Moorschildkröte

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Moorschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Gattung: Amerikanische Wasserschildkröten (Glyptemys)
Art: Moorschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Glyptemys muhlenbergii
Schoepff, 1801

Der Moorschildkröte (Glyptemys muhlenbergii) zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung der Amerikanischen Wasserschildkröten (Glyptemys).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Moorschildkröte ist eine relativ kleine Schildkröte. Sie erreicht eine Körperlänge von acht bis zwölf Zentimeter. Der Carapax und die sichtbare Haut weist eine dunkelbraune bis schwarzbraune Färbung auf, wobei helle Linien sowohl auf den Pleuralschilden als auch auf den Vertebralschilden und den Marginalschilden sichtbar sind. Gleiches gilt für den Cervical- und Supracaudalschild. Die einzelnen Schilde sind relativ glatt und der Carapax ist insgesamt nur wenig gewölbt. Im Nackenbereich zeigen sich im Bereich des Tympanum (Mittelohr) orangerote bis rotgelbe Markierungen. Ansonsten ist die Haut überwiegend dunkelbraun gefärbt. Der Plastron (Bauchschild) zeigt eine bräunliche Färbung und weist gelegentlich gelbliche, unregelmäßige Punkte auf. Der Plastron des Männchens ist deutlich sichtbar konkav geformt, der des Weibchens ist flach. Zudem ist die Schwanzwurzel breiter und der Schwanz länger als beim Weibchen.

Lebensweise

Moorschildkröten sind überwiegend tagaktive Tiere, nur selten sind sie auch in der Nacht unterwegs. Dies trifft vor allem auf die Weibchen während der Eiablage zu, die hauptsächlich während der Nacht erfolgt. Da Schildkröten wie alle Reptilien zu den poikilothermen,
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also wechselwarmen, Tieren gehört, müssen sie sich nach einer kalten Nacht aufwärmen. Daher sieht man sie am Tage oft an exponierter Stelle beim Sonnenbaden. Im Winter legen Moorschildkröten eine mehrmonatige Winterruhe ein, dazu graben sie sich an geschützter Stelle im Schlamm ein. Nicht selten überwintern mehrere Tiere an gleicher Stelle. Moorschildkröten leben einzelgängerisch und verteidigen ihr Revier, das eine Größe von ein bis drei Hektar aufweisen kann, gegenüber Artgenossen.

Verbreitung

Moorschildkröten kommen ausschließlich in den östlichen Bundesstaaten der USA und im südöstlichen Kanada vor. Das Verbreitungsgebiet ist insgesamt recht groß, jedoch kommt die Art nur in kleinen, weit voneinander getrennten Gebieten vor. Die Gesamtpopulation teilt sich dabei in zwei Gruppen, zum einen die nördliche Population, die sich von Massachusetts, Pennsylvania, New York und New Jersey erstreckt und zum anderen die südliche Population, die von Virginia über North Carolina bis in den Osten von Tennessee anzutreffen ist. Man trifft die Moorschildkröte üblicherweise in Sumpf- und Moorgebieten, Feuchtwiesen sowie entlang von Gewässern an. In Höhenlagen sind sie dabei bis in Höhen von über 1.000 Meter anzutreffen.

Ernährung

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Die Moorschildkröte gehört zu den Allesfressern. Die Jungtiere ernähren sich hauptsächlich von Insekten, Würmern, Schnecken, Larven und anderen Weich- und Krebstieren. Mit zunehmendem Alter ernähren sie sich eher vegetarisch. Dazu gehören, Blätter, Blüten, Sämereien, Pilze, Kräuter und Früchte. Erwachsene Moorschildkröten verschmähen auch Frösche und Salamander nicht. Bei Gelegenheit wird auch auf Aas zurückgegriffen. Auf Nahrungssuche gehen sie sowohl im Wasser als auch an Land.

