Mojave-Klapperschlange

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Mojave-Klapperschlange

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Grubenottern (Crotalidae)
Gattung: Klapperschlangen (Crotalus)
Art: Mojave-Klapperschlange
Wissenschaftlicher Name
Crotalus scutulatus
Kennicott, 1861

Die Mojave-Klapperschlange (Crotalus scutulatus) zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) zur Gattung der Klapperschlangen (Crotalus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Mojave-Klapperschlange erreicht eine Körperlänge von 65 bis 130 Zentimeter. Längen von über 120 Zentimeter sind dabei eher selten. Männchen bleiben insgesamt ein wenig kleiner als Weibchen. Der Körper wirkt überaus gedrungen und massig, der Schwanz ist typischerweise recht kurz und weist eine schwarz gebänderte, weißliche Färbung auf. Der leicht dreieckige Kopf ist breit und flach, er setzt sich deutlich sichtbar vom Hals ab. Wie bei allen Klapperschlangen, so sind auch die Schuppen der Mojave-Klapperschlange stark gekielt. Die Färbung der Beschuppung kann je nach Lebensraum und Verbreitungsgebiet stark variieren.
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Es gibt sowohl graubraune, graue, rötlichbraune, olivgrüne, graugrüne als auch gelblichbraune Farbvariationen. Dorsal und lateral zeigen sich auffällige Rautenmuster, die aus helleren und dunkleren Elementen bestehen. Die Rauten sind meist weißlich gesäumt. Die Zeichnung nimmt lateral ab und ist ventral völlig verschwunden.

Die Bauchseite ist weißlich bis cremefarben gefärbt. Seitlich am Kopf verlaufen je eine dunkle Linie hinter und vor dem Auge schräg nach hinten. Die Pupillen der Augen sind senkrecht geschlitzt. Am Schwanzende befindet sich eine Rassel, die bei jeder Häutung um ein Glied anwächst. Bei Gefahr bewegt die Mojave-Klapperschlange ihren Schwanz und es tritt das arttypische Rasseln zu Tage. Wie alle Grubenottern besitzen Mojave-Klapperschlangen ein sogenanntes Grubenorgan, mit dessen Hilfe sie warmblütige Beutetiere aufspüren können. Das Grubenorgan befindet sich im Kopfbereich im oberen Kiefer zwischen den Augen und den Nasenlöchern und weist eine Tiefe von gut vier Millimetern auf. Das Innere des Grubenorgane ist durch eine Membrane geschützt. Mit dem Organ kann die Mojave-Klapperschlange selbst geringfügigste Temperaturunterschiede wahrnehmen. Die Nasenlöcher sitzen weit vorne, seitlich der Schnauze.

Verhalten

Die Mojave-Klapperschlange ist eine überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Schlangenart. Nur während der kühlen Jahreszeit, insbesondere im Frühjahr und Herbst ist sie aber durchaus auch am Tage unterwegs. Die Mojave-Klapperschlange gilt als nur wenig aggressiv und angriffslustig, jedoch keineswegs ungefährlich. Dies gilt sowohl gegenüber Konkurrenten als auch gegenüber potentiellen Feinden und dem Menschen. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet gilt sie als eine gefährliche Schlange. Jedoch ist die Anzahl der Bissunfälle im Gegensatz zu anderen Klapperschlangen im Südosten der USA relativ gering.
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Die Mojave-Klapperschlange verhält sich in erster Linie defensiv und warnt einen Feind mit dem typischen Gerassel. Zeigt das keine Wirkung, so beisst sie auch zu. Ein Biss ist für einen Menschen durchaus gefährlich. Dies gilt vor allem für Kinder und ältere oder geschwächte Menschen. Unter den Männchen der Mojave-Klapperschlange kommt es während der Paarungszeit zu ritualisierten Kämpfen. Dabei richten sie sich auf und schlagen mit ihrem Oberkörper nach dem Konkurrenten.

Während der kühlen Jahreszeit hält die Mojave-Klapperschlange eine mehrmonatige Winterruhe. Die Länge der Winterruhe variiert je nach Verbreitungsgebiet. In wärmeren Gegenden ist die Winterruhe entsprechend kürzer. Zur Winterruhe zieht sich die Mojave-Klapperschlange in schützende Felsspalten, Felshöhlen oder in Nagerbauten zurück. Auf Nahrungssuche gehen Mojave-Klapperschlangen überwiegend am Tage, im Sommer eher in der Nacht oder der Dämmerung. Daher auch die senkrecht geschlitzten Pupillen. Mojave-Klapperschlangen beanspruchen ein Streifrevier in einer Größe von zwei bis vier Hektar. Auch wenn der Mensch die Mojave-Klapperschlange wegen der potentiell gefährlichen Bisse eher als Schädling sieht, gehört sie dennoch zu den nützlichen Tieren. Sie hält vor allem die Population diverser Nagetiere, ihrer Hauptbeute, in Schach. Mehr dazu im Kapitel Ökologie.

