Missulena occatoria

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Missulena occatoria
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Unterklasse: Micrura
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Opisthothelae
Teilordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Überfamilie: Avicularoidea
Familie: Falltürspinnen (Actinopodidae)
Gattung: Missulena
Art: Missulena occatoria
Wissenschaftlicher Name
Missulena occatoria
Walckenaer, 1805

Missulena occatoria (Missulena occatoria) zählt innerhalb der Familie der Falltürspinnen (Actinopodidae) zur Gattung Missulena. Im Englischen wird Missulena occatoria Red-headed Mouse Spider genannt. Missulena occatoria wird häufig mit Misgolas montana und mit der Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) verwechselt. Die beiden letztgenannten Arten werden oft auch fälschlicherweise der Familie der Falltürspinnen (Actinopodidae) zugeordnet. Ferner sind noch zwei weitere Spinnen aus der Gattung Missulena zu nennen, und zwar Missulena bradleyi und Missulena dipsaca, die ebenfalls leicht mit Missulena occatoria verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Im Allgemeinen erreichen die Tiere eine Körperlänge von ein bis drei Zentimeter, wobei das Weibchen größer erscheint als das Männchen. Der Körper erscheint bei beiden Geschlechtern recht plump. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa 2,5 Zentimeter und das Männchen eine Körperlänge von etwa 1,5 Zentimeter. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht ein deutlicher Sexualdimorphismus, so dass man meinen könnte, dass es sich um zwei verschiedene Arten handelt. Beide Geschlechter weisen einen glänzenden Körper sowie einen hohen breiten Kopf auf, wobei das Weibchen unterschiedlich gefärbt sein kann. Die Färbung reicht von einem tief glänzenden Schwarz bis zu einem Dunkelbraun. Die Cheliceren (Beisswerkzeuge) bei dem Weibchen können hin und wieder eine rötliche Tönung aufweisen. Ferner besitzt das Weibchen einen verkürzten Cephalothorax (Vorderkörper) sowie eine breite Streuung der Augen. Des Weiteren sind bei dem Weibchen die Cheliceren recht groß ausgeprägt und nach vorne ausgerichtet. Im Gegensatz zum Weibchen sind bei dem Männchen der Carapax (einheitlicher chitinöser Rückenschild) und die Cheliceren rötlich gefärbt. Die Grundfärbung des Männchens ist in der Regel grauschwarz. Der Hinterleib (Opisthosoma) weist bei beiden Geschlechtern eine metallisch dunkelblaue Färbung auf. Am Ende des Hinterleibes befinden sich zwei große und zwei kleine Spinnwarzen, die insgesamt bei dieser Art recht kurz und stumpf ausgebildet sind. Die Extremitäten bei dem Männchen zeigen unter anderem blaue Längsstreifen und sind im Verhältnis zum Weibchen ziemlich lang. Der Pedipalpenzwischenraum beträgt acht Millimeter bei dem Männchen und dreizehn Millimeter bei dem Weibchen. Das Weibchen ist langlebiger und verbringt ihr ganzes Leben in der Höhle.

Lebensweise

Der allgemeine Name der Mausspinnen wird vom irrtümlichen Glauben abgeleitet, dass diese Spinnen wie eine Maus tiefe Röhren oder Tunnels graben können. Wie alle Falltürspinnen, gräbt auch Missulena occatoria im Boden eine Höhle, häufig in der Nähe von Flüssen sowie von Nebenflüssen. Manchmal wird die Spinne auch in den Vorstadtgärten gefunden. Missulena occatoria errichtet doppelte oder einfache Falltüren, die mit einem Scharnierdeckel versehen sind. Der Unterschlupf besitzt zwei Ausgänge, die ovalförmig angelegt sind. Diese Art kann eine Höhle in einer Tiefe von ungefähr 30 Zentimeter graben, was für eine Spinne ungewöhnlich tief ist. Das Weibchen verbringt die meiste Zeit des Lebens in ihrer Höhle. Die Höhle wird meistens mit Lehm sowie mit Verdauungssäften und mit Spinnenseide stabilisiert. Im Allgemeinen ist das Weibchen eine ziemlich träge Spinne. Die Hauptaktivitätszeit des Weibchens liegt in der Abenddämmerung und in der Nacht.
Missulena occatoria - Männchen
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Missulena occatoria - Männchen
Das Weibchen kann reichlich Mengen in hohem Grade Gift produzieren, das möglicherweise so gefährlich ist wie das der Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus). Die Giftpotenz ist aber nicht so hoch wie bei den beiden Gattungen Hadronyche oder Atrax, sie kann aber bei Kindern eine letale Wirkung hervorrufen. Das Männchen wandert während des frühen Winters, insbesondere in den regenreichen Wintermonaten, um ein Weibchen für die Paarung zu finden. Missulena occatoria bevorzugt eine hohe Luftfeuchtigkeit, um mit ihren Buchlungen (Lungen) atmen zu können. Wenn die Spinne gestört wird, dann kann sie - wie für die Spinnenart üblich - eine bedrohliche Haltung einnehmen.