Fortpflanzung

Die Moorschildkröte erreicht die Geschlechtsreife mit fünf bis zehn Jahren. Die Paarungs- und Brutzeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten in der Regel zwischen März und Anfang Juni. Lokal kann sich dieser Zeitraum aber auch nach vorne und hinten ausdehnen. Dies trifft vor allem auf die südlichen Verbreitungsgebiete zu. Bei der Paarung besteigt das Männchen ein Weibchen und schiebt sein Geschlechtsorgan an dem Schwanz vorbei in die Kloake hinein. Sein konkav geformter Plastron erleichtert ihm das Aufreiten. Mit den langen Krallen hält sich das Männchen am Panzer des Weibchens fest. Eine Kopulation kann sich bis zu 20 Minuten hinziehen.

Während der Paarungszeit kommt es nur zu einem Gelege. Eine Brutpflege wird durch das Weibchen nicht betrieben. Die Eiablage erfolgt in überschwemmungsfreien Uferabschnitten. Es werden zumeist sonnenexponierte und sandige Flächen genutzt. In der Regel kommt es im Juni oder Anfang Juli zur Eiablage. Das Weibchen legt in eine flache Grube zwischen zwei und sechs Eier. Ein Ei weist eine Länge von 25 bis 20 Millimeter auf und hat eine ledrige Substanz. Nach erfolgter Eiablage schließt das Weibchen die Grube gewissenhaft.
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Die Anzahl der Eier richtet sich nach dem Alter und dem Ernährungszustand des Weibchens. Die Inkubation der Eier ist von der Umgebungstemperatur abhängig und erstreckt sich zumeist über 50 bis 70 Tage. Mit dem Eizahn durchbrechen die Jungtiere dann die Eischale. Die Schlüpflinge haben eine Carapaxlänge von 20 bis 28 Millimeter. Im jugendlichen Alter sterben die meisten Jungtiere aufgrund der hohen Zahl von Fressfeinden. Nur wenige erreichen ein Alter von bis zu 40 oder mehr Jahren.

Gefährdung und Schutz

Moorschildkröten sind Teil eines funktionierenden Ökosystems. Sie fressen einen nicht unerheblichen Teil an Schadinsekten und anderen mehr oder weniger schädlichen Tieren. Aber bereits kleinste Beeinträchtigungen können dazu führen, dass ein Ökosystem kippt. Darunter haben vor allem Arten wie die Moorschildkröte zu leiden, die letztlich ein Indikator für ein gesundes Ökosystem darstellen. Ein weiteres Problem ist das Absammeln von Tieren für den illegalen Haustierhandel. Dieser ist jedoch strikt verboten, da die Art im Washingtoner Artenschutzabkommen unter Schutz gestellt wird. Auch der Fang für den Verzehr ist nicht unerheblich, obgleich auch der Fang für diesen Zweck verboten ist. Die Aussicht auf geringe Strafen, lässt die Wilderei uneingeschränkt geschehen.

In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete ist ein Rückgang der natürlichen Lebensräume zu beobachten. Urbanisierung, Umwandlung in Agrar- und Weideflächen und die Trockenlegung zerstören Jahr für Jahr weitflächig die natürlichen Lebensräume der Moorschildkröte. Schon heute ist der Lebensraum der Tiere extrem zersplittert. Ein weiterer Gefährdungspunkt ist die hohe Jungensterblichkeit. Vor allem Raubtiere wie der Nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor) oder Raubvögel vernichten große Teile der Schlüpflinge. Durch die sehr späte Geschlechtsreife und die geringe Zahl an gelegten Eiern, ist die Reproduktionsrate von Haus aus schon sehr gering. In der Roten Liste der IUCN wird die Art nicht geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ignaz A. Basile: Faszinierende Schildkröten. Sumpfschildkröten. Naglschmid, 1995 ISBN 3927913812
  • Andreas S. Hennig: Haltung von Wasserschildkröten. Natur und Tier-Verlag; Auflage 1, Dez. 2004. ISBN 3931587959
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