. Er kann Beutetiere mit einem Gewicht von fünfzehn bis zwanzig Gramm im Flug transportieren. Meist bringt er seine Beute an angestammten Plätzen und lagert sie dort. Die Plätze dienen auch als Vorratslager für schlechte Zeiten. Während der Brutzeit unternimmt der Neuntöter Beuteflüge von bis zu drei Kilometer. Nach einer Mahlzeit säubert er seinen Schnabel sorgsam, indem er seinen Schnabel an Ästen reibt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Neuntöter gegen Ende des ersten Lebensjahres. Meist brüten die Vögel aber erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres erstmals. Neuntöter führen eine monogame Einehe, die nur die Saison über hält. Die einzelnen Paare bilden sich meist schon im März oder April, die eigentliche Brutzeit beginnt dann im Mai. Die Brutreviere sind mit bis zu fünf Hektar eher klein. Als Bruthabitat bevorzugen Neuntöter offene strukturierte Landschaften, die durch Baumgruppen, Hecken und ähnliches aufgelockert sind. Sie zeichnen sich dabei als reviertreue Vögel aus.

Der Standort des Nestes wird vom Männchen alleine festgelegt. Die Nester werden in niedriger Höhe, meist in Höhen von einem oder zwei Meter, in Bäumen oder in den Kronen dichter Dornbüsche angelegt. Am Bau des napfartigen Nestes sind allerdings beide Partner beteiligt. Meist ist das Männchen mit dem Besorgen des Baumaterials beschäftigt während das Weibchen das Material verbaut. Als Material kommen meist Grashalme, kleine Zweige und ähnliche Materialien in Betracht. Ausgepolstert wird das Nest mit Tierhaaren, Federchen und weichen Halmen.

Zur eigentlichen Eiablage kommt es zwischen Mai und Juni. Bei Gelegeverlust kann es zu einem kleineren Nachgelege kommen. Das Gelege besteht in der Regel aus fünf bis sechs Eiern. Das Weibchen bebrütet die Eier etwa vierzehn bis sechzehn Tage. Die geschlüpften Jungtiere sind anfangs nackt und blind. In der ersten Woche werden sie von der Mutter gehudert. Das Männchen versorgt während dieser Zeit das Weibchen und den Nachwuchs mit Nahrung in Form von Insekten. Danach gehen beide Elternteile für die Brut auf Nahrungssuche. Nach etwa sechszehn Tagen sind die Jungvögel flügge, bleiben aber noch bis zu vier Wochen im Familienverband ehe sich dieser auflöst. Neuntöter können ein Alter von sechs bis sieben Jahren erreichen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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