Nasenaffe

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Nasenaffe
Männchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Infraordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Gattung: Nasenaffen (Nasalis)
Art: Nasenaffe
Wissenschaftlicher Name
Nasalis larvatus
Wurmb, 1787

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Nasenaffe (Nasalis larvatus) zählt innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Gattung der Nasenaffen (Nasalis). Im Englischen wird der Nasenaffe Proboscis Monkey oder Long-nosed Monkey genannt. Zu den bekannten, jedoch ungültigen Synonymen zählen Nasalis capistratus (Kerr, 1792), Nasalis orientalis (Chasen 1940), Nasalis nasica (Lacépède, 1799) und Nasalis recurvus (Vigors & Horsfield, 1828).


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Nasenaffe erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 55 bis 75 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 50 bis 75 Zentimeter sowie ein Gewicht von 8 bis 20 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Ein weiteres deutliches Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern ist die überdimensionale, herabhängende Nase. Die Nase der Weibchen ist wesentlich kleiner und hängt auch nicht herab. Der Zweck der großen Nase beim Männchen ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt, jedoch glauben Forscher, dass die überdimensionierte Nase des Männchen beim Paarungsverhalten eine Rolle spielt. Weibchen scheinen Männchen mit großen Nasen zu bevorzugen.

Der Kopf der Weibchen ist rotbraun gefärbt, die Schulterbereiche weisen eine bräunliche Färbung auf, das restliche Fell ist überwiegend gräulich bis graurosa gefärbt. Männchen sind insgesamt etwas kräftiger, aber ähnlich gefärbt. Der lange Schwanz weist bei beiden Geschlechtern eine weißliche bis hellgraue Färbung auf. Das Rückenfell beim Männchen ist dunkelbraun und erscheint etwas gewellt. Des weiteren zeigen die Unterarme eine gräuliche Färbung. Die Oberarme dagegen sind hellbraun. Insbesondere sind bei dem Männchen der Nacken und das Hinterteil cremefarben bis weißlich gefärbt. Der Hodensack (Skrotum) weist beim Männchen eine schwärzliche Färbung auf. Alles in allem zeigt das Männchen mehrere unterschiedliche Farbtöne am gesamten Körper, was bei den Primaten außergewöhnlich ist.

Verhalten

Nasenaffen sind tagaktive Waldbewohner, die sich überwiegend in den Bäumen aufhalten. Auch die Nachtruhe wird in den Bäumen abgehalten. Nasenaffen sind sehr gute Kletterer und können auch weite Distanzen zwischen einzelnen Bäumen durch Sprünge überwinden. Der lange Schwanz dient bei den Sprüngen als Steuer- und Balancierorgan. Jedoch gelten Nasenaffen auch als gute Schwimmer, die durchaus häufig das Wasser betreten, um beispielsweise einen Fluss zu überqueren.

Weibchen
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Weibchen

Nasenaffen leben in größeren Gruppen, denen in der Regel ein dominantes Männchen vorsteht. Subadulte und geschlechtsreife Männchen leben in Junggesellengruppen, die eine Gruppenstärke von einigen Dutzend Tieren aufweisen können. Weibchen verbleiben ein Leben lang in ihrer Gruppe, Männchen verlassen im Alter von gut 18 Monaten ihre Geburtsgruppe und schließen sich einer Junggesellengruppe an. Nasenaffen sind nur wenig territorial, sie beanspruchen jedoch ein Streifrevier in einer Größe von einigen Quadratkilometern. Die meiste Zeit vom Tage verbringen Nasenaffen mit der Nahrungssuche und -aufnahme.

Verbreitung

Nasenaffen sind auf Borneo, der drittgrößten Insel der Erde und Teil des Indonesischen Archipels, endemisch. Hier leben die Nasenaffen fast ausschließlich in den nördlichen Küstenregenwäldern, Sumpfgebieten und Mangroven-Sümpfen. Meist trifft man die Tiere entlang von Flüssen oder anderen Gewässern an. Nasenaffen leben überwiegend in den Baumkronen, den Erdboden betreten die Primaten so gut wie gar nicht. Bäume werden durch weite Sprünge gewechselt. Die tropischen Regenwälder auf Borneo gehören zu den ältesten Wäldern der Erde und bestehen seit rund 100 Millionen Jahren. Aber die Wälder auf Borneo gehören auch zu den gefährdetsten Wäldern der Erde. Weitflächiger Holzeinschlag hat die Wälder heute bereits dramatisch schrumpfen lassen.