Verbreitung

Missulena occatoria ist fast auf dem gesamten Kontinent Australiens, außer im Bundesstaat Victoria sowie südlich und nördlich von Australien zu finden. Ferner ist sie auf Neu Guinea, mit Ausnahme Tasmanien, anzutreffen, vor allem westlich der Great Dividing Range. Great Dividing Range ist ein Großes Australisches Scheidegebirge. Dieses Gebirge wird auch Australische Kordilleren genannt. Es ist der größte Gebirgszug Australiens. Missulena occatoria bevorzugt flussnahe und gewässernahe Standorte. Die Spinne kann auch in trockenen Lebwensräumen vorkommen. Im tropischen Regenwald ist diese Spinnenart nicht anzutreffen. Während das Weibchen standorttreu ist, wandert das Männchen, besonders in den regenreichen Wintermonaten, um ein passendes Weibchen zu finden.

Ernährung

Insekten (Insecta) sind die wichtigste Beute der Spinne. Des Weiteren nimmt sie auch andere kleine Wirbeltiere und Spinnentiere (Arachnida) zu sich. Die Spinne lauert die Insekten hinter einer Falltür auf. Den Eingang verschließt die Spinne mit einer Art Falltür respektive mit einem Scharnierdeckel, der aus Spinnenseide, Erde und Pflanzenfasern besteht.

Feinde

Zu den natürlichen Feinden der Spinne gehören unter anderem parasitäre Wespen (Vespoidea), Australische Nasenbeutler (Peramelinae), Skorpione (Scorpiones) sowie Hundertfüßer (Chilopoda).

Fortpflanzung

Missulena occatoria - Männchen
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Missulena occatoria - Männchen

Das Männchen erreicht die Geschlechtsreife etwa mit vier Jahren. Während der Paarungszeit verläßt das Männchen seine Höhle, um eine passende Partnerin zu finden. Es ist ungewöhnlich, dass das Männchen im Gegensatz zu anderen Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae) während des Tages auf Wanderschaft geht, deren Männchen in der Regel in der Nacht wandern. Durch das Aufnehmen von Pheromonen des Weibchens, findet das Männchen zu seiner potentiellen Partnerin. Ist das Weibchen paarungsbereit, so kommt es zur Paarung. Die Paarung vollzieht sich innerhalb der Höhle des Weibchens. Das Männchen hebt nun den Vorderkörper des Weibchens, soweit nach oben, dass es mit den Bulben an die Geschlechtsöffnung der Unterseite des weiblichen Hinterleibs (Opisthosoma) kommt und diese in die Geschlechtsöffnung einführen kann. Dort übergibt das Männchen das Samenpaket und trennt sich wieder vom Weibchen. Nach erfolgreicher Paarung spinnt das Weibchen einen kissenförmigen Eikokon, in diesen Kokon legt sie etwa 60 Eier oder mehr ab. Der Eikokon befindet sich in einer extra angelegten Brutkammer der Höhle. Sie reinigt und wendet den Eikokon mehrmals am Tag. Ist der Eikokon in Gefahr, so wird der Eikokon vehement von ihr verteidigt. Nach etwa drei Wochen schlüpfen die Spiderlinge und werden noch einige Monate von dem Weibchen beschützt. Wenn die Spiderlinge die Selbständigkeit erreicht haben, dann verteilen sie sich über hunderte Kilometer durch eine Flugtechnik, die man auch Ballooning nennt. Auch diese Eigenschaft der Spinne ist im Gegensatz zu den anderen Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae) sehr selten. Dies erklärt auch die relativ breite Verteilung der Spinnenart im Vergleich zu anderen Arten.

Giftigkeit

Die Giftpotenz der Spinne ist nicht so hoch wie bei den Gattungen Hadrochyne oder Atrax. Das Gift kann aber bei Kindern eine letale Wirkung hervorrufen. Folgende Symptome können bei einem Biss der Spinne auftreten: Schwellungen, starker Juckreiz und ein heftiges Brennen. Das Männchen beißt im Gegensatz zu anderen Spinnen beim Anfassen sofort. Das Weibchen verhält sich im Vergleich zum Männchen nicht so aggressiv. Bei symptomatischen Vergiftungserscheinungen muss ein Trichternetzspinnen-Antivenin verabreicht werden. Auf jeden Fall ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Bis weitere Daten zur Verfügung stehen müssen Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden, wie zum Beispiel Pressbandagen und gebissene Extremitäten unbedingt nach unten lagern. Auch sollte das Gift an der betroffenen Stelle nicht ausgewaschen werden, da es zur Identifizierung des Giftes weiterhilft. Wegen ihrer Giftigkeit gehört diese Spinnenart nicht in Privathände, zumal die Haltungsbedingungen an die natürlichen Gegebenheiten nicht annähernd heranreichen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
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