Gift

Untersuchungen zufolge kommt es in den USA pro Jahr zu rund 8.000 Bissen von Giftschlangen. Ein Teil dieser Giftbisse ist auf die Mojave-Klapperschlange zurückzuführen. In Kalifornien und Arizona kommt es am häufigsten Bissunfällen mit der Mojave-Klapperschlange, da sich hier ihr Verbreitungsgebiet konzentriert. Zu Todesfällen kommt es dabei relativ selten, da meist schnell ein Antivenin verabreicht wird. Ein Antivenin ist ein Immunserum, das speziell für die Behandlung von Giftschlangenbissen entwickelt wurde.

Das Gift dieser Schlangenart ist hoch giftig und enthält verschiedene Toxine - zum einen ein Neurotoxin, welches die Herz- und Lungenfunktion unterdrückt und zum anderen ein Hämotoxin, das schädigend auf die Blutgefäße und andere Gewebe sowie besonders das Blut selbst wirkt. Das Gift der Mojave-Klapperschlange weist nur eine mittelschwere Lokaltoxizität auf. Die Zusammensetzung des Giftes kann je nach Verbreitungsgebiet stark variieren. Man unterscheidet bei der Mojave-Klapperschlange zwischen einem Gift Typ A und Typ B. Typ A enthält das sogenannte Mojave-Toxin, das eine neurotoxische Wirkung entfaltet. Typ B ist ein Hämotoxin, das neben hämorrhagischen auch proteolytische Bestandteile enthält. Die Symptome reichen von starken Schmerzen und Schwellungen, über Nekrosen und Störungen bei der Blutgerinnung bis hin zu Blutdruckabfall, Erbrechen und Übelkeit. Die Mojave-Klapperschlange ist weit weniger beißfreudig als andere Klapperschlangen. Allerdings ist ihr Giftbiss ernster zu nehmen, als beispielsweise der einer Texas-Klapperschlange (Crotalus atrox). Die gängigen Crotalus-Antivenine besitzen keine spezifische Gegengiftwirkung gegenüber den neurotoxischen Komponenten des Schlangengiftes der Mojave-Klapperschlange. [Trutnau, 2002.]

Unterarten

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Huamantlan-Klapperschlange Crotalus scutulatus salvini Günther, 1895 unbekannt in den mexikanischen Bundesstaaten:
Queretaro, Tlaxcala, Puebla, Vera Cruz
Mojave-Klapperschlange Crotalus scutulatus scutulatus Kennicott, 1861 unbekannt südwestliche USA und
Nord- und Zentralmexiko

Verbreitung

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Die Mojave-Klapperschlange ist in den südwestlichen US-Bundesstaaten und in Teilen von Mexiko beheimatet. In den USA werden insbesondere die Bundesstaaten Kalifornien, Nevada, Arizona, New Mexiko und Texas. In Mexiko kommt die Mojave-Klapperschlange weitflächig in nördlichen und zentralen Landesteilen vor. Die Unterart Huamantlan-Klapperschlange (Crotalus scutulatus salvini) ist in den mexikanischen Bundesstaaten Querétaro, Tlaxcala, Puebla und Vera Cruz verbreitet. Bewohnt werden eine Reihe von Habitaten wie Grasland, die Ränder von Wüsten, lichte Wälder und felsige und steinige Habitate.

Prädatoren

Mojave-Klapperschlangen stehen zwar am oberen Ende der Nahrungskette, dennoch haben auch sie, und andere Klapperschlangen, einige Feinde. Zu den natürlichen Fressfeinden adulter Mojave-Klapperschlangen gehören unter anderem Rotluchse (Lynx rufus), Greifvögel (Falconiformes), Kojoten (Canis latrans) und andere Klapperschlangen (Crotalus). Unter den Klapperschlangen gehört vor allem die Texas-Klapperschlange (Crotalus atrox) zu den natürlichen Fressfeinden. Auch der Wegekuckuck (Geococcyx californianus) ist für die Schlange ein potentiell gefährlicher Gegner.

Jungschlangen werden vor allem von Greifvögeln (Falconiformes) und räuberisch lebenden Vögeln gefressen. Oftmals werden Mojave-Klapperschlangen auch in ihren Winterquartieren von Fressfeinden aufgespürt und gefressen. Die Mojave-Klapperschlange verlässt sich insbesondere auf ihre ausgezeichnete Tarnung und hält sich während der Ruhephasen an geschützten Orten verborgen. Fühlt sich die Schlange bedroht so rasselt sie für Klapperschlangen typisch mit der Schwanzspitze und gibt zischende Laute von sich. An letzter Stelle stehen dann Abwehrbisse, die für einen Angreifer oder auch einem Menschen tödlich enden können, da sie zu den potentiell gefährlichsten Klapperschlangen gehört.