Prädatoren

Fressfeind: Leistenkrokodil (Crocodylus porosus)
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Fressfeind: Leistenkrokodil (Crocodylus porosus)

Nasenaffen leben zwar überwiegend in den Kronen hoher Bäume, jedoch begeben sie sich gelegentlich auf den Boden oder ins Wasser um einen Flusslauf zu überqueren. Im Wasser lauert vor allem das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) auf die Tiere. An Land gehören neben dem Leopard (Panthera pardus) und dem Nebelparder (Neofelis nebulosa) auch die Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps) zu den natürlichen Fressfeinden. Mit lautstarkem Geschrei versuchen Nasenaffen potentielle Fressfeinde zu verscheuchen. Dies gelingt bei größeren Räubern freilich selten.

Ernährung

Nasenaffen ernähren sich im wesentlichen von jungen Blättern der Mangroven. Aber auch die in den Sumpfgebieten wachsenden Perlzwiebeln stehen hoch im Kurs. Darüber hinaus werden Sämereien, Früchte und Körner aller Art gefressen. Nur gelegentlich stehen auch Insekten und Larven auf dem Speisezettel.

Fortpflanzung

Nasenaffen erreichen die physische Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Männchen kommen zu ihrer ersten Paarung allerdings erst mit sechs bis sieben Jahren. Hier liegt also eine große Zeitspanne zwischen der physischen und sozialen Geschlechtsreife.
Jungtier
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Jungtier
Paarungsberechtigt ist nur das dominante Männchen einer Haremsgruppe, die aus einem Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs besteht. Alle anderen geschlechtsreifen Männchen leben in sogenannten Junggesellengruppen. Die Paarungszeit erstreckt sich in den tropischen Lebensräumen in der Regel über das ganze Jahr.

Innerhalb einer Haremsgruppe paart sich ein Männchen mit allen geschlechtsreifen Weibchen. Nach einer Tragezeit von 165 bis 170 Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Da Nasenaffen fast ausschließlich in den Bäumen leben, verwundert es kaum, dass auch die Geburt in den Baumkronen stattfindet. Unmittelbar nach der Geburt frisst das Muttertier das embryonale Gewebe (Plazenta). Das Jungtier ist völlig hilflos und auf den Schutz der Mutter angewiesen, es klammert sich in den ersten Lebenswochen am Bauch der Mutter fest. Die Säugezeit erstreckt sich zumeist über sechs bis sieben Monate. Nasenaffen können in Freiheit ein Alter von mehr als 20 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Nasenaffen gehören heute zu den stark gefährdeten Primatenarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art mittlerweile als stark gefährdet (EN, endangered) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Nasenaffen in Anhang I des Abkommens unter weltweitem Schutz. In der Vergangenheit wurden Nasenaffen von der Bevölkerung stark bejagt. Nach dem Schutz der Primaten stellt die Bejagung heute zwar keine große Rolle mehr dar, aber an Stelle dessen ist die weitflächige Abholzung der Regen- und Mangrovenwälder getreten. Die Holzindustrie mit ihrem Hunger nach Tropenhölzern vernichtet Jahr für Jahr gigantische Flächen an Wald auf Borneo. Davon sind auch die Küstenregenwälder betroffen, in denen die Nasenaffen leben. Alleine in den letzten 10 Jahren hat sich der Bestand um rund 50 Prozent reduziert. Heute konzentriert sich ein Restbestand von 5.000 bis 6.000 Tieren auf die nordöstlichen Regenwälder von Borneo. In Zoos können die Nasenaffen kaum gehalten werden, da sie sich nicht an die Gefangenschaft gewöhnen können.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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