Moosskorpion

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Moosskorpion

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones)
Überfamilie: Neobisioidea
Familie: Neobisiidae
Gattung: Neobisium
Art: Moosskorpion
Wissenschaftlicher Name
Neobisium muscorum
Leach, 1817

Der Moosskorpion (Neobisium muscorum) zählt innerhalb der Familie der Neobisiidae zur Gattung der Neobisium.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der nur zwei bis drei Millimeter messende Moosskorpion gehört zu den Pseudoskorpionen. Das heißt, das diese eine gewisse Ähnlichkeit mit den Scorpionidae aufweisen. Rein optisch fehlt den Pseudoskorpionen nur der für Skorpione typische mit einem Giftstachel versehene Schwanz Metasoma. Der Vorderkörper Prosoma ist oval geformt und mittig längs gekielt. In der Mitte befinden sich auf jeder Seite des Kiels je zwei Augenpaare auf jeder Seite, die aber nur die Lichtverhältnisse wiederspiegeln. Der Hinterleib Opisthosoma ist in zwölf Segmente gegliedert, welche jeweils zwischen den einzelnen Segmenten wie auch zwischen dem Rücken, bzw. den Bauchplatten Tergite und Sternite durch dehnbare Hautfalten verbunden sind. Der gesamte Körper wie auch die Gliedmassen sind rötlichbraun und teilweise durchscheinend. Die in scherenartige Pedipalpen Fangarme umgebildeten Fresswerkzeuge wirken mächtig im Vergleich zur Körpergröße. In den Scherenhänden befindet sich ein sogenanter Giftzahn, mit dem sie ihre Beutetiere betäuben. In den Mundwerkzeugen [Chelizeren] befinden sich Spinndrüsen, mit denen sie verschiedene Arten von Spinnfäden herstellen können. Diese benötigen sie für Häutungsnester,
Phoresie bei einer Stubenfliege
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Phoresie bei einer Stubenfliege
Brutgespinste und auch Überwinterungsnester. Die vier Laufbeinpaare ermöglichen dem Moosskorpion in jede Richtung zu laufen. Die äußersten Segmente Prätarsen der Laufbeine besitzen eine Art Klauen, die ihnen ermöglichen, glatte Scheiben senkrecht zu erklimmen. Der ganze Körper ist mit einer Vielzahl von Sinneshärchen übersät, die der Orientierung dienen oder um die Bodenstruktur und um Schwingungen aufzunehmenn.

Lebensweise

Durch die besondere Fähigkeit, der Phoresie (Nuzung eines Wirtes ohne ihn zu Schädigen) haften sich Pseudoskorpione an ein Bein oder Haar eines Fluginsektes und können so große Strecken zurücklegen. Dies wirkt sich auf ihr starkes Verbreitungsgebieht aus. Der Moosskorpion lebt räuberisch und kann dabei bis zu vier Millimeter große Beutetiere erlegen. Er tastet bei der Nahrungssuche mit seinen Pedipalpen den Bereich vor sich ab und ertastet Beutetiere mit den Sinneshaaren Trichobothrien an den Pedipalpen. Mit Hilfe der Spinndrüsen erstellt der Pseudoskorpion auch ein Nest um bei Kälte einen Winterschlaf oder bei extremer Wärme einen Sommerschlaf abzuhalten und um sich zu häuten. Dieses Nest besteht aus einem feingewebten Netz in das Erd-, Sand-, Moos- und Futterreste eingewoben werden. Das Nest wird zu einer Kugel verwoben, die nur wenige Millimeter Durchmesser hat.

Verbreitung

In ganz Europa hat sich dieser Skorpion schon verbreitet und ist der häufigste Pseudoskorpion in seinem Verbreitungsgebiet. Dort lebt er immer in feuchten Regionen und findet sich dort oft auf Moos, woher auch der Trivialname herrührt. In der Falllaubschicht, an Bach- und Teichrändern und in feuchten Waldgebieten ist er anzutreffen. Mit Hilfe der Phoresie konnte er alle Regionen erreichen, in denen für diese Art Leben möglich war, vergleichbar mit den Ratten und Mäusen, die die Seefahrt nutzten um andere Kontinente zu erobern, nur dies alles im Mikrokosmos.

