Nashörner

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Nashörner
Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Nashörner
Wissenschaftlicher Name
Rhinocerotidae
Gray, 1821

Nashörner (Rhinocerotidae) gehören innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla). In Englischen werden Nashörner als Rhinoceros bezeichnet. Die Familie besteht aus 5 rezenten Arten, die auf 4 Gattungen aufgeteilt werden.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Nashörner gehören wie Elefanten (Elephantidae) und Flusspferde (Hippopotamidae) zu den letzten rezenten Vertretern der großen Megaherbivoren, die ihren Ursprung im Eozän haben, einer Serie aus dem mittleren Paläogen. Vor rund 40 Millionen Jahren bevölkerten die Erde zahlreiche Formen der Nashörner. Die meisten Arten starben mit der Zeit aus. Im auslaufendem Pleistozän starb einer der letzten prähistorischen Arten, das Wollnashorn (Coelodonta antiquitatis), aus. Heute leben auf der Erde nur noch 5 Arten, von denen 2 Arten unmittelbar vor der Ausrottung stehen.

Als die nächsten Verwandten der Nashörner gelten die Tapire (Tapiridae). Gegen Ende des Paläogen trennte sich der gemeinsame Stamm. Bereits im mittleren Paläogen trennten sich die Pferde (Equidae), der dritten Familie der Unpaarhufer (Perissodactyla). Zu den frühesten Unpaarhufern und somit den Vorgängern dieser Ordnung gehören insbesondere Hyracotherium. Diese nah mit den Pferden verwandte Gattung lebte vor 60 bis 45 Millionen Jahren im Eozän. Ein weiterer, deutlich größerer Vertreter, war Uintatherium, der vor etwa 50 Millionen Jahren in Nordamerika in Erscheinung trat. Aus dem späten Eozän vor etwa 40 bis 35 Millionen Jahren ist Brontops bekannt, der bereits ansatzweise den heutigen Nashörnern ähnelt.

Die ersten echten Unpaarhufer traten im späten Paleozän in Erscheinung. Die ältesten fossilen Funde belegen ein Alter von etwa 58 Millionen Jahren. Nur wenige Millionen Jahre später, im frühen Eozän, konnten Unpaarhufer eine breite Palette an höchst unterschiedlichen Arten vorweisen. Man geht heute davon aus, dass sich die ersten Arten in Nordamerika entwickelten und von dort aus den weltweiten Siegeszug antraten. Zu den unmittelbaren Vorfahren der Nashörner zählt Paraceratherium. Paraceratherium lebte vom Oligozän bis ins untere Miozän und gehörte mit einem von bis zu 20 Tonnen zu den wahren Giganten der Unpaarhufer. Elasmotherium verfügte über ein sehr langes Horn und starb ähnlich wie das Waldnashorn (Stephanorhinus kirchbergensis) erst in der letzten Eiszeit aus.

Die Nashörner sind aus drei Linien entstanden. Das Sumatra-Nashorn entstammt der Linie der Dicerorhinini, die sich vor etwa 20 Millionen Jahren entwickelten. Die Vorfahren des Panzernashorn und des Java-Nashorn entwickelten sich aus Rhinocerotini, die ihren Ursprung vor 10 Millionen Jahren in Indien hatten. Die beiden afrikanischen Arten, das Spitzmaulnashorn und das Breitmaulnashorn, entstanden aus der Linie der Dicerotini, die sich im mittleren Miozän vor etwa 14 Millionen Jahren entwickelten.

Beschreibung

Aussehen

Nashörner sind nach dem markantesten Merkmal, den imposanten Hörnern auf der Schnauzenspitze benannt. Die Hörner weisen jedoch keinen knöchernen Kern auf und bestehen ausschließlich aus Keratin, dem Material aus dem auch Haare bestehen. Das Horn weist aufgrund fest miteinander verbundener Keratinfasern eine harte Struktur auf. Die Hörner sind lose auf dem Nasenrücken in Bindegewebe eingewachsen und sind so mehr oder weniger beweglich gelagert. Nashörner weisen je nach Art ein oder zwei Hörner auf. Das Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) und das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis) besitzen jeweils nur ein Horn, das sich an der Schnauzenspitze befindet. Das Erscheinungsbild dieser imposanten Familie ist ausgesprochen massig. Dieser Eindruck wird durch die kurzen und stämmigen Beine noch verstärkt. Bei allen Arten enden die Füße in drei Zehen.

