Narwal

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Narwal

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Gründelwale (Monodontidae)
Gattung: Monodon
Art: Narwal
Wissenschaftlicher Name
Monodon monoceros
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Der Narwal (Monodon monoceros) zählt innerhalb der Familie der Gründelwale (Monodontidae) zur Gattung Monodon. Die ältesten fossilen Funde eines Narwals stammen aus dem späten Pleistozän. Die Funde beschränkten sich jedoch auf Horn- und Schädelfragmente.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Narwal erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von durchschnittlich 400 bis 500 Zentimeter sowie ein Gewicht von 900 bis 1.600 Kilogramm. Rekordlängen von bis zu 600 Zentimeter sind dokumentiert. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Der Kopf ist relativ kurz und erreicht zumeist eine Länge von gut 14 Prozent der Körperlänge. Männchen verfügen über ein imposantes Horn, dass eine Länge von bis zu 300 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 10 Kilogramm erreichen kann. Das Horn erreicht somit eine Länge von 33 bis 50 Prozent der Körperlänge. Die Augen sind relativ klein und erreichen kaum eine Größe von 2,5 bis 3 Zentimeter. Die leicht gerundeten Flipper können je nach Geschlecht eine Länge von 30 bis 40 Zentimeter, die Schwanzflosse eine Breite von 100 bis 120 Zentimeter aufweisen. Eine dorsale Finne fehlt völlig. An Stelle dessen ist nur eine kleine Erhebung von fünf Zentimetern vorhanden. Die Haut weist eine graue, graubraune bis blaugraue Färbung auf und hellt mit zunehmendem Alter auf. Dorsal und lateral zeigen sich unregelmäßige Punkte und Sprengel. Die Bauchseite ist überwiegend weißlich gefärbt. 30 bis 35 Prozent des Körpergewichtes besteht aus dem sogenannten Blubber. Die Blubberschicht weist eine Dicke von 7 bis 8, bei ausgewachsenen Männchen auch bis 10 Zentimeter auf. Männchen verfügen aufgrund des langen Horns über eine kräftige Nackenmuskulatur. Narwale gehören zu den Zahnwalen. Jedoch hat sich ihr Gebiss stark zurückgebildet. Nur im Oberkiefer verfügen Narwale über zwei Zähne, die lediglich bei den Männchen voll ausgebildet sind. <5>

Verhalten

Narwale leben in geselligen Gruppen von bis zu 20 Individuen. Eine durchschnittliche Gruppe besteht aus sechs bis acht Tieren. Junggesellen leben in der Regel in sogenannten Junggesellengruppen. Während der Wanderungen kommt es nicht selten zu Zusammenschlüssen von mehreren Gruppen. Diese Migrationsgruppen können durchaus einige Hundert Individuen umfassen. Narwale leben ausschließlich in der Nähe des Packeises. Falls gerade kein Atemloch vorhanden ist, so wird ein Loch mit dem kräftigen Oberkopf ins Eis gestoßen. An diesen Luftlöchern fallen gelegentlich Narwale Eisbären (Ursus maritimus) zum Opfer. Nur die Männchen verfügen über dolchartige Stoßzähne. Welche Funktion diese Stoßzähne letztlich haben, ist abschließend noch nicht erforscht. Man glaubt jedoch, dass Männchen die Hörner bei den Rivalenkämpfen einsetzen. Zum Nahrungserwerb sind die Hörner auf jeden Fall völlig ungeeignet.

Verbreitung

Narwale bewohnen die Nordpolargewässer, selten sind sie dabei südlicher als die Packeisgrenze anzutreffen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die arktischen Regionen des östlichen Kanadas, des nördlichen Grönlands und des westlichen Russlands. Eher selten sind sie in Alaska und dem östlichen Sibirien anzutreffen. Die Tiere halten sich in der Regel zwischen dem 70. und dem 80. Grad nördlicher Breite auf. Einzelne Sichtungen im gemäßigten Europa, vor Neufundland und sogar im Mittelmeer gelten als bestätigt. Auch an der deutschen Küste, sogar in der Elbe wurden Tiere gesichtet. Im späten Frühjahr und im Sommer halten sich Narwale bevorzugt in Fjorden und in großen Buchten auf. Hier bringen sie auch ihren Nachwuchs zur Welt.