Prädatoren

In der Falllaubschicht hat der Moosskorpion viele Feinde angefangen mit den vielen Spinnen über die Hundertfüßer, die Laufkäfer, die Wanzen und Raubfliegen bis hin zu den Vögeln. Bei Gefahr flüchtet der Moosskorpion mit enormer Geschwindigkeit rückwärts und streckt dabei seine Pedipalpen mit aufgestellten Scheren weit vor sich. Besteht aber nicht die Möglichkeit den Rückzug anzutreten, legen sie die Pedipalpen schützend an die Flanken und verharren regungslos bis die Gefahr vorüber ist. Um Kanibalismus bei Begegnungen vorzubeugen, haben die Moosskorpione ein Ritual, durch das sie Artgenossen erkennen können, und sich außerhalb der Paarungszeit aus dem Wege gehen.

Ernährung

Der Moosskorpion ist ein aktiver Jäger, der in der Dämmerung und in der Nacht auf die Jagd geht. Dabei läuft er mit nach vorne gespreitzten und geöffneten Scheren, mit denen er nach Beutetieren sucht. Mit Hilfe der Sinneshärchen Trichobothrien kann der Moosskorpion ziehlsicher ein Beutetier mit einer oder beiden Scheren ergreifen und tötet es sogleich mit dem Giftzahn. Die Beutetiere, bei denen es sich um Springschwänze, Milben, Flohkrebse und Kleinstlarven handeln kann, werden zu den Mundwerkzeugen geführt, mit denen er Stück für Stück das Beutetier zerlegt und anschließend verzehrt. Nach jeder Mahlzeit werden die Pedipalben sorgfältig gesäubert, indem er sie langsam an den Mundwerkzeugen abstreift. Auf diese Weise werden Beutereste sorgfältig entfernt. Eine Verschmutzung der Sinneshärchen würde sich nachteilig auf die Sinneswahrnemung auswirken.

Fortpflanzung

Transport Moosskorpion
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Transport Moosskorpion

Im Gegensatz zu anderen Pseudoskorpionen betreibt das Männchen des Moosskorpions keinen Balztanz mit dem Weibchen, um es zu stimulieren und es dann über die Spermatophore zu führen, sondern legt die Spermatophore ohne das Weibchen ab, die die Spermatophore dann in ihre Genitalöffnung aufnimmt und in den Spermatheken einlagert. Am Ende der Tragzeit spinnt das Weibchen ein Nest, in das die Eier abgelegt werden und das Nest wird dann unter dem Opisthosoma am Hinterleib getragen. Nach dem Schlupf bleiben die Jungen weiterhin in diesem Nest und werden von dem Muttertier mit einem Nährsekret, das aus den überschüssigen Dottersäcken zurückgebildet wird, gefüttert. Dies bewirkt eine Verdreifachung des Körpervolumens. Nach der zweiten Häutung verlassen die Jungtiere den Beutel und klettern auf den Rücken des Muttertieres. Nach drei weiteren Häutungen, die im Laufe des ersten Jahres stattfinden, ist das Entwicklungsstadium zum adulten erwachsenen Tier vollzogen. Die Lebenserwartung liegt bei bis zu drei Jahren.

Ökologie

Durch die Art der Beutetiere ist der Moosskorpion ein wichtiger Regulator gegen die Massenvermehrung von Schädlingen wie Milben (Acari) und Läuse (Phthiraptera). Auf der anderen Seite ist der Moosskorpion eine Nahrungsquelle für viele andere Tiere.

Anhang

Literatur und Quellen

Magazin für Wirbellose im Terrarium Jahrgang 10 Nr. 4 - 2002 Herrausgeber: ZAG Wirbellose im Terrarium e.V ISSN 0943-7274
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