In Größe und Gewicht unterscheiden sich die 5 rezenten Arten erheblich. Die genauen Maße können der unten stehenden Tabelle entnommen werden. Das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) ist dabei die größte, das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis) die kleinste Art. Der Kopf des Breitmaulnashorns ist im Vergleich zum restlichen Körper ausgesprochen groß und deutlich in die Länge gezogen. Um diesen massigen Kopf tragen zu können, verfügen die Tiere über elastische Bänder, die hinter dem Nacken an einem höckerartigen Gebilde gelagert sind.
Fingerartige Oberlippe: das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis)
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Fingerartige Oberlippe: das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis)
In der Größe und im Gewicht weisen die Geschlechter einen zum Teil deutlichen Dimorphismus auf. Beim Breitmaulnashorn und Panzernashorn sind die Männchen größer als die Weibchen. Bei den anderen 3 Arten ist das Verhältnis umgekehrt: hier werden die Weibchen größer und schwerer. Die Haut ist bis auf das Panzernashorn bei den anderen 4 Arten mehr oder weniger glatt und faltenlos. Beim Panzernashorn liegen plattenartige Falten an den Kanten übereinander.

Beim Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) zeigt sich in Bezug auf die Nahrungsaufnahme eine spezielle Anpassung. Die fingerartige Oberlippe dient zum Greifen und Abzupfen von Ästen und Zweigen. Beim Breitmaulnashorn sind die Lippen breit und liegen übereinander. Dies ermöglicht das leichte Ergreifen von kurzen Gräsern und anderen Gewächsen. Die Schneidezähne haben sich beim Breitmaulnashorn zu einer verhornten Schneidekante entwickelt, mit der sie besonders gut Gräser abreißen können.

Die Sinne sind nicht alle gleich gut entwickelt. Am wenigsten ist der Sehsinn entwickelt. Ein Nashorn kann ein größeres Objekt erst ab einer Entfernung von etwa 30 Metern erkennen. Die Augen sind bei allen Arten eher klein geraten und liegen seitlich am Schädel. Sie ermöglichen so ein Sehfeld von nahezu 360 Grad. Im Gegensatz zum Sehsinn ist das Gehör ausgesprochen gut entwickelt. Die trichterartig geformten Ohren sitzen weit hinten, leicht seitlich am Schädel. Sie sind zudem sehr beweglich und lassen sich in Richtung eines Geräusches drehen, ohne dass der Kopf bewegt werden muss. Auch der olfaktorische Sinn ist hoch entwickelt und dient hauptsächlich der Orientierung. Zahlreiche Riechzellen sitzen dabei im Bereich der Nasengänge.

Größe und Gewicht

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Körperlänge Schulterhöhe Schwanzlänge Vorderes Horn Hinteres Horn Gewicht
Spitzmaulnashorn Diceros bicornis 280 - 300 cm 140 - 180 cm 60 cm 42 - 135 cm 20 - 50 cm 900 - 1.300 kg
Breitmaulnashorn Ceratotherium simum 340 - 400 cm 160 - 190 cm 60 - 70 cm 40 bis 165 cm 16 - 40 cm 1.700 - 2.300 kg
Panzernashorn Rhinoceros unicornis 300 - 380 cm 150 - 180 cm 70 - 80 cm 45 cm n/a 1.600 - 2.200 kg
Java-Nashorn Rhinoceros sondaicus 300 -320 cm 160 - 175 cm 70 cm 25 cm n/a 1.500 - 2.000 kg
Sumatra-Nashorn Dicerorhinus sumatrensis 250 - 315 cm 140 cm  ? cm 25 - 75 cm bis 10 cm 650 - 1.000 kg

Lebensweise

Nashörner sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben in der Regel einzelgängerisch und meiden den Kontakt zu Artgenossen. Die Geschlechter treffen im Wesentlichen nur während der Paarungszeit aufeinander. Bei Kleinstgruppen handelt es sich in der Regel um Muttertiere mit ihrem Nachwuchs.
Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis)
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Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis)
Im Alter von 2 bis 3 Jahren wird der Nachwuchs von der Mutter vertrieben. Bei einigen Arten kann es durchaus vorkommen, dass heranwachsende Tiere sich in kleinen Gruppen zusammenschließen. Adulte Bullen leben bei allen Arten einzelgängerisch. Nashörner sind in aller Regel in der Nähe eines Gewässers anzutreffen. Sie nehmen hier nicht nur lebensnotwendiges Wasser zu sich, sondern nehmen auch ausgiebige Schlammbäder.