Ernährung

Hausratte (Rattus rattus)
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Hausratte (Rattus rattus)

Die Mojave-Klapperschlange ernährt sich als Lauerjäger überwiegend von kleinen Säugetieren. Dazu gehören insbesondere Mäuse (Mus), Ratten (Rattus), Eichhörnchen (Sciurus), Kaninchen und Tiere ähnlicher Größe. Hauptnahrung bilden in jedem Fall Nagetiere (Rodentia). Gelegentlich werden auch Vögel, Amphibien und Reptilien erbeutet.

Die Schlange findet ihre Beute wie alle Grubenottern zum einen über ihren Geruchssinn und zum anderen über das sogenannte Grubenorgan. Grubenorgane sind wärmeempfindliche Rezeptoren, mit denen die Mojave-Klapperschlange ihre Beute über die Wärmeabstrahlung lokalisiert. Die Grubenorgane liegen in etwa zwischen den Nasenlöchern und den Augen. Gerüche werden über die gespaltene Zunge wahrgenommen. Das Beutetier wird gebissen. Dabei wird über die hohlen Giftzähne ein hochwirksames Toxin verabreicht, an dem das Beutetier stirbt. Je nach Verbreitungsgebiet handelt es sich bei dem Gift der Mojave-Klapperschlange um ein Neurotoxin oder um ein Hämotaxin mit proteolytischen Bestandteilen. Wie für Schlangen üblich, wird die Beute mit dem Kopf voran im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

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Mojave-Klapperschlangen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa drei bis vier Jahren. Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe und erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet von Februar bis April, streckenweise auch bis in den Mai hinein. Mojave-Klapperschlangen gehören zu den ovoviviparen Schlangen, das heißt die Entwicklung der Eier erfolgt im Leib des Weibchens und die Jungschlangen schlüpfen über die Kloake. Pro Saison kommt es dabei nur zu einem Wurf. Als einzelgängerisch lebende Schlangen treffen die Geschlechter nur zur Paarungszeit aufeinander. Ein Männchen lokalisiert ein paarungsbereites Weibchen über den Geruchssinn. Konkurrieren mehrere Männchen um ein Weibchen, so kommt es zu zum Teil heftigen Kommentkämpfen.

Nach einer Tragezeit von gut vier bis fünf Monaten bringt das Weibchen je nach Alter und Ernährungszustand an einer geschützten Stelle zischen 5 und 15, selten auch bis 20 Jungschlangen zur Welt. Die Jungschlangen weisen eine Geburtslänge von 24 bis 28 Zentimeter auf. Sie sind mit dem Schlupf auf sich alleine gestellt, eine Brutpflege wird seitens des Weibchens nicht betrieben. In den ersten beiden Jahren kommt es bei den Jungschlangen zu zwei bis vier Häutungen pro Jahr. Bei jeder Häutung wächst das Endglied des Schwanzes um ein Element. Später kommt es nur noch zu einer Häutung pro Jahr. Die Lebensdauer der Mojave-Klapperschlange liegt unter günstigen Umständen bei bis zu 15 Jahren. In Gefangenschaft ist auch ein Alter von bis zu 20 Jahren möglich.

Ökologie

Mojave-Klapperschlangen spielen in ihrem Ökosystem eine wichtige Rolle, da sie die Populationen insbesondere von Nagetieren reduzieren. Dieses wirkt sich vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen positiv aus. In der Medizin nutzt man das Gift dieser Schlange und anderer Klapperschlangen, um daraus ein Antivenin zu gewinnen. Da ein Immunserum aus tierischem Eiweiß besteht, kann es bei Anwendung zu Immunreaktionen und allergischen Nebenwirkungen kommen. In Zoos und Vivarien sind Klappenschlangen aufgrund ihrer Giftigkeit im allgemeinen ein Publikumsmagnet, Furcht und Faszination liegen hier eng beieinander. Aber auch in privater Haltung sind Klapperschlangen wie die Mojave-Klapperschlange häufig zu finden. Dies ist selbstverständlich nur etwas für Reptilienspezialisten, da ein Biss der Mojave-Klapperschlange durchaus tödlich enden kann, vor allem für Kinder, Kranke und geschwächte Menschen.

Gefährdung und Schutz

Die Mojave-Klapperschlange scheint in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete noch nicht gefährdet zu sein. Daher wird sie in der Roten Liste der IUCN nicht geführt. Jedoch wirken sich die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die starke Bejagung langfristig negativ auf die Bestände in Freiheit aus.

Anhang

Siehe auch

Literatur

  • Mark O'Shea, Giftschlangen. Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Franckh-Kosmos Verlag, 2006 - ISBN 3440106195
  • Ludwig Trutnau, Schlangen im Terrarium, in 2 Bdn., Bd.2, Giftschlangen,
    Verlag: Ulmer (Eugen); Auflage: 4., Aufl. (2002) - ISBN 3800173719
  • W. P. Mara, Das Große Buch der Giftschlangen, Verlag: Bede (Februar 2002) - ISBN 3927997536
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