Prädatoren und Parasiten

Fleischfresser: Eisbär (Ursus maritimus)
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Fleischfresser: Eisbär (Ursus maritimus)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Narwale gehören Große Schwertwale (Orcinus orca), Grönlandhaie (Somniosus microcephalus) und Eisbären (Ursus maritimus). Ob das lange Horn dem Narwal als Verteidigungswaffe dient, ist nicht bestätigt. Die Verteidigung ist insgesamt sehr wenig erforscht, bisherige Ergebnisse lassen keine detaillierten Rückschlüsse zu. Narwale werden von einer Vielzahl an Ekto- und Endoparasiten befallen. Zu den wichtigsten gehören unter anderem Bandwürmer (Cestoda), Saugwürmer (Trematoda), Fadenwürmer (Nematoda), Kratzwürmer (Acanthocephala) und Walläuse (Cyamidae). <2>

Ernährung

Narwale ernähren sich räuberisch von Fischen und Krebstieren sowie von Kopffüßern (Cephalopoda) wie Kraken (Octopodida) und Kalmaren (Teuthida). Zur Hauptnahrung gehören jedoch Fische wie Schwarzer Heilbutt (Reinhardtius hippoglossoides), Polardorsch (Boreogadus saida), Flundern (Platichthys flesus), Atlantischer Lachs (Salmo salar) und Atlantischer Hering (Clupea harengus). <3> Da das Gebiss nicht sonderlich ausgeprägt ist, geht man davon aus, dass Beutetiere mehr oder weniger eingesaugt werden. Die Nahrungsgründe befinden sich zwar in Küstennähe, jedoch nicht im Flachwasser, sondern nur in tieferem Wasser. Im Flachwasser wäre das Horn der Männchen eine Behinderung.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Narwale erreichen die Geschlechtsreife im Alter von fünf bis sieben Jahren, Männchen hingegen erst im Alter von acht bis neun Jahren. Dies entspricht je nach Geschlecht einer Körperlänge von rund 400 bis 460 Zentimetern. In den nordatlantischen Gewässern erstreckt sich die Paarungszeit von März bis in den Mai hinein, die Wurfzeit über den Hochsommer, meist von Juli bis August. Aufgrund der langen Trage- und Säugezeit kommt es in der Regel nur alle drei Jahre zu einer Geburt. Nach einer Tragezeit von 14 bis 15 Monaten bringt ein Weibchen ein, selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt mit dem Schwanz voran. Die Kälber sind unmittelbar nach der Geburt in der Lage zu schwimmen. Dennoch drückt das Muttertier ihren Nachwuchs zum Atmen an die Wasseroberfläche. Bei der Geburt weisen die Kälber eine Körperlänge von 160 bis 170 Zentimeter sowie ein Gewicht von rund 75 bis 80 Kilogramm auf. Der Blubber ist bei den Kälbern nur wenig entwickelt, er weist bei der Geburt eine Dicke von gut 2,5 Zentimeter auf. <4> Im Alter von einem Jahr beginnt sich der Stoßzahn der Männchen zu entwickeln. Mutter und Kalb pflegen ein inniges Verhältnis. Die Säugezeit erstreckt sich dabei über einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten. Im Alter von zwei Jahren erreichen die Jungwale ihre Unabhängigkeit. Die Lebenserwartung wird in Freiheit auf mehr als 50 Jahre geschätzt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Narwale werden auch heute noch von den Eingeborenen, den Inuit, im Norden Kanadas und rund um Grönland gejagt. Die Jagd erfolgt im wesentlichen für den Eigenverbrauch. Verwertet werden neben dem Fleisch auch die Haut, die Sehnen, der Tran, die Knochen und das Horn. Das Horn wird vor allem für Schnitzereien genutzt, die insbesondere bei Touristen beliebt sind. Wilderer haben es vor allem auf das Horn abgesehen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt den Narwal in Anhang I. Die Bejagung und die Verwertung sind somit streng reglementiert. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als "Insufficiently Known" (DD) geführt. <1> Man schätzt die aktuellen Bestände heute auf 30.000 bis 35.000 Tiere.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Wale (Cetacea)
  • Hauptartikel: die Familie der Gründelwale (Monodontidae)

Literatur und Quellen

Links

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