Nashörner legen ein territoriales Verhalten an den Tag. Die Streifreviere weisen eine durchschnittliche Größe von etwa 10 bis 25, zuweilen auch bis zu 50 km² auf. Spitzmaulnashörner beanspruchen in offenen Landschaften sogar ein Revier in einer Größe von 90 km². Die Streifreviere der Weibchen überlappen sich mit denen anderer Weibchen. Zu einer Begegnung kommt es jedoch nur selten, und wenn, dann ist der Kontakt in der Regel freundschaftlich. Dies ist jedoch nur bei den afrikanischen Arten der Fall. Die Weibchen der asiatischen Arten begegnen sich eher feindschaftlich und aggressiv. Die Reviere einzelner Männchen überlappen sich nicht. Vor allem während der Paarungszeit kommt es unter den Bullen zu heftigen Gefechten, bei denen sie sich durchaus klaffende Wunden zufügen. Zu einem tödlichen Ausgang kommt es hingegen nur selten.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der verbliebenen 5 Arten erstreckt sich zum einen über das zentrale und südliche Afrika sowie über Südostasien, Teile des nördlichen Indien, Nepal und Bhutan. Das Spitzmaul- und Breitmaulnashorn kommen in Afrika vor, die anderen 3 Arten leben in Asien. Das Spitzmaulnashorn besiedelt verschiedene Lebensräume, die vom Bergregenwald bis ins trockene Buschland reichen. Breitmaulnashörner bewohnen ausschließlich trockene Savannen im südlichen bis nordöstlichen Afrika. Panzernashörner bevorzugen neben Schwemmebenen vor allem offenes Grasland, Java-Nashörner Tieflandregenwald und das Sumatra-Nashorn Bergregenwälder. Der Lebensraum aller rezenten Arten wurde bis auf wenige geschützte Flecken weitestgehend vernichtet oder die Arten wurden durch Bejagung an den Rand der Ausrottung gebracht. Die meisten Tiere leben heute in einigen wenigen geschützten Nationalparks.

Prädator: Löwe (Panthera leo)
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Prädator: Löwe (Panthera leo)

Prädatoren

Ausgewachsene Nashörner haben im Grunde genommen keine natürlichen Feinde. Sie sind einfach zu groß und stellen auch für große Fleischfresser eine ernste Gefahr dar. Jungtiere oder alte und schwache Tiere können jedoch durchaus von Fleischfressern gerissen werden. Je nach Art und Verbreitungsgebiet gehören in Afrika Streifenhyänen (Hyaena hyaena) und Löwen (Panthera leo) zu den potentiellen Fleischfressern. Bei den asiatischen Vertretern der Nashörner sind bis auf den Tiger (Panthera tigris) keine weiteren Fleischfresser nachgewiesen.

Probiose

Nashörner leben in probiotischer (karpotischer), interspezifischer Wechselbeziehung mit verschiedenen Vogelarten, die ihnen Ektoparasiten von der Haut picken und diese so sauber und rein halten. Dazu gehören beispielsweise Vogelarten wie Madenhacker (Buphagus), Kuhreiher (Bubulcus ibis), Eigentliche Glanzstare (Lamprotornis) wie der Glanzstar (Lamprotornis nitens), Drongos (Dicrurinae) wie der Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis) oder auch Hirtenmainas (Acridotheres tristis).

Ernährung

Nashörner gehören zu den reinen Pflanzenfressern. Im Wesentlichen ernähren sich die Tiere von Gräsern und Blättern, zuweilen auch verschiedene Früchte. Es werden pro Tag große Mengen an Nahrung zu sich genommen, nicht selten bis zu 5 Prozent des Körpergewichtes. Dies entspricht je nach Art, Geschlecht und Alter zwischen 33 und 115 Kilogramm pro Tag. Als Nichtwiederkäuer vertragen Nashörner durchaus große Mengen an faserreiche Kost, wobei die Tiere meist leicht verdauliches Laub bevorzugen. Die afrikanischen Arten verfügen weder über Eckzähne noch über Schneidezähne. Anstatt der Schneidezähne verfügen sie über verhornte Platten. Die Lippen sind bei der Nahrungsaufnahme wichtig und ersetzen die Schneidezähne mehr oder weniger. Ganz anders sieht es bei den asiatischen Arten aus. Diese verfügen sehr wohl über Schneidezähne, das Sumatra-Nashorn auch über Eckzähne. Die Eckzähne haben aber mit der Nahrungsaufnahme nichts zu tun und haben eher bei den Rivalenkämpfen eine gewisse Bedeutung. Das Breitmaulnashorn kann mit seinen schmalen Lippen selbst kurzes Gras abweiden. Das Spitzmaulnashorn hat es eher auf Äste und hohes Gras abgesehen. Die Nahrungssuche erfolgt bei den meisten Arten in der Nacht oder in der Dämmerung. Alle Nashorn-Arten sind auf das Vorhandensein von Wasser angewiesen. Ein Nashorn kann dabei bis zu 80 Liter am Tag an Wasser zu sich nehmen.

Feldstudien haben ergeben, dass Spitzmaulnashörner in Tansania im Ngorongoro-Krater 191 verschiedene Pflanzenarten fressen, in Kenia rund 102 Arten, im Addo Elephant National Park in Südafrika 111 Pflanzenarten. Dazu gehören unter anderem Akazien (Acacia) und zahlreiche andere Mimosengewächse (Mimosoideae). Breitmaulnashörner bevorzugen insbesondere Lampenputzergräser (Pennisetum) und verschiedene Süßgräser (Poaceae) wie Fingerhirse (Digitaria). Panzernashörner ernähren sich von insgesamt 57 verschiedenen Pflanzenfamilien. Bevorzugt werden beispielsweise Zuckerrohr (Saccharum), Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), Schönfrüchte (Callicarpa), Zypergräser (Cyperus), Saumfarngewächse (Pteridaceae), Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae), Tagblumen (Commelina) und Reis (Oryza).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Nashörner mit 4 bis 8 Jahren. Ein Weibchen ist in der Regel im Alter von 4 bis 5 Jahren geschlechtsreif, eine Männchen mit 6 bis 8 Jahren. Die soziale Geschlechtsreife erreichen Männchen erst einige Jahre später, wenn sie ein Revier verteidigen können.
Kalb eines Panzernashorn (Rhinoceros unicornis)
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Kalb eines Panzernashorn (Rhinoceros unicornis)
Eine Paarung ist an keine feste Jahreszeit gebunden, die meisten Geburten fallen jedoch in die Regenzeit. Während der Brunft kommt es unter rivalisierenden Bullen zu teils sehr heftigen Kämpfen, die meist mit schmerzhaften Wunden enden, gelegentlich auch mit dem Tode eines Kontrahenten. Ein Paarungsakt kann je nach Art über eine Stunde dauern. Dabei paart sich ein Pärchen mehrmals, nicht selten bis zu 12 mal. Nach einer erfolgreichen Paarung trennt sich das Weibchen vom Männchen und geht wieder eigene Wege. Ein Weibchen ist übrigens nur alle zwei bis vier Jahre brünftig. Nach einer Tragezeit von gut durchschnittlich 16 Monaten bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zu Welt. Zwillingsgeburten sind zwar nachgewiesen, jedoch außerordentlich selten. Bereits kurz nach der Geburt kann es der Mutter folgen. Das Jungtier hat ein Geburtsgewicht von etwa 40 bis 65 Kilogramm. Kurz nach der Geburt kann das Kalb bereits stehen. Ab dem zweiten oder dritten Tag folgt es der Mutter. Das Horn beginnt im dritten oder vierten Lebensmonat zu wachsen. Bereits nach sechs Monaten hat das Kalb sein Geburtsgewicht verdoppelt. Die Säugezeit beträgt durchschnittlich ein Jahr, wobei das Jungtier schon kurz ab dem dritten Lebensmonat auch Gras oder Blätter zu sich nimmt. Das Jungtier bleibt etwa für 2 bis 3 Jahre bei der Mutter bevor es in die Selbständigkeit entlassen wird und sich einer Junggesellengruppe anschließt. Mutter und Kind pflegen während dieser Zeit eine enge Beziehung. Das Muttertier beschützt ihr Kalb vehement gegenüber Fleischfressern. Nashörner können ein Alter von deutlich über 40 Jahren erreichen. In freier Natur wird ein solches Alter aber eher selten erreicht.

Gefährdung und Schutz

Von den rezenten 5 Arten stehen 3 Arten unmittelbar vor der Ausrottung. Dies sind das Sumatra-Nashorn, das Java-Nashorn aus Asien und das Spitzmaulnashorn aus Afrika. Das in Asien beheimatete Panzernashorn gilt als stark gefährdet. Nur das Breitmaulnashorn scheint mehr oder weniger außer Gefahr und wird als wenig gefährdet geführt.

Das Sumatra-Nashorn steht kurz vor der Ausrottung. Heute leben in verstreuten Regionen in Südostasien kaum mehr als 300 Tiere. Es gehört damit zu den seltensten Säugetieren der Erde. Die Unterart Dicerorhinus sumatrensis lasiotis , die in Bangladesh, Indien und Myanmar lebte, gilt bereits als ausgestorben. Dicerorhinus sumatrensis harrissoni und Dicerorhinus sumatrensis sumatrensis stehen kurz vor der Ausrottung und werden in der Roten Liste der IUCN als kritisch gefährdet geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Art in Anhang I unter weltweitem Schutz. Den letzen Sumatra-Nashörner stehen in ihren verbliebenen Lebensräumen (Malaysia und Indonesien) nicht einmal Schutzgebiete zur Verfügung. Es sieht um die Art also düster, wenn nicht hoffnungslos aus. Alleine in den letzten 15 Jahren ist die Gesamtpopulation um 50 Prozent gesunken. Eine Stabilisierung der verbliebenen Population ist nicht in Sicht. Die Gründe für die rasante Abnahme der Populationen liegen auf der Hand. Zum einen nimmt der Lebensraum rasend ab. Tropische Regenwälder werden zugunsten von Monokulturen (insbesondere Ölpalmen) abgeholzt und somit unwiderruflich vernichtet. Zum anderen werden auf dem asiatischen Markt für "medizinische" Produkte horrende Preise gezahlt. Verwertet werden alle Teile des Nashorns. Hörner, Haut, Knochen und andere Teile des Körpers landen pulverisiert in der traditionellen chinesischen Medizin. In der Vergangenheit wurden die Tiere von den Eingeborenen gejagt und getötet, da sie gelegentlich in Plantagen und auf Feldern auf Nahrungssuche gehen.

Auch um das Spitzmaulnashorn steht es heute schlecht. Die Art steht am Rande der Ausrottung. Im Jahre 1970 durchstreiften noch über 60.000 Tiere die weiten Savannen im südlichen Afrika. Aufgrund der starken Bejagung durch Wilderer ist der Bestand heute auf 2.400 bis 3.000 Tiere gesunken. Zudem ist die Reproduktionsrate von einem Kalb in zwei bis vier Jahren sehr gering. Ein schnelles Ansteigen der Populationen ist daher kurzfristig nicht zu erreichen. Fast der gesamte Bestand hat die letzten Zufluchtspunkte in den größeren Nationalparks gefunden. Aber selbst in den Nationalparks sind die Tiere nicht vor skrupellosen Wilderern sicher. Die Großen Parks werden zwar von bewaffneten Soldaten geschützt, dennoch kommt es immer wieder zur Wilderei. Der Gewinn beim Verkauf nur eines Horns scheint zu groß zu sein. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere in Anhang I unter weltweitem Schutz. Der Handel mit Tieren und Produkten aus diesen Tieren ist weitestgehend verboten.

Ähnlich gravierend ist die Situation beim Java-Nashorn. Neuesten Rechnungen zufolge gibt es von dieser Art in Freiheit weniger als 100 Tiere. In Gefangenschaft sollen zusätzlich 54 bis 60 Tiere leben. Auch hier beim Java-Nashorn spielt die Bejagung die größte Rolle. Die Produkte aus den Tieren landen für viel Geld in der traditionellen chinesischen Medizin. Darüber hinaus stellt auch die weit reichende Vernichtung der natürlichen Lebensräume eine große Gefahr dar.

Systematik der Nashörner, Gefährdungsgrad

Familie: Nashörner (Rhinocerotidae)

Gattung: Diceros
Art: Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) - IUCN: CR - Critically Endangered
Gattung: Ceratotherium
Art: Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) - IUCN: NT - Near Threatened
Gattung: Rhinoceros
Art: Panzernashorn (Rhinoceros unicornis) - IUCN: EN - Endangered
Art: Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) - IUCN: CR - Critically Endangered
Gattung: Dicerorhinus
Art: Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis) - IUCN: CR - Critically Endangered

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

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